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Aktualisiert: vor 1 Stunde 44 Minuten

Mainstream - Klangströme und Stromklänge - Orgelwerke von Bach, Lang, Lemare, Vierne, Hollins u.a.

29 Juni, 2018 - 07:04

Mainstream – für wen?

Mainstream heißt es, wenn Musik einem größeren Pulikumsgeschmack entspricht. Aber auch der Main ist ein Strom. Die vorliegende CD macht sich diesen Doppelsinn zunutze.

Der Titel dieser CD ist versteht sich doppeldeutig: Zunächst ist an den Mainstream gedacht, also an Kompositionen, die einen breiten Publikumsgeschmack treffen. Dann aber bezieht sich der Titel auch auf den Standort der Orgel, nämlich Frankfurt am Main. So vereinigt diese Aufnahme Kompositionen, die sehr hoch in der Gunst des Publikums stehen oder doch stehen könnten, mit Stücken, die den Main zum Thema haben oder doch wenigstens einen Fluss. Sie werden dargeboten auf der Klais-Orgel des Kaiserdoms St. Bartholomäus von 1957, restauriert 1994. Außer der Hauptorgel ist vom gleichen elektrischen Spieltisch aus die Chororgel von Klais aus dem Jahre 1994 spielbar. Der Organist ist Dommusikdirektor Andreas Boltz, der auch mit einer eigenen Komposition vertreten ist.

Den Beginn macht Toccata und Fuge d-Moll von Johann Sebastian Bach als das Orgelwerk, das wohl den höchsten Bekanntheitsgrad aller...

Zandonai, Riccardo - Francesca da Rimini

29 Juni, 2018 - 07:04

Großes aus Freiburg

Diese Freiburger Opernproduktion von Zandonais 'Francesca da Rimini' ist ein Glanzstück.

Da ist dem Theater Freiburg und dem Label cpo ein wirklich großer Wurf gelungen: Riccardo Zandonais viel zu selten gespielte Oper 'Francesca da Rimini' in einer beeindruckenden Besetzung unter dem feinfühligen Dirigat von Fabrice Bollon aus dem Jahr 2013. Diese Neueinspielung punktet mit hervorragendem Klangbild und einem Solistenensemble, das sich wahrlich nicht hinter großen Rollenvorgängern verstecken muss. Allein was Christina Vasileva in der Titelpartie an Phrasierung, dynamischer Raffinesse und Expressivität bietet, lässt vieles vergessen, was man in dieser Opernspezialität schon gehört hat. Ihr 'Paolo, datemi pace!' weiß um das Pathos einer Magda Olivero, ohne deren Stilistik zu kopieren. Vasilevas Sopran ist herb und schillernd zugleich – eine wahre Primadonna, wie geschaffen für Zandonais Protagonistin.

Ihr zur Seite steht ein ebenso &u...

Blumenthal, Sandro - Kammermusikwerke

28 Juni, 2018 - 07:45

Jahrhundertherbstlich

Die Beschäftigung mit Sandro Blumenthal ist ein weiterer Mosaikstein in Oliver Triendls reicher Erkundung der Kammermusik des späten 19. Jahrhunderts.

Zeitgenosse von Reger und Schönberg – wirklich? Sandro Blumenthal (1874–1919), als Sohn eines jüdischen Bankiers in Venedig geboren, scheint einer ganz anderen Epoche anzugehören. Doch liegt dieser durch die vorliegende CD vermittelte Eindruck ausschließlich darin begründet, dass es sich vornehmlich um Frühwerke handelt – 1901 wurde Blumenthal, der mittlerweile sein Studium bei Josef Gabriel Rheinberger abgeschlossen hatte, unter dem Namen Leonhard Bulmans Mitglied der Elf Scharfrichter, Münchens erster Brettlbühne, und wandte sich mit seiner Familie später nach Berlin, wo er 45-jährig starb. Seine ambitionierteste Komposition, die Oper 'Sulamith', errang 1907 in Nürnberg lediglich einen kurzlebigen Achtungserfolg.

Die beiden Klavierquintette D-Dur op. 2 und G-Dur op. 4 entstanden 1898/99 unmittelbar in der Folge seines Münchner Studiums;...

Echoes Through Space and Time - Lieder von Strauss, Wolf, Berg, Brahms, Wolf u.a.

28 Juni, 2018 - 07:45

Faszination Strauss

Claudia und Grégory Moulin versuchen, dem ästhetischen Geheimnis von Strauss' Liedern auf die Spur zu kommen.

Das Liedschaffen von Richard Strauss ist umfassend und bedeutend. Es besteht aus ca. 220 Liedern in Klavier- und Orchesterfassungen, die zwar durchaus in der Tradition des romantischen Kunstlieds des 19. Jahrhunderts stehen und u. a. von Robert Schumann und Johannes Brahms inspiriert sind. In ihrer reichen Klangfülle und überbordenden Emotionalität weisen sie jedoch auch wagnerische Züge auf und liegen musikalisch nicht unweit von Strauss‘ Opernschaffen und Tondichtungen.

Auf ihrem ersten gemeinsamen Album als Duo spüren Claudia und Grégory Moulin ihrer persönlichen Faszination für die Strauss‘sche Liedästhetik nach. 'Richard Strauss ECHOES through time and space' lautet der programmatische Titel des Albums, auf dem neben einer exzellenten Auswahl von Strauss-Liedern auch Lieder von ...

Lalo, Édouard - Sämtliche Lieder

27 Juni, 2018 - 07:35

Singender Geschichtenerzähler

Nicht nur für Liebhaber französischer Liedkunst: die Lieder von Édouard Lalo.

Édouard Lalo (1823–1892) komponierte nicht nur die berühmte 'Symphonie espagnole' und die Oper 'Le roi d'Ys', sondern beispielsweise auch mehr als zwei Dutzend Lieder. Daran erinnert nun der Bariton Tassis Christoyannis mit dem Pianisten Jeff Cohen, die 2015 sämtliche Lieder Lalos eingespielt haben. Die Doppel-CD (Aparté) teilt das Liedschaffen in die frühe Beschäftigung des Komponisten mit dem Genre Lied und in seine späten Werke, die er verstärkt für seine Ehefrau, die Sängerin Julie Bernier, geschrieben hat.

Dem Hörer begegnen strophische Liedformen ebenso wie größere Szenen, die nahezu opernhafte Züge tragen. Kurze Mélodies und weitschweifende Vokalfantasien stehen nebeneinander. Durch die chronologische Anordnung der Lieder ist die kompositorische Entwicklung Lalos beeindruckend nachvollziehbar. Tassis Christoyan...

Goethe-Lieder - Werke von Wolf, Mendelssohn Bartholdy, Hensel, u.a.

26 Juni, 2018 - 08:19

Goethe-Lieder

Dieses Album präsentiert in attraktiver Besetzung viele unerhörte Goethe-Vertonungen.

Das bei Oehms erschienene Album mit dem Titel 'Goethe-Lieder# wandelt auf wohltuend unausgetretenen Pfaden. Die Altistin Katharina Magiera hat gemeinsam mit Christopher Brandt an der Gitarre im Mai 2015 eher unbekannte Goethe-Vertonungen eingespielt – allesamt vom entdeckungsfreudigen Duo für diese spannende Besetzung selbst bearbeitet. Und tatsächlich umweht die Lieder von Hugo Wolf eine unerwartete Leichtigkeit und auch die fünf Schumann-Vertonungen haben mit Gitarrenbegleitung so gar nichts Künstliches, im besten Sinne. Die warm timbrierte Stimme von Magiera erweist sich als flexibel und einfühlsam, wenngleich mit wenig sprachlicher Prägnanz. Die Sängerin setzt eher auf ihr starkes Farbenspiel und die zarte Intimität des Klangs, die ihr sowohl die Studioatmosphäre als auch das virtuose Spiel von Christopher Brandt ermöglichen.

Eine Lanze brechen die Künstle...

Schubert, Franz - Winterreise (bearb. für Stimme und Gitarre)

25 Juni, 2018 - 07:48

Hausmusik

Tenor Tilman Lichdi und Konzertgitarrist Klaus Jäckeli wagen sich an eine ungewöhnliche Interpretation der 'Winterreise'.

Tenor Tilman Lichdi und Gitarrist Klaus Jäckle haben in einer Tournee und einer anschließenden Studioaufnahme das gewagte und spannende Projekt unternommen, Schuberts 'Winterreise' sehr intim zu interpretieren, den Liedzyklus dahin zurückzuholen, wo er herkommt, in die Hausmusik. Selbstverständlich musizieren die beiden Profis nicht laienhaft, aber rein klanglich entsteht die Atmosphäre von Hausmusik. Das lässt dem Sänger viel Freiheit in der Gestaltung, das Vertiefen in feine Nuancen wird für den Gitarristen möglich, einfach weil kein Saal gefüllt werden muss. Die Stimme von Tilman Lichdi, hell timbriert, leicht anspringend, kein ausuferndes Vibrato, ist dafür wie gemacht. Doch so gut manche Passagen gelingen, der Plan also aufgeht, so viele Schwierigkeiten tun sich auf, wenn das Hauskonzert eben kein Liveerlebnis, sondern auf CD gebannte Konserve ist. Dann werden auf e...

Black is the Colour - Werke von Berio, Ravel und de Falla

25 Juni, 2018 - 07:48

Stimmwunder

Die Mezzosopranistin Anna Stéphany holt sich mit dem Labyrinth Ensemble tatkräftige und kompetente Unterstützung für ihr ungewöhnliches Liedprojekt.

Mit viel Neugier und einem offenen Blick für andere Kulturen hat die englisch-französische Mezzosopranistin Anna Stéphany ein neues Kunstliedprojekt zusammengestellt, das eine große Anzahl außergewöhnlicher Lieder auf einem Tonträger verewigt. Für Stéphany ist 'Black Is the Colour' bereits ihre sechste CD-Veröffentlichung. Als musikalischer Partner begleitet sie das Labyrinth Ensemble, das mit diesem bei Alpha Classics erschienenen Album gleichzeitig sein Debüt präsentiert. Bereits die Auswahl der Lieder liest sich exotisch: Luciano Berio, Maurice Ravel und Manuel de Falla reichen sich die Hand mit einer Auswahl einprägsamer Liedkompositionen. Von Berio erklingt ein Zyklus aus elf 'Folk Songs', darunter auch das titelgebende amerikanische 'Black Is the Colour'. Ravel steuert u. a. seine bildgewaltigen 'Histoires naturelles' bei, hie...

Rameau, Jean-Philippe - Zais

24 Juni, 2018 - 08:32

Bezaubernde Einsichten von Rameau

Lange Zeit fristeten die Werke des genialen Jean-Philippe Rameau ein Schattendasein. Diese hervorragende Einspielung von 'Zaïs' trägt zu ihrer Wiederentdeckung bei..

In Jean-Philippe Rameaus ‚Pastorale héroique‘ 'Zaïs' aus dem Jahre 1748 wird Grundsätzliches abgehandelt. Erde, Wasser, Luft und Feuer bilden als Grundelemente der Welt eine harmonische Einheit. Dieser Zustand könnte ewig dauern, wenn da nicht – man ahnt es schon – die Liebe wäre. Zaïs, der König der Sylphen, ist unsterblich in die Schäferin Zélidie verliebt. Also das übliche Spiel göttliches Wesen – Mensch, das geht eigentlich nicht und endet meist für beide Seiten unangenehm. Gott Amor ist natürlich an einer Verbindung interessiert. Er legt dem Paar viele Prüfungen auf, um dessen Liebe zu testen. Oromazès kann das Leid am Ende nicht mehr ertragen und gewährt der einfachen Schäferin die Unsterblichkeit. Also vollkommenes Happy End. Die Uraufführung war ein großer Erfolg. Der kompositor...

Heinz Holliger: Choral Utopia - Chorwerke

24 Juni, 2018 - 08:32

Heikle Tiefen

Ein anregendes, hervorragend vokal aufgeführtes Holliger-Programm. Vom hohen Anspruch sollte man sich nicht abschrecken lassen – man wird reich belohnt.

Heinz Holligers Arbeit als Komponist ist vielgestaltig und wirkmächtig. Auch die Sphäre der Chormusik umfasst sie. Und es überrascht nicht, auch hier jene für Holliger prägende Verbindung von heikler Sensibilität und gedanklicher Tiefe zu finden. Das unterstreicht eine interpretatorisch vorzügliche Platte, die Marcus Creed mit seinem SWR Vokalensemble produziert hat. Sie umfasst drei größere Zyklen und zwei knappere Sätze, überwiegend aus jüngerer Zeit. Das mit Abstand älteste Stück ist schlicht mit 'Psalm' betitelt und 1971 für 16 Solostimmen auf das gleichnamige Gedicht von Paul Celan entstanden. Es ist ein gewissermaßen musikalisch sprachloses Kunstwerk, hochvirtuos in seiner chorischen Geräuschhaftigkeit. Am Beginn des Programms steht der Zyklus 'Shir Shavur' aus dem Jahr 2004 auf zwölf Gedichte von David Rokeah: Aus schweb...

Rheinberger, Joseph Gabriel - Sämtliche Violinsonaten

23 Juni, 2018 - 08:39

Ohne Hintergedanken

Voller Verve, aber teilweise auch ohne genügendes Verständnis gerät die Ersteinspielung der Violinsonaten Rheinbergers zur Routinenummer.

Joseph Gabriel Rheinberger (1839–1901) ist nicht gerade als radikaler Neuerer bekannt, vielmehr gilt er nicht selten als eher betulicher süddeutscher Spätromantiker der zweiten oder dritten Reihe mit besonderem Schwerpunkt auf Kirchenmusik (und vor allem als Schöpfer von 20 Orgelsonaten). Dass er auch anders konnte, legen einige Werke, die heute nicht mehr gemeinhin zu seinem Kernschaffen zählen und entsprechend selten auch auf Tonträger Berücksichtigung finden, nahe. Auch die Violinsonaten gehören dazu, die selbst in der Carus-Gesamtausgabe nur schwer zu finden sind (leichter als Einzelausgaben bei Carus). Erst neun Jahre nach Abschluss der Edition finden die beiden Werke, ergänzt um drei Liedtranskriptionen, den Weg auf den Tonträgermarkt (dargeboten nach der Neuausgabe? man erfährt es nicht – die Thorofon-Einspielung mit Hans Maile und Horst Göbel von 1991 konnte d...

Mancusi, Guido - Passio Domini secundum Joannem

22 Juni, 2018 - 08:50

Passion für das 21. Jahrhundert

In Guido Mancusis Johannes-Passion beeindruckt das glänzende Ensemble mit Dramatik und Glaubwürdigkeit.

Für die vier kanonischen Evangelien und ihre Schilderungen des Passionsgeschehens aus verschiedenen Blickwinkeln und mit differenten Akzentsetzungen gilt das, was auch für das Ordinarium missae in Anspruch genommen werden kann: Möge man an die Inhalte glauben oder nicht, diese Texte regen ob ihrer Grundsätzlichkeit und ihrer tiefgreifenden Dramatik immer wieder zur Auseinandersetzung an. Guido Mancusi hat mit seiner 2011 komponierten Johannes-Passion, die bei paladino music als Einspielung vorliegt, eine Passion für das 21. Jahrhundert geschrieben.

Mancusi bietet in seiner Komposition keine krasse Tonsprache an, überzeugt aber mit einem farbenreichen Spiel von Solisten, dem A-capella-Chor Chorus Duplex Vienna und dem Perkussionsensemble Louie's Cage Percussion. Dreh- und Angelpunkt dieser Aufnahme ist der Evangelist von Lorin Wey. Der junge Tenor zeigt eine technische Meisterschaft, die auc...

Merk, Joseph: 20 Etüden für Cello solo op.11 - Martin Rummel, Violoncello

22 Juni, 2018 - 08:50

Enthusiastisch wiederentdeckt

Martin Rummel überzeugt mit Cello-Etüden des Komponisten und Cellisten Joseph Merk.

Joseph Merk spielte schon als Kind Geige. Nachdem ihn ein Hund gebissen hatte, konnte er mit der linken Hand die Geige nicht mehr ans Kinn halten und wurde Cellist, ein sehr beliebter Cellist, doch seine Popularität verschwand mit seinem Tod. Für Martin Rummel (* 1974), der bereits über 40 CDs eingespielt hat, verdienen die 20 Etüden für Violoncello solo op. 11 von Joseph Merk ‚einen Standardplatz in der Ausbildung eines jeden Cellisten‘. Er entdeckt auf der bei Paladino erschienenen Einspielung dieses in Vergessenheit geratende Werk mit Enthusiasmus. Deutlich hörbar arbeitet Martin Rummel bei jedem Stück das besondere Übungsthema heraus. Die Etüden beginnen überschaubar mit der Eroberung der Töne nach oben und unten, weiten nacheinander das Spektrum von Dynamik, Artikulation und Bogentechnik aus. Immer länger, komplexer und virtuoser werden die Stücke.

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Telemann, Georg Philipp - Ein' feste Burg ist unser Gott

21 Juni, 2018 - 08:48

Kirchenmusikalische Tradition

Rhetorisch weitgehend sehr überzeugende Interpretationen eher unbekannter Telemann-Kantaten.

Die etwas zu hallige Akustik der Erlöserkirche in Bad Homburg verleiht Georg Philipp Telemanns hier vorgestellten fünf Kantaten 'Wertes Zion sei getrost', 'Jesu wirst Du bald erscheinen', 'Herr Gott, der du uns hast von unsrer Jugend an', 'Ein feste Burg ist unser Gott' und 'Welch‘ Getümmel erschüttert den Himmel' einen festlich-sakralen Klang, der manch anderer CD mit historisch informierter Besetzung fehlt. Rhetorisch ausdrucksstarke Solisten, der Kammerchor der Erlöserkirche und das Johann Rosenmüller Ensemble unter der Gesamtleitung von Susanne Rohn verankern die Werke – vier von ihnen Ersteinspielungen – klar in der kirchenmusikalischen Tradition, in die sie gehören. Dass es dem Kammerchor der Erlöserkirche an manchen Momenten an Prägnanz und Durchschlagskraft mangelt, mag vielleicht in der Mikrofonierung begründet li...

Wolf-Ferrari, Ermanno - Talitha Kumi!, La Passione & Otto cori

21 Juni, 2018 - 08:48

Frühe Schätze

Die breite Hörerschaft wird diese CD vermutlich nicht erreichen, aber für alle Wolf-Ferrari-Fans ist diese Neuerscheinung ein Muss.

Der Dirigent Friedrich Haider lässt seine Begeisterung für Ermanno Wolf-Ferraris Musik erneut ohrenfällig werden, und zwar in einer Fortsetzung der Wolf-Ferrari-Reihe beim Label Naxos. Diemal hat sich Haider in gänzlich vergessene Gefilde begeben und hat das zweiteilige Mysterium 'Talitha Kumi!' nun als Ersteinspielung vorgelegt. Es ist Wolf-Ferraris Opus 3 aus dem Jahr 1898, eine frühe Komposition also, die aus seiner Zeit als Chorleiter in Mailand stammt – noch bevor er als Opernkomponist in Erscheinung trat. 'Talitha Kumi!' – Aramäisch für 'Erhebe dich!' – erzählt die biblische Geschichte von Jesus und der Tochter des Jairus. Das Mädchen liegt im Sterben, weshalb Jairus Jesus zu Hilfe holt. Als Jesus eintrifft, ist die junge Frau bereits tot. Doch Jesus erweckt sie zum Leben.

Ermanno Wolf-Ferrari lässt die Begebenheit zu gro&szlig...

Poulenc, Francis - Klavierkonzerte

20 Juni, 2018 - 08:30

Divergent

Ein nicht besonders schlüssiger, orchestral immer wieder ‚weichgespülter‘ Zugang zu Francis Poulenc, der durch impressionistische Klangfarben verblüfft. Die Solisten wissen es besser.

Man kennt Francis Poulenc als Komponisten von häufig ironisch-bissiger Schärfe – auf der vorliegenden Scheibe werden diese Schärfen zugunsten eines grundsätzlich ‚romantisierenden‘ Tons zurückgenommen: Kaum ein Sforzato-Akzent kommt als solcher daher – es wird in Wohlklang gebadet, die Partituren mit dem Weichzeichner dargeboten. Ein in sich nicht recht schlüssiges Konzept, das immer wieder nicht aufgeht, in dem aber die aggressiven Ausbrüche mit eleganten Übergängen zumeist wie mit Seifenschaum erfolgreich beiseite gewischt werden. Das ist herrlich klingende Virtuosenmusik, auch nicht ganz ohne einen Hauch zum Kitsch. Auf der anderen Seite gibt es aber Passagen, etwa für Blechbläser, in denen der ‚weiche Ton‘ nicht durchgehalten werden kann.

Besonders fällt die Leichtigkeit auf, die Edward Gardner dem Orchesterton in den drei Kl...

Voyages - Vokalwerke von Schubert, Debussy, Duparc u.a.

19 Juni, 2018 - 07:12

Eine stimmlich-literarische Reise

Die Sopranistin Mary Bevan und der Pianist Joseph Middleton greifen nach der Imaginationswelt von Baudelaire und Goethe: klanglich fein und mysteriös dunkel, wenngleich die Sängerin auch manchmal übers Ziel hinausschießt.

Ein großer Verdienst der vorliegenden Aufnahme ist zweifellos die bewusste Inspirationssuche in Texten und Gedanken von Baudelaire und einem damit verbundenen Konnex zu Goethes Mignon. Im umfangreichen Booklet zur CD (Signum Records) legt die Literaturwissenschaftlerin Helen Abbott eindrucksvoll dar, wieviel Potential und Rezeption in Baudelaires Schaffen steckt, und weckt beim Hörer hohe Erwartungen auf ein spannendes Repertoire. Die ausgewählten Lieder von Henri Duparc, Gabriel Fauré, Emmanuel Chabrier, Franz Schubert, Déodat de Séverac, Pierre de Bréville, Claude Debussy und Maurice Rollinat können diese Erwartungen auch größtenteils einlösen und werden insgesamt solide vom Duo Mary Bevan und Joseph Middleton interpretiert.

Lobenswert virtuos zeigt sich die Sopranistin besonders bei technisch anspruchsvolleren und schwierigen Passagen, sie wirkt generell si...

Schumann, Robert - Das Paradies und die Peri

19 Juni, 2018 - 07:12

Preiswerte Peri

Diese etwas betagte DDR-Einspielung hat unbedingte Stärken, aber auch hörbare Schwächen.

Diese 1981 in Leipzig entstandene Studioproduktion von Robert Schumanns Oratorium 'Das Paradies und die Peri' ist gewohnt preiswert beim Label Brilliant Classics erschienen. Die Geschichte der Peri, die Einlass ins Paradies erlangen möchte, kann äußerst anrührend wirken – vorausgesetzt, man versteht, was die Protagonisten zu sagen bzw. zu singen haben. Und hieran hapert es bei der ansonsten klanglich wunderschönen DDR-Einspielung. Vor allem die damals zurecht umschwärmte Magdaléna Hajóssyová bleibt als Peri im Artikulationsnirwana verschollen. Dafür verzaubert sie mit ihrem silbrig glitzernden Sopran und herrlichem Farbenspiel. Ähnlich schwer verständlich bleibt Rosemarie Lang, die sich vor allem mit ihrem weichen, pastosen Stimmklang hervortut, aber inhaltlich unentschieden klingt. Marga Schiml gibt den Engel ein wenig flackrig, aber durchaus Ehrfurcht ...

En El Amor - Sephardische Lieder Südosteuropas

18 Juni, 2018 - 07:52

Sephardische Geschichten

Mitreißend lässt 'En El Amor' ein gewaltiges kulturelles Erbe aufleben: die traditionellen Volkslieder sephardischer Juden aus Südosteuropa.

Geschichten, so viel ist sicher, hatten die im 15. Jahrhundert aus Spanien vertriebenen und ab dort überall im Mittelmeerraum verstreuten jüdischen Sephardim genügend zu erzählen. Geschichten, die von Krieg, Sehnsucht und Schmerz, aber auch von Liebe, Verlangen und Heirat handelten und in Form von Liedern über Jahrhunderte hinweg gesungen und weitergetragen wurden. Mit 'En El Amor' erklingt nun eine Auswahl sephardischer Lieder aus Spanien, Bulgarien, Griechenland, der Türkei und Bosnien-Herzegowina, die von der Sängerin Nataša Mirković über Jahre hinweg gesammelt wurden. In einem sehr freien und virtuosen Arrangement interpretiert sie gemeinsam mit dem Tubisten Michel Godard am Serpent und dem Perkussionisten Jarrod Gagwin die altjüdischen Lieder noch einmal neu. Dabei wagt das Trio ein reizvolles Crossover aus traditionellem sephardischen Gesang und experimentellem Ja...

The Unity of Opposites - Violinduos von Mozart, M. Haydn, Glière und Prokofjew

18 Juni, 2018 - 07:52

Hervorragendes Zusammenspiel

Das Label Melodiya legt auf dieser wunderbaren Einspielung kammermusikalische Kleinodien vor.

Vier wichtige Werke der Gattung Duo für zwei Violinen beziehungsweise Violine/Viola vereint die neue Platte des russischen Labels Melodiya, 'The Pochekin Brothers' ist ihr Titel. Zu hören sind von Ivan (Viola bei Mozart und Haydn) und Mikhail Pochekin das erste Duo in G-Dur KV 423 von Wolfgang Amadeus Mozart sowie das Duo C-Dur MH 335 von Michael Haydn, jeweils für Violine und Viola. Dazu erklingen Reinhold Glières 'Zwölf Duos' op. 49 und Prokofjews Sonate C-Dur op. 56, jeweils für zwei Violinen.

Gefällig beginnen die beiden Künstler mit Mozart. Hier weht ein Hauch von Eleganz und Sanftmut in der Tongebung. Beide Artisten sind sehr fähige, hervorragend ausgebildete Spieler und selbstverständlich perfekt für die 2017 im Großen Saal des Moskauer Konservatoriums getätigte Aufnahme vorbereitet. Da gibt es weder in der Intonation noch Ausfüh...