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Aktualisiert: vor 2 Stunden 38 Sekunden

Heuberger, Richard - Der Opernball

17 Dezember, 2017 - 07:56

Das Chambre séparée bleibt heute leer

Diese Produktion von Heubergers 'Opernball' setzt leider keine Maßstäbe. Sie ist achtbar, wenn auch nicht von besonderem Esprit getragen.

Richard Heuberger (1850–1914) kannte man im Wien der Kaiserzeit vor allem als Leiter der Wiener Singakademie, aber auch des Akademischen Gesangvereins. Aus Graz stammend, ist es schön, endlich seine berühmteste Komposition, die 1898 uraufgeführte Operette 'Ein Opernball' hier in einer Neueinspielung verspätet zum Zentenarium vorgelegt zu sehen. Ein im Grunde Dutzendprodukt, vom Sujet wenig originell (Verwechslungskomödie qua Maskierung via Dominos). Und es bedarf ganz besonderer Verve, um die Qualitäten der Musik vollends zum Vorschein kommen zu lassen.

Leider, das muss sogleich gesagt werden, ist die Interpretation mehr achtbar denn Referenz. Marius Burkerts Dirigat ist schon in der Ouvertüre behäbig, im Gesamtklang eher breit denn fein differenziert. So gehen nicht alle Schönheiten verloren, doch ältere (auch deutlich ältere) Interpretationen der Ouvert&...

Rasch - Saxophonwerke von Bach, Gershwin & Donatoni

17 Dezember, 2017 - 07:56

Rascher Aufstieg

Das Arcis Saxophon Quartett erkundet Bearbeitungen und Originalwerke und zeigt sich von inspirierender Frische.

Vier Münchner Saxophonisten lernen sich beim Studium kennen. Sie gründen 2009 das Arcis Saxophon Quartett, 2013 gewinnen sie auf Anhieb mehrere internationale Musikwettbewerbe. Nach Werken von Enjott Schneider ist jetzt ihre zweite CD bei Genuin erschienen. Sie trägt den Titel ‚Rasch’ und erweist sich als ein Feuerwerk der Saxophonkunst mit Claus Hierluksch (Sopransaxophon), Ricarda Fuss (Altsaxophon), Claudia Jope (Tenorsaxophon) und Jure Knez (Baritonsaxophon).

Das Programm zeigt die Vielseitigkeit des Ensemble. Es beginnt mit Bachs 'Italienischem Konzert' in F-Dur. Komponiert für ein zur Mehrstimmigkeit fähiges Soloinstrument verfolgt das Arcis Saxophon Quartett die Melodie durch die Register der Saxophone, wodurch sich durch die quirlig versetzen Wiederholungsstrukturen reizvolle Klangvernetzungen und energiereiche Dynamik entwickelt. Die Suite aus Gershwins Oper 'Porgy a...

Zeitgeschichten - Carolin Renner - Klarinette

16 Dezember, 2017 - 06:42

Klarinetten-Facetten

Carolin Renner spürt mit dieser Zusammenstellung den vielfältigen Ausdruckswelten der Klarinette im frühen 20. Jahrhundert nach.

Die titelgebenden ‚Zeitgeschichten’, die Klarinettistin Carolin Renner auf ihrer ersten CD erzählt, reichen musikalisch von Igor Strawinsky und Paul Hindemith zurück zu Richard Strauss. Alle Kompositionen entstanden innerhalb von 30 Jahren in der Schweiz und werden hier, in der Produktion von Paschen Records, von Musikstudenten der Hochschule für Musik und Theater Rostock eingespielt.

Strawinskys 'Histoire du Soldat'-Suite in der Triofassung für Violine, Klarinette und Klavier, kombiniert mit Sprechtext ist so zum ersten Mal auf CD zu hören. Von Heisan Abbas ausdrucksstark mit wechselnden Stimmfärbungen gesprochen und von den Musikern zackig stummfilmmäßig interpretiert entwickelt sich atmosphärisches Kopftheater um die Geschichte des geigenden Soldaten, der dem Teufel seine Seele verkauft. Im ständigen Wechsel zwischen Text und Musik formiert sich Straw...

Kagel, Mauricio - Klavierwerke

16 Dezember, 2017 - 06:42

Eigenes in Eigenem

Die Pianistin Sabine Liebner überzeugt mit einer klugen und durchdachten Anordnung von Klavierstücken Mauricio Kagels.

Aufgrund ihrer vor allem Werke aus der Zeit nach 1950 einbeziehenden Repertoirewahl bleibt Sabine Liebner nach wie vor eine Ausnahme unter den zeitgenössischen Pianistinnen. Nachdem sie während der vergangenen Jahre bei ihrem Stammlabel Wergo vor allem mit Kompositionen von John Cage, Morton Feldman, Earle Brown und Giacinto Scelsi geglänzt hat, wendet sich ihre neueste Veröffentlichung dem Schaffen Mauricio Kagels zu. Damit schafft Liebner eine gewichtige Alternative zur hervorragenden Einspielung von Paolo Alvarez, der 2003 bei cpo eine Doppel-CD mit sämtlichen damals verfügbaren Klavierwerken des Komponisten vorgelegt hatte. Allerdings geht es der Pianistin nicht um Vollständigkeit, sondern - das macht die außerordentliche Veröffentlichung gleich in mehrfacher Hinsicht deutlich - um eine kluge Anordnung der ausgewählten Stücke.

Als roter Faden der Produktion dient d...

Frozen Time - Orgelwerke

15 Dezember, 2017 - 06:42

Stillstellung der Zeit

Die neueste Produktion des Organisten Dominik Susteck bringt Werke mit ungewöhnlicher Zeitstruktur von John Cage und Toshio Hosokawa mit eigenen Orgelimprovisationen zusammen.

John Cages Orgelkomposition 'Organ2/ASLSP' (1987) hat es in den vergangenen Jahren immer wieder ins Feuilleton geschafft: Seit dem Jahr 2001 findet in der Sankt-Burchardi-Kirche in Halberstadt eine auf die Gesamtdauer von 639 Jahren berechnete Darbietung des Stückes statt, bei der die alle paar Jahre stattfindende Veränderungen, bislang jeweils das Hinzutreten neuer Tonhöhen, medienwirksam inszeniert wird. Dass hier die im Titel verschlüsselte Anweisung 'As SLow aS Possible' weit über die Lebenszeit eines Menschen hinaus ausgeweitet wird, lässt bei der Diskussion des Halberstadt-Projekts leider in den Hintergrund treten, worauf es Cage eigentlich ankommt: Er konfrontiert den Musiker mit einer frei wählbaren, jedoch möglichst gedehnten Zeitstruktur und ersetzt dadurch den Bezug auf den Rhythmus durch die Arbeit mit extremen Dauern zwischen den Einsatzimpulsen seiner Klänge.<...

Puccini, Giacomo - La Rondine

14 Dezember, 2017 - 08:47

Schwermütiger Liebestraum

Von 'La Rondine' gibt es alles andere als zu viele Aufnahmen, weshalb diese Neuerscheinung eine wirklich willkommene und gelungene Ergänzung darstellt.

Giacomo Puccinis Beinahe-Operette 'La Rondine' hat es noch immer nicht nachhaltig auf die Spielpläne geschafft. Komponiert auf ein melancholisches Wiener Operettenlibretto von Alfred Willner und Heinz Reichert, das ins Italienische übersetzt wurde, ist die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der Mätresse Magda und dem jungen Ruggero zu einer waschechten Puccini-Oper avanciert, die seit ihrer Uraufführung 1917 in Monte-Carlo vor allem wegen einer eingängigen Sopran-Arie im Gedächtnis geblieben ist.

Dabei hat 'La Rondine' musikalisch soviel mehr zu bieten: hoch emotionale Duett-Szenen, elegante Walzer als Folie für den modernen Konversationston und neben knisternder Klangerotik auch ein mitreißendes Quartett mit Chor, das den beschworenen Liebestaumel unmissverständlich erfahrbar macht. Das beweist die Neuaufnahme von 'La Rondine' beim Label cpo mit...

Kodaly, Zoltan - Cellowerke

13 Dezember, 2017 - 07:44

Ungarisches mit Herz und Verstand

Die Werke von Zoltán Kodály sind immer noch und vor allem eine Herzensangelegenheit seiner ungarischen Landsleute, was auch für die ungarischen Cellisten gilt.

Im Jahr 2010 war die ungarische Stadt Pécs europäische Kulturhauptstadt. Eine solche Auszeichnung führt in der Regel dazu, dass im Vorfeld einiges getan wird, um die Ehrung durch besondere Aktivitäten zu rechtfertigen. In Pécs z.B. baute man ein neues Auditorium und nannte es das Kodály-Centre, eine moderne Konzerthalle mit hochgelobter Akustik. So passte es gut, daß István Várdai und Klára Würtz die Aufnahme der Cellowerke im Saal des Namensgebers vornahmen.

In Ungarn ist Kodály populär und allgegenwärtig, mehr als durch seine Kompositionen aber durch seine Methode der musikalischen Erziehung, nach der in Ungarn seit den vierziger Jahren jedes Kind zum Singen gebracht wird. Noch wichtiger ist seine Erforschung der originären ungarischen Volksmusik, die er seit Beginn des 20 Jahrhunderts zusammen mit seinem Freund und Kollegen B&eacute...

Draeseke, Felix - Orchesterwerke & Klavierkonzert Es-Dur

13 Dezember, 2017 - 07:44

Der Tragiker unter den Symphonikern

MDG legt eine Doppel-CD mit symphonischen Werken von Felix Draeseke wieder auf, besonders gelungen ist dabei die Interpretation der 'Symphonia tragica'.

Viele Tondichter teilen das Schicksal von Felix Draeseke (1835-1913): Zu Lebzeiten international bekannt, geriet er bald nach seinem Tod in Vergessenheit. In Draesekes Fall kommt aber eine besonders unschöne Komponente hinzu: Zwischen 1933 und 1945 versuchten einige nationalsozialistisch ausgerichtete Musikwissenschaftler, ihn als ‚arischen‘ Vorzeigekomponisten zu instrumentalisieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es das Werk des Liszt-Schülers also doppelt schwer, als ‚Traditionalist‘ abgelehnt von der Avantgarde und skeptisch beäugt von vielen Hörern aufgrund der politischen Vereinnahmung. So wurde es viele Jahre still um das beachtliche Werk des Spätromantikers, der – als einer von wenigen – sowohl Symphonien als auch Tondichtungen schrieb und sich damit zwischen die Stühle der ‚Neudeutschen‘ und der ‚Konservativen‘ setzte.

W&aum...

Graupner, Christoph - Epiphanias-Kantaten

12 Dezember, 2017 - 07:26

Epiphanias kann kommen

Mit dieser Platte kann man Weihnachten nach Neujahr weiterfeiern: Ein attraktives Programm mit Graupner-Kantaten. Und alle Langeweile verfliegt.

Der Bassist Dominik Wörner ist mit den interpretatorischen Früchten des von ihm initiierten Kirchheimer Konzertwinters schon vernehmlich hervorgetreten, mit einer formidablen Bach-Platte, auf der die wunderbaren Dialog-Kantaten im Mittelpunkt standen. Jetzt hat er fünf nicht minder attraktive Kantaten zusammengestellt, die Christoph Graupner, der langjährige Darmstädter Hofkapellmeister und Hofkompositeur für die Epiphanias-Zeit komponiert hat – sämtlich hochstehende Zeugnisse der Zusammenarbeit von Graupner und dessen Schwager Johann Conrad Lichtenberg, seines Zeichens Superintendent in Darmstadt und ungemein produktiver Verfasser geistlicher Dichtung. Die Kombination Graupner-Lichtenberg war wohl mindestens so stark und produktiv wie die oft beschriebene Verbindung Bach-Picander. Jedenfalls ist in den fünf Kantaten beispielhaft ein kongeniales Wechselspiel zwischen textlicher Ebene und ...

Amor fatale - Arien von Rossini

11 Dezember, 2017 - 07:32

Starke Rossini-Frau

Die Sopranistin Marina Rebeka stellt mir ihrer Rossini-CD „Amor fatale“ ihre Vielseitigkeit ebenso wie die Vielfalt des Komponisten unter Beweis.

Sie ist wandlungsfähig, verfügt über ein breites Repertoire und weiß mit ihrer Stimme effektvoll umzugehen. Die Sopranistin Marina Rebeka gehört zu den international gefragtesten Sängerinnen und hat nun ein Rossini-Album veröffentlicht. Mit ihrem glutvollen Sopran ist sie keine Rosina mehr, sondern reüssiert in den ‚starken‘ Frauenrollen Rossinis. Auch wenn man dem Bookletartikel über die ‚starken Frauen‘ auf der Opernbühne nicht immer folgen kann: Im Falle der Interpretationen von Marina Rebeka trifft die Charakterisierung ins Schwarze.

Sie ist als Armida, Desdemona, Elena, Mathilde, Semiramis, Anna und Anäi zu hören und verbindet so bekannte Arien und Szenen mit welchen, die dem Hörer weniger geläufig sein werden. So beginnt sie mit einer Arie aus 'Moïse et Pharaon' mit großen Koloraturbögen und als F&uum...

Thoughts Observed - Lieder von Schumann, Duparc, Debussy u.a.

10 Dezember, 2017 - 07:46

Ungewöhnliches Klangereignis

Countertenor Yaniv d'Or kann mit seiner Interpretation französischer Lieder überzeugen. Das gelingt ihm im Fall von Schummans 'Dichterliebe', die die CD eröffnet, leider nicht.

Bei Naxos erschien 2017 ein ungewöhnliches Klangereignis: die 'Dichterliebe', von einem Countertenor gesungen. Das macht neugierig. Welche Facetten kann diese Stimmlage in der Interpretation einem solchen Liedzyklus abgewinnen oder hinzufügen? Leider muss man konstatieren: keine wesentlichen.

Die Stimme von Countertenor Yaniv d’Or hat ihre schönen Seiten in nicht allzu hoher Lage, in einem Piano bis Mezzoforte. Sie ist dann farbenreich, weich im Klang und ausgewogen. Beispiel dafür ist das innig gesungene 'Am leuchtenden Sommermorgen'. Jedoch befindet man sich mit diesem Lied schon im letzten Viertel des Zyklus. Die bis dahin vergangenen drei Viertel des Werkes vermögen in der Interpretation von d’Or leider nicht zu überzeugen. Da sind Lieder wie 'Die Rose, die Lilie', in welchen der Text äußerst schwer verständlich ist, die Stimme außer...

Grieg, Edvard - Lieder

9 Dezember, 2017 - 07:08

Äußerst kunstfertige Natürlichkeit

Die norwegische Sopranistin Siri Karoline Thornhill interpretiert gemeinsam mit Pianistin Reinild Mees vier Liedzyklen von Edward Grieg. Sie besticht dabei durch die Schönheit ihrer Stimme ebenso wie durch die Natürlichkeit ihrer Interpretation.

Es ist kein Geheimnis, dass Liedgesang schwierig ist. Leicht und natürlich dabei zu klingen, ist jedoch noch schwieriger. Doch was für ein Triumph ist es für Sänger wie Konsument, wenn der Hörer sich die Lieder gar nicht anders vorstellen kann, als genau so, wie er sie gerade hört, ja wenn er sich nicht einmal Gedanken über die Interpretation macht, weil sie so richtig ist.

Dieses Kunststück gelingt der norwegischen Sopranistin Siri Karoline Thornhill. Die gefragte Lied-, Oratorien-, und Opernsängerin hat Griegs Musik wahrscheinlich schon mit der Muttermilch eingesogen, sie liegt ihr im Blut. Jedenfalls gelingt es ihr in der vorliegenden Einspielung von vier Liedzyklen Griegs, ergänzt durch 'Solveigs Wiegenlied', wunderbare kleine Kosmen entstehen zu lassen. Dabei gibt es kein Werk, das besonders hervorsticht. Griegs sehr bekanntes Opus 48, die 'Sechs Lieder'...

Schubert, Franz - Die schöne Müllerin

8 Dezember, 2017 - 08:37

Ein Müller in neuem Licht

Christian Gerhaher und Gerold Huber mit einer 'Schönen Müllerin' weit entfernt von simpler Frische oder gar Eindimensionalität. Dies ist der wirklich schicksalhaft-dramatische Schubert-Zyklus.

Einmal mehr lässt sich das kongeniale Lied-Duo Christian Gerhaher und Gerold Huber hören, aktuell mit Franz Schuberts 'Die schöne Müllerin'. Nach beinahe eineinhalb Jahrzehnten eine Neubefragung vertrauter Zyklen anzugehen, ist für Künstler dieses Kalibers keiner besonderen Begründung bedürftig. Dennoch ist es bei Gerhaher und Huber beinahe selbstverständlich, dass ein Ansatz mit neuen Akzenten dazu motiviert. Gerhaher hat sich entschlossen, die von Schubert nicht vertonten Gedichte des Zyklus‘ von Wilhelm Müller mit in den Reigen aufzunehmen, was die Statik verändert und im Prolog, vor allem aber im Epilog einen gebrochenen Blick auf die Geschichte des jungen Müllers und dessen grundstürzendes Unglück eröffnet. Dieses rahmende Gedichtpaar relativiert das gemeinhin bekannte Lebensdrama des jungen Müllers tatsächlich drastisch ins Ironis...

Kuhnau, Johann - Sämtliche geistliche Werke Vol. 3

4 Dezember, 2017 - 08:00

Advent mit Kuhnau

Pünktlich zum Advent ist die dritte Folge der schon jetzt hochverdienstvollen Kuhnau-Reihe von Gregor Meyer und David Erler beim Label cpo zu verzeichnen: Musik und Komponist verdienen Aufmerksamkeit – es ist eben kein mediokrer Stoff der da geboten wird.

In der dritten Folge der hocherfreulichen Gesamteinspielung des geistlichen Werks von Johann Kuhnau (1660-1722), seines Zeichens Thomaskantor und unmittelbarer Vorgänger Johann Sebastian Bachs, stehen Musiken zu Advent und Weihnachten im Mittelpunkt. Zunächst fällt ein fast halbstündiges 'Magnificat' auf, das prächtig instrumentiert ist, voller höchst individueller Melodik, gespickt mit starken affektiven Kontrasten. Die eingefügten weihnachtlichen Einlagesätze bieten stimmungsvolle Anknüpfungspunkte für die Verortung im liturgischen Jahr. Und immer wieder ist die Komposition getragen von konzis gezeichneten Stimmungen. So ist etwa die Tenor-Arie 'Et misericodia eius' ein fein gezeichnetes Stück, das an Bachs gleichnamiges Duett von Alt und Tenor aus dessen 'Magnificat' gemahnt. Wie überhaupt klar wird: Bach steht mit seinem 'Magnificat' klar ...

Rachmaninoff, Sergej - Klavierkonzert Nr. 2 & Paganini-Rhapsodie

3 Dezember, 2017 - 08:13

Starke Ergänzung

Norddeutsch russisch: Das Zweite Klavierkonzert und die Paganini-Rhapsodie von Rachmaninoff in einer gar nicht überflüssigen Interpretation.

Gleich vorweg: Auf dieser CD mit einer Aufnahme vom Mai 2016 sind zwar das NDR Elbphilharmonie Orchester (ohne Bindestrich) mit seinem Ersten Gastdirigenten Krzystof Urbanski und der Pianistin Anna Vinnitskaya zu hören, die in dieser Kombination auch schon in der Elbphilharmonie aufgetreten sind. Die CD wurde aber im Rolf-Liebermann-Studio aufgenommen, ebenfalls in Hamburg, jedoch an der Rothenbaumchaussee und nicht in der Hafencity in der Elbphilharmonie. Der Qualität dieser Einspielung tut das aber überhaupt keinen Abbruch. Zwar könnte man meinen, dass Sergej Rachmanninoffs Zweites Klavierkonzert in c-Moll und dessen Rhapsodie über ein Thema von Paganini schon so oft gespielt wurden, dass sich nichts Neues mehr hinzufügen lässt. Urbanski und  Vinnitskaya schaffen es aber trotzdem, beide Werke ganz ohne Patina erklingen zu lassen.

Die Frische der Deutung speist sich aus mehreren Quel...

Bach & Beethoven - Klavierwerke

3 Dezember, 2017 - 08:13

Feurige Perfektion

Michelangelis Auftritt bei den Salzburger Festspielen ist der klingende Beweis dafür, dass sich nüchterne Perfektion und feurige Emphase nicht zwangsläufig widersprechen müssen.

Arturo Benedetti Michelangeli genoss seinerzeit den Ruf eines akribischen Perfektionisten, allerdings auch den einer sehr schwierigen Persönlichkeit. Ein hingebungsvolles Verhältnis zwischen Publikum und Pianisten wollte so nie richtig entstehen – die Zuschauer waren zwar begeistert, er jedoch fühlte sich größtenteils gestört von ihnen, so dass er etwa Konzerte schon nach kleinen Zwischenfällen unterbrach oder vor jedem seiner Konzerte die Frage offenhielt, ob er denn nun auftreten würde oder nicht. Es mag daher umso mehr verwundern, wie Michelangeli mit seiner distanzierten Art, die sich auch visuell in einer sehr kontrollierten Körperlichkeit beim Spielen offenbarte, dennoch maßstabsetzende Interpretationen formen konnte. Sein Auftritt bei den Salzburger Festspielen, der von Orfeo nun veröffentlicht wurde, ist in jedem Fall Beleg dafür, dass er mit seinen musikalis...

Antheil, George - Over the Plains, Sinfonien Nr. 4 & 5

1 Dezember, 2017 - 07:05

Gar nicht so böse

Die Sinfonien Nr. 2 und 4 von George Antheil mit BBC Philharmonic unter John Storgards: alles andere als skandalös.

Wie manch anderer Komponist erlitt auch der aus New Jersey stammende George Antheil (1900-1959) das Schicksal eines One-Hit-Wonders. Was für Max Bruch das Violinkonzert Nr. 1 g-Moll ist, ist für Antheil das 'Ballet Mécanique'. Mit dem Unterschied, dass das 'Ballet Mécanique' heute kaum noch aufgeführt wird, das Skandalwerk Antheils nur teilweise verdienten Ruf als Modernist und ‚Bad Boy of Music’ – so der Titel seiner Autobiografie – jedoch gleichwohl zementierte. Alles, was Antheil davor und danach schrieb, wurde und wird bis heute durch dieses hübsch lärmende Monstrum quasi übertönt.

Neo und Noir

Dabei zeigt BBC Philharmonic unter John Storgards auf vorliegender CD, dass Antheil die meiste Zeit komplett anderes komponierte. Der in den 30er Jahren nach Los Angeles Übergesiedelte pflegt nicht nur in den h...

Amor y Locura - Vokalwerke von Purcell, Stradella, Eccles u.a.

30 November, 2017 - 07:47

Im Liebeswahn

Wie nah Liebe und Wahnsinn beieinander liegen, zeigt das aufstrebende Ensemble Los Temperamentos mit seiner nunmehr dritten CD-Veröffentlichung. Die vielfältige Werkauswahl macht deutlich, wie inspirierend eine Prise (unglücklicher) Liebe wirken kannn.

Ein Blick auf das Coverbild verrät schon: Dieser Amor hat keineswegs nur Gutes im Sinn. Schelmisch blickt er zum Betrachter, während er insgeheim seinen nächsten Streich plant. Die rückseitige Titelliste der CD macht bewusst, dass er davon bereits so einige durchgeführt haben muss. Wie erklärt sich sonst die enge Verbindung von Liebe und Liebeswahn, die Komponisten durch alle Epochen hinweg zu künstlerischen Höchstleistungen angespornt hat? Liebestolle Toren, gebrochene Herzen und verrückte Geister reichen sich die Hand in den insgesamt 23 Tracks von ‚Amor Y Locura‘, erschienen bei Arcantus.

Liebe und Wahnsinn – einen treffenderen Titel gibt es kaum für die neueste Veröffentlichung des Alte-Musik-Ensembles Los Temperamentos, das ironischerweise aus sieben durchweg jungen Musikern besteht. Diese sorgten bereits mit ihren ersten beiden Alben für Beg...

Beethoven, Ludwig van - Kammermusikwerke

30 November, 2017 - 07:47

Fantastische Vier

Das Boulanger Trio hat sich für sein neustes Album Verstärkung geholt: Zusammen mit Bariton André Schuen schaffen sie hervorragende Interpretationen verschiedener Beethoven-Lieder.

Wieder einmal ist es dem international gefeierten Boulanger Trio gelungen, den Klassikmarkt mit seiner neuesten CD zu überraschen. Dieses Mal sind die drei Musikerinnen Karla Haltenwanger (Klavier), Birgit Erz (Violine) und Ilona Kindt (Violoncello) dabei nicht allein. Ihr Mitstreiter, der Bariton André Schuen, nimmt im aktuellen Projekt sogar die Hauptrolle ein. Zusammen haben die vier Künstler eine interessante Auswahl von Liedern Ludwig van Beethovens getroffen, von denen sie äußerst lebendige und schlichtweg mitreißende Aufnahmen zaubern. Herausgegeben von CAvi-music in Kooperation mit dem Deutschlandfunk vereint das Album die Beethoven’schen Werke 'Adelaide' op. 46, den Zyklus 'An die ferne Geliebte' op. 98, das knappe 'In questa tomba oscura' WoO 133 sowie einige der 'Schottischen Lieder' op. 108 und der 'Irischen Lieder' WoO&nbs...

Wehmut - Sämtliche Werke für Männerchor Vol. 3

29 November, 2017 - 08:41

Schubert mit Leichtigkeit

Die Camerata Musica Limburg legt, wiederum mit prominenter Unterstützung, Folge drei einer entstehenden Gesamtaufnahme der Werke für Männerchor von Franz Schubert vor.

Johannes Brahms vertrat die Ansicht, Schuberts frühe Symphonien sollten besser nicht veröffentlicht und gespielt werden: Die Jugendwerke, die nicht im Rang der späteren Meisterwerke stünden, könnten nach seiner Ansicht sozusagen rufschädigend wirken. Aus demselben Grund hat Brahms ja auch zahllose eigene Werke unbarmherzig verbrannt.

Schubert hat das nicht getan, und heute spielt man selbstverständlich auch seine Frühwerke. Doch bei ihm gibt es, von frühen Symphonien abgesehen, besonders zahlreiche Werke, die er wohl niemals für die Öffentlichkeit bestimmt hat, und viele seiner Werke für Männerchor zählen dazu. Sie sind nur für gesellige Aufführungen in privater Runde gedacht. Für die Camerata Musica Limburg und ihren Chorleiter Jan Schumacher ist das kein Grund, sie heute nicht aufzunehmen, und natürlich gehören auch diese Werke ...