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Aktualisiert: vor 56 Minuten 17 Sekunden

Bossi, Marco Enrico - Klaviertrios

6 April, 2018 - 08:18

Unharmonisch

Das Trio Archè nähert sich zwei Klaviertrios von Marco Enrico Bossi auf je eigenen Pfaden: Manchmal ziehen sie an einem Strang, manchmal gehen die Musiker quasi solistische Wege. Das ist zu wenig, um ein Lanze für Bossi zu brechen.

Marco Enrico Bossi (1861–1925) kennen wir, wenn überhaupt, zumeist als Komponist von Orgelmusik. Ab 1890 Professor für Komposition in Neapel, scheint sein Stil in den beiden Klaviertrios d-Moll op. 107 und D-Dur op. 123 (1896 bzw. 1901) doch eher einem historischen Überhang anzugehören. Im ersten Trio hört man kaum eine Spur Brahms, Fuchs, Gernsheim, Bruch oder Herzogenberg – doch hört man Echos Schumanns und Mendelssohns. Das zweite Trio ist selbstständiger, doch gleichermaßen insgesamt konventionell (dass beide Kompositionen viersätzig und von ganz regelkonformer Konstruktion sind, ist fast schon selbstredend). Unter der formenden Hand engagierter Interpreten können aber auch so scheinbar nebensächliche Werke sozusagen über sich hinauswachsen (dies hat schon 2005 etwa das Hungarian Piano Trio für Hungaroton bewiesen).

So leider nicht in der vorl...

Scarlatti, Alessandro - Collection - Kantaten, Konzerte, Opern, Oratorien

4 April, 2018 - 07:01

Für viele etwas

Diese voluminöse Scarlatti-Edition kann musikalisch mit viel Hochrangigem aufwarten. Allerdings hat man auch mit editorischen Mängeln zu tun.

30 CDs mit Musik von Alessandro Scarlatti, vornehmlich in Einspielungen aus den Jahren 1989–2015, legen Brilliant Classics hier vor. Ein großer Teil der CDs ist eine Übernahme vom italienischen Label Tactus (nicht weniger als 11 Silberscheiben), dazu kommen Naxos Amerika, Capriccio, Atma und Philharmonia Baroque. Eine systematische Repertoireerkundung (etwa durch weitere Lizenzierungen) unterbleibt dennoch – und das ist eine große Überraschung: Nicht nur wird das weite Spektrum der Oper außer ein paar Intermezzi komplett ausgespart, auch so berühmte kirchenmusikalische Werke wie die Johannespassion, das 'Dixit Dominus', das 'Magnificat' und das 'Stabat Mater' fehlen.

Den Hauptteil der Edition bestreiten das Alessandro Stradella Consort und der Ars Antica Choir unter Estevan Velardi. Velardi legt fünf Werke von teilweise großer Bedeutung vor: &#3...

Mayer, Emilie - Klavierquartette

3 April, 2018 - 07:19

Raritäten und Preziosen

Die Suche nach unbekannten Schätzen hat etwas Neues zutage gefördert: zwei Klavierquartette von Emilie Mayer aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit ein paar Jahren gibt es immer mal wieder ein Werk einer mecklenburgischen Komponistin namens Emilie Mayer zu hören, bei dem man erstaunt feststellt, wieviel Qualität doch in diesen Kompositionen versteckt ist – man überprüfe das beispielsweise im Internet. Das junge Mariani-Quartett hat nun Mayers beide Klavierquartette eingespielt, bei denen dieses positive Erstaunen wieder einmal entsteht.

Wer war Emilie Mayer? Sie stammt aus dem Städtchen Friedland, zwischen Neubrandenburg und Anklam gelegen, wo sie 1812 geboren wurde. Der wohlhabende Apothekervater ermöglichte seinen Kindern – und eben auch den Mädchen – eine umfassende Ausbildung. Trotzdem musste Emilie, passend zu ihrer Generation, erst 28 Jahre alt werden, bis sie nach Stettin ziehen konnte, wo sie bei der Familie ihres ältesten Bruders leben und vor allem bei Carl Loewe Komposition studieren konnte. Sie ...

Reinecke, Carl - Aschenbrödel

2 April, 2018 - 08:08

Reineckes Märchenstunde

Die vorliegende Veröffentlichung ist als Verdienst um die Wiederbelebung von Carl Reineckes Musik nicht hoch genug einzuschätzen.

Die Detmolder Carl Reinecke-Ausgrabungen gehen auf CD in die dritte Runde. Seit vielen Jahren setzt sich Markus Köhler an der Hochschule für Musik in Detmold für das Schaffen des viel zu sehr vernachlässigten Komponisten Carl Reinecke ein. Vor allem die Märchendichtungen, die im 19. Jahrhundert als Miniaturopern im heimischen Salon gespielt werden konnten, eignen sich hervorragend für die Arbeit mit Studenten der Hochschule. Und auch auf Tonträger haben 'Dornröschen' und 'Die wilden Schwäne' letztlich große Überzeugungskraft bewiesen.

Im März 2016 wurde nun Reineckes 'Aschenbrödel'-Vertonung beim Label cpo eingespielt, ergänzt durch seine Version von Hans Christian Andersens 'Der Schweinehirt'. Es sei gleich vorweggenommen: Das 'Aschenbrödel' hinterlässt den weitaus stärkeren Eindruck, was vor allem ...

Dallapiccola, Luigi - Il Prigioniero

2 April, 2018 - 08:08

Packendes Musiktheater

Der Grazer Mitschnitt von Dallapiccolas 'Il prigioniero' dokumentiert hervorragendes Musiktheater abseits der großen Star-Metropolen.

Unter den Eindrücken und Erlebnissen beider Weltkriege begann Luigi Dallapiccola bereits 1943 mit der Arbeit an seiner bis heute bekanntesten Oper 'Il prigioniero'. Der knapp 50-minütige Einakter beleuchtet die letzten Momente im Leben eines anonymen Gefangenen, der in all seiner Qual ein letztes Mal die Hoffnung auf Freiheit erlebt – nur um am Ende feststellen zu müssen, dass diese Hoffnung die grausamste aller Foltermethoden durch die Inquisition war. Todesangst, Sadismus, Wahrheit, Lüge, Liebe und Hoffnung liegen in Dallapiccolas Einakter so nah beieinander, dass man selbst als Hörer die Qualen des Gefangenen in größtmöglicher Intensität miterlebt, kunstvoll ausbalanciert zwischen musikalischer Strenge und unmittelbarer Emotion, stets doppelbödig und weit entfernt von einem veristischen Opernschocker.

Dass 'Il prigioniero' bis heute nichts von seine...

Bach / Schleiermacher - Nach Markus. Passion

1 April, 2018 - 07:55

Spannend, aber letztlich unbefriedigend

Nach Markus. Passion von Steffen Schleiermacher in Anlehnung an Johann Sebastian Bach ist ein spannender Versuch, der auf einer bei Paschen Records erschienen Aufnahme überzeugt. Dennoch bleiben Wünsche offen.

Die Markus-Passion von Johann Sebastian Bach ist ein alter Traum der Musikwelt. Nachdem der Mythos einer existierenden Lukas-Passion aus den Händen des Thomaskantors endgültig bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Tisch war, reizt das Markus-Passions-Fragment immer noch zu Versuchen, es zum Leben zu erwecken. Als der meines Erachtens geglückteste Versuch muss nach wie vor der von Ton Koopman gelten. Hier lässt sich schwerlich objektiv argumentieren, da ein Urteil auf die Illusion angewiesen ist, was Bach wirklich in Leipzig bei beiden Aufführungen seiner Markus-Passion gemacht hat. Man wird es wohl nie erfahren, da man dies ja bei der überlieferten Matthäus- und Johannes-Passion auch nicht wissen kann.

Was Steffen Schleiermacher, gefördert durch die Ernst von Siemens-Musikstiftung, geschaffen hat, ist beeindruckend und interessant. Arg viel mehr aber auch nicht. ...

Mahler, Gustav - Sinfonie Nr. 3

1 April, 2018 - 07:55

Ohne Kompromisse

Große Innigkeit ohne Larmoyanz. Bernard Haitink wartet in Mahlers Dritter Sinfonie mit überzeugenden Altersweisheiten auf.

Jede Interpretation ändert sich im Laufe der Zeit. Von Johannes Brahms weiß man, dass er seine Sinfonien bei jedem Konzert anders dirigierte. Wenn ein Dirigent wie Bernard Haitink noch mit 88 Jahren so hellwach und aufmerksam ein Orchester vom Range des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks zu Spitzenleistungen bringen kann, dann muss dabei etwas Besonderes herauskommen. Dabei ist die Dritte Sinfonie von Gustav Mahler ein besonderes Werk. Sie ist mit rund anderthalb Stunden nicht nur Mahlers umfangreichstes Werk, sondern vielleicht auch sein geheimnisvollstes. Schon die Länge ist Provokation. Wenn für die klassisch-romantische Sinfonik die Analogie zum Drama zutrifft, so drängt sich für Mahlers komplexe Sinfonien der Vergleich mit dem modernen Roman auf. Man darf hier durchaus an Alfred Döblin oder James Joyce denken. ‚Wenn ich Musik höre, … so höre ich ganz bestimmte...

Romantic Viola Sonatas - Bratschensonaten von Onslow, Mendelssohn und Kalliwoda

31 März, 2018 - 08:21

Unauffällige Bratschen-Romantik

Die drei auf dieser CD versammelten Werke für Viola und Klavier können nur bedingt überzeugen, am ehesten gelingt dies bei den sechs 'Nocturnes' von Johann Wenzel Kalliwoda.

Etwas willkürlich wirkt sie schon, diese Zusammenstellung dreier Sonaten für Viola und Klavier aus dem frühen und mittleren 19. Jahrhundert. Weder die Werke selbst noch ihre Komponisten weisen besonders viele Gemeinsamkeiten auf, außer dass sie eben für diese (eher seltene) Besetzung Musik komponiert haben – im Fall der Sonate op. 16 Nr. 1 von George Onslow noch nicht einmal im Original, sondern als Transkription einer Cellosonate. Doch wenn man den nicht vorhandenen roten Faden einmal beiseitelässt und sich dem jeweiligen Werk widmet, gibt es dann doch hörenswerte Stücke zu entdecken. Das gilt insbesondere für die sechs 'Nocturnes' op. 186 von Johann Wenzel Kalliwoda. Diese sechs inspirierten und abwechslungsreichen Miniaturen erweisen sich als echte Entdeckung des Bratschen-Repertoires, als genialer Melodiker muss Kalliwoda hier keinen Vergleich scheuen...

La dolce vita - Vokalwerke von Claudio Monteverdi

31 März, 2018 - 08:21

Aimez-vous Monteverdi?

Es gibt den seltenen Fall, in dem es gestattet sei, tausendmal aufgenommene Klassiker wieder auf CD zu bannen. Bei dieser Platte aus dem Hause dhm ist dieser erreicht, trotz Kritik, die gestattet sei.

Wenn man den Namen Dorothee Mields auf einem Plattencover liest, dann ist klar: Hier hat man etwas erworben, was sprichwörtlich Hand und Fuß hat. Die Sopranistin mit einer durch und durch ‚unschuldigen‘, reinen Stimme, von der man doch einmal gerne Kunstlieder des 20. Jahrhunderts oder vielleicht auch reduziert besetzte Opern aus dieser Zeit hören würde, weiß ihr Instrument einzusetzen. Es überzeugt auf ganzer Linie, mit welcher Selbstverständlichkeit sie mit dem gesamten sogenannten Barock-Repertoire umgeht: kluger Stimmeinsatz mit Herzenswärme versehen.

Die Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner ist ein Ensemble, das sich das Experimentieren mit Musik auf die Fahnen geschrieben hat. Auch sie sind im Feld des Barock unterwegs und gehen hier souverän mit einem Problem um, das leider allzu oft in Plattenbooklets verschwiegen wird: Es geht um nicht mehr oder wenig...

Mozart, Wolfgang Amadeus - Requiem

29 März, 2018 - 08:10

Mozart anders

Arthur Schoonderwoerd lotet alles aus, das macht seine Produktionen immer interessant. Auch wenn, wie hier beim Requiem, nicht alle Überlegungen komplett aufgehen. Der pure Genuss dieser Musik bleibt bei aller hörbaren Klasse der Beteiligten zwiespältig.

Was immer in der Musikgeschichte nicht endgültig kodifiziert ist – sei es, weil der Tod dem Komponisten die Feder aus der Hand nahm oder mehrere gleichermaßen gültige oder zumindest plausible Versionen eines Werks existieren –, lädt zu nachholender Vervollkommnung oder Verschlimmbesserung ein – je nach Perspektive. Eine zweite Dimension des Varianten tritt hinzu, wenn Werke mit den Prinzipien und Mitteln historisch informierten Musizierens befragt werden. Je mehr Spielräume in beiderlei Hinsicht bestehen, desto größer die Bandbreite möglicher Ergebnisse. Allerdings sind frische, gedanklich explorative Ansätze gerade bei solchen Werken willkommen, die im Laufe der Rezeptionsgeschichte bis zur Unkenntlichkeit kanonisiert scheinen. Und es doch kaum sind, weil die oben angesprochenen Variablen tatsächlich groß sind und nur aufgrund früherer Entscheidungen mo...

Symphonic Psalms & Prayers - Chorwerke von Strawinsky, Schönberg, Bernstein und Zemlinsky

28 März, 2018 - 08:42

Sinfonische Psalmen

Ein feines Programm von Strawinsky bis Zemlinsky, von motivierten Ensembles stilsicher und inspiriert musiziert. Zweifellos eine ungewöhnliche Tenebrae-Platte – aber eine gewohnt hochklassige.

Geistliche Musik, Gesänge aus den Psalmen zumal, werden leichthin und mit guten Gründen aus der persönlichen Erfahrungswelt der meisten Menschen vor allem in der älteren Musik verortet. Dabei haben diese Texte, haben diese Gedanken ihren Reiz nie verloren, sind sie immer Gegenstand künstlerischer Beschäftigung geblieben. Natürlich auch für etliche der großen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Das englische Vokalensemble Tenebrae unter seinem Gründer und Leiter Nigel Short hat jetzt in Zusammenarbeit mit dem BBC Symphony Orchestra eine feine Platte mit solcher Musik vorgelegt: Populär und weithin aufgeführt ist die 'Psalmensinfonie' von Igor Strawinsky, auch Leonard Bernsteins 'Chichester Psalms' sind keine Nischenmusik. Das gilt eher für Arnold Schönbergs op. 13 'Friede auf Erden' und Alexander Zemlinskys Vertonung des 23. Psalms op. 14. S&a...

Huppertz, Gottfried - Metropolis (Gesamtaufnahme)

27 März, 2018 - 07:20

Profiliertes Klanggemälde

Unter Leitung von Frank Strobel spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin die vollständige Musik zu Fritz Langs Film 'Metropolis'.

Über die Rekonstruktion von Fritz Langs Filmklassiker 'Metropolis' (1927) anhand einer in Buenos Aires aufgefundenen 16 mm-Kopie ist bereits viel geschrieben worden; die Uraufführung des fast vollständigen wiederhergestellten Films mitsamt der neu editierten Originalpartitur von Komponist Gottfried Huppertz wurde 2010 live vom TV-Sender arte übertragen und entsprechend spektakulär als Großereignis inszeniert. Eher überraschend war allerdings, dass die 2011 bei Capriccio erschienene Einspielung der 'Metropolis'-Musik durch das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Leitung von Frank Strobel lediglich eine Fassung von 77 Minuten Spieldauer enthielt, also mitnichten die vollständige Version präsentierte. Dies ist im Rückblick umso erstaunlicher, als die Partitur 2010 vollständig eingespielte wurde: Denn die Aufnahmedaten der nun auf zwei CDs bei Pan Classics erschi...

Schubert, Franz - Klaviersonaten D 959 & D 960

26 März, 2018 - 06:37

Stille Ergriffenheit

Krystian Zimermans pianistische Klasse ist weithin bekannt. Aber er dringt auch tief in die Stukturen der Werke ein, die er spielt und zeigt sich als Philosoph am Klavier.

Die Fans des polnischen Pianisten Krystian Zimerman mussten lange auf diese CD-Veröffentlichung warten. Mit Schubert beschäftigt sich Zimerman seit Anbeginn seiner Karriere, aber erst jetzt hat er sich dazu entschlossen, eine CD mit den letzten beiden Sonaten Franz Schuberts einzuspielen, die von einigen mystifizierend auch als dessen Testament gehandelt werden.

Es ist sein erstes Solo-Album bei der Deutschen Grammophon seit 25 Jahren. Verständlich, dass das Interesse daran groß ist. Und in der Tat, Zimerman ist mit dieser Einspielung etwas Großartiges gelungen. Was sich in den Interpretationen von Franz Schuberts Klaviersonaten Bahn bricht, erhebt sich weit über material- und strukturbesorgte Kopflastigkeiten vieler musikwissenschaftlicher Analysen hinaus, wenn diese so intelligent interpretiert werden, wie dies Krystian Zimerman tut. Zimerman versteht es auf überragende Weise, herauszu...

Divine Karina - The Best Of Karina Gauvin - Werke von Purcell, Händel, Vivaldi, u.a.

24 März, 2018 - 07:35

Anmut und Beweglichkeit

Die kanadische Sopranistin versucht nicht nur ihre divine Seite zu zeigen, sondern verdeutlicht gleichzeitig auch, dass ihr musikalische Vielfalt ein wichtiges Anliegen ist.

Mit der vorliegenden Einspielung wird dem Hörer ein sogenanntes Best of von Karina Gauvin präsentiert, das einerseits ihre Barock-Affinität zum Ausdruck bringt und andererseits auch neue Facetten der Sängerin eröffnet. Gleich zu Beginn lässt sich unschwer erkennen, dass sich Karina Gauvin im barocken Repertoire heimisch fühlt und vor allem durch detaillierten stimmlichen Fokus und vollen Klang überzeugt. Zwei ausgewählte Stücke von Henry Purcell ('Strike the Viol' und 'Fairest Isle') demonstrieren die feinfühlige, klare und gleichzeitig intensive Sopranstimme der Künstlerin und fesseln den Zuhörer mit sauberen und leicht anmutenden Koloraturen. Bei insgesamt vier Stücken aus dem Werk Georg Friedrich Händels ('Oh sleep', 'Rejoice Greatly', 'Will the sun forget to streak' and 'Ombre pallide') festigt sich dieser po...

Gershwin, George - An American in Paris, Rhapsody in Blue u.a.

21 März, 2018 - 22:40

Genau informiert

Auf der Suche nach größtmöglicher Authentizität und mit schlankem Klang widmet sich das Ensemble Anima Eterna Brugge den großen Gershwin-Klassikern, bleibt dabei aber etwas nüchtern.

Das Ensemble Anima Eterna Brugge hat sich in seinem musikalischen Schaffen vor allem dem Originalklang historischer Werke verschrieben. Sein Aushängeschild ist eine fundierte Recherche und historisch angepasstes Instrumentarium, mit dem sie schon der Musik von Franz Liszt, Maurice Ravel oder Ludwig van Beethoven neues Leben eingehaucht haben. Nun verschlägt es das Ensemble unter der Leitung von Jost van Immerseel mit ihren bei Alpha Classics erschienen Gershwin-Einspielungen erstmals in die Welt des Jazz.

Das Programm ist ein Best-of George Gershwins (1898-1937), weshalb die Evergreens 'Rhapsody in blue', 'Summertime' und 'I got rhtythm' darin auf keinen Fall fehlen dürfen. Interessant ist auch die von Gershwin selbst arrangierte sinfonische Suite 'Catfish Row' mit Bearbeitungen aus seiner weltberühmten Oper 'Porgy and Bess'. In fünf orchestrierten Sätzen...

Rosenmüller, Johann - Festmusiken

20 März, 2018 - 09:40

Entfernter Meister

Das Rosenmüller-Jahr 2017 hat keinen großen Eindruck hinterlassen. Im Nachgang gibt es jetzt eine wirklich schöne Platte zu hören. Diesen Komponisten als genialen Musiker zu würdigen, ist mehr als gerechtfertigt. Sehr lohnend.

Johann Rosenmüller ist eine der aus heutiger Sicht kompositorisch zweifellos eindrucksvollsten Figuren des 17. Jahrhunderts in Deutschland. Thomaskantor Tobias Michael und Übervater Heinrich Schütz haben den 1617 im vogtländischen Oelsnitz geborenen Komponisten früh protegiert – und sie haben sich in der Einschätzung seines Talents nicht getäuscht. Das hat eine immer größer werdende Zahl von hochkarätigen Aufnahmen in den vergangenen Jahrzehnten eindrucksvoll unterstrichen. Und das dokumentiert auch die aktuell zur Diskussion stehende Einspielung des von Gregor Meyer geleiteten Ensembles 1684 mit groß dimensionierten Geistlichen Konzerten und instrumentalen Werken sehr deutlich.

Rosenmüllers Begabung war so offensichtlich, dass er während seines 1640 in Leipzig begonnenen Theologiestudiums bald Kontakte zur Thomasschule knüpfte, dort eine Stellung...

Rachmaninoff, Sergej - Die Glocken & Symphonische Tänze

19 März, 2018 - 09:02

Ich danke dir, Gott

Wer Rachmaninow kennt und schätzt, der muss diese neue Einspielung von Mariss Jansons abgöttisch lieben. Zu hören sind zwei der wahren drei Meisterstücke des Komponisten.

Vor allem die Klavierkonzerte von Sergej Rachmaninow gehören für viele Liebhaber des Komponisten neben den Sinfonien zum Non plus ultra. Dem ist zuzustimmen, doch Kenner wissen noch drei Stücke zu nennen, die die mithin zum doch arg Populären neigenden Instrumentalkonzerte, wenn sie auch das Metier Rachmaninows darstellen, an kompositorischer Qualität weit übertreffen. Dabei handelt es sich um die Oper 'Francesca da Rimini' op. 25, um das symphonische Gedicht 'Die Glocken' op. 35 und Rachmaninows letzte Komposition, die 'Symphonischen Tänze' op. 45. (Die 10er Schritte in den Opus-Nummern zwischen diesen Schöpfungen sind reiner Zufall.) Was alle drei Stücke zu etwas Besonderem, mithin Herausragenden macht, ist der Umstand, dass es Rachmaninow gelingt, seinen eigenen Stil jeweils neu zu erfinden - und das in Bezug auf die "Symphonischen Tänze" auch noch...

Prokofjew und Strawinsky - Klaviertranskriptionen

18 März, 2018 - 09:59

Auf der Klaviatur tanzen

Meisterhaft gelöst: Beschwingt und gar nicht kraftmeiernd legt Jalbert die halsbrecherischen Ballett-Bearbeitungen von Strawinsky und Prokofjew hin.

Es ist eine Kunst, Orchesterwerke sinnvoll auf das Klavier zu übertragen, ganz besonders, wenn es sich dabei um beliebte Orchestersuiten von Balletten handelt, die gerne und tief in die Effekte-Trickkiste greifen. Strawinsky und Prokofjew haben selbst Bearbeitungen ihrer Ballettmusiken erstellt, denen sich meist nur Interpreten mit dezidiert virtuosem Profil wie Denis Matsuev, Nikolai Tokarev oder Maurizio Pollini zuwenden. David Jalbert hat sich mit seinen ebenfalls bei Atma classique erschienenen Einspielungen von Bach, Poulenc, Satie und Schostakowitsch als vielseitiger Künstler erwiesen, von man dem mehr erwarten darf, als dass er das übliche virtuose Feuerwerk abbrennt.

Gerade für die berühmt-berüchtigten 'Trois Mouvements de Petrouchka' legt er einen Gegenentwurf vor - eigentlich versucht er geradezu die Quadratur des Kreises: Er bezwingt die enorm sperrige, spröde Partitur (...

Pecou, Thierry - Les Liaisons magnetiques

18 März, 2018 - 09:59

Kulturelle Anverwandlung

Thierry Pécous Werke erweisen sich als spannende anarchische Weltenmusik, die Grenzen mühelos übergeht.

‚Wuchtig und zart wie Beethoven‘, so wird die Musik des Komponisten Thierry Pécou beschrieben. Die Tonalität ist dennoch eine ganz andere. Musik ist  für Thierry Pécou eine klangliche Performance, sehr physisch und exzessiv, ein Musikerlebnis, das sich ständig mit den musikalischen Traditionsströmen anderer Kulturen auseinandersetzt. Er adaptiert sie nicht, sondern dialogisiert mit ihnen und entwickelt, stark beeinflusst von den Gedanken seiner Lieblingsdichter, außerordentliche Klangkunstwerke. Die Basis bildet Thierry Pécous abendländisch geprägter Hintergrund. Gleichzeitig erkundet er als Weltenbürger in den Werken, die auf der Platte ‚Les Liasions magnétiques‘ zusammengefasst sind, Musiken aus Lateinamerika und Asien. Das Ergebnis sind extrem unterschiedliche, klanglich reizvolle Kompositionen, die sich allerdings bis auf die karibis...

Rachmaninoff und Schostakowitsch - Cellosonaten

16 März, 2018 - 08:10

Atmosphärisch

Wie eng die menschliche Gesangsstimme mit dem Klang des Cellos verwandt ist und wie gut dieser mit dem des Klaviers harmoniert, zeigen Audun Sandvik und Sveinung Bjelland besonders anhand der Sonate Rachmaninows auf eindrucksvolle Weise.

Unter all den zahlreichen Cellosonaten, die sich innerhalb des klassischen Repertoires zur Interpretation anbieten, muss sich einem Duo die Kombination von Rachmaninow und Schostakowitsch besonders reizvoll darstellen. Es ergeben sich bei dieser Werkkombination ebenso viele Gemeinsamkeiten wie gravierende Unterschiede, die ein solches Projekt interessant machen. Beide Komponisten stammen aus Russland, und obwohl sie in unterschiedlichen Epochen lebten, gibt es einen Zeitraum in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in dem sich ihre Schaffensphasen überschneiden. Darüber hinaus nimmt die Cellosonate in beiden Gesamtwerken einen besonderen Stellenwert ein, denn beide Komponisten schrieben nur ein einziges Werk dieser Gattung, obwohl sie es in anderen kammermusikalischen Besetzungen bevorzugt verwendeten, etwa im Rahmen des Klaviertrios. Während die Sonate g-Moll op. 19 aus dem Jahr 1901 den Höhepunkt von Rach...