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Aktualisiert: vor 14 Minuten 31 Sekunden

Amen Hayr Surb - Armenian sacred music & Johann Sebastian Bach

14 August, 2018 - 07:41

Eine Begegnung zweier Welten

Die armenische Violinistin Lilit Tonoyan stellt die sakrale Musik ihrer Heimat neben ausgewählte Werke von Johann Sebastian Bach. Herausgekommen ist ein außergewöhnliches Klangerlebnis mit großer Tiefe.

Zwischen zwei Welten zu leben, ist für die Geigerin Lilit Tonoyan nichts Ungewöhnliches. Aufgewachsen ist sie in Armeniens Hauptstadt Jerewan, doch seit sie 2007 für ihr Violinstudium nach Deutschland gekommen ist, beschäftigt sie sich auch intensiv mit europäischer Musik. Dabei findet sie anscheinend Gefallen daran, Musik aus ihrem ursprünglichen Kontext zu lösen und sie in einen neuen Rahmen zu setzen. So gründete sie 2008 das Cologne World Jazz Ensemble, das Jazz, Improvisation und armenische Musik miteinander verbindet. Mit ihrer aktuellen CD wagt Tonoyan einen neuen Vorstoß. Auf 'Amen Hayr Surb' fokussiert sie sich auf die Verbindung von armenischer Sakralmusik und der Musik Johann Sebastian Bachs (1685–1750). Ihr Partner in diesem Projekt ist der ebenfalls aus Armenien stammende Cellist und Bach-Spezialist Davit Melkonyan. Das Album erschien bei der Edition Kaleidos.

Sviridov, Georgy: Canticles and Prayers - Latvian Radio Choir, Sigvards Klava

13 August, 2018 - 08:35

Orthodoxe Moderne

Georgy Sviridov erscheint hier als großer Transformator älterer Traditionen in die Gegenwart – und der Lettische Radiochor als kongenialer Anwalt dieser Musik.

Georgy Sviridov (1915–1998) ist eine durchaus vielschichtige Künstlerfigur, eingewoben in die Zeit: einerseits Schostakowitsch-Schüler, in seinem eigenen Werk andererseits beinahe vollkommen frei von der eruptiven Energie, von der im engeren Sinne modernen Seite seines Lehrers. Einerseits ein mit Preisen überhäufter, in der Sowjetzeit arrivierter Komponist – mit Lenin-Ode im Werkverzeichnis und auch sonst mit allem, was dazugehörte. Andererseits einer der zentralen Großmeister, der substanzielle Teile des alten orthodoxen Erbes aus der Zarenzeit bis ans Ende des 20. Jahrhunderts getragen hat. Letzteres sichert ihm eine beachtliche Präsenz in der Gegenwart. Die zu mehren wird auch die aktuelle Platte des Lettischen Radiochors beitragen, die beim finnischen Label Ondine erschienen ist.

Auf ihr sind die 'Gesänge und Gebete' versammelt, an denen Sviridov seit 1980 und...

Chant d'Automne - Trompetenwerke von Hartmann, Grunelius, Hindemith und Fischer

13 August, 2018 - 08:35

In expressiver Steigerung

Wim Van Hasselt steht im Mittelpunkt einer durchaus disparaten Sammlung von Werken mit Trompete.

Das 20. Jahrhundert brachte der Konzert- und Kammermusikliteratur für Trompete neue reiche Früchte – die Möglichkeiten der freieren Instrumentennutzung nach dem Ersten Weltkrieg führte zu Werken unterschiedlichster Couleur und Stimmungslage. Die Ecksätze von Karl Amadeus Hartmanns neoklassisch-ironischem 'Concertino' für Trompete und sieben Soloinstrumenten aus dem Jahr 1933 kommen übermütig-spritzig daher, wie ein sarkastischer Kommentar zu den Nationalsozialisten. Nach der Uraufführung im August desselben Jahres in Straßburg galt das Werk bis 2000 als verschollen, hat aber in der vorliegenden Einspielung mit Wim Van Hasselt (zusammen mit Solisten der Amsterdam Sinfonietta) nichts von seiner Frische verloren. Paul Hindemiths Sonate für Trompete und Klavier (mit einem Choralzitat aus 'Alle Menschen müssen sterben' im Schlusssatz) entstand 1939 im Schwe...

Meyerbeer, Giacomo - Chorwerke

12 August, 2018 - 06:48

Voll weltlicher Würde

Musikalisch höchstkarätige, vielleicht etwas zu säkulare Darbietung eines substanziellen Teils von Giacomo Meyerbeers Chorschaffen.

Nur ein eher überschaubares sakrales Œuvre hat der aus dem Brandenburgischen stammende Giacomo Meyerbeer (Jakob Herz Beer) hinterlassen. Da gibt es das Oratorium 'Gott und die Natur', 16 Choräle, insgesamt sechs Psalmvertonungen und verschiedenes mehr. Die Rheinische Kantorei unter ihrem legendären Leiter Hermann Max hat eine Auswahl an Werken mit und ohne Orgel zusammengestellt und überzeugt vom ersten Takt durch höchste Textverständlichkeit und ebensolches Textverständnis, durch musikalische Durchformung, durch interpretatorische Makellosigkeit. Wenn es den Darbietungen an etwas fehlt, dann höchstens an sakraler Innigkeit, die aber im Berlin des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts nicht an erster Stelle gestanden haben mag. Meyerbeers satztechnische Fertigkeiten, die in den Opern meist zu wenig Würdigung erfahren, treten hier haptisch hervor. Der etwas zu lange Nachhall de...

Dvorak, Antonin: 23 Lieder "Mährische Duette" - Simona Saturova, Marketa Cukrova, Petr Nekoranec, Vojtech Spurny

11 August, 2018 - 08:27

Hausmusik von herber Schönheit

Diese Aufnahme ist mit Sicherheit keine hochpolierte Massenware, die im Schönklang ertrinkt, sondern eine kraftvolle und persönlichkeitsstarke Lanze für eine vernachlässigte Kunst: Hausmusik in ihrer schönsten Ausprägung.

Es war im Hause der Familie Neff in Prag Anfang der 1870er Jahre, wo Antonín Dvořák als Musiklehrer ein- und ausging. Und weil bei den Neffs die Pflege von Hausmusik großgeschrieben wurde, beauftragte man den jungen Komponisten, ein paar Duette für das singende Ehepaar zu komponieren – und zwar als Gegenentwurf zur deutschen Hausmusikliteratur in tschechischer Sprache. In einer Zeit, in der man auf der Suche nach idiomatischer Nationalmusik war, fiel dieses Ansinnen auf fruchtbaren Boden. Und so schrieb Dvořák seine ersten 'Mährischen Duette' op. 20 auf Texte aus einer Volksliedsammlung – für den Hausgebrauch. In den Jahren darauf folgten die 'Mährischen Duette' op. 32 und jene op. 38, die bis heute immer wieder in Duo-Liederabenden erklingen. Es ist das Volkstümliche in Kombination mit dem Kunstvollen, das Dvořáks Duette so attrakti...

Distler, Hugo - Sämtliche Orgelwerke

10 August, 2018 - 07:50

Klingendes Faszinosum

Johannes Hämmerle spielt das gesamte Orgelwerk von Hugo Distler – eine wahre Bereicherung.

Ein Jammer, dass Hugo Distler bereits im Alter von 34 Jahren verstarb (1908–1942). Wer weiß, was der große Erneuer der evangelischen Kirchenmusik und der Orgelbewegung sonst noch geschaffen hätte? Erstaunlicherweise gibt es vom Orgelwerk des Nürnbergers nur wenige Gesamteinspielungen, obwohl es auf 2 CDs passt und in jederlei Hinsicht ein Faszinosum darstellt.

Johannes Hämmerle zeigt auf vorliegender Einspielung an der Metzler-Orgel der Domkirche St. Nikolaus im voralbergischen Feldkirch, dass Moderne und berückende Melodik sowie ausgefeilte Kontrapunktik bei Distler Hand in Hand gehen. Nicht nur dank der natürlichen Direktheit von Hämmerles Zugriff erschließen sich die Partiten, Orgelchoralbearbeitungen, geistlichen Konzerte, Spielstücke und die ‚späte‘ Orgelsonate auf Anhieb. Jenseits von platten Archaismen kommt so die gesamte hochoriginelle Synt...

Vernet, Olivier spielt - Französische Orgelwerke

10 August, 2018 - 07:50

Der Sonnenkönig unter den Instrumenten

Eine musikalisch vielfältige und auch in der Ausstattung reiche Edition zu 150 Jahren französischer Orgelmusik.

Eine reiche Ausbeute haben Olivier Vernet und das französische Label Ligia auf 10 reichgefüllten CDs unter dem Titel 'L’orgue classique français 1650–1800' vorgelegt. Die Einspielungen entstanden von 1995 bis 2011 an zehn verschiedenen Orgeln, und neben den ‚üblichen Verdächtigen‘ Louis und François Couperin, Nicolas de Grigny, Louis-Nicolas Clérambault, Michel Corrette, Jean-François Dandrieu, Jean-Philippe Rameau und Claude-Bénigne Balbastre sind zahlreiche weitere Komponisten zu erkunden. Olivier Vernet weiß der Musik nicht nur Leben und musikalische Frische einzuhauchen, auch die sakrale Komponente kommt an den hervorragend ausgewählten Instrumenten u.a. in Paris, Bordeaux, Sous-Jouarre, La Flèche, Rozay-en-Brie, Seurre, Soultz, Souvigny Saint-Guilhem-le-Désert bestens zur Geltung (doch fehlen auch Transkriptionen aus s...

Wagner, Richard: Tristan und Isolde (Bayreuth, 1958) - Wolfgang Windgassen, Josef Greindl, Birgit Nilsson, Erik Saeden, Wolfgang Sawallisch

9 August, 2018 - 08:23

Noch ein Nilsson-Windgassen-'Tristan'? Ja!

Dieser 'Tristan' dokumentiert die junge Birgit Nilsson und den hörbar entflammten Wolfgang Windgassen in ihren Paraderollen – einige Jahre, bevor sie als Traumpaar dieses Werks in die Geschichte eingingen.

Eigentlich könnte man sich fragen, weshalb es noch einen 'Tristan' mit dem Traumpaar Birgit Nilsson und Wolfgang Windgassen auf CD geben muss. Die legendäre Böhm-Aufnahme von 1966 von den Bayreuther Festspielen ist bei der Deutschen Grammophon noch immer erhältlich und es gibt zahlreiche andere Livemitschnitte von Florenz bis Orange, London und die MET, die zumindest Nilssons Jahrhundert-Isolde und auch Windgassens Tristan hinreichend dokumentieren. Der vorliegende Mitschnitt aus dem Jahr 1958 von den Bayreuther Festspielen, der nun auf drei CDs beim Label Orfeo herausgekommen ist, ist aber dennoch etwas Besonderes, denn er macht einen Abend im Festspielhaus wieder lebendig, der einige der Mitwirkenden am Beginn ihrer internationalen Karriere mit diesen Partien zeigt.

Am Beginn der Karrieren

Dass beispielsweise Wolfgang Sawallisch ein großer Wagner-Dirigent war, i...

Chaminade, Cecile und Chausson, Ernest - Le Salon de Chausson

8 August, 2018 - 07:14

Aus dem musikalischen Salon

Musik aus der Société National de Musique in herausragenden Wiedergaben.

Als Ernest Chausson in seinem neuen Domizil in der Pariser Rue de Courcelles der Société National de Musique eine neue Heimat gab, läutete er damit eine Wiederbelebung der Kammermusik im französischen Musikleben ein. Chaussons Klaviertrio g-Moll op. 3 und Cécile Chaminades Klaviertrio a-Moll op. 34 waren beide hier zu hören. Grund genug für das niederländische Atlantic Trio, in Hilversum beide Werke zu verknüpfen (Label Quinton). Die Liebe zum Objekt ist jeden Moment zu hören, die innere Verbundenheit verbunden mit technischer Makellosigkeit. Wenn bei dem Chausson-Trio die Hyperion-Einspielung mit noch mehr Farben, noch mehr Intimität und ‚impressionistischer‘ Dichte aufwarten kann – auch durch die Wahl des Klaviers –, heißt das nur, dass eine sehr gute Interpretation durch eine noch bessere übertroffen wurde. Bei dem Chaminade-Trio h...

Purcell, Henry: Cembalosuiten - Ewa Rzetecka Niewiadomska, Cembalo

8 August, 2018 - 07:14

Orpheus auf dem Cembalo

Henry Purcell war auch als Meister des Cembalos eine Hausnummer. In eigensinnigen Spezialitäten wie den Hornpipes manifestieren sich musikantische Unternehmungslust und ein beweglicher Geist vielleicht am schönsten.

1696, ein Jahr nach Henry Purcells Tod, veröffentlichte Henry Playford dessen acht Suiten für Cembalo auf Betreiben der Komponistenwitwe Frances. Und die Publikation lohnte, handelt es sich doch um Werke von konsistentem Schnitt, fast durchgängig mit einem knackigen Prelude einsetzend, sind sie meist vier-, seltener dreisätzig, mit Almand und Corant als prägenden Formen, dazu in wechselnden Konstellationen Sarabanden, Minuets oder – das als typisch englisches Element anzusprechen – Hornpipes. Vollkommen absent ist dagegen die Gigue oder Jig.

Die jeweiligen Eingangssätze geraten bei aller Pointierung angemessen frei und gelöst, entfalten diese Qualität auf atemberaubend engem Raum zu dennoch echter, nicht nur behaupteter Charakteristik. Purcell, dessen Musik stets von präziser affektiver Zeichnung und der glückenden Balance zwischen struktureller Ambition und...

Siegel, Gerhard singt - Lieder von Schönberg, Strauss & Hessenberg

7 August, 2018 - 08:19

Charme im Keim erstickt

Ein überforderter Sänger mit einem spannenden Programm.

Einem nicht alltäglichen Programm stellen sich der deutsche Charaktertenor Gerhard Siegel und sein amerikanischer Klavierpartner Gabriel Dobner: Schönbergs 'Brettl-Liedern', Strauss‘ 'Krämerspiegel' und Kurt Hessenbergs 'Liedern eines Lumpen' (1950, auf Texte von Wilhelm Busch) – letzteres eine ganz besondere Rarität. Leider bietet der Sänger mehr Rhetorik als qualitätvollen Gesang – viele Töne sind verquollen, gepresst, vieles ist nicht ganz sauber intoniert, die Höhe bemüht, keine Linie sauber gebildet, die Gestaltung ohne rechtes Ziel und innere Bedeutung. Die im Booklet angesprochene Erotik spiegelt sich nicht im Mindesten in Siegels Stimme – und auch an der Ironie der Musik mangelt es zumeist. Auch der Pianist bleibt allzu prosaisch – auch wenn er sich insgesamt als sensibler und geschmackvoller Partner erweist (wodurch der Sä...

Reger, Max - Orgelsonaten

7 August, 2018 - 08:19

Klangpracht aus dem Dom von Perugia

Adriano Falcioni entfaltet die klangliche Vielfalt der Orgel des Doms von Perugia mit drei Kompositionen von Max Reger, darunter die bekannte 'Fantasie und Fuge über B-A-C-H'.

Im Jahr 2016 gedachte die Musikwelt des hundertsten Todestages von Max Reger. Aus diesem Anlass erschienen nicht nur zahlreiche Einspielungen seiner Werke, sondern auch eine monumentale Biographie von Susanne Popp, in der auf 540 Seiten Leben und Werk des Tondichters ausgeleuchtet werden. Wie wichtig die Orgelmusik für Regers Karriere war, lässt sich darin detailliert nachvollziehen – die Orgelwerke setzten sich schon zu Lebzeiten des Komponisten international durch und wahren ihre Geltung bis heute, so Popp (vgl. S. 123). Das eine, herausragende Werk ist dabei die 'Fantasie und Fuge über B-A-C-H' op. 46, die praktisch jeder virtuose Organist von Rang in seinem Repertoire hat. Gegenüber diesem Stück wirken die anderen Orgelwerke Regers, beispielsweise die beiden Sonaten opp. 33 und 60, weniger spektakulär, obwohl ihr musikalischer und technischer Anspruch kaum geringer ist. Der italienische...

Schubert, Franz - Der Wanderer

6 August, 2018 - 07:42

Bestechend natürlich

'Der Wanderer' ist eine zeitgemäße Schubert-CD – ein Muss.

Das Cover ist unscheinbar, ohne aufpoliertes Starfoto, konzentriert auf das Wesentliche: 'Schubert Lieder. Der Wanderer' steht auf dem einfarbigen Titelblatt und ganz klein die Namen der beiden ausführenden Künstler. Das war’s. Hoffentlich geht diese CD in ihrer optischen Zurückhaltung im Laden nicht unter – denn sie ist etwas Besonderes. Der Bariton Roderick Williams singt darauf 22 Schubert-Lieder, begleitet vom routinierten Iain Burnside. Hier werden Geschichten erzählt, aber so unaufgeregt und mit einer Leichtigkeit, dass die Interpretation von der ersten Note an ins Herz des Zuhörers trifft.

Bei so viel überzeugender Kunstfertigkeit vergisst man fast, mit welcher technischen Souveränität Roderick Williams seine Stimme beherrscht, die in der attraktiven Mittellage ein ungeheures Farbspektrum bereithält und dieses auch in der stupenden Höhe fortsetzen ...

Im Arm der Liebe - Lieder von Braunfels u.a.

5 August, 2018 - 08:26

Juwelen für den Konzertsaal

Juliane Banse und Sebastian Weigel lassen mit Werken von Marx, Braunfels, Pfitzner und Korngold originale Orchesterlieder erstrahlen.

Das originale Orchesterlied ist noch keine alte Erfindung, als Joseph Marx, Walter Braunfels, Hans Pfitzner und später auch Erich Wolfgang Korngold ihre Lieder für den Konzertsaal schreiben. Und wie noch wenige Jahrzehnte zuvor ausufernde Schriften proklamieren, dass das Lied nicht im Konzertsaal erklingen dürfte, sondern in seiner Schlichtheit und Einfachheit in das häusliche Zimmer gehöre, so werden genau diese durch die nämlichen Komponisten Lügen gestraft. Denn wie sollten diese farbigen, raumgreifenden, lichten und alles andere als schlichten Kompositionen anders als mit großem Orchester, glutvollen Stimmen und im großen Saal adäquat aufgeführt werden können?

Juliane Banse widmet sich in ihrer 2015 eingespielten CD 'Im Arm der Liebe' Orchesterliedern der oben genannten vier Komponisten. Wenn auch leider nur marginal textverständlich, verhilft si...

Purcell, Henry: Royal Welcome Songs for King Charles II - The Sixteen, Harry Christophers

3 August, 2018 - 08:01

Erlesen

The Sixteen sind unterwegs in erfreulichen Purcell-Erkundungen, die weniger bekanntes Repertoire ins Zentrum rücken und unterstreichen, dass der Komponist ein Meister aller Klassen war.

Nachdem Henry Purcell Matthew Locke als ‚composer to His Majesty Charles II‘ nachgefolgt war, tat sich ein breites Betätigungsfeld im Bereich der geistlichen Musik auf. Viel anlassbezogene Gelegenheitsmusik darunter: Zum Beispiel die sogenannten 'Royal Welcome Songs', mit denen dem König zu dessen Geburtstag, zu Neujahr oder aus Anlass seiner Rückkehr aus der Sommerfrische nach Whitehall geschmackvoll die Aufwartung gemacht wurde. Die Musik schuf eine Sphäre feiner Repräsentativität und heiterer Ernsthaftigkeit. Für ein solches Zwischenreich der Affekte und Haltungen war Purcell ganz sicher eine exquisite Adresse. Und seine Kunst materialisierte sich in diesen 'Welcome Songs' ganz wunderbar, die verwandt sind mit Anthems und Oden, in der Regel mehrsätzig, mit stetem Wechsel von Soli und meist homophon gesetzten Ensembles. Die Grundgeste ist dabei eher schlicht; Varia...

Reger, Max - Sämtliche Klaviertrios

2 August, 2018 - 07:50

Ein Wort weniger wäre mehr

Die verdienstvollen Einspielungen der 1990er-Jahre haben kaum von ihrem Reiz verloren – doch auch nichts von ihren Mängeln.

Unveränderte Wiederveröffentlichungen können sich rächen – vor allem wenn fast zwanzig Jahre vergangen sind und sich die Forschung substanziell weiterentwickelt hat. Die Einspielungen der Klaviertrios opp. 2 und 102 von Max Reger mit dem Trio Parnassus und dem Bratschisten Gunter Teuffel sorgten seinerzeit für Furore, obwohl beide Interpretationen nicht ganz makellos sind. Das große e-Moll-Trio op. 102 wird vom Trio Parnassus (Wolfgang Schröder, Michael Groß, Chia Chou) etwas zu zaghaft begonnen, doch überzeugt die Interpretation durch sorgsame Befolgung von Regers intrikaten dynamischen Anweisungen. Gleiches lässt sich leider nicht über das h-Moll-Trio op. 2 sagen, wo der Cellist Michael Groß seinen Platz dem Bratscher Gunter Teuffel abtritt: Bei diesem Frühwerk gehen die Musiker viel zu zaghaft-brahmsisch zu Werke, loten das Potenzial des Werks kaum annä...

Prokofiev For Two - Martha Argerich, Sergei Babayan

2 August, 2018 - 07:50

Romeo und Julia am Klavier

Martha Argerich und Sergei Babayan spielen an zwei Klavieren Bearbeitungen aus 'Romeo und Julia' sowie weiteren Werken Sergej Prokofjews.

Die beiden schmiegen sich aneinander wie ein Liebespaar, vielleicht etwas weniger leidenschaftlich, als man es bei Romeo und Julia erwarten würde, schließlich befinden sie sich in deutlich gesetzterem Alter als Shakespeares Backfische, dafür aber wirken die Dame mit der grauen Mähne und der Herr mit der auffälligen Brille sehr vertraut. Deutlich weniger sanft, als es das Cover einer neuen Platte mit Auszügen aus Prokofjews 'Romeo und Julia'-Ballett vermuten lassen würde, ist dann der erste Klangeindruck. In einer Bearbeitung für zwei Klaviere spielen Martha Argerich und Sergei Babayan, aus dessen Feder die Arrangements auch stammen, die ersten Akkorde so perkussiv und trocken wie nur möglich, denn als Prolog hat Babayan die Szene von Tybalts Tod gewählt. Die Szenenfolge ist hier also neu festgelegt und folgt nicht der Handlung, musikalisch aber ist der Ablauf schlüssig.<...

Gedankenverloren - Lieder von Schubert, Krenek, Strauss, Trojahn u.a.

1 August, 2018 - 07:37

Jenseits der Routine

Vielfalt und programmatischer Wagemut kennzeichnen die Debüt-CD der jungen Sängeirin Katharina Konradi.

Katharina Konradi, die Preisträgerin des Deutschen Musikwettbewerbs 2016, legt mit ihrer Debüt-CD eine klug durchdachte, weit von etwaiger Routine entfernte Produktion vor, die durch Vielfalt und programmatischen Wagemut überzeugt. Schumann und Strauss spannen ein weites Feld auf, mit Debussy und Rachmaninoff als weiteren strukturierenden Fixpunkten. Von Schubert sind es keineswegs die ‚Schlager‘, mit denen sich Konradi zufrieden gibt – 'Nacht und Träume' D 827, 'Heimliches Lieben' D 922 und 'Frühlingsglaube' D 686 machen es der Sängerin nicht leicht. Gerade das erstgenannte Lied (aber auch Richard Strauss 'Rosenband' op. 36/1) fordert extrem saubere Linienführung, und hier sind immer wieder Unsicherheiten deutlich wahrzunehmen. Auch ist die Vokalfärbung der Sopranistin nicht immer intentionell, sondern ergibt sich teilweise etwas unkontrolliert...

Melancholia - Bass-Arien von Georg Friedrich Händel

1 August, 2018 - 07:37

Abgründig tiefer Händel

'Melancholia' ist eine wohltuende Ergänzung zum sonst üblichen Barock-Spektakel auf dem Plattenmarkt. Händels von Andrea Mastroni gesungene Bass-Arien sollte man nicht verpassen.

Sie stehen wahrlich nicht im Zentrum von Händels Opernschaffen: Bässe. Und doch finden sich in all dem Rummel um Kastraten und Primadonnen bei Händel schillernde Arien für die tiefste Männerstimme – motiviert durch besondere Interpreten. Einer dieser Sänger war der Bassist Antonio Paolo Montagnana, der ab 1731 mit Unterbrechungen zu Händels Opernkompagnie in London gehörte. Für diesen außergewöhnlichen Sänger komponierte Händel große Basspartien in 'Ezio' oder 'Orlando'. Auch bei Wiederaufnahmen wurde Montagnana mit eigens für ihn angefertigten Einrichtungen bedacht. Der Bass stand mit Montagnana plötzlich auch im Zentrum des Interesses. Die Fähigkeiten des Italieners müssen beachtlich gewesen sein: Die geforderte Tiefe ist enorm, die Beweglichkeit und gleichzeitige Dramatik seiner Partien überraschend.

Um ...

Sterkel, Johann Franz Xaver - Violinsonaten

31 Juli, 2018 - 07:47

Nicht-Wiener Klassiker

Fast jeder Mozart-Zeitgenosse hat es schwer. Johann Franz Sterkel wird in den letzten Jahren stärker erkundet – mit immer wieder überzeugenden Ergebnissen.

Fast jeder Mozart-Zeitgenosse hat es schwer. Johann Franz Sterkel (1750–1817), von Beethoven, Weber und anderen hochgeschätzt, wird in den letzten Jahren stärker erkundet, mit immer wieder überzeugenden Ergebnissen. Die hier vorliegenden drei Sonaten op. 25, op. 33 Nr. 1 und 3 für Violine und Cembalo oder Pianoforte, dazu die Romanze F-Dur op. 24 Nr. 3 sowie die Fantasie a-Moll op. 45 für Pianoforte zeigen einen Komponisten, dessen Werke man durchaus auch einem Mozart unterschieben könnte. Die Opera 24 und 25 wurden 1785/86 im Druck vorgelegt, die Sonaten op. 33 im Jahr 1792, während die Fantasie (in unterschiedlichen Versionen) 1811 bzw, 1817 veröffentlicht wurde. Auch außerhalb des deutschsprachigen Raums hatte Sterkels Musik Erfolg, und die Konzentration auf einige wenige Komponisten zeigt hier einmal mehr, wie ungerecht der Musikmarkt häufig sein kann. Sterkel schuf mehr al...