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Aktualisiert: vor 1 Stunde 43 Minuten

Reger, Max - Das Orgelwerk

17 Juni, 2018 - 08:15

Mammut-Reger

Auf CD remastered: Das Orgelwerk von Max Reger, eingespielt von Kurt Rapf.

Auch wenn es nicht so bekannt ist wie das von Johann Sebastian Bach, allein vom zeitlichen Umfang her reicht das Orgelwerk von Max Reger (1873–1916) an das seines großen Vorbildes heran. Dementsprechend umfangreich und langwierig können Gesamteinspielungsvorhaben in dieser Hinsicht ausfallen. Auf 14 verschiedenen Instrumenten nahm der 2007 verstorbene Kurt Rapf von 1970 bis 1984 diese Opera auf, von den 'Drei Orgelstücken' op. 7 von 1892 über die Choralphantasien und Suiten, Sonaten, Monologe und zahlreichen Choralvorspiele bis zu den 'Neun Orgelstücken' op. 129 von 1916. Einige der Aufnahmen konnten allerdings, wie im schmalen Booklet zu lesen ist, auch in dieser remasterten CD-Augabe (MPS Records) nicht mit enthalten sein.

Von der Domorgel im Kaiserdom zu Speyer über die Marcussen-Orgel im Dom zu Lübeck und die Bruckner-Orgel im Stift St. Florian bis zu den Mü...

Reformation und Romantik - Orgelwerke von Schellenberg, Töpfer, Fährmann u.a.

17 Juni, 2018 - 08:15

Gott ist deutsch

Meisterlich gespielte Musik von Kantoren aus der Zeit der frühen und späten Romantik: Choräle aus der Zeit der Reformation im Dienst der religiösen und nationalen Vergewisserung.

Die vorliegende CD stellt in vielerlei Hinsicht ein interessantes Stück Musikgeschichte dar. Erschienen zum 500-jährigen Jubiläum des Thesenanschlags in der Schlosskirche zu Wittenberg, versammelt sie Kompositionen zu Liedern der Reformation, vornehmlich 'Ein feste Burg ist unser Gott'. Die Komponisten sind der Tonsprache der Romantik verpflichtet. Die Orgeln stammen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und sind nach einigen entstellenden Bearbeitungen in einen Zustand zurückversetzt, der dem Original möglichst nahekommt. Die älteste Orgel ist die in der Laurentiuskirche Trebur; sie wurde von Bernhard Dreymann im Jahre 1844 erbaut, Walcker aus Ludwigsburg errichtete 1905 die Orgel in der Französisch Reformierten Kirche in Wiesbaden und verwendete dabei Material aus einer Vorgängerorgel, und die Orgel in der Lutherkirche Wiesbaden wurde im Jahre 1910 ebenfalls von Walcker erbaut. ...

Ghost Stories (O.S.T.) - Originalmusik von Frank Ilfman zum gleichnamigen Film von Andy Nyman & Jeremy Dyson

16 Juni, 2018 - 08:14

Düstere Abgründe

Mit der kürzlich erschienenen Platte 'Ghost-Stories' zum gleichnamigen Film nimmt Komponist Frank Ilfman den Hörer mit auf eine musikalische Wanderung durch eine Galerie der Ängste, die der Dirigent Matthew Slater meisterlich in Szene setzt.

Der deutsch-israelische Komponist, Pianist und Posaunist Frank Ilfman, welcher bei Klaus Doldinger ('Tatort') lernte, ist kein Frischling auf dem Gebiet des Horrorthrillers. Mit dem erfolgreichen Horrorfilm 'Big Bad Wolves' (2013) und dem Gruselthriller 'Sensoria' (2015) konnte Ilfman bereits sein Gespür für subtile Gemütsänderungen und furchteinflößende Klänge unter Beweis stellen, wobei das klassische Filmorchester auch beim kürzlich erschienenen Horrorfilm 'Ghost Stories' (2017) von Andy Nyman und Jeremy Dyson der wichtigste Bestandteil seines Werkzeugkoffers bleibt. Mit der Platteneinspielung 'Ghost Stories' in Zusammenarbeit mit dem Londoner Metropolitan Orchestra unter Leitung des Dirigenten Matthew Slater, welcher auch die Orchestrierung vornahm, holt das Musiklabel Varèse Sarabande die Geister nun in die eigenen vier Wände. Da die Pla...

Koerppen, Alfred - Streichquartette & -Trio

15 Juni, 2018 - 07:39

Expressiv

Zum 90. Geburtstag von Alfred Koerppen eine fast perfekte kammermusikalische Werkschau.

Die vorliegende Kammermusik-Platte mit Werken des 1926 in Wiesbaden geborenen Alfred Koerppen zum 90. Geburtstag hat ganz bescheiden den Weg auf den Markt gefunden und ist dort weitgehend ignoriert worden. Die beiden Streichquartette entstanden erst 2006 bzw. 2007, während das Klaviertrio zwanzig Jahre früher das Licht der Welt erblickte (und 1991, zum 65. Geburtstag, vom NDR produziert wurde). Koerppen pflegt eine moderat moderne, expressiv-intensive polytonale Klangsprache, und seine kompositorische Kraft und Frische steht in den drei vorliegenden Werken stets außer Frage. Jedes der drei Werke ist dreisätzig und bietet in diesem traditionellen Gerüst doch immer wieder Ungewohntes, etwa die metrisch und rhythmisch komplexe Eröffnung des Klaviertrios.

Das NOMOS-Quartett und die Trioformation Kathrin Rabus/Wolfram Geiss/Markus Becker setzen sich für das ungewohnte Repertoire ausgesprochen ...

Fiamma vorace - Arien von Geminiano Giacomelli

15 Juni, 2018 - 07:39

Herzensprojekt mit Schwachstellen

'Fiamma vorace' ist ein Herzensprojekt, aber musikalisch macht es den Hörer nur bedingt glücklich.

Es gibt viel zu entdecken, ganz besonders in der Barockoper. Denn abseits von Händel, Hasse und Vivaldi haben durchaus auch andere Komponisten große Erfolge erzielt. Mittlerweile sind sie nahezu vergessen. Gerade hat Porpora Hochkonjunktur dank des Bemühens von Max Emanuel Cencic und seinen Mitstreitern und fraglos auch wegen Cencics Popularität. Beim Label Panclassics legt der Countertenor Flavio Ferri-Benedetti jetzt ein Album vor, das sich ausschließlich auf den Komponisten Geminiano Giacomelli konzentriert, einen Zeitgenossen Händels. Nun ist die Popularität Ferri-Benedettis nicht mit jener Cencics zu vergleichen, aber es bleibt zu hoffen, dass dennoch einige Produzenten oder Opernbühnen durch das Album auf Giacomelli aufmerksam werden – denn hier sind offenkundig noch einige Schätze zu heben. Das Notenmaterial scheint längst nicht problemlos zugänglich, Ferri-Benedet...

Donizetti, Gaetano und Mayr, Johann Simon - Messa di Gloria/Credo

14 Juni, 2018 - 08:57

Opernkomponisten als KIrchenmusiker

Diese CD aus dem Hause Naxos gefällt mit eher unbekannter Kirchenmusik von bekannten Opernkomponisten.

Gaetano Donizetti und sein Lehrer Johann Simon Mayr sind Namen, die man eher mit italienischen Opern verbindet. Damit tut man ihnen Unrecht, was diese Einspielung aus dem Hause Naxos unter der Leitung des Mayr-Experten Franz Haug demonstriert. Noch mehr: Man verkennt den Umstand, dass der Beruf des Opernkomponisten den des Kirchenmusikers in Italien bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht aus-, sondern einschließt. Dies beweisen auch die Messkompositionen von Giacomo Puccini und Pietro Mascagni. Dieser Faktor macht diese CD beinahe unheimlich.

Was diese Einspielung aber hingegen erfreulich authentisch macht, ist das Pasticcio-Verfahren (man könnte es auch böse als Zusammenstückeln von Versatzstücken bezeichnen), das Franz Hauk hier vornimmt. Die überdimensionierte Messa di Gloria sowie das Credo in D aus der Hand Donizettis, die für sich schon zeitgenössische übliche verschiedene K...

Händel, Georg Friedrich - Ottone, re di Germania

14 Juni, 2018 - 08:57

Händels 'Ottone' mit Licht und Schatten

Für Fans von Max Cencic ist die Neueinspielung von Händels eher unbekannter Oper sicher ein Muss. Doch der Aufnahme fehlen der letzte Esprit, die Dramatik und die musikalische Geschlossenheit, die wirklich große Händelaufnahmen auszeichnet.

Eine der zu Lebzeiten Georg Friedrich Händels erfolgreichsten Opern, 'Ottone, Re di Germania', wartet noch auf seine Wiederentdeckung auf der Bühne. Andere Opern dieses Komponisten wie 'Alcina', 'Xerse' oder 'Giulio Cesare' haben ja mittlerweile einen gewissen Repertoirewert, aber die Oper rund um Otto II., der durch seine Heirat mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu 972 n. Chr. das Westreich mit Byzanz versöhnte, ist auch diskographisch nicht gut erschlossen. Es gibt bisher nur zwei Gesamtaufnahmen. Insofern kommt die Neuproduktion bei Decca, angestoßen durch den umtriebigen und auch geschäftstüchtigen kroatischen Countertenor Max Emanuel Cencic, gerade recht.

An dem verworrenen Inhalt kann es eigentlich nicht liegen, dass es Ottone noch nicht in die Opernhäuser geschafft hat, denn darin unterscheidet sich die Oper nicht sonderlich von anderen Barock...

George Antheil - Bad Boy of Music

13 Juni, 2018 - 07:14

Expeditionen in eine (fast) unbekannte Klangwelt

Gottlieb Wallisch gibt einen spannenden Einblick in das Werk des zu Unrecht vergessenen George Antheil.

George Antheil war ein extrovertierter Komponist, der sich von den neuartigen Klängen der Maschinen ebenso inspirieren ließ wie von modernen musikalischen Zeitströmungen, wozu auch der Jazz gehörte. Heute sind seine zumeist virtuosen Werke selten im Konzertsaal zu hören. Sein Schaffen ist völlig zu Unrecht zu einer Fußnote der Musikgeschichte geworden. Bekannt ist allenfalls noch sein 'Ballet méchanique' aus dem Jahre 1927. 'Bad boy of music': So lautet die CD des Pianisten Gottlieb Wallisch, auf der er einen furiosen Einblick in das Schaffen dieses Komponisten gibt. Das Eindringen in die Welt Antheils und seiner Musik ist nicht gerade einfach. Die oft vertrackte Rhythmik, das freie Ausschwingen weitgespannter Melodiebögen und eine verzwickte Polyphonie verlangen ein intensives Studium. 

'Bad boy of music': So lautet auch der ironis...

Vocalise - Werke von Piazzolla, Villa-Lobos und Vivancos

12 Juni, 2018 - 08:23

Singende Saiten mit Sopran

Mit 'Vocalise' ist den beteiligten Künstlern ein klug zusammengestelltes, spannendes und in jeglicher Hinsicht bemerkenswertes Album gelungen, das hoffentlich entsprechend viele Zuhörer finden wird.

'Vocalise' heißt die neue CD mit der Sopranistin Nuria Rial und acht (eigentlich neun) Cellisten des Sinfonieorchesters Basel beim Label Sony. Doch wer hier eigentlich singt, ist nicht zweifelsfrei zu klären, denn neben der Sängerin entlocken die Instrumentalisten ihren Celli ebenso sirenenhafte Gesänge. Das Ergebnis ist ein Album der besonderen Art, das mit seinen 55 Minuten nicht gerade Überlänge aufweist, aber dafür auch keine überflüssigen Momente beinhaltet, die schon in tausendfacher Interpretation vorliegen. Vielmehr konzentrieren sich die Künstler auf erlesene Perlen, die fein aufeinander abgestimmt sind.

Ja, die beiden Vokalwerke aus den 'Bachianas Brasileiras' Nr. 5 von Heitor Villa-Lobos sind keine Raritäten, aber in der Art und Weise, wie Nuria Rial sie singt und vor allem wie die Sängerin von den acht Cellisten begleitet wird, ist das ...

Misterio - Werke von Biber und Piazzolla

12 Juni, 2018 - 08:23

Spannungen

Biber und Piazzolla werden vielleicht kein Traumpaar für die Ewigkeit, doch für den wunderbaren Moment dieser Platte der hervorragenden Lautten Compagney sind sie es.

Spannungsreiche Begegnungen sind Sache der Lautten Compagney und Wolfgang Katschners, in mannigfaltiger Ausprägung. Besonders interessant war vor einigen Jahren eine Konstellation der Übergänge von Musiken des frühbarocken Meisters Tarquinio Merula zu Werken aus der Feder von Philipp Glass – Begegnung, Konfrontation, vielleicht weniger echter Austausch waren zu erleben, getragen vom historischen Instrumentarium. Der eigensinnige Personalstil des Jüngeren behauptete sich damals deutlich, den Instrumenten zum Trotz, die von der ästhetisch erstaunlich konsistenten Musik des Amerikaners mühelos ‚verglasst‘ wurden.

Bei der aktuellen Platte des Ensembles ist die Lage nicht ganz so klar: Es erklingen einige der berühmten 'Rosenkranz-Sonaten' von Heinrich Ignaz Franz Biber im Wechsel mit Instrumentalwerken Astor Piazzollas. Biber ist, verglichen mit Merula, die bei w...

Americana des 20. Jahrhunderts - Werke von Shilkret, Gould und Creston

11 Juni, 2018 - 07:39

Stückwerk

Eine weitere Folge von Guilds verdienstvoller Stokowski-Reihe mit Werken US-amerikanischer Komponisten – damals beliebt, heute vergessen.

Die verdienstvolle Stokowski-Reihe auf Guild Historical bietet in Aufnahmen aus den Jahren 1945 und 1955 eine Uraufführung und zwei Erstaufführungen. Das am 15. Februar 1945 uraufgeführte Werk, Nathaniel Shilkrets Posaunenkonzert, ist eher eklektisch-leichte Kost, deren Gelegenheitscharakter nicht zu einem starken Nachleben geführt hat. Dies liegt weniger an den Jazzelementen der Musik als vielmehr an den dutzendhaft filmmusikalischen Effekten, die zahllose andere Komponisten in deutlich besserer Qualität realisiert haben. Tommy Dorsey und das New York City Symphony Orchestra bemühen sich intensiv, doch bleiben das Werk und die Interpretation Stückwerk (trotz des rasenden Publikums). Ähnliches lässt sich über das Saxophonkonzert von Paul Creston sagen. Es wurde von James Abato und dem Hollywood Bowl Symphony Orchestra aufgeführt und pendelt unverbunden zwischen altmodischer Tradi...

Händel, Georg Friedrich - Orchesterwerke & Arien

10 Juni, 2018 - 08:27

Altus-Freuden

Für den jungen Altus Benno Schachtner ist diese Händel-Platte nach dem formidablen Album ‚Clear or Cloudy‘ vom vergangenen Herbst ein neuerliches diskografisches Schmuckstück.

In der Reihe 'haendeliana hallensis' aus dem musikalischen Umfeld der Händelfestspiele ist beim Label Querstand jetzt als dritte Platte eine Produktion mit Werken von Händel selbst erschienen – nach zwei Folgen mit Tastenmusik mit Werken anderer Hände. Den Auftakt macht eine schöne Suite aus der 'Wassermusik', später folgt das sechste Konzert aus den Concerti grossi op. 6. Dazu kommen drei Arien aus 'Giulio Cesare in Egitto', eine aus 'Sosarme, Re di Media' und zwei aus dem 'Arminio'. Ein schönes Konzertprogramm und ein feines Vehikel für den Altus Benno Schachtner und das von Bernhard Forck geleitete Händelfestspielorchester, um ihre Qualitäten zu präsentieren.

Suite und Concerto grosso – letzteres wäre mit dem großen Musikwissenschaftler Rudolf Eller auch als vergrößerte, auskomponierte Variante der ...

Mahler, Gustav - Symphonie Nr. 9

10 Juni, 2018 - 08:27

Mahler für die Couch

Jansons dirigiert die Neunte mit dem BR-Symphonieorchester wenig aufregend.

Seit mittlerweile 15 Jahren ist Mariss Jansons Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Beide sind ein eingespieltes Team, es wird auf international konstant hohem Niveau musiziert, wie es auch nicht anders zu erwarten ist. Wer nach dem Besonderen, nach dem gewissen Tüpfelchen sucht, das diese mit langsamen Schritten vorangehende Gesamteinspielung der Mahler-Sinfonien kennzeichnet, der wird auch bei dieser Neunten gleichwohl enttäuscht. Sicher, der streicherlastig grundierte Orchesterklang verstrahlt Wärme, die Soli überzeugen mit tadelloser Intonation, allen voran die weich tönende Trompete in der Rondo-Burleske, und der richtige Tonfall wird vom BR-Orchester stets getroffen. Es gibt in der Gegenwart jedoch schon viel zu viele Einspielungen der Neunten, die bloß alles richtig machen, darüber hinaus aber nicht viel anderes. Letzten Endes wird hier auf allerhöchstem Aboko...

Messiaen, Olivier - Orgelwerke

9 Juni, 2018 - 07:33

Orgelkosmos Messiaen

Diese Neuauflage der Interpretationen von Olivier Messiaens Orgelwerk durch Louis Thiry ist ein echter Hinhörer!

Olivier Messiaen (1908-1992) ist bekanntlich nicht nur einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, sondern auch einer der einflussreichsten Organisten seiner Zeit. Wenn jetzt das Remaster einer Einspielung  aus dem Jahr 1972 mit seinen zentralen Orgelwerken auf 3 CDs mit dem Organisten Louis Thiry erscheint, ist das also wenig verwunderlich. Schon zu Lebzeiten war Messiaen voll des Lobes über Thirys Spiel. Und lauscht man den Clustern, Vogelstimmen, Klangmeditationen und unzähligen Farbmischungen an der Kathedrale St. Peter in Genf (Cathédrale Saint-Pierre), fällt es schwer zu widersprechen. Zumal die Metzler-Orgel von 1965 mit ihren vier Manualen plus Pedal und 67 Registern über eine Vielzahl an Möglichkeiten verfügt, die Thiry auch ausnutzt. Es werden wortwörtlich sämtliche Register von Messiaens Orgelkunst gezogen.

Da die Aufnahmen sicher auch dank des Rem...

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 5

9 Juni, 2018 - 07:33

In klassischem Gewand

Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Adam Fischer gelingt den Düsseldorfer Symphonikern eine weitere bemerkenswerte Darbietung einer Mahler-Sinfonie, die von großer Ausdruckssicherheit geprägt ist.

Angesichts so vieler Einspielungen der Sinfonien Gustav Mahlers ist die Frage, ob eine weitere überhaupt notwendig sei, sicher nicht unangebracht. So verständlich der Wunsch ist, einen der größten Sinfoniker des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit einer eigenen Interpretation zu würdigen, so naheliegend ist es, dass nicht alle Dirigenten und Orchester diesem Vorhaben gewachsen sind und etliche an der Herausforderung scheitern. In mehreren Konzerten, die er mit den Düsseldorfer Symphonikern präsentiert und später auf CD veröffentlicht hat, konnte Adam Fischer hingegen mehrfach beweisen, dass er der Aufgabe nicht nur gewachsen ist, sondern sie mit Bravour gemeistert hat.

Seit er Chefdirigent der Düsseldorfer Symphoniker ist, sind es zwei große Komponisten, denen er sich in besonderer Weise widmet: Joseph Haydn und Gustav Mahler. Fischers Anspruch ist es...

Vivaldi, Antonio - Chorwerke

8 Juni, 2018 - 08:41

Vivaldi vokal

Julia Lezhneva, Franco Fagioli und Diego Fasolis machen Vivaldi zu einem höchst lebendigen, alles andere als stereotypen Ereignis.

Vokalmusik von Antonio Vivaldi ist – entgegen dem zumindest mit Blick auf die prägenden Werke seines instrumentalen Werks wirksamen Vorurteil – außerordentlich vielfältig. Das unterstreicht die aktuelle Decca-Produktion mit der Sopranistin Julia Lezhneva und dem Altus Franco Fagioli. Auf dem Programm stehen mit dem Gloria RV 589, dem Psalm 'Nisi Dominus' RV 608 und der Kantate 'Nulla in mundo pax sincera' RV 630 in Stil, Format und Ausprägung sehr verschiedene Werke. Und es sind nicht nur Star-Vehikel, wie man angesichts der Besetzung mit Lezhneva, Fagioli und dem von Diego Fasolis geleiteten Ensemble I Barocchisti argwöhnen könnte: Das einleitende Gloria erweist sich vor allem als ebenso prächtiges wie effektvolles Stück für den Coro della Radiotelevisione svizzera, ist voller entzückender Gedanken und wirklich charaktervoll prägnanter Sätze, be...

Hindemith, Paul - Symphonie "Mathis der Maler"

8 Juni, 2018 - 08:41

Klare Blicke

Christoph Eschenbach dirigiert zwei sinfonische Werke von Paul Hindemith mit klarem Zugriff.

Christoph Eschenbachs Einsatz für die Musik von Paul Hindemith schlägt sich nicht nur in seinen Konzertprogrammen, sondern mittlerweile auch in der zweiten CD mit dem NDR Sinfonieorchester (jetzt NDR Elbphilharmonie Orchester) nieder. Diese bietet störungsfreie Live-Mitschnitte von 2013 aus dem Kieler Schloss und der Hamburger Laeiszhalle. Zu Gehör gelangen zwei sehr unterschiedliche Sinfonien: Zum einen Hindemiths mit populärstes Werk, die Sinfonie 'Mathis der Maler', zum anderen die 'Sinfonie in Es', die sechs Jahre später als die 'Mathis'-Sinfonie entstand, nämlich 1940.

Dass er den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau verdient hat, zeigt Eschenbachs feine Herausarbeitung der für Hindemith typischen Kontrapunktik, die im 'Mathis' noch mit einschmeichelnd moderner Melodik verwoben und in aufleuchtende Orchesterfarben getaucht ist, in der 'Sinfonie...

Satie, Erik - Les memoires d'un amnesique

7 Juni, 2018 - 07:52

Einsichten in das Denken von Erik Satie

Kleine Plattenverlage überraschen immer wieder damit, dass sie persönlich gefärbte Einspielungen anbieten.

Erik Satie ist wahrlich kein unbekannter Komponist mehr. Die Einspielungen seiner Klavierwerke sind quasi unüberschaubar. Manchmal gibt es aber welche, die vorhandene Lücken schließen. Während das kompositorische Schaffen mittlerweile recht gut erschlossen ist, sind seine Texte noch immer kaum bekannt. Der französische Pianist und Komponist Stéphane Blet hat eine Performance konzipiert, die bekannte Werke Saties mit Auszügen aus seinem literarischen Schaffen kombiniert, garniert mit eigenen Kompositionen im Stil von Saties künstlerischen Weggefährten wie Claude Debussy, Paul Dukas u.a.

Sprecher ist der renommierte französische Schauspieler Daniel Prévost. Herausgekommen ist eine lehrreiche wie amüsante CD mit dem bedeutungsvollen Titel 'Les mémorires d’un amnésique', die schon im Jahre 2006 in der Kirche Saint-Marcel in Paris aufgen...

Liszt, Franz - Werke für zwei Klaviere

7 Juni, 2018 - 07:52

Liszt-Werke für zwei Klaviere: atemberaubende Aufnahmen des SWR2

Aglika Genova & Liuben Dimitrov unterstreichen mit diesen Aufnahmen, weshalb sie zu den gefragtesten Klavierduos der Welt gehören.

Auf der 2015 bei cpo erschienenen CD liefern Aglika Genova und Liuben Dimitrov wohl eine der besten Interpretationen von Liszts Werken für zwei Klaviere, die es auf dem Markt zur Zeit gibt. Aufgenommen sind nicht nur das bekannte Konzertstück über Mendelssohns 'Lieder ohne Worte' oder das 'Concerto pathétique' in e-Moll, sondern auch die 'Réminiscences' über 'Norma' und 'Don Giovanni' sowie die Konzertvariationen 'Hexaméron'. Schon bei dem 'Großen Konzertstück' wird deutlich, dass das Klavierduo sehr viel Wert auf Feingefühl und eine tonmalerische Sprache legt, statt wie viele Interpreten ein rein virtuoses und wuchtiges Furioso darzubieten. Selbst die kraftvollsten Passagen sind ausgezeichnet phrasiert. Ohne Druck bilden die Akkorde eine Stütze der klar hervorgehobenen Melodielinie, wenngleich die Mehrschichtigkeit d...

Telemann, Georg Philipp - Orchesterwerke

6 Juni, 2018 - 07:38

Kammermusikalisch transparent

Rundum empfehlenswert: Telemann ohne orchestrale Opulenz, dafür in einer farbenreichen und hervorragend aufgenommene Interpretation.

Ein Streichquintett und ein Cembalo bemüht Olivier Fortin in der vorliegenden Einspielung von vier Orchesterwerken Georg Philipp Telemanns auf dem Label Alpha Classics; die Transparenz seiner Lesart ist beeindruckend, die Interpretation hat lebendigen, warmen Puls, und die Musiker verfallen auch nicht in Schematismus, sondern verzieren variativ bei Wiederholungen. Die Musiker lassen sich genügend Zeit, bleiben dennoch frisch in ihrem Interpretationsansatz. Unter den sieben- bis achtsätzigen Ouvertüren TWV 55:A1, B5 und G10 finden sich zwei berühmte Beiträge – die 'Burlesque de Don Quixote' sowie 'Les Nations' –, die voller Verve und mit feiner Bedachtsamkeit, aber ohne große orchestrale Geste zu Gehör gebracht werden. Gerade die Gleichberechtigung der einzelnen Stimmen führt ggf. zu einer Emanzipation von Stimmlinien, die bei größerer Besetzung in de...