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Aktualisiert: vor 14 Minuten 42 Sekunden

Ades, Thomas - Illumination From Within

27 August, 2018 - 08:31

Erleuchtet

Einblicke in Thomas Adès' Klavierschaffen – nicht überragend in der Einsicht.

Wenn Interpreten sich verbal zu Musik äußern, die sie spielen, gerät dies nicht selten zu Peinlichkeit. Die Einlassungen von Winston Choi zu der vorliegenden Auswahl an Klavierwerken Thomas Adès‘ (die Blanca Variations von 2015 lagen zum Zeitpunkt der Einspielung der CD noch nicht vor), immer wieder das kindliche Staunen des Pianisten angesichts der Vielfältigkeit der kompositorischen Konzepte und Techniken, gehören zu dieser Gattung, und so extravagant die Bookletgestaltung daherkommt (das Booklet besteht aus einem mehrfach gefalteten Blatt festen Papiers, auf der einen Seite mit einem Aquarell (?) von Philippe Touvenot bedruckt, auf der anderen mit den Einspieldetails und den mehrsprachigen Einführungstexten). Schon in der eröffnenden Komposition, 'Traced Overhead' (1996), ist Choi von Adès intrikaten Anweisungen hörbar gefordert – eine Souveränitä...

Heinrich Schütz: Symphoniae Sacrae II - D. Mields, I. Schicketanz, D. Erler, G. Poplutz, T. Mäthger, F. Schwandtke, F. Rumpf

27 August, 2018 - 08:31

Famos

Schütz' 'Symphoniae Sacrae', zweiter Teil: Diese Musik hat in Rademann und seinen versierten Formationen ideale Anwälte gefunden.

Die 18. Folge der Schütz-Gesamteinspielung – wie schnell das Projekt voranschreitet! – ist mit einer üppig gefüllten Doppel-CD dem zweiten Teil der 'Symphoniae Sacrae' gewidmet. Publiziert 1647, ein Jahr vor dem Ende des die Zeit in jeder Hinsicht überformenden Dreißigjährigen Krieges, ist es eine Sammlung, die von höchster Konzentration und farbenreicher Explikation gleichermaßen geprägt ist. Sie greift, wie Oliver Geisler in seinem klugen Text bemerkt, auf zwei der zentralen Traditionslinien im Leben und Schaffen Schütz‘ zurück: Auf die beseelte Inspiration seiner Kopenhagener Zeit und zugleich auf die ästhetische Grundsatzerfahrung seines zweiten Italienaufenthalts. Klingendes Ergebnis sind hochelaborierte Geistliche Konzerte auf deutsche Texte – letzteres offenbar ein dringender Wunsch der Hörerschaft: Die italienische Art enger mit...

Pals, Leopold van der: Sinfonie 1; Wieland der Schmied op.23 - Helsingborg Symphony Orchestra, Johannes Goritzki

26 August, 2018 - 08:08

Aus der Trickkiste

Nach einem gezähmten sinfonischen Erstling überzeugen drei Sinfonische Dichtungen des musikalischen Kosmopoliten Leopold van der Pals.

Leopold van der Pals (1884–1966) ist einer jener Komponisten, die durch eine eher ungewöhnliche Biografik zwar als Kosmopoliten bezeichnet werden können, die aber gleichzeitig von keiner Landesmusikpflege so recht vereinnahmt werden. In Sankt Petersburg als Sohn eines niederländischen Unternehmers und einer dänischen Mutter geboren, wandte sich Leopold van der Pals 1904 nach Lausanne, lebte und wirkte von 1907 bis 1915 in Berlin und ließ sich danach in der Schweiz nieder. Van der Pals‘ erste Sinfonie in fis-Moll op. 4 entstand in den Jahren 1908, geprägt durch so unterschiedliche Erlebnisse wie Konzerte unter Sergej Kussewitzki und die Begegnung mit der Theosophie. Man kann sich fast vorstellen, mit wieviel Feuer Kussewitzki van der Pals‘ Sinfonie belebt hätte – die vorliegende Interpretation durch das Helsingborgs Symfoniorkester unter Johannes Goritzki ist im Eindruck eher...

Scharwenka, Philipp: Klaviertrios, Streichquartette, Klavierquintette + - Trio Parnassus, Mannheimer Streichquartett, Thomas Duis

25 August, 2018 - 08:20

Erweckt aus langem Dornröschenschlaf

Wer die vorliegenden Kammermusik-Aufnahmen mit Musik von Philipp Scharwenka noch nicht besitzt, dem kann diese Wieder-Veröffentlichung ans Herz gelegt werden.

Zu Kaisers Zeiten war er ein hoch geachteter Komponist, heute ist er fast völlig in Vergessenheit geraten: Philipp Scharwenka, 1847 im (damals deutschen) Posen geboren und 1917 in Bad Nauheim verstorben. Von den über 120 Werken, die er hinterließ, schlummern die meisten seit Jahrzehnten in einem Dornröschenschlaf. Vor allem einer kleinen, engagierten Zahl von Musikern ist es zu verdanken, dass hin und wieder ein Stück Scharwenkas erklingt – bei Sterling sind zwei CDs mit Orchesterwerken erschienen, und die Violinsonate op. 110 liegt sogar in zwei Aufnahmen vor. Es ist vor allem seine Kammermusik, für die der Tondichter seinerzeit geschätzt wurde. Das Label MDG hatte bereits in den Jahren 1993 bis 1999 – damals eine echte Pionierleistung – sechs Kompositionen Scharwenkas veröffentlicht, die nun auf dieser Doppel-CD wieder aufgelegt wurden. Interpretiert werden die Werke vom Tr...

Huber, Hans - Werke für Violine, Violoncello und Klavier

24 August, 2018 - 07:39

Fort von der CD

Die Einspielung zweier Klaviertrios von Hans Huber harmoniert auf der CD mit Violinstücken weniger als auf der Blu-ray.

Dies ist nicht die erste Hans-Huber-CD von Cellist Thomas Demenga und Pianist Jan Schultsz: 2014 erschienen die Cellosonaten Nr. 1 und 4, und 2015 hat Schultsz mit dem Basler Streichquartett die Klavierquintette Nr. 1 und 2 vorgelegt. 2016 folgten nun die Klaviertrios Nr. 2 und 3 opp. 65 und 105, dazu die 'Fantasiestücke' op. 78 sowie (auf der Blu-ray) die 'Drei Melodien' op. 49 für Violine und Klavier. Um es vorwegzunehmen: Die CD ist von der Aufnahmequalität der Blu-ray um ein Deutliches unterlegen, für ‚reine‘ CD-Hörer ist sie kaum geeignet. Wo auf der CD der Klang vergröbert wirkt, hat er auf der Blu-ray Rundung und Wärme, wirken die Interpretationen in sich deutlich runder und auch – trotz unterschiedlicher Aufnahmeorte – miteinander besser harmonierend.

Chouchane Siranossian (Violine), Demenga und Schultsz verstehen Huber als einen emotionalen ...

Requiem - Chorwerke von Tomas Luis de Victoria, Ernest Bullock, u.a.

24 August, 2018 - 07:39

Zwei Sphären

Eine vorbildliche Verbindung von Victorias Requiem mit Motetten zu Allerheiligen und Allerseelen.

Spanische und englische Musik aus der Zeit um 1600 und englische Werke aus dem frühen 20. Jahrhundert treffen hier aufeinander, Kompositionen für die Kirchentage Allerheiligen und Allerseelen (1. bzw. 2. November). Die erste Hälfte der CD bietet Motetten beider Sphären, die zweite ist ganz Tomás Luis de Victorias 'Officium defunctorum' (Requiem) gewidmet. Das Konzept des Clare College Choir Cambridge und seines Leiters Graham Ross ist ebenso klar wie überzeugend und setzt so die Harmonia-Mundi-Reihe zu den verschiedenen Kirchenfesten und -jahreszeiten glücklich fort. Der Clare College Choir gehört seit diversen Jahrzehnten zu den besten gemischten Chören in Cambridge, von starker Homogenität, mit reicher dynamischer Spannweite, strahlender, warmer Höhe und sonorer Tiefe. Textausdeutung und -verständlichkeit sind vorbildlich, die Aufnahmetechnik (in der Abteikirche ...

Lachner, Franz: Catharina Cornaro - Chor des BR, Münchner Rundfunkorchester, Ralf Weikert

23 August, 2018 - 07:39

Romantischer Lokalerfolg

Franz Lachners 'Catharina Cornaro' ist ein historisch bedeutsames Werk, das man nun in einer verdienstvollen Aufnahme nachhören kann.

Mit seiner großen tragischen Oper 'Catharina Cornaro' hat Franz Lachner seinem heute weitaus berühmteren Kollegen Gaetano Donizetti schlaflose Nächte bereitet. Donizetti wollte 1841 fast zeitgleich mit seiner eigenen Vertonung von 'Caterina Cornaro' in Wien herauskommen – doch Lachner war schneller. Donizetti behielt sein Werk noch drei Jahre in der Schublade, bevor er es in überarbeiteter Form in Parma herausbrachte. Heute ist auch Donizettis Variante äußerst selten auf der Bühne anzutreffen, jene von Pacini, Balfe, Halévy oder eben Lachner letztlich gar nicht mehr. Dabei gehörte zu Lebzeiten Lachners seine 'Catharina Cornaro' zu den erfolgreichsten Opern in München, wo das Werk auch uraufgeführt wurde. Es ist sozusagen wichtiger Bestandteil der Münchner Operngeschichte, wo Lachner als erster Münchner Generalmusikdirektor das Opernlebe...

Bach, Johann Sebastian: Hohe Messe h-moll - Collegium Vocale Leipzig, Merseburger Hofmusik, Michael Schönheit

23 August, 2018 - 07:39

Lebendige Musikpflege

Eine runde und hochwertige h-Moll-Messe und ein lebendiges Abbild der engagierten und fruchtbaren Arbeit Michael Schönheits in Merseburg.

Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe BWV 232 ist in vielerlei Hinsicht ein Gipfelwerk des Komponisten. Als Opus summum wird es nicht umsonst bezeichnet, bildet es doch in seiner stilistischen Vielfalt, seinen anspruchsvollen Aufgaben im instrumentalen wie im vokalen Bereich, mit seiner absichtsvoll arrangierten Satzkonstellation, die über das Parodieverfahren etliche Schmuckstücke älteren Datums einbezieht, alles, was man sich von repräsentativer spätbarocker Musik erhoffen kann. Die Messe ist damit auch ein ideales Vehikel für Ensembles, die sich fordern oder ihre Schaffenskraft bestätigen wollen. Und offenbar auch dafür, sich zu besonderen Jubiläen zu beschenken. So haben es die 1998 gegründete Merseburger Hofmusik und das 1993 gegründete Collegium Vocale Leipzig getan, die sich zu ihrem 20. beziehungsweise 25. Gründungsjubiläum eine h-Moll-Messe ‚gegön...

Borodin, Alexander - Kammermusikwerke

22 August, 2018 - 06:35

Besuch bei Madame

Eleganz, kammermusikalische Kunst und lyrische Wärme – außer russischem Feuer fehlt dieser Einspielung nichts.

Mit Produktionen des englischen Labels Hyperion kann man höchst selten etwas falsch machen. Im vorliegenden Fall haben wir drei wichtige Kammermusikwerke von Alexander Borodin, die teilweise in anderen Interpretationen regelrecht berühmt sind. Das zweite Streichquartett in D-Dur (1881) war seit spätestens 1962 ein Paradestück des Borodin-Quartetts, von dem diverse Einspielungen des Werks vorliegen. Im direkten Vergleich wirkt das Goldner String Quartet eleganter, zurückhaltender, nicht voll emotional involviert (allerdings ist die Komposition auch gerade in ihrer immer wieder vorhandenen Verhaltenheit besonders anspruchsvoll).

Die Cellosonate h-Moll (1860) in Mikhail Goldsteins nie (auch hier nicht hinterfragten) Vervollständigung erfährt durch Julian Smiles, dem Cellisten des Goldner String Quartet, und den Pianisten Piers Lane eine lebhaft-elegante Darbietung – schade, dass das Wer...

A New Generation - Vier Jahrzehnte der europäischen Orgelmusik

22 August, 2018 - 06:35

Orgel-Studienreise

Gemischtes Programm, gemischte Instrumente – und ein gemischter Gesamteindruck.

Die Einlassungen in dem (inhaltsmäßig eher schwachen) Booklet zu diesem etwas unüberschaubaren, weil allzu disparaten Projekt zu Orgelinterpretation im Allgemeinen und für junge Organisten im Besonderen halten sich allzu sehr in Gemeinplätzen auf – dass die jungen Musiker neue Instrumente und neue akustische Verhältnisse kennen lernen müssen. Dies ist natürlich stets eine besondere Herausforderung, doch hört man für gewöhnlich von etablierten Organisten, dass gerade diese Herausforderung einen besonderen Reiz bietet (viel schwieriger, das betonen die ganz ‚alten Hasen‘, sind oft die widrigen klimatischen Verhältnisse, Minusgrade im Winter und Gluthitze im Sommer, die nicht nur den Musikern, sondern auch den Instrumenten zusetzen).

Die in dieser Doppel-CD zahlreichen Studierenden und Absolventen der Hudební a taneční fakulta je ...

Schumann, Robert / Bach, Johann Sebastian: Adventlied/Cantata BWV 105/+ - Estonian Philharmonic Chamber Choir, Helsinki Baroque Orchestra, Aapo Häkkinen

21 August, 2018 - 08:00

Schumann und die Ahnen

Effektvolle, lohnende und alles andere als kleinformatige Musik: Hier kann man Robert Schumann über die Schulter schauen und sieht ihn im Zwiegespräch mit Bach. Eine unübliche, aber attraktive Platte.

Viele Komponisten des 19. Jahrhunderts haben sich von älteren vokal-instrumentalen Traditionen begeistern lassen: Mendelssohn und Brahms waren mitnichten allein als Bach-Jünger, wenngleich sie heute oft stellvertretend für eine umfassende Bewegung stehen. Gerade Bachs intensive theologisch-textliche Exegese war es, die die Jüngeren begeisterte. Auch Robert Schumann, der Poet unter den Komponisten, machte da keine Ausnahme. Einerseits natürlich, weil er Bachs Qualitäten erkannte. Andererseits sicher auch als Musikpraktiker, der in den von ihm verantworteten Konzerten das bieten wollte, was viele interessierte. Doch wäre Schumann nicht der formal erprobungsfreudige Komponist, der er war, hätte er das, was ihm zum Beispiel in Bachs Kantaten begegnete, nicht für seine eigene kreative Arbeit fruchtbar gemacht. Schon in Dresden und später in Düsseldorf. Aus dieser spannungsreichen Kons...

Gnocchi, Pietro - Sechs Konzerte

21 August, 2018 - 08:00

Lombardischer Ton

Eine spannende Persönlichkeit aus Brescia erfährt ein rundum überzeugendes Plädoyer.

Das Main-Barockorchester Frankfurt hat es sich zur Regel gemacht, die Instrumentalmusik der Zeitgenossen Bachs und Telemanns in historisch möglichst informierter Weise zu erkunden, ohne aus der Musik ein trübes Wachsfigurenkabinett zu machen. Diesmal sind sechs Concerti und eine Triosonate von Pietro Gnocchi (1689–1775) das Thema der Wahl – Werke eines aus der Nähe von Brescia stammenden Geistlichen, der sich nicht nur kompositorisch, sondern auch als Historiker und Geograph profilierte. Der lombardische Ton ist in der Musik unüberhörbar, der doch ganz anders ist als etwa der römische oder neapolitanische; und dieses Verdienst gebührt dem Frankfurter Orchester, das für die Musik im Großen wie im Detail gerade den rechten Ton, das passende Timing, den richtigen Puls findet. Dass gleichzeitig harmonisch Beziehungen zu anderen europäischen Kulturlandschaften hörbar sind...

Haydn, Joseph - Die Tageszeiten-Sinfonien Nr. 6-8

20 August, 2018 - 08:43

Haydn-Zeiten

Yutaka Sado dirigiert die 'Tageszeiten'-Sinfonien: beglückend.

Wer den japanischen Dirigenten Yutaka Sado einmal hat Haydn dirigieren sehen, mag hinterher von einer Art Erweckungserlebnis sprechen. Anhänger des schnöden Credos ‚Haydn vermeiden‘ werden plötzlich zu glühenden Verfechtern der Sinfonien des Wiener Klassikers und hören dessen Musik mit vollkommen anderen Ohren.

Dass Sado auf dieser CD mit dem Sinfonienzyklus Hob.: 6-8 'Die Tageszeiten' dem Tonkünstler-Orchester aus Österreich vorsteht, dessen Chefdirigent er zugleich ist, kommt hier als weiterer positiver Faktor hinzu. Es ist wohl vor allem die akribisch herausgearbeitete gestische Lebendigkeit bei Haydn, die diese Live-Aufnahmen aus dem Wiener Musikverein (inklusive Schlussapplaus) auszeichnen. Hinzu kommt ein kultivierter Orchester- und vor allem Streicherklang, der gekonnt auf dem Mittelgrat zwischen historisch informierter Aufführungspraxis und modernem Instrum...

Romantische Duos für Viola und Klavier - Werke von Kiel, Reinecke und Reuß

20 August, 2018 - 08:43

Aus der zweiten Reihe herausgehoben

Drei Komponisten der sogenannten zweiten Reihe erfahren erstklassige Plädoyers.

Die hier vorgestellten Komponisten sind vielleicht nicht bekannt als große Leuchttürme der Musikgeschichte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dass sie dennoch nicht einfach als langweilige ‚Akademisten‘ oder Dilettanten abgetan werden können, ist dem Einsatz Oliver Triendls zu danken, zusammen mit der finnischen Bratschistin Anna Kreeta Gribajevic. Friedrich Kiels g-Moll-Sonate op. 67 von 1876 erweist sich (bei rechtem Zugriff) als ganz auf der Höhe der Zeit stehend, voller Kraft und Atmosphäre, voll melodischem und harmonischem Reichtum. Carl Reineckes 'Drei Phantasiestücke' op. 43 (1957) erweisen Schumann ihre Referenz und haben doch ganz eigenen Charakter.

Die Chemie zwischen den beiden Musikern bringt die Musik zum Leuchten; sie kosten die dramatischen wie die leisen Töne, den Witz und die Eleganz in all ihrem Reichtum aus und lassen einen sich wundern, ...

Vidi Speciosam - A Lady Mass from the 16th Century - Tiburtina Ensemble, Capella de la torre, Barbora Kabatkova, Katharina Bäuml

19 August, 2018 - 07:39

Delikat

Eine rundum schöne, lebendige und alles andere als einförmige Platte: Musik von Victoria in einer harmonischen Präsentation durch das Tiburtina Ensemble und die Capella de la Torre.

Wenn der Blick ins 16. Jahrhundert zurückgeht, dann finden sich in den katholischen Ländern Klöster in großer Zahl, die entscheidend zur musikalischen Überlieferung beigetragen haben, auch ganz praktisch. Und nicht nur Männerklöster: Die oft erstaunlich vielfältige musikalische Praxis an Nonnenkonventen der Zeit ist nicht unbekannt, gerade im iberischen Raum. Oft waren es Klöster, in denen Töchter höherer Familien mit entsprechenden Ambitionen lebten – weitgehend abgeschirmt von der erlesenen Klangkunst der Zeit. Offenbar war dieser Gedanke vielfach so unvorstellbar und abwegig, dass man Wege suchte und fand, diesem Malus abzuhelfen. Ein sehr praktischer Ansatz war es, die tieferen Stimmen kontrapunktischer Werke mit Instrumenten zu besetzen – eine undogmatische Lösung, die aus vielen Kontexten bekannt ist. Unter anderem aus dem Madrider Monasterio de los D...

Gernsheim, Friedrich: Cellosonaten Nr.1-3 - Alexander Hülshoff, Oliver Triendl

17 August, 2018 - 08:16

Spaltung statt Verschmelzung

Die Cellosonaten Friedrich Gernsheims erfahren eine interpretatorisch mehr als solide Darbietung. Leider beeinträchtigt die stark räumliche Aufnahmetechnik die erforderliche Verbindung der beiden Kammermusikpartner.

Mit den Cellosonaten setzt das Label cpo seine Erkundung des Schaffens Friedrich Gernsheims fort – jenes Brahms-Freundes, der auch immer wieder Brahms-Echos in seinen Werken verarbeitet hat. So gleich in dem Kopfsatz der dritten Cellosonate e-Moll op. 87 aus dem Jahr 1914. Der Tonfall ist weit von anderen Kompositionen jener Zeit entfernt (auch Regers Cellosonate op. 116 gehört einer anderen Welt an) – vielmehr scheint Gernsheim der durch neue ‚Moden‘ verlorengegangenen Zeit nachzutrauern. Leider überzeugt das vom reinen Informationsgehalt insgesamt akzeptable Booklet nicht wirklich mit Blick auf die Verortung von Gernsheims Musik in der Musikwelt seiner Zeit. Wie die beiden früheren Sonaten ist auch op. 87 dreisätzig, der zentrale langsame Satz wird, wo Oliver Triendl dezente Expression aufbietet, von Alexander Hülshoff mit gewisser Überemphase befrachtet, so dass die klaren Cell...

Bolcom, William - Canciones de Lorca

16 August, 2018 - 07:17

Tiefer Gegenwartbezug

Zwei Vokalwerke William Bolcolms mit Orchester zeigen einen imaginativen Komponisten, dem aber stilistisch das letzte Quäntchen musikalische Eigenart fehlt.

William Bolcom (* 1938) ist zutiefst in der Gegenwart verankert, mit starken Bezügen in die Vergangenheit. Der umfangreiche Orchesterliederzyklus 'Canciones de Lorca' entstand 2006 für Plácido Domingo; ähnlich wie in Menottis 'Goya'-Oper hört man in der melodienreichen Komposition auch gleich die berühmte Stimme des Spaniers. Bolcolms Musik ist im Vergleich zu vielen Zeitgenossen eher eklektisch, gerade im Vokalen offen konventionell – die Bezugnahmen zu Puccini sind aber auch im Orchestersatz unüberhörbar. Dem Tenor René Barbera, der anstelle von Domingo in der vorliegenden Einspielung den Solopart übernommen hat, mangelt es leider allzu sehr an vokaler Phantasie und stimmlicher Eigenart – häufig klingt er nur wie ein Domingo-Imitat, aber ohne die strahlende Höhe, die Sensitivität für die Texte. Das klingt alles wie gut auswendig ge...

Mozart, Wolfgang Amadeus - Klavierkonzerte

16 August, 2018 - 07:17

Interessantes Team

Barock-Spezialist Rinaldo Alessandrini begleitet den Schweizer Pianisten Olivier Cavé: Ein eloquent gespielter Steinway trifft auf historisch orientiertes Musizieren.

Über das begleitende Orchester Divertissement erfährt man im Booklet nichts (und auch im Internet zunächst nicht): Historische Instrumente und Musiker teils aus Alessandinis Ensemble Concerto italiano? Gespielt wird jedenfalls ‚historisch informiert‘ ohne viel Vibrato, aufnahmetechnisch gut eingefangen mit schön hervortretender Pauke und allen Orchesterfarben, die Alessandrini findet und vorstellt. Das ist im späten C-Dur-Konzert KV 503, Mozarts ‚symphonischstem‘ Orchesterpart aller seiner Konzerte, sogar recht viel: Über mangelnde orchestrale Schlagkraft (wie bei Bilson/Gardiner oder Schondervoort) kann man per se nicht klagen – auch wenn gerade die dramatische Steigerung in den Sequenzen und verdichteten Vaiantenbildungen des durchführenden Mittelteils von KV 503 von Alessandri völlig verschenkt wird (einziger größerer Kritikpunkt dieses Programms...

Ariane & Orphée - Französische Barockkantaten

15 August, 2018 - 08:50

Irreführung

Trotz des vielversprechenden Covertitels bietet die vorliegende CD gerade einmal zwei Barockkantaten, davon eine hinlänglich bekannte.

Jean-Philippe Rameaus 'Orphée' (1721) und Philippe Courbois‘ 'Ariane' (1710) bilden die Eckpunkte der vorliegenden CD, die durch eine ‚Air de cour‘ 'Ombre de mon amant' von Michel Lambert (1689), eine Triosonate c-Moll von Elisabeth Jacquet de la Guerre (1707) und einer Chaconne von Marin Marais (1692) ergänzt werden. Das Ensemble Stravaganza unter seiner Leiterin Domitille Gilon erweist sich als stilsicheres, wenn auch nicht selten affektiv stark ausladender Klangkörper, an dessen Ästhetik man sich erst gewöhnen muss. Die französisch-marokkanische Sopranistin Hasnaa Bennani passt sich in dieses Konzept nahtlos ein und bietet in den beiden Kantaten sowie der Air de cour eine durchaus individuelle, bezwingende, für manche Ohren aber auch sicher emotiv-anstrengende Interpretation mit allzu viel Vibrato an der falschen Stelle. Manche kompositorische Fakturen ...

Bartholdy, Felix-Mendelssohn: Konzert für Violine, Klavier und Streichorchester - Lena Neudauer, Matthias Kirschnereit, Südwestdt. Kammerorchester Pforzheim

15 August, 2018 - 08:50

Ein ausgewogenes Feuerwerk

Lena Neudauer und Matthias Kirschnereit bringen mit dem südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim zwei geniale Frühwerke Felix Mendelssohn-Bartholdys zum Klingen.

Von frühester Kindheit wurde das musikalische Talent der Geschwister Felix und Fanny Mendelssohn Bartholdy intensiv gefördert, sie erhielten Unterricht bei den besten Lehrern und die Gelegenheit, bei den ‚Sonntagsmusiken‘ im elterlichen hauseigenen Konzertsaal vor der intellektuellen Elite Berlins aufzutreten. Im Rahmen dieser Zusammenkünfte, bei denen häufig auch ein Orchester aus Musikliebhabern und professionellen Musikern gebildet wurde, kamen 1822 und 1823 auch Felix‘ Violinkonzert in d-Moll und das Konzert für Violine, Klavier und Streichorchester in d-Moll zur Uraufführung. Den Part der Solovioline übertrug der damals gerade einmal 13- bzw. 14-jährige Felix seinem Geigenlehrer Eduard Rietz, das Klaviersolo im Doppelkonzert spielte er selbst.

Das südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim widmete sich auf seiner 2017 bei cpo erschienenen CD diesen beiden Fr...