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Aktualisiert: vor 2 Stunden 23 Sekunden

Russian Classics - Werke von Glinka, Schostakowitsch, Tschaikowsky u.a.

28 November, 2017 - 08:49

Russische Hitparade für Bläser

Die Sächsische Bläserphilharmonie spielt eine Hitparade mit Bearbeitungen einiger der berühmtesten russischen Orchesterwerke von Glinka, Tschaikowsky, Schostakowitsch, Prokofjew und Strawinsky.

Als turbulente Eröffnung dient der Sächsischen Bläserphilharmonie Michail Glinkas berühmte Ouvertüre zu 'Ruslan und Ludmilla'. So richtig zündet die allerdings nicht, denn man hat sie doch deutlich schwungvoller im Ohr. Ausschließlich Bearbeitungen finden sich auf dieser neuen Platte des nach eigener Darstellung einzigen professionellen symphonischen Blasorchesters in Deutschland, darunter einige der berühmtesten russischen Orchesterwerke von Tschaikowsky, Schostakowitsch, Prokofjew und Strawinsky. Dass sich die Bläser gerne mal den großen ‚Hits‘ für Symphonieorchester widmen möchte, ist nachvollziehbar. Für den Hörer allerdings stellt sich die Frage, warum er sich diese Fassung anstelle der häufig eingespielten und in aller Regel doch überlegenen Originale anhören sollte.

In einigen Fällen allerdings ist die Bear...

Marcello, Benedetto - Conserva me Domine

27 November, 2017 - 06:53

Italienische Musik für das Salterio

Erfreulich frische und einfühlsam musizierte Aufnahme von unbekannten italienischen Kompositionen des 18. Jahrhunderts für Salterio und Altus.

‚Geistliche Musik des 18. Jahrhunderts aus Italien‘ heißt die zu besprechende CD in ihrem Untertitel, und dieser beschreibt die Musik der Aufnahme deutlich besser als Benedetto Marcellos 'Conserva me Domine', wie es eigentlich auf dem Cover steht. Denn die Kantate auf den Text zu Psalm 15 für Alt solo und Violoncello des 1686 geborenen Komponisten nimmt nur wenige Minuten der Aufnahme ein. Und ganz so treffend ist selbst der Untertitel nicht, denn neben den vier Gesangsstücken auf geistliche Texte sind zusätzlich zwei Sonaten eingespielt, die Sonate op. 2 Nr. 3 von Marcello selbst sowie die Sonate für Saltèro und Bass von Melchiorre Chiesa. Was aber nun die verschiedenen Stücke miteinander verbindet und der Aufnahme so ihre musikalische Einheit gibt, ist genau das: das Saltèro, zu deutsch also das Salterio, ein im 18. Jahrhundert in Italien ausgesprochen beliebtes Instr...

Schelle, Johann - Weihnachtskantaten

26 November, 2017 - 07:33

Starke Stimme

Michael Alexander Willens' alljährlicher Beitrag zur Advents- und Weihnachtszeit ist wie stets hochwillkommen. Diese cpo-Produktionen der Kölner Akademie gehören zu den wirklich schönen Regelmäßigkeiten des Platten-Jahres. Hier mit Johann Schelle.

Johann Schelle (1648-1701) steht als Thomaskantor in einer der interessantesten Traditionslinien der Musikgeschichte: Als Nachfolger von Sethus Calvisius, Johann Hermann Schein, Tobias Michael und Sebastian Knüpfer, gleichzeitig als Vorgänger von Johann Kuhnau und Johann Sebastian Bach. Dazu mit einer Reihe hochillustrer Schüler, als da wären Johann Christoph Graupner, Johann David Heinichen oder Reinhard Keiser. Schelle modernisierte als Thomaskantor das Leipziger Musikleben entschieden. Und er setzte als Komponist vernehmliche Akzente: Das zeigt das Programm der diesjährigen Advents- und Weihnachtsproduktion der Kölner Akademie mit ihrem Leiter Michael Alexander Willens sehr deutlich. Es wird ein Bogen vom ersten Advent bis zum Weihnachtsgeschehen im engeren Sinne geschlagen, in kunstvoll gesetzten Geistlichen Konzerten, die die reichen Möglichkeiten des späten 17. Jahrhunderts und des schon ...

Abel, Carl Friedrich - Symphonien opp. 1 & 4

25 November, 2017 - 06:30

Reiche Frische

Michael Alexander Willens und die Kölner Akademie beleben Carl Friedrich Abels Sinfonien mit Frische, Vehemenz und beachtlicher Detailgenauigkeit.

Die Gesamteinspielung der Sinfonien von Carl Friedrich Abel, 1993 begonnen und in diesem Jahr endlich wiederaufgenommen, schreitet mit der vorliegenden Publikation erfreulich voran. Abel, von der deutschen wie der internationalen Musikforschung lange Jahrzehnte fast vollständig ignoriert, erlebt vor allem auf dem Tonträgermarkt eine kontinuierliche Pflege auf den Gebieten der Kammer- wie der Orchestermusik. Der Freund und zeitweise Wohngenosse Johann Christian Bachs, mit diesem mehr oder minder gleichberechtigter Partner der Bach-Abel-Konzerte in London, hat sich musikalisch durchaus reich profiliert, und die Doppel-CD mit den jeweils sechs dreisätzigen Sinfonien opp. I und XIV schließt eine empfindliche Lücke in der bisherigen cpo-Reihe – nun fehlen noch op. XIV sowie rund acht Einzelsinfonien oder Ouvertüren.

Diesmal hören wir die Kölner Akademie unter Michael Alexander Wille...

Gernsheim, Friedrich - Sinfonien Nr. 2 & 4

24 November, 2017 - 06:56

Kosmopolit

Das Philharmonische Staatsorchester Mainz zeigt unter Hermann Bäumer, wie eigenständig Friedrich Gernsheims sinfonische Beiträge für sich stehen können, wenn man ihnen nur mit Sorgsamkeit und Liebe zum Detail begegnet.

Auch die zweite Folge der Einspielung der Gernsheim-Sinfonien, aufgenommen schon im Sommer 2013, erweist sich als klangvolle, im Dunstkreis Schumanns und Brahms‘ ausgesprochen ansprechende Angelegenheit. Friedrich Gernsheim (1839-1916) wurde lange als Epigone abqualifiziert, doch ist sein kompositorisches Schaffen durchaus eigener Faktur. Gleich schwergewichtig sind die beiden hier vorgestellten Sinfonien Nr. 2 (Es-Dur op. 46 von 1882) und 4 (B-Dur op. 62 von 1895), deren letzte ihre Uraufführung im Januar 1896 in Mainz mit eben jenem Orchester erlebte, das die jetzige Einspielung vorlegt. Kontrapunktische Elemente und feine lyrische Stimmungen sind verbunden mit attraktiver Melodiegestaltung und in zwar konservativer, aber nicht langweiliger Harmonik – und immer wieder fühlt man sich an zeitgenössische Sinfoniker anderer Länder erinnert.

Wie gesagt nicht wirklich ein Epigone, sondern vielmeh...

Gák & Castelnuovo-Tedesco - Cellokonzerte

23 November, 2017 - 08:49

Gemeinsamer Nenner

Bei dieser Produktion ist nicht nur das Programm glücklich gewählt, sondern auch die Wiedergabe vortrefflich. Man darf voller Freude von Referenzeinspielungen sprechen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie manche Interpreten im deutschen Musikleben nicht jenes Renommee erlangen können, das ihnen zusteht, anderen dafür ein guter Ruf quasi hinterher geworfen wird. Im englischsprachigen Sprachraum ist Raphael Wallfischs Bedeutung unbestritten – selbst bei Kritikern, die seinen leicht wiederzuerkennenden, häufig recht expressiven Ton nicht mögen. Mit den Cellokonzerten von Hans Gál (1890–1987) und Mario Castelnuovo-Tedesco (1895–1968) hat Wallfisch diesmal zwei Werke vorgelegt, die nicht zu dem von ihm reich gepflegten britischen Musikschaffen zu zählen sind – obwohl Gál nach England flüchtete und später in Schottland ein Tätigkeitsfeld fand. Viele von Gáls Familienmitgliedern überlebten die Naziherrschaft nicht, mehrere von ihnen nahmen sich aus Verzweiflung selbst das Leben, ehe sie ins Konzentrationslager verbra...

Music for Strings - Auftragskompositionen des ARD-Musikwettbewerbs

22 November, 2017 - 07:24

Vier gegen einen

Diese interpretatorisch großartige Zusammenstellung ist voller interessanter Perspektiven auf die Kammermusikkompositionen des ARD-Musikwettbewerbs.

Den Internationalen Musikwettbewerb der ARD kennt man vor allem wegen seiner herausragenden Interpreten. Nach welchen Kriterien die Preisträger ermittelt werden, ist zwar klar kommuniziert, doch im Allgemeinwissen eher wenig verankert. Seit 2002 ist für jedes der vier alljährlich ausgetragenen Fächer ein zeitgenössisches Stück verpflichtend. Für die beste Interpretation eines zu diesem Anlass komponierten Auftragswerke, das zwischen acht und zwölf Minuten lang und ‚in technischer wie musikalischer Hinsicht so anspruchsvoll sein soll, dass es die Fähigkeiten eines Teilnehmers differenziert auf den Prüfstand stellt’, wurde ein separater Sonderpreis ausgeschrieben, da die Interpreten des klassischen Kanons sich keineswegs immer auch in der zeitgenössischen Musik auszeichnen.

Die hier vorgestellten sieben Werke sind entweder für Streichquartett oder fü...

Volkmann, Robert - Sämtliche Streichquartette und Klaviertrios

21 November, 2017 - 06:29

Platzsparend

Die besondere Stimme Robert Volkmanns in der Kammermusik des 19. Jahrhunderts wird auf den Gebieten Klaviertrio und Streichquartett von den beiden Ensembles überzeugend und mit Feingefühl hörbar gemacht. Ein empfehlenswerter Einstieg.

Die Pflege der Musik Robert Volkmanns (1815–1883) auf cpo geht bis weit in die frühen 1990er-Jahre zurück. Dass die Gesamtveröffentlichung der Streichquartette und Klaviertrios als platzsparende Box erst jetzt und nicht schon zum Volkmann-Jubiläum 2015 vorgelegt wurde, ist einerseits bedauerlich, doch mit Blick auf die hohe Qualität der Interpretationen so oder so erfreulich.

Die sechs Streichquartette (1847–1861) und beiden Klaviertrios (1842-3 bzw. 1850) zeigen einen Komponisten, der technisch überaus versiert mit anderen großen Kammermusikkomponisten seiner Zeit den Vergleich nicht zu scheuen braucht und doch ganz anders von Zugang und musikalischem Ergebnis ist als etwa Johannes Brahms. Harmonisch mag er nicht so wagemutig sein wie mancher Zeitgenosse, doch sind alle anderen Parameter – architektonisches Verständnis, rhythmischer Einfallsreichtum, melodische Ein...

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 6 in a Moll

20 November, 2017 - 08:51

America First: Mahler aus Texas

Dass man diesen Mahler-Zyklus aus Dallas als Amerikaner aus patriotischen Gründen gut finden kann, ist klar. Aber lohnt die Anschaffung auch in Europa, wo es schon so viele außergewöhnliche Aufnahmen gibt?

Falls mich jemand fragen würde, was ich davon halte: Natürlich finde ich es großartig, dass in Texas Musik von Gustav Mahler live ausgeführt wird. Und dass sich das Dallas Symphony Orchestra dieser Aufgabe derzeit mit seinem Chefdirigenten Jaap van Zweden so intensiv widmet, ist gleichfalls großartig. Die Musiker tun das auf hohem spieltechnischem und künstlerischem Niveau, so dass jeder Besuch eines Konzerts vor Ort dringend empfohlen werden kann. Und wenn mich meine beste Freundin in Dallas/Ft. Worth fragen sollte, ob sie sich eine der CD-Ausgaben des Mahler-Zyklus kaufen sollte, den van Zweden mit seinem Orchester derzeit beim Label DSO Live rausbringt, dann würde ich sagen: Aus Lokalpatriotismus kann es nicht schaden, heimische Kräfte zu unterstützen! (Bislang liegt bereits eine Dritte Symphonie aus Dallas vor.)

Aber darum geht es hier nicht. Denn wir sind in Deutschland un...

Duruflé & Respighi - Requiem & Concerto gregoriano

19 November, 2017 - 07:01

Gregorianisch

Ein verheißungsvoller Auftakt für die Zusammenarbeit des Münchner Rundfunkorchesters mit seinem neuen Chefdirigenten Ivan Repusic: Duruflé und Respighi, atmosphärisch dicht und überaus delikat gespielt.

Maurice Duruflés 1947 uraufgeführtes Requiem steht ästhetisch in der Tradition Faurés, setzt sich deutlich ab von dem pompösen Stil der Totenmesse bei Verdi. Und dennoch ist etwas ganz anderes prägend für dieses gerade vierzigminütige Werk: Es ist die Frucht intensiver Auseinandersetzung mit der gregorianischen Tradition. Duruflé hat die Linien wunderbar farbig instrumentiert und die unregelmäßige Rhythmik genial mit dem Akzentstufentakt versöhnt: Man hat beständig das Gefühl, in einen delikat fließenden Strom eingebettet zu sein. Duruflé hat auch Motetten und Orgelwerke über gregorianische Themen komponiert. Insgesamt war ihm eine bemerkenswert skrupulöse Arbeitsweise zu eigen: Nur 14 Werke mit Opuszahl sind von ihm kodifiziert worden. Das Requiem, wohl sein größter kompositorischer Erfolg, existiert dagegen in nicht w...

Reger, Max - Klarinettensonaten

18 November, 2017 - 06:52

Reger als großer Melodiker

Der Klarinettist Michael Collins und sein Klavierpartner Michael McHale überzeugen in den drei Klarinettensonaten Max Regers als eingespieltes Duo.

Kann man Max Reger als einen Nachfolger von Johannes Brahms bezeichnen? Für das Gesamtwerk beider Komponisten sicherlich eine problematische Sichtweise, doch gezielt auf eine Werkgruppe fokussiert erweist sich der Vergleich bisweilen als zutreffend. Konkret geht es um die Sonaten für Klarinette und Klavier, zwei Werke bei Brahms (op. 120), drei bei Reger. Der Hinweis auf die Brahms-Inspiration stammt von Reger selbst, der im Jahr 1900, als er in einem Konzert die erste Brahms-Sonate hörte, gesagt haben soll: ‚Schön, werde ich auch zwei solche Dinger schreiben.‘ Die beiden Sonaten op. 49 sind seither fester Bestandteil des Klarinetten-Repertoires, nicht zuletzt wohl deshalb, weil sie so gar nicht dem Reger-Klischee entsprechen: Statt überladener Kontrapunktik und bis zum Exzess ausgereizter Chromatik findet man hier zwei melodieselige, größtenteils heiter gestimmte Werke mit ei...

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 4

14 November, 2017 - 07:01

Haydnscher Mahler

Die Düsseldorfer Symphoniker und Ádám Fischer präsentieren auf ihrer zweiten Mahler-CD eine sachlich bestens ausgearbeitete Interpretation ohne jedoch die emotionalen Konflikte der Sinfonie zu vertiefen.

Nachdem bereits Mahlers Siebte Sinfonie erschienen ist, folgt nun bei CAvi-Music die Vierte Sinfonie unter Ádám Fischer und den Düsseldorfer Symphonikern. Das Projekt Gesamtzyklus steckt demnach noch ziemlich in den Kinderschuhen. Ein kostspieliges Unterfangen sollte es zudem für jeden Fan der Düsseldorfer Symphoniker am Ende werden, wenn man pro CD weiterhin jeweils nur eine Mahler-Sinfonie erhält. Ein kleiner Bonus hätte darüber eventuell hinwegtrösten können, insbesondere angesichts des vorhandenen Platzes auf der CD, den Mahlers schlankeste Sinfonie bietet. Die Konzertgrundlage der vom 17. bis 21. November aufgenommenen Aufführungen ist ohnehin ein Haydn-Mahler-Zyklus. Schade daher, dass Haydns Sinfonie Nr. 103 'Mit dem Paukenwirbel' nicht mit Mahler gekoppelt wurde.

Denn Haydn ist schließlich auch das Stichwort, wenn es um Fischers Mahler-Deutung ...

Bach, Johann Sebastian - Gemischte Werke in Kammermusikbesetzung

13 November, 2017 - 07:40

Bach privat

Andreas Staier hat mit seinen ganz offenkundig begeisterten, jedenfalls begeisternden Mitstreitern einen stimmigen Versuch gewagt: Das mag Bach und seine Familie, seine Freunde und Schüler musikalisch beschäftigt und delektiert haben.

Die Ausgangsbeobachtung für das Programm der vorliegenden Platte ist auf schmerzhafte Weise zutreffend: Über den Menschen, den Privatmann Johann Sebastian Bach wissen wir so beklagenswert wenig, dass es geradezu überrascht, nicht häufiger Satzfolgen wie dieser zu begegnen, die Andreas Staier klug zu einer den häuslichen Privatmusiken nachempfundenen Konstellation versammelt hat: Nach plausiblen Gesichtspunkten – etwa mit Blick auf die musikalischen Fähigkeiten der vermutlichen Teilnehmer – hat er Ausschnitte aus Kantaten oder dem Schemelli-Gesangbuch zusammengefügt, kontrastiert mit instrumentalen Einzelsätzen aus den Cellosuiten oder den Violinsonaten, mit knapp konturierten Cembalowerken als Grundierung. Über diese Mittelbarkeit versuchen Staier und seine Mitstreiter einen – wenn auch notwendigerweise bescheidenen – Reflex vom privaten Bach zu erhaschen: Im Kreis ...

Beethoven, Ludwig van - Klavierkonzerte Nr. 1 & 5

12 November, 2017 - 08:26

Beethoven für Millennium Snowflakes

Nun also Lars Vogt im New Millennium Look, zusammen mit der Royal Northern Sinfonia aus Sage, Großbritannien. Das Orchester dirigiert er gleich selbst. Irgendwie selbstverständlich in unseren DIY-Zeiten.

Selbstverständlich muss – und soll – jede Generation die Klassiker neu entdecken. Denn jede Generation kommt zu diesen Stücken aus einem anderen Kontext, einem anderen Lebensgefühl, mit anderen Hör- und Sehgewohnheiten, mit anderen Erwartungen. Deshalb müssen auch immer wieder neue Künstler her, um die alten Titel frisch zu durchleuchten, aufzuführen und aufzunehmen. Insofern ist es typisch, wie sich nun Lars Vogt als Solist von Beethovens Klavierkonzerten Nr. 1 und 5 auf dem CD-Cover präsentiert: casual angezogen, Lederjacke, schwarzer Sportpullover, Stoppelbart, erkennbar durchtrainierter Oberkörper, jugendlich-männliche Ausstrahlung, markantes Kinn mit leicht verzerrtem Lächeln vor einer Steinwand. In die Ferne schauend - von wo vielleicht die großen Beethoven-Interpreten der Vergangenheit zurücklächeln.

Hat man nach dem Zweiten Weltkrieg ...

Graun, Carl Heinrich - Weihnachtsoratorium

11 November, 2017 - 06:38

Ein Weihnachtsoratorium

Das Engagement der Ensembles und des Dirigenten für dieses noch immer selten gespielte Weihnachtsoratorium von Graun ist hocherfreulich und verdienstvoll. Vermutlich wird nichts Kanonisches ersetzt. Eine lohnende Alternative ist es dennoch.

Carl Heinrich Grauns Weihnachtsoratorium ist wohl vor seiner 1740 beginnenden Berliner Zeit entstanden, die heute das Bild dieses großartigen, in der breiten Wahrnehmung noch immer zu wenig präsenten Komponisten prägt. Dieses etwa 80-minütige Oratorium nimmt noch etliches Rüstzeug aus dem barocken Regelwerk mit und spielt doch deutlich in empfindsame Gefilde hinein – in dieser stilistischen Prägung glücklich korrespondierend mit den Texten, die sehr viel stärker Seelenzustände reflektieren, denn tatsächlich handlungsorientiert sind. Das weihnachtliche Geschehen ist gleichsam im Hintergrund sich vollziehendes Weben und Wehen, während die Aufmerksamkeit der ariosen aber auch sehr weitgehend der rezitativischen Anteile dem beziehungsreichen Nachdenken über die Bedeutung dieses gedanklichen und Glaubensraums für die andächtige Seele des 18. Jahrhunderts gilt.

Enigmas - Kammermusikwerke für Klavier von Elgar, Leighton, Bowen u.a.

9 November, 2017 - 07:43

Elspeth Wyllie & Friends

Ein Debüt-CD wie eine Küchen-Party: Eine schottische Pianistin lädt ihre Freundinnen ein, und jede bringt etwas anderes mit. Nicht alles ist gleich gut gelungen, manches aber hervorragend.

Schon das Tonträger-Motto ‚Enigmas‘ weist auf Rätselhaftes hin. Bei der von Wyllie eingangs gespielten Solo-Klavierfassung der 'Enigma Variations' von Edward Elgar liegt es noch auf der Hand, auch in dieser eigenen Übertragung des sonst wenig klavieraffinen Komponisten. Nicht das biographische Personen- und Charakterraten, sondern vielmehr die ungewohnte Klanggebung auf dem Konzertflügel stellt das zu lösende Problem dar. Die in Edinburgh, Oxford und an der Royal Academy of Music in London ausgebildete Pianistin liefert eine nicht immer befriedigende Lösung: Der gut abgebildete Klavierklang ermöglicht ihr ein fein gestaffeltes, im Stimmengeflecht gut durchhörbares durchaus fast farbig-orchestrales Klangbild, das auch auf der motorischen Seite nach etwas gemächlichem Beginn über so viel Innenspannung und dramaturgischen Duktus verfügt, dass man gerne zuhör...

Alfabeto Falso - Werke von Foscarini, Kapsberger, Piccinini, de Murcia u.a.

8 November, 2017 - 06:47

Chiffren

I Bassifondi vernachlässigen keinesfalls das Zarte, Zerbrechliche, kosten aber insbesondere die süffigen Harmonien bis zur Neige aus. Vor allem aber sind es fünfzig außerordentlich temperamentvolle und kurzweilige Minuten.

Chiffren für komplett ausnotierte Musik zu finden, die diese dann auch weniger geübten Spielern leichter zugänglich machten, ist kein Impuls erst der gitarristischen Lagerfeuerromantik. Kurzschriften und Akkordsymbole finden sich weit früher. Zum Beispiel bei Girolamo Montesardo schon 1606, indem er für jeden Akkord einen korrespondierenden Buchstaben definierte. Dass dieses praktische, aber auf Dauer nicht eben reizvolle Schema erweitert wurde, überrascht nicht. Das ‚falsche Alphabet‘ wurde die üppig bereicherte Erweiterung dazu genannt – farbig, würzig durch dissonante Akzente, mit vielen Schattierungen, die das akkordische Geschehen erst so richtig attraktiv machten. Das zeigt sich besonders in den eher starren Reihungsformen der Zeit, in Passacaglia oder Folia, die neben vielen Tänzen und freieren Sätzen aus den Federn von Giovanni Paolo Foscarini, Johannes Hiero...

Bach, Carl Philipp Emanuel - Flötensonaten

7 November, 2017 - 08:51

Inspirierender Hörgenuss

Mit Eleganz, Präzision und motivierender Spielfreude präsentieren Dorothea Seel und Christoph Hammer die Flötensonaten von Carl Philipp Emanuel Bach. Die Künstler überzeugen durch temperamentvolle Virtuosität und Feinfühligkeit im Ausdruck.

Nur ein einziges kammermusikalisches Werk für Flöte - die unbegleitete Solosonate in a-moll - wurde zu Carl Philipp Emanuel Bachs Lebzeiten veröffentlicht. Heute erfreut sich sein gesamtes Sonatenwerk großer Beliebtheit; von seinen insgesamt 17 Flötensonaten gibt es mehrere Einspielungen. Dorothea Seel und Christoph Hammer gelingt jedoch hier eine Sonderstellung, da sie keine Auswahl treffen, sondern alle Sonaten in ihrer Einspielung vereinigen. Durch diese Entscheidung wird die Aufmerksamkeit auf die Unterschiede zwischen den einzelnen Werken gerichtet, die in ihrer allgemeinen Bezeichnung als Flötensonaten ansonsten als Einheitswerke betrachtet werden könnten. Genau genommen sind es jedoch drei verschiedene Varianten, in denen die beiden Instrumente - in diesem Fall Traversflöte und Hammerflügel - aufeinandertreffen. Zunächst wären da die zwölf Sonaten Wq 123-13...

Lehár, Franz - Die Juxheirat

7 November, 2017 - 08:51

Früher Lehár aus Ischl

Diese 'Juxheirat' ist wieder mal was für Entdecker oder Bad-Ischl-Reisende, die ihre Lehár-Diskografie erweitern möchten.

Das Lehár Festival Bad Ischl wagt sich immer wieder auch an vergessene Operetten – nicht nur von Lehár, sondern auch von seinen Zeitgenossen. Dass diese Mitschnitte mittlerweile regelmäßig auch beim Label cpo erscheinen, ist ohne Frage zu begrüßen. Auf diese Art und Weise sind endlich auch unpopuläre Titel auf Tonträger greifbar und machen hin und wieder Lust auf weitere Produktionen dieser Raritäten. Von künstlerischer Seite sind freilich nicht alle Bad Ischler Mitschnitte von solcher Güte, dass man sie zwingend konservieren müsste, aber allein die wiederbelebten Operettentitel rechtfertigen eine Veröffentlichung.

Im Sommer 2016 stand in Bad Ischl Franz Lehárs frühe Operette 'Die Juxheirat' auf dem Spielplan. Genau ein Jahr vor seinem Welterfolg mit der 'Lustigen Witwe' markiert bereits die 'Juxheirat' den &Uuml...

Viardot, Pauline - Deutsche Lieder

6 November, 2017 - 07:36

Wiederentdeckt

Die Sopranistin Miriam Alexandra und der Pianist Eric Schneider erkunden mit den Liedern der berühmten Musikerin aus dem 19. Jahrhundert unbekanntes musikalisches Terrain.

Musikfreunden und Musikern der Gegenwart ist Pauline Viardot bestenfalls als gefeierte Sängerin aus dem 19. Jahrhundert bekannt. Ihre Kompositionen sind - ebenso wie sie selbst - in Vergessenheit geraten. Zur Änderung dieses Umstandes leistet diese Einspielung des Labels Oehms Classics (2016, in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandradio produziert) einen großen Beitrag, denn unter den 27 enthaltenen Liedern sind acht Ersteinspielungen. Viardots Kompositionen sind hauptsächlich solistische Lieder mit Klavierbegleitung in der Tradition Franz Schuberts.

Das zweisprachige Booklet (Deutsch und Englisch) lässt keine Wünsche offen. Neben einem kurzen biographischen Abriss, der Leben und Werk von Pauline Viardot schildert, wird auch kurz auf die einzelnen Lieder und auch auf die Dichter der Texte eingegangen. Nach den biographischen Angaben der Künstler sind die Texte der Lieder komplett abgedruckt...