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Aktualisiert: vor 1 Stunde 45 Minuten

Ives, Charles - Sinfonie 3+4 / The Unanswered Question

5 Juni, 2018 - 07:02

Schillernde Moderne

Ludovic Morloc und Seattle Symphony bieten ein buntes Ives-Programm.

Einen Großteil der bunten Stilvielfalt von Charles Ives (1874-1954), der als amerikanischer Vater der musikalischen Moderne gilt, bannt diese Aufnahme mit dem Seattle Symphony unter seinem Musikdirektor Ludovic Morloc auf CD. Nicht nur die zusammengehörigen kurzen Stücke 'The Unanswered Question' und 'Central Park in the Dark', die zu den berühmtesten Werken des Versicherungskaufmannes aus Connecticut zählen, sind vertreten, sondern auch die zwei höchst unterschiedlichen Sinfonien Nr. 3 und 4, beide entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Bei aller absichtsvoll musikalisches Chaos stiftenden Collage-Methodik in der Vierten Sinfonie mit bis zu sechs unterschiedlich positionierten Orchestergruppen ist Morlocs Ansatz ein ganz sachlicher. Selbst die leisesten Stellen werden fein ausgehört, disparat nebeneinander laufende Schichten neutral gegeneinander gestellt, auch wenn z...

Cage, John - Sämtliche Werke für Flöte

5 Juni, 2018 - 07:02

Cage für Flöte

Die erste Kompletteinspielung von Cages Werken für Flöte ist eine zwiespältige Angelegenheit.

Die schon 2015 bei Naxos erschienene Einspielung präsentiert auf zwei CDs die gesamten Flötenwerke von John Cage. Der erste Teil ist eine Darbietung der Stücke 'Ryoanji' (Version für Flöte, Percussion und Tonband, 1984), 'Two' (1987), 'Three Pieces for Flute Duet' (1935) und 'Music for Two' (Version für Flöte und Klavier, 1984) und stellt so die Spätwerke der 1980er Jahre in den Fokus. Die deutsch-griechische Flötistin Katrin Zenz überzeugt mit einer herausragenden Atemtechnik, die vor allem an den mühelos ausgehaltenen Tonlängen und am Hauchansatz deutlich wird. Meisterhaft intoniert sie in 'Ryonaji' die Vierteltöne, die zu einem harmonischen Gesamtbild der meditativen Stimmung des Stückes beitragen. Die unregelmäßigen Rhythmus-Pattern zu Beginn und die leisen Einwürfe der Flöte sind sehr exakt ausgef&uu...

Gran Sestetto - Kammermusikwerke von Glinka, Tschaikowsky und Ljapunow

4 Juni, 2018 - 07:28

Russische Schätze zwischen Intensität und Intimität

Das Fabergé-Quintett und Ulrike Payer begeben sich auf einen Streifzug durch die russische Kammermusik und führen den Hörer in die Sextette von Glinka, Lyapunov und Tschaikowski ein.

Woran denkt man, Bezug nehmend auf die russische Kammermusik des 19. Jahrhunderts, wohl als erstes? An die Gruppe der Fünf? An Streichquartette? Die vorliegende Einspielung verdeutlicht relativ klar, dass man bei Klaviersextetten jedenfalls nicht auf diese Werke von Glinka, Lyapunow und Tschaikowsky verzichten sollte.

Glinka komponierte sein Sextett 1832 in Italien. Es beinhaltet sowohl schwungvoll kraftvolle, opernhafte Passagen als auch sehr lyrische und melancholische Abschnitte, die vielleicht am tiefsten in die ‚russische Seele‘ und den damals aufkommenden Nationalstil einblicken lassen. In den drei Sätzen entsteht öfters das Gefühl, dass es sich bei dieser Komposition eigentlich um ein Klavierkonzert mit kammermusikalischer Streicherbegleitung handelt, aber dieser Umstand erweist sich auf der Einspielung als Glücksfall. Während historischen Berichten zufolge die Pianistin der ...

Dupre, Marcel - Orgelwerke

4 Juni, 2018 - 07:28

Virtuos und plastisch

Werke für Orgel von Marcel Dupré

Die Werke für Orgel von Marcel Dupré sind keine gewaltigen Pompgesten. Dupré war u.a. Kompositionsschüler von Charles-Marie Widor, was man seinen Werken auch anhört. Die vorliegende CD (Triton) stellt Werke aus den Jahren 1912 bis 1941 vor und gibt somit einen exzellenten Einblick in die Entwicklung des Komponisten in dieser wichtigen Phase seines Schaffens. 

'Prélude et Fugue en sol mineur' op. 7 aus dem Jahre 1912 setzt einerseits eine romantische Orgeltradition fort, bewahrt jedoch auch polyphone Elemente. Die 'Symphonie-Passion' op. 23 aus dem Jahre 1924 verrät in ihrer zyklischen Form durchaus eine Tendenz zum Bildhaften, Programmmusikalischem, ganz anders als die 'Évocation' op. 37 aus dem Jahre 1941, die auf subtile Art rhythmisch raffiniertes Polyphones mit fast atonalem Tonmaterial mischt. Alain Bouvet liefert an der Orgel Cavaill&eac...

Nielsen, Carl - Konzerte für Flöte und Klarinette & Aladdin-Suite

3 Juni, 2018 - 08:00

Reizvolle Entdeckungen

Nicht die Sinfonien, sondern zwei Instrumentalkonzerte und die 'Alladin'-Suite von Carl Nielsen in einer sehr guten Einspielung.

Die Sinfonik des dänischen Komponisten Carl Nielsen wird derzeit durchaus beachtet. Sie ist spannend, herausfordernd und doch so anders als das, was in Mitteleuropa zur gleichen Zeit entsteht. Über diese Begeisterung hinweg wird fast vergessen, dass gerade auch seine Instrumentalkonzerte, vor allem dasjenige für Flöte und das für Klarinette, und seine Bühnenmusiken, etwa zu Adam Gottlieb Oehlenschlägers 'Aladdin' – diese Werke sind hier eingespielt – und seine Opern höchst reizvolle Entdeckungen darstellen. Die beiden genannten Konzerte, der Idee entsprungen, nach einem Bläserquintett für jedes der vertretenen Instrumente ein eigenes Konzert zu schreiben, werden immer wieder von Solistinnen und Solisten eingespielt, die das Besondere suchen. Doch die Bühnenmusiken sind längst nicht mehr gefragt. Sie sind aus der Theaterrealität verschwunden und ...

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 6

2 Juni, 2018 - 06:58

Mitreißend und überzeugend

Die vorliegende Aufnahme von Mahlers Sinfonie Nr. 6 durch das Minnesota Orchestra unter Osmo Vänskä ist ein Gewinn für jede Plattensammlung.

Oft sind es nur wenige Takte oder sogar Töne, die darüber entscheiden, ob einem Zuhörer ein Stück gefällt oder ob es eine gewisse Abneigung in ihm erzeugt. Auch wenn der erste Eindruck bekanntlich trügerisch sein kann und nicht immer der einzig wichtige sein muss, so bleiben doch meist jene Stücke mehr in Erinnerung, die von Anfang an überzeugt haben. Osmo Vänskä und dem Minnesota Orchestra ist es mit der vorliegenden Aufnahme auf dem Label BIS gelungen, diesen Anspruch auf beeindruckende Weise zu erfüllen. Die schonungslosen, ruppigen Akkordschläge, mit denen die Sinfonie eröffnet wird, lassen den Zuhörer von Anfang an spüren, welche musikalische Welt Mahler hier entstehen lässt, und bereits nach den ersten Tönen wird es verständlich, warum die Sinfonie den Beinamen 'Die Tragische' erhalten hat, auch wenn dieser nicht von Mahler selbst ...

Händel, Georg Friedrich - Coronation Anthems

2 Juni, 2018 - 06:58

Griffige Lesart

Eine attraktive Lesart von Händels Krönungsanthems, gekoppelt mit Auszügen aus der 1732er-Fassung seines Oratoriums 'Esther'

Ein dankbares Repertoire sind Händels vier Krönungsanthems, die auf den Händelfestspielen Göttingen 2014 beachtliche Statur machten; der Live-Eindruck tut den Werken gut, die ansonsten trotz allen Prunks gelegentlich etwas formalistisch geraten. Laurence Cummings gelingt mit dem NDR Chor und dem FestspielOrchester Göttingen eine griffige, repräsentative Lesart, die mit den besten Einspielungen des Werkkorpus in einer Reihe stehen kann (wenn es etwas zu bemängeln gäbe, dann höchstens, dass der Chor denn doch hörbar kein englischer ist). Ergänzt werden die Werke durch Auszüge aus Händels 'Esther' in der Fassung von 1732, deren vollständige Veröffentlichung unterblieben war (ein Mitschnitt von 2012, Cummings hatte diese Fassung 2007 vorgelegt). Auch hier ist der NDR Chor in frischer Form, das Orchester federt und bietet eine lebensvolle Wiedergabe der aus...

The Grand Duo - Violinwerke von Strauss, Dorman und Schubert

1 Juni, 2018 - 07:04

Fulminantes Debüt

So Jin Kim (Violine) und David Fung (Klavier) überzeugen mit Sonaten von Schubert, Strauss und Dorman.

Mit ihrer CD 'The Grand Duo' legen So Jin Kim (Violine) und Pianist David Fung ein fulminantes Debüt hin. Mit Werken von Franz Schubert, Richard Strauss und Avner Dorman halten sie sich an den bewährten Dreiklang aus Klassik, Romantik und Moderne und erzeugen so Abwechslung, Neugier und Konstanz zugleich. Eine herausragende Neuerscheinung dieser Saison des Leipziger Labels Genuin.

Die untypischerweise nur zweisätzige Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier des 1975 geborenen, israelischen Komponisten Avner Dormann beginnt mit verhaltener Intimität. Zarte Klänge am Klavier untermalen einzelne, ausgedehnte Töne an der Geige. Die Musik scheint hier fast still zu stehen.Der Satz ist mit 'Adagio religioso' übertitelt und diese Stimmung fangen die Interpreten punktgenau ein. So Jin Kim verfügt über einen lupenreinen, zarten und doch so intensiven Ton, der sich wunderb...

Bach, Johann Sebastian - Das wohltemperierte Klavier

1 Juni, 2018 - 07:04

Bestechend durchsichtig

Daniele Boccaccio hat auf der Kirchenorgel eine interessante Interpretation von Bachs 'Wohltemperiertem Klavier' vorgelegt.

Die Anzahl der Einspielungen von Johann Sebastian Bachs 'Wohltemperiertem Klavier' übersteigt das Vermögen eines Rezensenten, einen Überblick darüber zu erlangen. Die beiden Bücher des 'Wohltemperierten Klaviers' gelten als das ‚Alte Testament‘ der Musik für Tasteninstrumente. Die Wahl des Terminus ‚Clavier‘ führt allzu oft zu einem Missverständnis. Das Klavier war zur Zeit der Entstehung des Werkes noch gar nicht erfunden, der Begriff bezeichnet demzufolge alle Tasteninstrumente. Unter diesem Aspekt ist die Wahl der Kirchenorgel durchaus legitim. Die Wahl des konkreten Instruments, gerade bei der Orgel wichtig, fiel auf das von Francesco Zanin 2006 nach deutschen Vorbildern erbaute Instrument in der Kirche Sant'Antonio Abate im italienischen Padua. Daniele Boccaccio ist mit dem Werk Bachs in höchstem Maße vertraut. Boccaccio liefert bei de...

Russian Piano Concertos - Werke von Lyapunov, Rubinstein, Medtner, Kabalevsky, Bortkiewicz u.a.

31 Mai, 2018 - 08:42

Russisches für Neugierige

Zwar hinterlassen einige Aufnahmen einen nur mäßigen bis schwachen Eindruck, doch für Neugierige ist diese Box aufgrund der vielen unbekannten Konzerte interessant. Zudem enthält sie einige echte Schätze.

Auf CD 1 dieser neuen Box von Brilliant classics: Drei Konzerte von Sergej Ljapunow, dem man ja doch eher selten begegnet. Seine Konzerte allerdings muss man gehört haben: Ljapunow, selbst Pianist, wusste genau, wie man für Klavier schreibt, und bietet seinem Interpreten daher reichlich Virtuosenfutter, außerdem sind seine Werke aber voll eingängiger und auch lyrischer Themen, es gibt viele Soli im Orchestersatz. Man würde sich diese Konzerte auch mal hin und wieder im Konzertbetrieb wünschen. Es handelt sich hier um Aufnahmen von 2008 mit Shorena Tsintsabadze am Klavier und Dmitri Jablonskij am Pult des Russian Philharmonic Orchestra. Nicht so elegant wie die Einspielung von Hamish Milne und Martyn Brabbins (Die große Hyperion-Reihe 'The Romantic Piano-Concerto', Folge 30), dafür in vielem deutlicher und transparenter.

Dass die Kiste (15 CDs) ausgerechnet mit Ljapunow er&ou...

ATOS Trio - the czech album

31 Mai, 2018 - 08:42

Tiefe persönliche Betroffenheit

Das Atos Trio nimmt mit einer glühend intensiven Aufnahme zweier tschechischer Klaviertrio-Meisterwerke für sich ein.

Das Berliner Atos Trio ist bei seiner nach Ländern geordneten Reihe bei Farao, unter anderem mit Klaviertrios aus Frankreich und Russland, nun im tschechischen Repertoire angekommen. Annette von Hehn (Violine), Stefan Heinemeyer (Violoncello) und Thomas Hoppe (Klavier) haben sich zwei ‚Schlachtrösser‘ der tschechischen Kammermusik ausgesucht: das f-Moll-Klaviertrio op. 65 von Antonín Dvorák und Bedrich Smetanas Trio g-Moll op. 15 – emotional ungemein dichte Werke, die von persönlichen Schicksalen erzählen.

Das Atos Trio spürt der Tragik der beiden Werke ebenso feinfühlig nach, wie dem Hoffnungsschimmer, den dramatischen Zuspitzungen wie der Sehnsucht der hinreißenden Kantilenen in Violine oder Cello. So werden die beiden Meisterwerke der Trioliteratur mit Hochspannung, exakter Ensembleabstimmung und vor allem mit einem sensiblen Gespür für atmende...

Orchesterwerke - Werke von Tschaikowsky, Vaughan Williams und Schostakowitsch

30 Mai, 2018 - 08:58

Aus dem Nachlass Leopold Stokowskis

Auf verschiedene Weise sind die drei Stokowski-Konzertmitschnitte aus den Jahren 1954 bis 1961 mit Großbritannien verbunden.

Der phonographische Nachlass Leopold Stokowskis scheint fast unerschöpflich. Auch diesmal hat Guild Historical wieder eine spannende Sammlung zusammengestellt, die den Dirigenten mit einigen seiner besonderen Lieblinge zeigt: Tschaikowsky mit seiner 'Hamlet'-Ouvertüre aus der Londoner Royal Festival Hall 1959, Schostakowitschs 5. Sinfonie vom Edinburgh Festival 1961 sowie, aus New York 1954, Ralph Vaughan Williams‘ 'Five Variants of ‚Dives and Lazarus‘'. Leider beeinträchtigt der Rundfunkklang den Hörgenuss der Tschaikowsky-Ouvertüre beträchtlich, ist doch wohlbekannt, dass auch 1959 das London Symphony Orchestra über eine ausgezeichnete Orchesterkultur verfügte, die hier nicht zu ihrem Recht kommen kann. Doch Stokowskis dramatisch-lebensvolles Dirigat, das Engagement aller Beteiligten ist auch durch die ‚verzerrte Brille‘ zu hören. Jedweder Zw...

Schumann & Dvorak - Cellokonzerte

30 Mai, 2018 - 08:58

Gipfeltreffen der Cello-Legenden

Jacqueline du Pré und Mstislaw Rostropowitsch spielen die Cellokonzerte von Schumann und Dvořák in bisher nicht veröffentlichten Konzertmitschnitten von 1962.

Zwei der größten Cello-Legenden des 20. Jahrhunderts sind auf dieser neuen Platte zu hören: Jacqueline du Pré und Mstislaw Rostropowitsch. Die Konzerte von Schumann und Dvořák liegen von ihnen in gleich mehreren Einspielungen vor, diese Konzertmitschnitte allerdings wurden, so jedenfalls die Angabe auf der CD, bisher nicht veröffentlicht.

Rostropowitsch spielt das Dvořák-Konzert mit dem Dirigenten Carlo Maria Giulini, und mit diesen beiden und dem London Philharmonic Orchestra gibt es eine sehr berühmte Studioproduktion von 1977. Die Aufnahme dieser CD mit dem Philharmonia Orchestra, ebenfalls London also, ist ganze 15 Jahre älter und eben ein Konzertmitschnitt, und die Unterschiede zwischen beiden Versionen sind ungefähr so, wie man sie auch erwarten könnte. Grob gesagt: Die spätere Studioaufnahme ist in manchem präziser, der 1962er Konzertmi...

Lach, Robert - Sonaten und lyrische Stücke

29 Mai, 2018 - 08:59

Wechselvolle Geschichte

Eklektische Werke für Viola d’amore in einer Zeit des Umbruches.

Die wechselvolle Geschichte der Viola d’amore ist nicht allein mit Bach verbunden – die Pflege des Instruments im 19. und frühen 20. Jahrhundert (etwa in Meyerbeers 'Les Huguenots' oder Massenets 'Le jongleur de Notre-Dame') fand zumeist eher in Nischenbereichen statt. Der Österreicher Robert Lach (1874–1958) schuf zwischen 1912 und 1922 drei Sonaten für Viola d’amore und Klavier, die den ‚abweichenden‘ Klang des Instruments etwa im Vergleich zur normalen Viola in spätromantischer, teilweise arg Schumann nachhängender Manier erkundet (der Nachzügler in diesem Zusammenhang sind 'Neun lyrische Stücke' op. 23 von 1920 und 1923, die mehr nach Grieg denn nach Hindemith oder anderen Komponisten nach dem Ersten Weltkrieg klingen).

Der Bratschist Valerio Losito, der die Werke in der Österreichischen Nationalbibliothek entdeckt hat, b...

Brahms, Johannes - Arrangements für Cello und Klavier

28 Mai, 2018 - 08:35

Inniger Brahms

Die Brahms-Interpretationen von Francesco Dillon und Emanuele Torquati können nicht überzeugen.

Die vor kurzem erschienene CD aus dem Hause Brilliant Classics enthält Brahms‘ erste Violinsonate, sechs ausgewählte Lieder und neun 'Ungarische Tänze', gespielt von Francesco Dillon am Cello und begleitet von Emanuele Torquati. Die Transkriptionen für Cello stammen nicht von Brahms selbst, jedoch nicht schlecht arrangiert. Aber außer zu den Liedern passt das voluminös-dunkle Instrument nur wenig zu den charakterlichen Eigenschaften der Kompositionen. So überzeugen die virtuosen Darbietungen der Sonate nur wenig, da es an klanglicher Höhe fehlt und teils sehr mühsam und gequält klingt. Auch den 'Ungarischen Tänzen' fehlt es an Leichtigkeit und Temperament. Während die Phrasenschlüsse beiden Instrumentalisten sehr weich und schön gelingen, wirken die Phrasen innerhalb der Stücke meist sehr abgehackt. Teils stört auch das Schnarren de...

Galilei, Michelangelo - Il Primo Libro d'Intavolatura di Liuto

28 Mai, 2018 - 08:35

Der jüngere Galilei

Axel Wolf, Kammermusiker, Begleiter und Ensemblepartner von Rang, beweist mit Michelangelo Galileis Musik, dass er auch solistisch glänzen kann.

Die Galileis waren eine vielseitig begabte Familie: Die musische Begabung, in Theorie und Praxis ausgeprägt, kam von Vater Vincenzo. Und der berühmte Sohn Galileo reüssierte als einer der größten Gelehrten der Neuzeit auf vielen Feldern. Dessen jüngerer Bruder Michelangelo (1575-1631) schließlich wurde Lautenist und war als solcher lange Jahre erfolgreich am Münchner Hof beschäftigt. Er hat selbstverständlich Kompositionen hinterlassen. Und man könnte angesichts des theorielastigen Vaters und des naturwissenschaftlich geprägten Bruders argwöhnen, hier erklänge Musik, die noch deutlich der früheren Zuordnung dieser Kunst zu den mathematischen Wissenschaften nachfolgte und damit so etwas wie Klang gewordene Naturwissenschaft sei. Doch weit gefehlt: Michelangelo Galilei schrieb moderne, monodisch inspirierte Sätze von feinem Klangsinn und expressiven Quali...

Neuwirth, Olga - Goodnight Mommy

27 Mai, 2018 - 06:40

Horror aus Österreich

Für Sommerfeste auf keinen Fall zu empfehlen: Olga Neuwirths düsterer Soundtrack zu 'Ich seh Ich seh'.

Der psychologische Horrorfilm 'Ich seh Ich seh' ('Goodnight Mommy' lautet der englische Titel) von Veronika Franz und Severin Fiala gehörte 2014 ohne Zweifel zu einem der stärksten Beiträge des Jahres. Wieder einmal zeigte sich, dass aus Österreich stets mit besonders abgründigen Filmkunstwerken zu rechnen ist. Olga Neuwirths Soundtrack trägt zur atmosphärischen Dichte des Films in nicht unerheblicher Weise bei. Jener liegt auf diesem Album um gleich 13 Stücke ergänzt vor, die nicht im Film verwendet wurden.

Der präzise Booklet-Text von Stefan Drees beschreibt die verschiedenen Elemente der überwiegend klangflächig gehaltenen Stücke und ihr Zusammenwirken: Entfremdete Zitate aus Kinderliedern und von Franz Schubert, die Vermischung und Verzerrung natürlicher Klangquellen wie Glasharmonika, Klavier, Singende Säge oder Knabenstimmen unt...

Handel's Last Prima Donna: Giulia Frasi in London - Arien von Händel, Ciampi, Arne und Smith

27 Mai, 2018 - 06:40

Wahrhaftigkeit und Tiefe

Rundum beglückende Interpretationen bietet die junge Sopranistin Ruby Hughes mit Repertoire aus dem London der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Eine spannende Programmzusammenstellung zeichnet das Schaffensspektrum einer Sängerin nach, die im London des 18. Jahrhunderts gut bekannt war, die aber heute in der Bekanntheit weit hinter andere hat zurücktreten müssen. Giulia Frasi, deren Schaffenszeitraum in die Jahre 1740-1774 fällt (genaue Lebensdaten sind nicht bekannt), erhielt ihre Ausbildung mutmaßlich in Mailand, war dann vor allem in Norditalien tätig, ehe sie seit 1742 in London nachgewiesen ist. Sie war, das erläutert das Booklet ausführlich, weit mehr als Händels letzte Primadonna für die späten Oratorien, gleichzeitig verfolgte sie eine erfolgreiche Opernkarriere, und ihre Zweisprachigkeit war für Händel von besonderem Interesse. Nach einem ersten Erscheinen als Händel-Sängerin in der Wiederaufnahme von 'Judas Maccabaeus' 1748 hob sie die Sopranpartien in 'Susanna', 'Solomo...

Gustav Mahler - Sinfonie no. 10

26 Mai, 2018 - 06:50

Einfühlsamer Umgang mit dem Torso

Kann diese Aufführungsfassung von Gustav Mahlers Zehnter Sinfonie bestehen?

Die Antwort auf die Frage, ob hier die beste Aufführungsfassung von Mahlers Sinfonie Nr. 10 vorliegt, kann nur 'keine Ahnung' lauten. Wer kann das schon wissen? Wer weiß denn mehr als Mahler selbst? Ebenso wie der Dirigent, Realisator und Weiterentwickler des Materials von Mahler Yoel Gamzou persönlich wird, sei dies auch mir als Rezensenten gestattet. Lange schon setze ich mich mit der Musik Gustav Mahlers auseinander und habe es ebenso lange verweigert, mich mit den Aufführungsfassungen der Zehnten Sinfonie, von der es beileibe viele gibt, auseinanderzusetzen. Ein Fehler, wie sich vor fast drei Jahren herausstellte, aber ein doch nachvollziehbarer, wenn man bedenkt, dass mit diesen Fassungen viel vorliegt, nur eben nie das, was Mahler letztlich getan hätte.

Was sich über die bei Wergo erschienene Platte mit dem International Mahler Orchestra unter Yoel Gamzou sagen lässt, ist, d...

Czerny & Bruch - Konzerte für Klavier vierhändig & zwei Klaviere

26 Mai, 2018 - 06:50

Voller Leben und Quirligkeit

Das Klavierduo Genova & Dimitrov legt erneut eine Platte mit raren Konzerten vor. In diesem Fall werden Werke von Carl Czerny und Max Bruch mit viel Schwung und absoluter Perfektion gespielt.

Beide Konzerte dieser neuen Platte sind hoffnungslos altmodisch für ihre jeweilige Entstehungszeit, und das erste davon stammt auch noch von einem Komponisten mit denkbar schlechtem Ruf. Es wurde wohl zwischen 1827 und 1830 geschrieben von Carl Czerny, dessen Name Generationen von Klavierschülern vor allem mit technischen Etüden verbinden, von der ‚Schule der Geläufigkeit‘ bis hin zu den ‚160 achttaktigen Übungen‘. Musik hört man von ihm fast nie, dabei geht die Zahl der Werke des Beethoven-Schülers, wie das Beiheft in epischer Breite darlegt, doch in die Tausende.

Und es findet sich darunter sogar ein Konzert für Klavier zu vier Händen und Orchester, eine Gattung, die wahrlich nicht jeder Komponist ist seinem Katalog stehen hat. Wenn man das Werk so hört, klingt es nach einem freundlichen und etwas harmlosen klassischen Konzert aus dem 18. Jahrhunder...