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Aktualisiert: vor 14 Minuten 21 Sekunden

Feldman, Morton - Klavierwerke

31 Juli, 2018 - 07:47

#Notmetoo

Der Serbe Ivan Ilic überzeugt bei einer pianistischen Tour de force.

Morton Feldman war als Womanizer bekannt. Für seine Kompositionsschülerin Bunita Marcus hatte er stets hohes Lob und machte ihr 1981 einen Heiratsantrag, den sie aber ablehnte; gleichwohl blieben die beiden ‚on-off‘ miteinander verbunden (und Marcus war keineswegs Feldmans einzige ‚Muse‘, wie es der Booklettext freimütig vermerkt). 'To Bunita Marcus' ist eine 70-minütige pianistische Tour de force, die in einem Schwung zu spielen und zu hören ist. Ivan Ilićs Einlassung im Booklettext, man dürfe dem entgegenstehen, scheint, mit Blick auf das monumentale Klavierschaffen anderer, ein unnötiger Anbiederungsversuch. Lässt man sich ganz auf Feldmans Musik ein, die Ilić mit großer Autorität darbietet, auch wenn er auf diesem Gebiet keineswegs der erste und einzige ist – 2017 legte Marc-André Hamelin das Werk auf Hyperion vor (die v...

Tschaikowsky, Peter: Opera Collection - Complete Operas, Fragments & Incidental Music

29 Juli, 2018 - 06:37

Aus Moskaus Archiven

Diese Box ist ein Muss für alle Sammler und ein Geschenk für alle Liebhaber alter russischer Aufnahmen der 1930er bis 1950er-Jahre mit großen Solisten jener Zeit.

Das ist eine wirkliche Schatztruhe: die kompletten Opern und Schauspielmusiken von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky inklusive der Opernfragmente und so einigen Bonustracks. Dem Label Profil Edition Günter Hänssler ist mit diesen 22 CDs eine attraktive Box geglückt, die vor allem Fans historischer Aufnahmen glücklich macht. Die Aufnahmen sind überwiegend mit dem Orchester und Solisten des Moskauer Bolshoi Theaters eingespielt und stammen aus den Jahren 1936 bis 1963. Für Hörer, die mit historischen Aufnahmen wenig Übung haben, dürften der 'Eugen Onegin' (1936) und die 'Pique Dame' (1937) mit den größten Schwierigkeiten behaftet sein, weil hier das Knistern und gelegentliche Verzerren des Klangbildes in der Natur der Sache liegen. Alle übrigen Aufnahmen sind tontechnisch tadellos aufbereitet und lassen ihr Alter letztlich nur durch den interpretatorischen Stil und ...

Hans Rosbaud dirigiert - Werke von Weber und Mendelssohn

29 Juli, 2018 - 06:37

Frühe Romantik vom Spezialisten für die Moderne

Den Namen Hans Rosbaud verbindet man nicht unbedingt mit den Frühromantikern Weber und Mendelssohn Bartholdy – doch der Dirigent schätzte auch diese beiden Komponisten, wie die vorliegenden Aufnahmen zeigen.

Der Dirigent Hans Rosbaud (1895–1962) ist vor allem als Pionier der Neuen Musik bekannt geworden. Zu den zahlreichen Uraufführungen, die er leitete, gehörte unter anderem die szenische Premiere von Schönbergs unvollendeter Oper 'Moses und Aron' im Jahr 1957. Angesichts seines umfassenden Engagements für die (damals) zeitgenössische Musik gerät leicht in Vergessenheit, dass Rosbaud ebenso im klassisch-romantischen Repertoire zu Hause war – als ‚Universalist‘ bezeichnet ihn Wolfgang Schreiber in seinem Buch 'Große Dirigenten'. Gerade Werke des frühen 19. Jahrhunderts hatten es Rosbaud besonders angetan, wie man anhand der vorliegenden CD aus der SWR-Reihe 'Original SWR-Tapes Remastered' nachvollziehen kann. Zusammen mit dem SWR-Orchester Baden-Baden und zwei Klavier-Legenden (Robert Casadesus und Yvonne Loriod) interpretierte Rosbaud in den 1950er ...

Graupner, Christoph: Passionskantaten Vol.2 - Ex Tempore, Mannheimer Hofkapelle, Florian Heyerick

28 Juli, 2018 - 06:49

Fragile Kunst

Kantaten aus dem riesigen Werk Christoph Graupners vorzustellen, ist wirklich verdienstvoll – Florian Heyerick und seine Ensembles leisten eine wichtige Arbeit. Das klingende Ergebnis überzeugt, auch wenn es mitunter nicht ganz homogen wirkt.

Der 2018 bei cpo erschienene zweite Teil einer kleinen Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner (1683–1760) wartet mit fragiler Kunst auf: Ganz mit den Texten von Johann Conrad Lichtenberg und deren Theologie verschmolzen, oft in karger Besetzung und ebenso reduzierter expressiver Anmutung entfaltet sich die Musik. Drei Kantaten sind zu hören: 'Das Leiden Jesu von seinen Freunden' GWV 1122/41, dann 'Die gesegnete Vollendung der Leiden Jesu' GWV 1127/41 und schließlich 'Die schmähliche Verspottung' GWV 1170/41. Die vordergründig wenig wirksamen Werke laufen Gefahr, affektiv monochrom zu wirken: Vielleicht sollte man sie am besten portionsweise zu den dazugehörigen Tagen des Kirchenjahrs hören.

Diese vermeintlich einschränkende Warnung berührt die Qualität der Kompositionen nicht, im Gegenteil: Graupner ist hier als harmonisch und linear durc...

König Georg V. von Hannover und sein musikalischer Kreis - Werke von Marschner, Berlioz, Schumann, u.a.

27 Juli, 2018 - 08:32

Der blinde König

Eine erste Annäherung an eine weithin unbeachtete, musikalisch spannende Facette der deutschen Fürstengeschichte.

Georg V. war der letzte König von Hannover; nach nur fünfzehnjähriger ungeliebter Regentschaft musste der vom Volk ungeliebte Cousin Königin Victorias 1866 ins österreichische Exil fliehen und starb 1878 in Paris. Schon 1833 vierzehnjährig vollständig erblindet, war er musikalisch hochinteressiert und ein eifriger Komponist von rund 200 Liedern und Klavierstücken. Seinen Hofkapellmeister Heinrich Marschner beauftragte der König, die bedeutendsten musikalischen Köpfe nach Hannover einzuladen, unter ihnen Robert Schumann, Johannes Brahms, Hector Berlioz und Richard Wagner; dennoch blieb die Situation nicht ungetrübt – Marschner wurde 1859 entlassen. In Paris lernte Georg V. gegen Ende seines Lebens Gabriel Fauré kennen.

Die vorliegende CD (Clavier) erkundet einerseits die höfische Musik und präsentiert den König als begabten Komponisten von Lie...

Pütz, Ruth-Margret: Recital - Arias by Mozart, Nicolai, Donizetti, Verdi, Strauss

26 Juli, 2018 - 07:38

Entwaffnende Charmeoffensive

Diese Zusammenstellung mit Aufnahmen von Ruth-Margret Pütz ist ein wertvolles Dokument einer wichtigen deutschen Sängerin der Nachkriegszeit, die nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Denen, die Ruth-Margret Pütz nicht mehr auf einer Opernbühne erleben konnten, ist die deutsche Sopranistin vor allem aus den zahlreichen deutschsprachigen Opernquerschnitten bei Electrola in Erinnerung: als herrliche Madeleine im 'Postillon von Lonjumeau' mit Nicolai Gedda, als Olympia an der Seite von Rudolf Schock, im kompletten 'Il Barbiere di Siviglia' mit Hermann Prey und Peter Schreier oder in der unübertroffenen Gesamtaufnahme von Otto Nicolais 'Die lustigen Weiber von Windsor' mit Gottlob Frick und Fritz Wunderlich – um nur ein paar wenige ihrer glanzvollen Tondokumente zu nennen.

Eine Schallplatte mit Opernarien von Mozart bis Puccini hat Electrola noch immer nicht auf CD herausgebracht. Das ändert aber jetzt das Label Profil Edition Günter Hänssler, indem es einen Großteil jener vergriffenen Platte als CD-Premieren veröffentlicht und durch Auss...

Dvorak, Antonin - Sinfonie Nr. 1

25 Juli, 2018 - 08:41

Ungekürzt

Die Fortsetzung von Marek Štryncls Dvorák-Sinfonien-Zyklus überzeugt interpretatorisch mehr als klanglich und in der Ausstattung.

Vor acht Jahren hat Tobias Pfleger eine Besprechung von Antonín Dvořáks Sinfonien Nr. 7 und 8 mit dem Orchester Musica Florea unter der Leitung von Marek Štryncl auf klassik.com vorgelegt – er lobte die orchestrale Leistung, meinte aber, der Dirigent verliere sich manchmal im Detail (eine Eigenschaft, die auf viele neuere Einspielungen zutrifft, wohl bedingt durch einen allzu sehr auf orchestrales ‚Polish‘ geeichte Hörweisen). Die Interpretation der Sinfonie Nr. 1 c-Moll (gekoppelt mit dem Nocturne H-Dur op. 40) vom November 2015, die die verdienstvolle historisch informierte Sicht auf Dvořák fortsetzte (mittlerweile liegen auch die Zweite und die Neunte historisch informiert musiziert vor), bringt Dvořáks sinfonischen Erstling ungekürzt, wiederholt im Kopfsatz die lange (und schwierige) Exposition und benötigt so sechs (!) Minuten länger als manc...

Mozart, Wolfgang Amadeus: Sämtliche Streichquartette - Leipziger Streichquartett

25 Juli, 2018 - 08:41

Gediegener Mozart

Das Leipziger Streichquartett ist bei den Mozart-Quartetten eine sichere Bank.

Dass das Leipziger Streichquartett mit zu den führenden Quartettformationen in Deutschland gehört, braucht nicht nur aufgrund der ausgedehnten und stetig zunehmenden CD-Einspielungen bei MDG kaum noch erwähnt zu werden. Und so ist auch diese, 1999 begonnene, nach fast 20 Jahren nun abgeschlossene Gesamteinspielung der Streichquartette von Wolfgang Amadeus Mozart ein Zeugnis wohlbalancierter, hochüberlegter, mit traditionellen Vorzügen gesegneter Quartettkunst. Einziges kleines Manko ist da höchstens, dass die 8-CD-Box an den Seiten mit zwar verdienten lobenden Worten der Kritik bedruckt ist, Angaben zum Aufnahmeort oder den Orten im ansonsten gewohnt überzeugenden Booklet aber fehlen. Dass diese Einspielung der 23 Quartette Mozarts über einen derart langen Zeitraum entstand, macht sich nämlich nicht nur im jeweils sachte variierenden Klangbild bemerkbar, sondern spiegelt sich auch in der f...

Edita Gruberová - Unreleased recordings - Münchner Rundfunksinfonieorchester

24 Juli, 2018 - 07:16

Unveröffentlichtes zum Jubiläum

Der Bayerische Rundfunk hat in den Archiven gewühlt und neben den zu erwartenden Donizetti- und Bellini-Dauerbrennern auch wirkliche Gruberová-Raritäten ans Licht befördert.

Zum 50-jährigen Bühnenjubiläum von Edita Gruberová hat der Bayerische Rundfunk bislang unveröffentlichte Liveaufnahmen mit dem Stimmwunder aus Bratislava auf CD beim hauseigenen Label herausgebracht. Bei der Etikettierung 'Unreleased Recordings' steigt natürlich die Spannung, was da aus den Archiven ans Licht geholt wurde – und tatsächlich bietet die ordentlich gefüllte Silberscheibe neben den zu erwartenden Donizetti- und Bellini-Dauerbrennern auch wirkliche Gruberová-Raritäten, allesamt begleitet vom routinierten Münchner Rundfunkorchester.

Gleich zu Beginn stehen drei geistliche Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Michael Haydn, die bei einem Konzert im Dezember 1995 in der Münchner Philharmonie mitgeschnitten wurden. Das komplette 'Exsultate, jubilate' zeigt, weshalb Edita Gruberová eine gefeierte Mozart-Interpretin war. Die l...

Schumann, Robert - Lieder

24 Juli, 2018 - 07:16

Überexpressiv

Der Bariton Thomas Oliemans will interpretatorisch zu viel – sein Klavierpartner entschädigt.

Lieder von Robert Schumann sind nicht wirklich ein unbestelltes Feld, auch wenn die Opera 89 und 90 von 1850 nicht so sehr im Fokus des Interpreteninteresses liegen. So ist es umso bedauerlicher, dass der sensible Beitrag Paolo Giacomettis auf Hammerflügeln von Conrad Graf bzw. J. B. Streicher durch den allzu wabernden Bariton des Niederländers Thomas Oliemans stetig konterkariert wird: Keine einzige Liedphrase erfährt klare Linienführung – der Wille zur ‚Expression‘ vertraut nicht der Musik. Wo Peter Pears Persönlichkeit in seine Gestaltung legen konnte, spürt man bei Oliemans vor allem die Manier; außerdem sind seine Register nicht besonders miteinander verbunden bzw. vielleicht auch bewusst gegeneinandergesetzt. Am besten gelingen die ganz leisen Töne, wenn er nichts forcieren muss und der Ausdruck ungefiltert fließen kann. Immer wieder wünscht man sich, man k&o...

Hymne au Soleil - Chorwerke von Lili Boulanger

22 Juli, 2018 - 07:01

Hymne à Lili

Das Orpheus Vokalensemble zeigt mit einer großen Auswahl von Chorwerken die facettenreiche Schaffenskraft Lili Boulangers.

Neben der Entwicklung neuer Ausdrucksmöglichkeiten ist die Musikwelt auch stetig auf der Suche nach in der Geschichte vergrabenen Schätzen. In den letzten Jahren richtete sich der Fokus verstärkt auf zu Unrecht in Vergessenheit geratene Komponistinnen insbesondere des 19. Jahrhunderts. Einen Namen machen sich dabei besonders die Schwestern Lili und Nadia Boulanger mit ihrer für damalige Zeiten avantgardistischen Tonsprache. Das Œuvre der viel zu früh verstorben jüngere Schwester Lili (1893–1918) besteht überwiegend aus Vokalwerken, von denen das Orpheus Vokalensemble einen Großteil auf seiner neuen, beim Carus Verlag erschienen CD 'Hymne du Soleil' versammelt.

Die 24 Sänger des 2005 gegründeten Ensembles widmen sich gern originellen Projekten. Für das vorliegende Album haben sie sowohl mit der Wahl des Pianisten Antonii Baryshevskyi als auch des Dir...

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Lieder im Freien zu singen

21 Juli, 2018 - 06:41

Romantik oder Biedermeier – oder beides?

Frieder Bernius und der Kammerchor Stuttgart reüssieren mit den 'Liedern im Freien zu singen' von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Frieder Bernius ist seit 50 Jahren ein angesehener Chorleiter, dessen Aufnahmen mit dem Stuttgarter Kammerchor eine Reihe von Preisen gewonnen haben. Und jetzt diese Aufnahme (wie stets beim Label Carus) – macht er sie, um seine Mendelssohn-Einspielungen zu komplettieren? Und wie stehen wir zu solchen Stücken, wo wir doch auf Quasi-Volkslieder und ihre romantische Aussage lieber etwas spöttisch herabblicken?

Die Zeit zwischen den Befreiungskriegen von Napoleon, der Restaurationszeit und den Revolutionsversuchen im deutschsprachigen Raum wird allgemein als Biedermeierzeit bezeichnet – und der Begriff hat durchaus etwas Spießiges und damit Pejoratives. Noch heute wird über die damalige Chorbewegung mit Friedrich Zelter in Berlin oder gar Friedrich Silcher in Tübingen an der Spitze gelächelt, mit spezieller Herablassung gegenüber den Männerchören. Die Gründe liegen...

Charles Gounod: Geistliche Chorwerke - Kammerchor Vocalisti, Tobias Götting (Orgel), Hans-Joachim Lustig

21 Juli, 2018 - 06:41

Köstlich

Eine lohnende Wiedervorlage mit geistlicher Musik von Gounod, gesungen vom Kammerchor I Vocalisti – lohnend vor allem wegen ‚Le sept paroles du Christ sur la croix‘ und manch köstlicher Kleinigkeit.

Charles Gounod wird in der Gegenwart sicher nicht als Sakralkomponist wahrgenommen. Und wenn doch, dann im Wesentlichen seiner Cäcilien-Messe wegen. Doch schrieb er in den verschiedensten Schaffensperioden weit mehr Messen und geistliche Gelegenheitskompositionen. Einige davon hat Hans-Joachim Lustig vor etwas mehr als zehn Jahren mit seinem Kammerchor I Vocalisti aufgenommen. Die Produktion wurde jetzt, zu Gounods 200. Geburtstag 2018, neu aufgelegt. Zu hören sind die Messen Nr. 5 und 7, dazu, ebenfalls orgelbegleitet, zwei weihnachtliche Stücke mit den Titeln 'Noël' und 'Béthléem'. Am Schluss stehen ein englischer Evening Service aus Magnificat und Nunc dimittis und ein Pater noster. Im Zentrum ist ein unbegleiteter Satz zu hören: 'Le sept paroles du Christ sur la croix'.

Die Messen sind schlicht in ihrer Grundanmutung, gesammelt und effektvoll: einfach praxis...

von Bausznern, Waldemar: Kammermusik Vol.2 - Maria Bengtsson, Berolina Ensemble

20 Juli, 2018 - 08:54

Eine Fülle hübscher Einfälle

Waldemar von Bausznerns Kammermusik ist hier in einer sehr ansprechenden Einspielung des Berolina Ensembles zu entdecken.

Wirklich wunderschön sind die acht Kammergesänge von Waldemar von Bausznern, aber: Sie sind nicht von ihm komponiert. Bausznern, der Name findet sich auch in den Varianten Baußnern oder Baussnern, hat hier alte Weisen unterschiedlichster Herkunft bearbeitet, vier französische Texte, drei deutsche und einen italienischen – das berühmte 'Se tu m‘ami', an dem kein Gesangsschüler vorbeikommt. Bausznern (1866–1931) schrieb dazu im Jahr 1906 eine aparte Begleitung nicht mit Klavier, sondern mit Streichquartett, Flöte und Klarinette. In der Neuaufnahme des Berolina Ensembles mit der Sopranistin Maria Bengtsson klingt das großartig. Die Melodien – Waldemar von Bausznern hat sich immerhin ganz wunderbare, schlichte Weisen ausgesucht – schweben fast schwerelos, da das Cello eine Bassfunktion höchstens sehr dezent ausübt und alle Instrumente leichtfü&...

Sabaneev, Leonid: Die Werke für Klavier Vol.2 - Michael Schäfer, Piano

20 Juli, 2018 - 08:54

Hochexpressive pianistische Grenzbereiche

Auf dieser zweiten Folge mit Klavierwerken von Leonid Sabanejew kommt es bisweilen zu Momenten dynamischer Erschöpfung im Dauer-Fortissimo. Insgesamt sind die Werke dennoch hörenswert.

Michael Schäfer ist ‚nur‘ Professor für Klavierspiel, doch seine Tätigkeit als Musikforscher würde wohl für eine weitere Habilitationsschrift in Musikwissenschaft ausreichen. Schon seit Jahren sucht und findet Schäfer Klavierwerke (und Kammermusikwerke) von Komponisten, die unbekannt oder sogar völlig in Vergessenheit geraten sind. Nicht immer stößt er dabei auf erstklassige Musik, so manches Werk mag auch aus verständlichen Gründen vernachlässigt worden sein. Doch mit den Kompositionen von Leonid Sabanejew (1881–1968) hat Schäfer wahre pianistische Edelsteine entdeckt, die ihren Rang neben Rachmaninow und Skrjabin mühelos behaupten können. Auf der vorliegenden zweiten CD mit Klaviermusik Sabanejews befindet sich als zentrales Werk die halbstündige Sonate op. 15, die im Jahr 1916 entstand. Von ähnlicher Ausdehnung ist 'Passacag...

Salieri und Mozart - Prima musica e poi le parole / Der Schauspieldirektor

19 Juli, 2018 - 06:44

Quirliges Offstage-Spektakel

Nikolaus Harnoncourt und sein Ensemble zünden mit großer Leichtigkeit und einer Extraportion Charme zwei viel zu selten gespielte Offstage-Feuerwerke.

Es muss ein Ereignis der besonderen Art gewesen sein: Joseph der II. ließ in der Frage ‚Deutsches Singspiel oder italienische Oper?‘ zwei Musiktheaterwerke im Vergleich erklingen – in ein und demselben Raum. Antonio Salieri komponierte für diesen Anlass sein Divertimento 'Prima la musica e poi le parole' und Mozart steuerte die Musik zum 'Schauspieldirektor' bei. Die Komponisten dirigierten die Vergleichsaufführung damals in der Schönbrunner Orangerie sogar selbst. Nikolaus Harnoncourt hat bereits 1987 diese Stückkombination für die Platte eingespielt. Fünfzehn Jahre später ließ er beide Werke im Konzert nacheinander erklingen. Dieser Mitschnitt vom 3. Februar 2002 in Salzburg ist auf zwei CDs beim Label Belvedere erschienen.

Vom 'Schauspieldirektor' gibt es einige Aufnahmen, die aber in den allermeisten Fällen die gesprochenen Dia...

Bach, Telemann, Fasch: Cantatas for Baritone - Christoph Prégardien, Vox Orchester, Lorenzo Ghirlanda

19 Juli, 2018 - 06:44

Baritonaler Ausflug

Eine erstklassige Deutung von Christoph Prégardien und dem Vox Orchester – und ein bemerkenswertes Debüt des Orchesters und vernehmliches Signal Prégardiens im Bariton-Fach.

Christoph Prégardien als Bariton? Beim Blick auf das Cover der jetzt bei Deutsche Harmonia Mundi erschienenen Platte mit Kantaten und Orchestersuiten von Telemann, Fasch und Bach kommt man ins Grübeln: Steht beim famosen Tenor Prégardien ein Fachwechsel analog etwa zu dem Plácido Domingos an? Oder ist es ein eigentlich plausibler Ausflug? Da über Ersteres nichts bekannt ist und auch das inhaltlich ohnehin schmalbrüstige Booklet sich zu diesem – der Blick auf das reichlich gemischte Programm legt das noch einmal besonders nah – mit Abstand am meisten interessierenden Aspekt der Produktion beharrlich ausschweigt, müssen Plausibilitäten geprüft werden.

Erstens das Repertoire: Da sind zwei schmale Telemann-Kantaten zu hören, 'Was gibst du denn, o meine Seele?' TWV 1:1510 und 'Jesus liegt in letzten Zügen' TWV 1:983, die keineswegs...

Kontrabasskonzerte - Werke von Rota, Bloch und Bruch

18 Juli, 2018 - 08:38

Nicht bloß apologetisch

Drei weniger relevante Werke der Kontrabassliteratur, ausgezeichnet interpretiert.

Konzerte für Kontrabass und Orchester gibt es nicht viele – so ist denn auch das einzige Originalwerk, das hier vorgelegt wird, ein Divertimento concertante von Nino Rota – ein entzückendes viersätziges Unterhaltungswerk altmodisch-gefälligen Stils, vergleichbar der 'Symphonie classique' von Sergei Prokofiev. Das 1967–70 entstandene Werk, das seine Entstehungszeit musikalisch Lügen straft, bietet, wie der Titel sagt, einen konzertanten Solopart, in dem Bogusław Furtok, Solobassist des hr-Sinfonieorchesters, in bester Fühlung mit ‚seinem‘ Orchester, sein Instrument bestens einzusetzen weiß.

Um sein Konzertrepertoire zu erweitern, hat Furtok zwei ‚Schlager‘ der Celloliteratur, Ernest Blochs 'Schelem'“ und Max Bruchs 'Kol Nidrei' für sein Instrument eingerichtet. Was zunächst als apologetische Formulierung...

Frühling, Carl: Klarinettentrio op.40 - Davide Bandieri, Marja-Liisa Marosi, Joel Marosi

18 Juli, 2018 - 08:38

Verhaltene Expressivität

Die Neuaufnahme der Klarinettentrios von Carl Frühling und Alexander Zemlinsky kann nur teilweise überzeugen.

Davide Bandieri spielt mit sehr dunklem und glatten Ton, klanglich würde man niemals auf etwas anderes als einen deutschen oder österreichischen Klarinettisten tippen. Somit trifft der Italiener im Grunde genau den richtigen Ton für die Trios a-moll op. 40 von Carl Frühling und d-moll op. 3 von Alexander Zemlinsky, zwei Werke ganz entschieden in der Brahms-Tradition, die er hier mit Joël Marosi am Cello und Marja-Liisa Marosi am Flügel aufgenommen hat (Brilliant classics). Nach einer Weile allerdings wirkt dieser Klang eigenartig, denn er bleibt bei allen drei Musikern extrem kontrolliert, ein wirkliches Ausbrechen gibt es selbst an den expressivsten Stellen nicht. Dabei ist diese um 1900 komponierte Musik doch eigentlich ziemlich expressiv und kommt in dieser Interpretation letztlich doch etwas zu verhalten daher, bei Zemlinsky vor allem. Auch die Artikulation könnte lebhafter, spritziger sein, der...

von Hausegger, Siegmund - Sinfonische Werke

17 Juli, 2018 - 07:01

Rettung durch Begeisterung

Kapellmeister-Musik? Wie Mahler ist Hausegger ein Idealist durch und durch, zudem ein brillanter Instrumentator. Entsprechende Qualitäten dreier programmatischer Partituren führt Antony Hermus mit den Bamberger Symphonikern beeindruckend vor.

Zwischen biedermeierlicher Monumentalität und Nietzsches ekstatischer Lebensphilosophie sind Hauseggers symphonische Dichtungen angesiedelt, den vorhergehenden und parallelen Orchestermusiken von Richard Strauss darin in Milieu, Ausdruckswillen und unverkennbar auch klanglichem Idiom direkt benachbart. In der 'Dionysischen Phantasie' des im Entstehungsjahr 1896 erst rund 24jährigen Komponisten mag man ein zeittypisches chromatisches Vagieren à la Richard Wagner heraushören, geht es doch um Ausdruckskraft, musikalischen Ausdruck und kraftvolle Leidenschaft gerade nicht sprachlich vermittelter Gefühle; natürlich spielte für Hausegger auch die Lektüre von Nietzsches ‚Geburt der Tragödie‘ – nämlich ‚aus dem Geiste der Musik‘ – eine zentrale Rolle. Auf den Abdruck eines begleitenden 36strophigen (!) Gedichts im Booklet wurde leider verzichtet, ...