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Aktualisiert: vor 14 Minuten 53 Sekunden

Castelnuovo-Tedesco, Mario: Cellokonzerte - Brinton Smith, Houston Symphony Orchestra, Kazuki Yamada

12 September, 2018 - 08:10

Spannungsgeladene Cello-Soli

Eine erste Einspielung von Castelnuovo-Tedescos Cellokonzert op. 72 und seinen Cello-Transkriptionen.

Mario Castelnuovo-Tedesco (1895–1968) ist in erster Linie als Filmkomponist bekannt – seine zweite Karriere, nachdem er als bereits berühmter Pianist und Komponist 1938 das faschistische Italien verließ und in den USA für die MGM-Filmstudios zu komponieren begann, ohne die klassischen Werke zu vernachlässigen. Die neue, bei Naxos erschienene CD fokussiert auf Castelnuovo-Tedescos Cello-Leidenschaft. Es ist die erste professionelle CD, auf der seine Cellowerke und Cellotranskriptionen zu hören sind. Schon in den 20er Jahren begann Castelnuovo-Tedesco sich für das Cello zu begeistern, in den USA verstärkt durch Piatigorsky, einem Vollblutcellisten mit erstaunlicher Technik und ungewöhnlichen Farbklang. Für ihn komponierte Castelnuovo-Tedesco das sehr anspruchsvolle Cellokonzert op. 72, um dessen Virtuosität herauszufordern. Über 80 Jahre nach der Toscanini-Piatigorsky-...

Mozart, Wolfgang Amadeus - Die Freimaurermusiken

12 September, 2018 - 08:10

Aufgefrischt

Überfällige neue Würdigung eines nicht zentralen Schaffensbereichs Mozarts.

Für das mittlerweile abgewickelte Label Novalis spielte Martin Haselböck 1991 mit seiner Wiener Akademie Mozarts Freimaurermusik. Nach mehr als 25 Jahren ist es mehr als Zeit für eine Neuaufnahme. War es seinerseits Christoph Prégardien, der den zentralen Tenorsolopart übernahm, ist mit Jan Kobow nun ein etablierter Sänger der jüngeren Generation der souveräne Partner der Salzburger Hofmusik unter Wolfgang Brunner; Maximilian Kiener und David Steffens sind die weiteren Gesangssolisten. Brunner und seine Musiker gehen mit gleicher Frische und Tiefe ans Werk – hier werden aber die einzelnen Instrumentenstimmen noch klarer voneinander abgesetzt.

Die Kantaten 'Laut verkünde unsre Freude' KV 623, 'Die Maurer Freude' KV 471 und 'Dir, Seele des Weltalls' KV 429 (letztere nur als Fragment überliefert und von Franz Beyer stilvoll komplettiert) verbinde...

Bach, Johann Sebastian: Kantaten Vol. 23 - Chor & Orchester der J.S.Bach-Stiftung, Rudolf Lutz

11 September, 2018 - 08:09

Gedankentiefer Bach

Wieder einmal frischer, kultivierter, gedankentiefer Bach: Von Rudolf Lutz und seinen St. Gallener Ensembles wird er verlässlich geboten. Sie gehören ohne Zweifel zu den wichtigsten und zugleich produktivsten Bach-Protagonisten der Gegenwart.

Die 23. Folge der Gesamteinspielung Bachscher Kantaten durch die St. Gallener J.S. Bach-Stiftung ist mit drei Kantaten durchaus verschiedener Ausprägung wiederum gut gefüllt. Es sind BWV 109 'Ich glaube, lieber Herr, hilf meinem Unglauben', BWV 164 'Ihr, die ihr euch von Christo nennet' und BWV 187 'Es wartet alles auf dich'. In der erstmals im Oktober 1723 aufgeführten Kantate BWV 109 folgt einem ausgreifenden, auch kompositorisch ungemein geduldig explizierten Chor eine Dualität von Tenor und Alt: In einem theologisch-musikalischen Lehrstück werden die tenoralen Zweifel im Glauben mit neuem Mut des Alts in zukunftsfrohe Gewissheit gewandelt, mit einem instrumental furiosen und vokal kaum weniger beeindruckenden Chorfinale. BWV 164 ist ein chorloses Werk mit ästhetischen Anklängen an die Weimarer Kammerkantaten; es ist die Idee einer dialogischen Bußpredigt präsen...

Johnson, Emma - Clarinet goes to Town

10 September, 2018 - 08:02

Sammelbecken

Zur Erholung von musikalischen Großprojekten hat Emma Johnson sich und uns eine ganz besondere Sammlung geschenkt.

Nachdem das CD-Label ASV (Academy Sound and Vision) 2007 zunächst veräußert und nach der Übernahme durch Universal faktisch stillgelegt wurde, wurde es zunächst still um die Klarinettistin Emma Johnson, die bei ihrem ‚Stamm-Label‘ eine immense Anzahl an Raritäten, aber auch Standardrepertoire eingespielt hatte. Mittlerweile liegen Neuveröffentlichungen von ihr bei Naxos, Nimbus, Somm und Champs Hill vor, zumeist zusammen mit dem Pianisten John Lenehan. 2016 erschienen gleich drei CDs von ihr – eine mit vier neuen englischen Klarinettenkonzerten, dem Schubert-Oktett und der hier vorliegenden Sammlung mit Stücken eher leichterer Natur. Der ‚unvermeidliche‘ 'Libertango' von Astor Piazzolla eröffnet den Reigen der zwei Dutzend Stücke, unter denen sich Scott Joplin ('Maple Leaf Rag'), Maurice Ravel ('Vocalise en forme de Habanera'), Le...

Witte, Georg Hendrik - Klavierquartett & Hornquintett

10 September, 2018 - 08:02

Die Karriere eines Brahms-Zeitgenossen

Georg Hendrik Witte verkehrte mit Johannes Brahms, Joseph Joachim und Gustav Mahler und war erfolgreicher Musikdirektor in Essen. Doch heute kennt ihn kaum noch jemand. Mit dieser vorzüglichen CD des Mozart Piano Quartet lässt sich das nun ändern.

Seitdem Felix Mendelssohn Bartholdy die Musikhochschule in Leipzig gegründet hatte – übrigens vor genau 175 Jahren – wurde diese schnell zu einem der führenden Institute dieser Art in Europa, an dem sich alles versammelte und studierte, was später Rang und Namen bekam. Im Jahr 1862 zog auch der 19-jährige Georg Hendrik Witte aus Utrecht nach Leipzig zum Klavier- und Kompositionsstudium. Nach einer ersten Tätigkeit im Elsass musste er sich während des deutsch-französischen Krieges nach Hause zurückziehen, erhielt aber gleich nach dem Krieg auf Empfehlung seines Lehrers Carl Reinecke eine Anstellung als Leiter des Musikvereins in Essen. Er scheint eine große Begabung als Dirigent und Organisator gehabt zu haben, denn im Laufe seiner Amtszeit von am Ende vierzig Jahren wurde das Städtische Sinfonieorchester, die heutige Philharmonie, gegründet. Richard Strauss kam ...

Alberti, Domenico - Sonaten für Orgel, Hammerflügel und Cembalo

9 September, 2018 - 08:43

Der mit dem Bass

Domenico Alberti bleibt eine Randfigur der Musikgeschichte.

Mit seinen arpeggierten Bassfiguren, dem sogenannten Alberti-Bass, ist Domenico Alberti (c1710–1740?) in die Musikgeschichte eingegangen; über den aus Venedig stammenden noblen ‚Dilettanten‘, der sich auch als Sänger profilierte, ist biografisch wenig bekannt – der informative Booklettext verzeichnet seine Lebensdaten denn auch mit den entsprechenden Fragezeichen, während das Tracklisting und die Box die Sache vereinfachen. Dabei war Alberti durchaus mehr als ein ‚Akademiker‘: Die Gesamtschau seiner Werke für Tasteninstrument (wobei eine römische Bibliothek mit zwei Sonaten nicht zugänglich war), fast ausnahmslos zweisätzige Sonaten und Toccaten (die Begriffe werden teilweise synonym verwendet), zeigt eine Vielzahl an Texturen und harmonischen Facetten, die trotz der späteren Geburt der Vielfalt jenes anderen Domenico (Scarlatti) nicht das Wasser reichen k&ou...

Gelius Trio: Russische Trios - Werke von Arensky, Babadjanyan, Schostakowitsch

8 September, 2018 - 08:43

Elegant, aber zu blass

Das Gelius Trio überzeugt in einem Werk des Armeniers Arno Babadschanjan mehr als mit Arenskij und Schostakowitsch.

Sonderlich bekannt ist Anton Arenskij  (1861–1906) bei uns nicht, andererseits wird zumindest eines seiner Werke regelmäßig aufgenommen: Sein erstes Klaviertrio d-moll op. 32. So haben in den letzten Jahren etwa das junge Trio Enescu, das Beethoven Trio Bonn und mit dem französischen Trio Wanderer auch das zur Zeit wohl erfolgreichste Klaviertrio überhaupt ihre Hüte in den Ring geworfen. Referenzstatus können diese Aufnahmen alle nicht beanspruchen, und auch dem Gelius Trio gelingt das nicht.

Dessen Neuaufnahme ist betont elegant, und das legt die Partitur auch nahe. Das Problem ist, dass andere Aspekte vergleichsweise wenig zum Tragen kommen. Im Konzertsaal einer solchen Interpretation zu begegnen, wäre ausgesprochen unwahrscheinlich, denn im Studio wurde alles auf Hochglanz poliert, die technische Perfektion dürfte kaum zu übertreffen sein. Wirklich lebendig allerdi...

Sommernachtskonzert 2018 - Anna Netrebko, Wiener Philharmoniker, Valery Gergiev

6 September, 2018 - 07:14

Sommernachtskonzert 2018

Glanzlichter aus der Opern- und Ballettmusik, eingespielt von den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Valery Gergiev mit Stargast Anna Netrebko.

Zum dritten Mal dirigierte 2018 Valery Gergiev das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker, insgesamt der 150. Auftritt mit diesem Orchester. Man spürt die Vertrautheit. Alles klingt rund, temperamentvoll, klar artikuliert und subtil in der Dynamik. Die Werke, die man in dieser werbewirksam titulierten ‚Italienischen Nacht‘ zu hören bekommt, wirken auf den ersten Blick wie ein buntes Potpourri. Doch dahinter steckt Gergievs Konzept: Werkauswahl nach Bezug der Komponisten bzw. ihrer Werke zu Italien und Wien, im Booklet ausführlich erläutert. Es sind Glanzstücke aus Opern- und Ballettmusik: Von Rossini, Verdi über Mascagni, Leoncavallo, Puccini, Cilea bis zu Tschaikowsky, Prokofiev sowie Strauss und Fučík als Zugaben. Die CD glänzt orchestral und solistisch auf höchstem Niveau, vermittelt durch den Applausmitschnitt den Live-Charakter.

Der Beginn mit zwei ...

Meyer, Krzysztof - Kammermusik

6 September, 2018 - 07:14

Unter der Oberfläche

Hochkarätige Einspielung des Klaviertrios und einiger kleinerer Werke des polnisch-deutschen Meisters.

Nachdem sich Krzysztof Meyer 1987 in Köln niedergelassen hatte, gewann er vor allem in Deutschland eine ganze Menge engagierter Fürsprecher, deren Tätigkeit sich teilweise auch auf Tonträger niederschlug. Die Naxos-Reihe ist keineswegs die erste Würdigung seiner Kammermusik, wenn auch die Zentrierung um die Klaviertrio-Besetzung eher selten ist. So steht denn im Zentrum der vorliegenden Produktion das Klaviertrio op. 50 aus dem Jahr 1980, ein kraftvolles, die freie Tonalität mit großer Freude brechendes, reiches Werk. Die drei Damen des Poznań Piano Trio – Anna Ziółkowska (Violine), Monika Baranowska (Violoncello) und Laura Kluwak-Sobolewska (Klavier) – loten die spannungsreichen Sätze in schönster Tiefe aus und legen eine vorbildliche Interpretation des komplexen, anspruchsvollen Werkes vor.

Das Miteinander der drei Musikerinnen, ihre aufnahmetechni...

Trio Wiek spielt - Trios für Flöte, Cello und Klavier von Saariaho, Crumb u.a.

5 September, 2018 - 07:50

Ein weit aufgespanntes Feld

Interessantes Repertoire – exemplarisch erkundet.

Trios für Flöte, Violoncello und Klavier sind nicht so reich gesät – so füllt die vorliegende CD eine Repertoirelücke mit vier Werken, die zwar alle auf dem Tonträgermarkt greifbar sind (drei von ihnen sogar auf einer CD versammelt, deren Bekanntheit dennoch stark beschränkt ist). Ned Rorem und Bohuslav Martinů schufen ihre Trios 1960 bzw. 1950 im Abstand von nur zehn Jahren, doch liegen klanglich Welten zwischen den beiden Kompositionen – hier freitonal, dort neoklassisch. 'Cendres' von Kaija Saariaho (1998) und 'Vox Balaenae' ('Stimme des Wals') von George Crumb (1971) spannen weitere Felder auf, sowohl formal als auch klangsprachlich.

Das Trio Wiek erkundet die unterschiedlichen Werke allesamt mit hoher Expertise und bietet so – auch aufnahmetechnisch absolut tadellos – eine äußerst spannende Erkundung sonst eher ungewohnte...

Keilberth, Joseph: The romantic aspect in german and austrian classics - Berliner Philharmoniker, Orchester der Bayreuther Festspiele, Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester

5 September, 2018 - 07:50

Zu kurz gesprungen

Eine erratische Auswahl von teilweise leicht greifbaren, teilweise extremen Schellack-Raritäten in minderer Überspielqualität dient dem Gedenken Joseph Keilberths nur bedingt.

Zum fünfzigsten Todestag von Joseph Keilberth versammelt Profil Hänssler Orchesteraufnahmen unter dem Titel ‚The Romantic Aspect in German & Austrian Classics‘; ob weitere Veröffentlichungen folgen sollen, kann man der Edition nicht ansehen. Das Booklet kommt spartanisch daher – die genauen Aufnahmedaten (spätestens nach Thomas Keilberths gründlicher Biografie von 2007 allgemein bekannt) werden ebenso verschwiegen wie die Kriterien für die Auswahl der Werke. Die CDs sind in verklebten (!) Papierhüllen verpackt – billiger geht es nicht. Denn Keilberths Diskografie auch im symphonischen Bereich war umfangreicher als aus der vorliegenden Veröffentlichung zu vermuten (und auch Edeltraut Schneiders umfängliche Phonographie in Thomas Keilberths Buch ist nicht ganz vollständig). So liegt zunächst die Frage nahe, warum man nicht vor allem auf die sonst eher un...

The Organ Of Oslo Cathedral - Werke von Bach, Grieg, Reger, u.a.

4 September, 2018 - 08:49

Original und Fälschung

Mit einem populären Programm legt Kare Nordstoga ein beredtes Plädoyer für die Orgel des Osloer Doms vor.

Die neue CD von der 1998 erbauten Ryde & Berg-Orgel im Osloer Dom bietet eine bunte Mischung bekannter Werke, nicht alle in originaler Gestalt, vielleicht auch nicht alle Originalwerke. Bachs berühmtestes und zugleich zweifelhaftestes Orgelwerk Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 eröffnet die Produktion, das CD-Booklet verschweigt aber konsequent die Bach-Werke-Verzeichnis-Nummer und weist stattdessen auf den ikonischen Status des Werks in der populären Kultur hin. Es spielt Kåre Nordstoga. Edvard Griegs Suite 'Aus Holbergs Zeit' op. 40 ist auch im Orgelgewand eine attraktive Komposition, die so auch einen ganz eigenen Charakter gewinnt (leider wird der Bearbeiter der Orgelfassung unterschlagen); einige wenige Rubati stören den Fluss an der einen oder anderen Stelle. Mit Arild Sandvolds Variationen über das norwegische Volkslied 'Eg veit i himmerik ei borg' wird der zentrale kirchenmusik...

Beethoven, Ludwig van: Cellosonaten Nr.1-5 - Manuel Fischer-Dieskau, Connie Shih

3 September, 2018 - 08:19

Musikalische Liebeserklärung

Selten erlebt der Hörer ein so gelungenes Zusammenspiel von technischer Brillanz, künstlerischer Meisterschaft und hörbar nachvollziehbarer Spielfreude wie bei dieser Interpretation von Beethovens Cellosonaten. Ein einzigartiges Hörerlebnis!

Es gibt musikalische Interpretationen, die sich auch dem aufgeschlossensten Hörer nicht auf den ersten Eindruck erschließen, sondern erst nach intensiver Beschäftigung und mehrfachem aufmerksamen Lauschen, und es gibt jene, mit denen sich die beteiligten Künstler unmittelbar ins Herz der Hörer spielen. Die beim Label MDG erschienene Einspielung der Cellosonaten Beethovens, interpretiert von Manuel Fischer-Dieskau (Violoncello) und Connie Shih (Klavier), lässt sich eindeutig der zweiten Rubrik zuordnen. Schon im ersten Satz der Cellosonate op. 5 Nr. 1 in F-Dur eröffnen die Musiker dem Zuhörer nahezu ihr gesamtes Spektrum an spieltechnischer Brillanz, Ausdruckstiefe und einer von Anfang an schier unglaublichen klanglichen Frische. Bemerkenswert ist es, wie Manuel Fischer-Dieskau und Connie Shih die enorme Virtuosität, die für Beethoven so charakteristisch ist, einerseits so temperament...

Mozart, Wolfgang Amadeus und Schubert, Franz - Mozarts Costa-Violine

3 September, 2018 - 08:19

Angeknackste Aura

Mozarts letzte Violine? Nicht so ganz. Und ist auch egal.

Auf einem Instrument zu spielen, das einmal einem berühmten Musiker gehört hat, zählt für den Interpreten immer zu den höchsten Glücksmomenten und größten Herausforderungen überhaupt – will man sich doch des Vorbesitzers würdig erweisen. Bei Hammerklavieren kennen wir diese Aura bei Instrumenten von Beethoven bis Debussy, bei Streichinstrumenten sind es zumeist eher die Geigenbauer oder – für ernsthafte Musiker häufig noch wichtiger – die Musiker, die sie zuvor besessen haben; viele entsprechende Instrumente heißen eben nicht nur Stradivari oder Amati, sondern sind zusätzlich nach den Interpreten benannt. Das hier herangezogene Instrument wurde 1764 von dem norditalienischen Geigenbauer Pietro Antonio Dalla Costa gebaut und von Wolfgang Amadé Mozart wahrscheinlich 1783 nach Wien mitgenommen. Nach Mozarts Tod scheint das Instrument mehrfac...

Verleih uns Frieden - Musik zum Dreißigjährigen Krieg - Johann Rosenmüller Ensemble

1 September, 2018 - 08:28

Kriegsgedenken

Eine sehr ansprechende Präsentation überwiegend wenig bekannter Werke aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges durch das Johann Rosenmüller Ensemble.

Das Gedenken an den Dreißigjährigen Krieg ist aktuell in erstaunlich vieler Munde, sicher befeuert durch dickleibige Buchveröffentlichungen prominenter Autoren. Vielleicht verweist die aktuell von manchem als unübersichtlich und gefahrgeneigt empfundene Lage in Europa und der Welt aber auch darauf, dass Menschen anderer Zeiten schon einschlägige Erfahrungen machen mussten. Und darauf, dass die vergleichsweise harmlos-sichere Welt der Gegenwart kaum als einziger relevanter Erfahrungshorizont missverstanden werden sollte.

Dem Phänomen des Dreißigjährigen Krieges kann man sich auch auf dem Gebiet der Musik nähern. So wie es Arno Paduch und das Johann Rosenmüller Ensemble auf einer bei Christophorus erschienenen Platte tun. Und sie lassen dabei neben Heinrich Schütz auch viele unbekannte Stimmen zu Wort kommen, die die Vielfalt künstlerischen Schaffens auch unter den...

Kozeluch, Leopold: Drei schottische Klaviertrios - Trio 1790: Annette Wehnert, Imola Gambas, Harald Hoeren

31 August, 2018 - 08:39

Auf die schottische Art

Schottische Volkslieder werden in der vorliegenden Interpretation von drei Klaviertrios Leopold Kozeluchs eher als exotisches Beiwerk denn als essenzieller Teil der Musik gesehen.

Als Sinfoniker, als Komponist von Solokonzerten, selbst als Schöpfer von Chorwerken ist Leopold Kozeluch (1747–1818) heute auch diskografisch durchaus ein Begriff. 1994 widmete sich das Trio 1790 erstmals auch Kozeluchs Kammermusikschaffen (das ansonsten proportional allgemein eher ignoriert wird). Mehr als zwanzig Jahre später hat dasselbe Ensemble – mit dem Hammerklavierpianisten Harald Hoeren weiterhin als Spiritus rector, nun aber mit Annette Wehnert und Imola Gomboz an den Streichinstrumenten – dieses Projekt wieder aufgegriffen und aus Kozeluchs 60 Klaviertriowerken drei weitere Werke ausgewählt, aus dem Schaffensraum 1798/89. Wie bei Werken von Beethoven, Haydn und Pleyel sind auch den Klaviertrios Kozeluchs schottische Volkslieder hinterlegt, deren Bedeutung für die Musik jedoch schlussendlich unklar bleibt (Liedtexte oder -inhalte fehlen, so dass entsprechende Implikationen nicht er...

Bizet, Georges - The Carmen Project

30 August, 2018 - 07:07

Nicht ohne Balalaika

Ein ungewöhnlicher Blick auf Schtschedrins 'Carmen-Suite', der den Blick befreit auf neue Perspektiven quer durch die halbe Welt.

Schon Rodion Schtschedrins 'Carmen-Suite', entstanden als Partitur für eine Ballettproduktion 1967, ist für Puristen Gewöhnungssache – wurde doch ein Opernklassiker (der damals fast nur in der travestierten Version mit Rezitativen bekannt war) in gänzlich andere Form gegossen. Nun hat Igor Ponomarenko Schtschedrins Suite für fünf Musiker eingerichtet – für sein eigenes Double Duet MA.GR.IG.AL. (MAxim Tolsthy, GRigori Voskoboinik, IGor Ponomarenko, ALexander Matrosov) plus Alexander Chernobaev, einen ungeheuer vielfältigen Perkussionisten.

Domra, Balalaika, Bayan-Akkordeon und Kontrabass und die unterschiedlichsten Percussioninstrumente bewirken trotz der direkten russischen Bezüge (die Balalaika und ihre große Schwester Domra wurden erst in den 1880er-Jahren erfunden) durch die unterschiedlichen Klangtexturen eine Klangwelt, die Bizets Musik fast besser ...

Dohnany, Ernö: Streichquartett 3/Sextett op.37/Serenade - The Nash Ensemble

30 August, 2018 - 07:07

Originelle Kammermusik aus Ungarn

Das Nash Ensemble spielt drei ausgesprochen spannende Werke des Ungarn Ernst von Dohnányi, darunter ein höchst originelles Sextett für Klavier, Klarinette, Horn und Streichtrio.

Ernst (oder Ernő) von Dohnányis Sextett op. 37 ist ein besonders spannendes Werk, schon durch seine ungewöhnliche Besetzung. Mit Klavier, Klarinette, Horn und Streichtrio werden besondere Klangfarben möglich, außerdem ein großer, wuchtiger Klang, fast orchestral. Zwar wird die Tonart mit C-Dur angegeben, doch zu hören ist davon nicht viel, die Musik trägt über weite Strecken einen eher düsteren Moll-Charakter. Das halbstündige Sextett beginnt mit einem Allegro appassionato, und die Interpreten des Nash Ensembles spielen tatsächlich mit höchster Intensität und Leidenschaft, der Klang ist außerordentlich kraftvoll.

Schon dieser erste Satz, mit knapp zwölf Minuten der deutlich längste, bietet ein grandioses, abenteuerlich aufgewühltes Szenario. Die folgenden Sätze halten die Spannung aufrecht und sind im Grunde abwechslungsreich...

Volkmann, Robert - Lieder und Kammermusik

28 August, 2018 - 08:36

Wenig innig

Weitgehend entschlackte Sichtweise auf einen Komponisten der musikalischen Romantik.

Zum 200. Geburtstag von Robert Volkmann (1815–1883), vor allem bekannt durch seine Orchesterserenaden und sein Cellokonzert, entstanden, bietet die vorliegende Produktion einen Blick auf weniger bekannte Schaffensbereiche des Komponisten. Das Klaviertrio h-Moll op. 5 (von Zeitgenossen hochgepriesen), zwei 'Tanzweisen' für Klavier aus op. 18, zwei 'Ungarische Skizzen' für Klavier vierhändig op. 24 und ein 'Schlummerlied' op. 76 für Viola, Violoncello und Klavier umrahmen ein vokales Programm. Leider finden die Mitglieder des Leipziger Klavierquartetts um den Pianisten Stefan Burkhardt (der, teilweise zusammen mit Daniel Heyne, auf einem denkbar ungeeigneten Konzertflügel zu spielen hat, dem jede Intimität und klangfarblicher Charme abgeht), einfach nicht den rechten Ton. Volksmanns Idiom scheint den Musikern fern – es kommt nicht jene Wärme auf, die in Einspielunge...

Weber, Carl Maria von - Sämtliche Ouvertüren

28 August, 2018 - 08:36

Nicht ganz erste Wahl

Am stärksten überzeugt Howard Griffiths hier mit Raritäten aus der Feder Carl Maria von Webers.

Howard Griffiths‘ Begeisterung für Musik aller Epochen, für das Unbekannte wie das Bekannte, ist in fast all seinen Einspielungen unmittelbar fassbar. Die große Frische und Wärme seiner Interpretationen überzeugt gerade dort am allermeisten, wo die Konkurrenz nicht übermächtig ist. Bei einer Gesamteinspielung der Ouvertüren Carl Maria von Webers gibt es natürlich Stücke, die mehr als nur gemeinhin bekannt sind, andererseits aber auch Raritäten, etwa die Ouvertüren zu 'Turandot', 'Peter Schmoll', 'Preciosa' oder 'Silvana' (letztere eine Ouvertüre, die heute vergessen wäre, stammte sie von einem anderen Komponisten).

Und für die Raritäten muss man ihn lieben. Das Tänzerische der 'Preciosa'-Ouvertüre etwa habe ich so mitreißend noch nie erlebt. Bei der 'Turandot'-Ouvertüre ...