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Aktualisiert: vor 1 Stunde 44 Minuten

Japanese Echoes - Hommage à Claude Debussy - Werke für Klarinette und Harfe

10 Juli, 2018 - 07:53

Echo aus der Ferne

Das Duo Imaginaire schlägt eine musikalische Brücke zwischen französischem Impressionismus und japanischer zeitgenössischer Musik und lässt die Grenzen zwischen Raum und Zeit mit expansiver Klanggestaltung verschwinden.

Inspiriert von der japanischen Kunst auf den Pariser Weltausstellungen in den Jahren 1889 und 1900, integrierte Claude Debussy (1862–1918) in seinen Werken neben der Pentatonik zunehmend auch ästhetische Elemente Asiens, welche unter anderem in seinen 'Préludes pour piano' (1909–1913) ausgekostet wurden. Frei von strukturellen Zwängen, eingebettet in eine stille, sinnliche, geräumige Form, in der sich der einzelne Ton bzw. Klang wie eine ‚Farbe in rhythmisierter Zeit‘ (Debussy) entfalten kann – konzeptionell scheint der Grenzgänger Debussy nicht nur aus geografischer Perspektive von Interesse zu sein: Seine Musik ist modern und bietet viele Anknüpfungspunkte mit der Gegenwartsmusik, welche oftmals das akustische Moment in den Vordergrund rückt und mit experimentellen Klangfarbenspiel und synästhetischen Reizen hantiert. Mit der Platteneinspielung 'Jap...

Chopin, Frederic - Klavierkonzerte Nr. 1 & 2

10 Juli, 2018 - 07:53

Chopin für Klaviersextett

Chopins Klavierkonzerte in anderem Klanggewand – klanglich und interpretatorisch attraktiv.

Die beiden Klavierkonzerte e-Moll op. 11 und f-Moll op. 21 hat Frédéric Chopin in den Jahren 1829/30 komponiert, als er noch in Warschau lebte. Auf dieser klangschönen, 2015 bei Oehms Classics erschienenen Aufnahme erklingen diese frühen Werke, die erstaunlicherweise Chopins einzige Beiträge zur Gattung blieben, in Fassungen für Klaviersextett, die die Berliner Camerata vorgenommen hat (ihrerseits auf Grundlage von Bartłomiej Komineks Bearbeitung für Streichquartett und Klavier). Die kammermusikalische Besetzung steht der introvertierten, intimen Klangwelt des großen Klavierpianisten hervorragend. Dies allein wäre freilich nicht viel wert, wenn die Interpreten nicht auf solch hohem Niveau agieren würden, wie sie es hier tun.

Pianist Joseph-Maurice Weder überzeugt mit edlem Ton – etwa bei der schön ausgesungenen Melancholie im Kopfsatz des e-Moll-Kon...

Verdi, Giuseppe: Luisa Miller - Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repusic

9 Juli, 2018 - 07:31

Souveräner Amtsantritt

Als lebendiges Dokument einer aktuellen 'Luisa Miller'-Produktion unter der Leitung von Ivan Repušić ist dieser Mitschnitt fraglos willkommen. Ältere Referenzeinspielungen kann er allerdings nicht vergessen machen.

Der Plattenmarkt ist an 'Luisa Miller'-Einspielungen wahrlich nicht übersättigt – schon gar nicht an aktuellen. Die Maßstab setzenden Produktionen mit namhaften Interpreten von Anna Moffo bis Katia Ricciarelli liegen Jahrzehnte zurück. Der Bayerische Rundfunk hat für das Antrittskonzert des neuen Chefdirigenten des Münchner Rundfunkorchesters Ivan Repušić im September 2017 Giuseppe Verdis Schiller-Vertonung auf den Spielplan gesetzt. Der Mitschnitt dieser konzertanten Opernaufführung ist beim hauseigenen Label des BR nun auf zwei klangschönen CDs erschienen. Das Beiheft enthält einen interessanten Artikel zum Werk selbst, allerdings kein Libretto und ebenso keine Inhaltsangabe. Das ist vielleicht auch nicht so wichtig, denn die Geschichte der 'Luisa Miller' erzählt sich auch so.

Dieser Umstand ist in erster Linie Ivan Repušić zu...

Lika Bibileishvili - Klavierwerke von Prokofjew, Ravel, Sibelius und Bartók

9 Juli, 2018 - 07:31

Sanft romantisierte Moderne

Lika Bibileishvili wagt eine individuelle Interpretation von Werken der klassischen Moderne. Das Konzept geht nicht ganz auf, lässt aber aufhorchen.

Auf dieser Debüt-CD liegen Licht und Schatten eng beieinander. Lika Bibileishvilis Spielweise irritiert zunächst durch langsamere Tempi und stärkeren Pedaleinsatz, als man es gewohnt ist. Das reichhaltige Programm (78:10), das Prokofjew, Ravel, Sibelius und Bartók enthält, wird sanft romantisiert. Wenn man sich darauf einlässt, kann man aber interessante Entdeckungen machen.

Man könnte meinen, das ganze Programm werde von Sibelius‘ Klavierstücken op. 76 aus interpretiert, d. h. die einzelnen Sätze der sechsten Sonate von Prokofjew und der Sonate von Bartók werden als romantische Charakterstücke verstanden. Die rhythmische und klangliche Härte wird ein wenig gemindert (dazu trägt auch ein weich intonierter Flügel bei), ihr tänzerisches Potenzial wird hervorgehoben und die Darstellung der verschiedenen Stimmungen und Charaktere wird zum ...

Humfrey, Pelham: Symphony Anthems - Oxford Consort of Voices, Instruments of Time & Truth, Edward Higginbottom

8 Juli, 2018 - 06:46

Englisches Nebenbarock

Eine erfreuliche Neuerscheinung zu einem wichtigen Komponisten, der gleichwertig neben dem Berühmtesten des englischen Barock stehen sollte.

Nicht zuletzt wegen seines überschaubaren Œuvres ist der frühverstorbene Pelham Humfrey (1647–1674) stets im Schatten seines Zeitgenossen Henry Purcell geblieben. Edward Higginbottom, pensionierter jahrzehntelanger Chordirektor des New College Oxford, hat mit zwei von ihm gegründeten neuen Oxforder Klangkörpern, dem Oxford Consort of Voices und den Instruments of Time & Truth sieben Symphony Anthems, instrumental reich begleiteten umfänglicheren Psalmvertonungen neu ‚ausgegraben‘ – d.h. er hat sie neu ediert und dafür vor allem zwei Handschriften aus dem Fitzwilliam Museum in Cambridge herangezogen. Die Musik selbst erweist Humfrey als ausgesprochen ‚eigenen Kopf‘ – durch ausgedehnte Reisetätigkeit lernte er die Musik u.a. Lullys und Carissimis kennen und ließ diese Kenntnis in seine Musik einfließen, die aber unzweifelhaft seine e...

Medtner, Nikolai: Complete works for violin and piano - Nikita Boriso-Glebsky (violin), Ekaterina Derzhavina (piano)

7 Juli, 2018 - 08:27

Höchste Ausdruckskunst eine Spätromantikers

Erstklassige Interpretationen einer bedauerlich unbekannten Musik bieten Nikita Boriso-Glebsky und Ekaterina Derzhavina mit den Violinsonaten und Miniaturen von Nikolai Medtner.

Schon vielen seiner Zeitgenossen galt Nikolai Medtner (1880–1951) als hoffnungsloser Romantiker, gleichsam ein Komponist aus der Welt von gestern. Erst recht nach 1945 wirkte sein Werk nicht mehr zeitgemäß und geriet schnell in Vergessenheit; so blieb es ungefähr ein halbes Jahrhundert. Doch dies war noch nicht das letzte Wort in Sachen Medtner-Rezeption: Ab den 1990er Jahren und noch vermehrt in der unmittelbaren Gegenwart erlebte die Musik des Russen mit deutschen Vorfahren eine erstaunliche Renaissance. Die Liste der Musiker – und im Falle Medtner, der fast ausschließlich für (oder mit) Klavier komponierte, heißt dies – der Pianisten, die sich für sein Œu­v­re einsetzen, ist voll von klangvollen Namen: Marc-André Hamelin, Steven Osborne, Yevgeny Sudbin und Hamish Milne stehen hier beispielhaft für viele. Vor allem die Klaviersonaten des Tondichters e...

Historic Organ Sao Vicente de Fora Lisbon - Orgelwerke von Carreira, Coelho, Araujo, Seixas u.a.

6 Juli, 2018 - 08:47

Iberische Orgelmusik an einem historischen Instrument in Lissabon.

João Vaz mit portugiesischer Orgelmusik aus dem 16. bis 19. Jahrhundert – eine vergnügliche Angelegenheit.

Die europäische Orgellandschaft bildet sowohl kompositorisch als auch von den Instrumenten her einen schier unerschöpflichen Quell musikalischen Reichtums. Unzählige klingende Bauwerke stehen unzähligen unbekannten Kleinmeistern gegenüber, die häufig ausschließlich für ihr Instrument komponiert haben, gleichwohl aber Wunderschönes geschaffen haben. Kein Wunder also, dass sich an diesem historischen Reichtum ganze Plattenlabels abarbeiten. Eines davon ist Ifo Classics, von dem auch vorliegende CD-Aufnahme stammt, die sich der historischen Orgel des João Fontanes de Maqueira im Kloster São Vicente de Fora aus dem Jahr 1765 widmet. Das Instrument entstand also nach dem berüchtigten Erdbeben von 1755. Wer schon einmal Lissabon besucht hat, der könnte an dem Bautenkomplex, der sich über der Stadt erhebt, sogar vorbeigekommen sein oder ist womöglich sogar in di...

Tansman, Alexandre - Ballettmusik

6 Juli, 2018 - 08:47

Ein Fund für den Konzertsaal

Das Polish Radio Symphony Orchestra entdeckt Alexandre Tansman bei cpo neu

Der polnische Komponist Alexandre Tansman (1897–1986) gehört zu den besonders spannenden Figuren des 20. Jahrhunderts. Bereits mit 34 Jahren wird dem Wahlpariser, der während des Zweiten Weltkriegs eine Exilzeit in Hollywood verbrachte, eine Monographie gewidmet, er schrieb ein weitläufiges Œu­v­re, in dem er den Drahtseilakt zwischen der Tradition seines Geburtslandes und den Einflüssen der Avantgarde seiner Zeit geschickt verband; auch für den Oscar wurde er nominiert. Wie viele seiner Zeitgenossen hat Tansman auch in den Zwanziger und Dreißiger Jahren zwei Ballette geschaffen, die es wohl auch aufgrund ihrer Handlung weder bei Choreographen noch beim Publikum leichthaben, aber für den Konzertsaal erweisen sie sich als ein Gewinn.

Das Ballett 'Sextuor' (1923) hat die seltsamen Beziehungswege von Musikinstrumenten zum Thema und erinnert damit an Milhauds '...

D'Indy, Vincent - Sinfonie Nr. 2

5 Juli, 2018 - 08:47

Diesseits der Berge

Eine beachtliche Darbietung von nicht mehr ganz unbekannter französischer Orchestermusik aus der Ravel-Zeit.

Die Orchestermusik Vincent d‘Indys ist mittlerweile gut dokumentiert, in hoch- und höchstkarätigen Einspielungen. Die vorliegende Produktion (Naxos) mit dem tadellos aufspielenden Royal Scottish National Orchestra lässt im direkten Vergleich zweierlei vermissen: gallischen Charme und wirkliches inneres Engagement des Dirigenten Jean-Luc Tingaud. Da klingt vieles gut einstudiert, aber noch nicht wirklich von Herzen kommend, buchstabiert mehr denn wirklich er-lebt. Da geht Michel Plasson mit dem Orchestre du Capitole de Toulouse bei der zweiten Sinfonie B-Dur op. 57 (1902/03) weit mehr in die Tiefe, weist ein deutliches Mehr an Verve und Stimmung auf – auch wenn der schottische Orchesterklang insgesamt brillanter sein mag. Sicher liegt das an der vergleichsweise immer noch geringen Bekanntheit der hier ausgewählten Werke – der 'Jour d‘été à la montagne',...

Guastavino & Rachmaninoff - Klavierwerke

5 Juli, 2018 - 08:47

Guastavino Rachmaninoff

Martin Klett entdeckt Parallelen zwischen Rachmaninow und Guastavino.

2008 gewann Martin Klett den Deutschen Musikwettbewerb und Internationalen Johannes-Brahms-Wettbewerb. Seitdem spielt er auf diversen Musikfestivals. Er liebt die romantische Klassik und den argentinischen Tango. In seiner bei CAvi-Music erschienenen CD 'Guastavino Rachmaninoff' entdeckt er die verblüffende Ähnlichkeit ‚in ihrer pianistischen Art‘ und der Hörer die erstaunliche Ähnlichkeit zweier Komponisten, die geografisch um die halbe Welt und zeitlich fast ein halbes Jahrhundert versetzt sind; und der Hörer entdeckt dazu einen hochkarätigen Pianisten mit großer emotionaler Expression und glasklarem Anschlag.

Mit einem 'Bailecito' (1940), einem kleinen, drehfreudigen Tanz von Guastavino, eröffnet Martin Klett seine Hommage an den argentinischen Komponisten Carlos Guastavino (1912–2000), der bislang in Deutschland wenig Resonanz fand. Die Form sein...

Schneider, Enjott: Magic of Irreality - Isolde & Tristan, Dreamdancers

4 Juli, 2018 - 07:20

Zwei Ungewohnte

Ein beredtes Zeugnis musikalischer Magie von einem Komponisten, an den man als Orchesterkomponisten nicht unbedingt sofort denkt: Enjott Schneider.

Enjott Schneider ist ein Tausendsassa im besten Sinne: Musiktheoretiker und -wissenschaftler, Komponist und Pädagoge, Funktionär und Netzwerker wären nur einige Hashtags, die man mit seinem Namen verbinden könnte. In seiner Eigenschaft aus produktiver Komponist (von 16 Orgelsinfonien über Lieder, Kammermusik und acht abendfüllende Opern bis hin zu über 500 Filmmusikpartituren) befasst er sich mit zahlreichen Gattungen, um diese immer wieder auf die eine oder andere Weise zu brechen. Seine reiche Tätigkeit als Filmkomponist hat zu einer steten Erweiterung seiner kulturhistorischen Kenntnisse geführt, und die beiden hier vorgelegten Doppelkonzerte legen darüber beredtes Zeugnis ab. In seinem 2014 entstandenen fünfsätzigen Doppelkonzert 'Isolde und Tristan' (mit Wagner-Zitaten) nutzt er als Soloinstrumente das Cello und die Erhu, eine chinesische zweisaitige, mit dem Bo...

Saint-Saens, Camille - Klavierkonzerte Nr. 2 & 5

4 Juli, 2018 - 07:20

In besten Händen

Louis Schwizgebel und das BBC Symphony Orchestra bringen die noble Klassizität zweier Klavierkonzerte von Saint-Saëns hervorragend zur Geltung.

Der Schweizer Pianist Louis Schwizgebel hat mit dem BBC Symphony Orchestra Camille Saint-Saëns' Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll op. 22 und das 'Ägyptische' fünfte Klavierkonzert F-Dur op. 103 für die BBC eingespielt (ersteres live). Die empfehlenswerte Aufnahme erschien bei Aparté bereits 2015. Schwizgebel überzeugt mit souveräner, ausdrucksgebundener Virtuosität, schönem Anschlag, angemessen maßvoller Emotionalität und mitreißender, aber nicht übers Ziel hinausschießender Spielfreude. Die noble Klassizität dieser Werke kommt so geradezu mustergültig zur Geltung.

Kleinere Schwächen zeigen sich lediglich beim zweiten, von Fabien Gabel dirigierten Klavierkonzert: Das patente Orchester bleibt hier gelegentlich matt in Klang und Ausdruck; auch seitens des Pianisten könnten gerade die leisen Passagen mehr Geheimnis vertragen. D...

Archetypon - Marry-Ellen Nesi, Armonia Atenea, George Petrou

3 Juli, 2018 - 08:44

Archetypen

Frauentypen in Barockarien, hervorragend interpretiert von Mary-Ellen Nesi.

Die renommierte griechische Mezzosopranistin Mary-Ellen Nesi hat schon manche barocke Oper wiederentdeckt. Ihre neue CD 'Archetypon' (MDG) widmet sie einzelnen Barockarien und den darin wahrnehmbaren musikalischen Entwicklungen. In 13 Operarien aus dem 18. Jahrhundert sucht sie nach dem Charisma ganz unterschiedlicher Frauentypen in der Antike, das durch Intonation und in der jeweiligen orchestralen Umrahmung zur Wirkung kommt. Egal welche Arie Mary-Ellen Nesi singt – durch glänzendes Timbre, klangvolle abgründige Tiefe, mühevolle Höhenwechsel und kraftvoll temperamentvolle Koloraturen wird jede Arie zum Hörerlebnis.

Im Begleitheft ordnet sie nach drei Frauentypen, die aber auf der CD nicht in dieser Reihenfolge gesungen werden. Die bekanntesten Frauentypen sind die tragischen. Alkestes Arie 'Non vi turbate, no' bleibt bei Gluck schlicht und lieblich im Sinne seiner Opernr...

Enescu, George - Sämtliche Werke für Klavier solo Vol. 3

3 Juli, 2018 - 08:44

Die Avantgarde von einst

Der spanische Pianist Josu de Solaun setzt sich mit dem Klavierwerk des Rumänen George Enescu auseinander.

Josu de Solaun hat sich mittlerweile zu einem Spezialisten für das Schaffen des rumänischen Komponisten George Enescu (1881–1955) entwickelt und den Gesamteinspielungen des Klavierwerkes des Komponisten eine weitere hinzugefügt. Das Klavierwerk von Enescu ist mittlerweile wahrlich keine ‚Terra incognita‘ mehr, gleichwohl gelingt es de Solaun den zahlreichen Einspielungen eine interpretatorisch stellenweise bemerkenswerte hinzuzufügen. Die vorliegende dritte CD dieser Einspielung umfasst Werke aus den Jahren 1894 bis 1900, also Frühwerke, die schon eine erstaunliche Beherrschung des Handwerklichen aufzeigen. Josu de Solaun musiziert mit äußerst manueller Zuverlässigkeit und stürzt sich mutig in den reichhaltigen Klangkosmos dieser Werke. Aber wirklich neue Einsichten entlockt er dieser Musik nicht, sondern überzieht alle Werke dieser CD mit einer interpretatoris...

Transcendence - Klavierwerke von Franck, Enescu und Liszt

2 Juli, 2018 - 08:29

Das Pianistische überwinden

Mihai Ritivoiu stellt sich mit seinem klug ausgewählten Programm als interessanter Musiker vor, dem die Gefahren pianistischer Selbstgefälligkeit sehr wohl bewusst sind.

Mihai Ritivoiu hat sich mit seiner bei Genuin classics erschienenen Debüt-CD ein anspruchsvolles Ziel gesetzt: ‚die Grenzen bloßer pianistischer Musik überschreiten‘. Zu diesem Zweck hat Ritivoiu drei großformatige, höchst schwierige Klavierwerke von César Franck, George Enescu und Franz Liszt ausgewählt.

Bei 'Prélude, Choral et Fugue' von Franck gilt es, einen weiten Bogen zu spannen von der kunstvoll umspielten Motivik des Prélude, über die fein abgetönten Harmonien des Choral bis zur romantisch überhöhten Fuge. Ein Detail im Choral ist für seine Interpretationsweise bezeichnend: Die großen, meist 7-stimmigen Arpeggien spielt Ritivoiu anfangs so, dass der höchste Ton sanft über der Harmonie strahlt. Am Ende des Chorals variiert er seine Spielweise ein klein wenig, sodass die beiden höchsten Töne, die...

Bruckner, Anton: Sinfonie 7 + Siegfried's Funeral March - Gewandhausorchester, Andris Nelsons

2 Juli, 2018 - 08:29

Bruckner für den Kamin

Eine Siebte von Bruckner auf allerhöchstem Niveau, die zugleich ziemlich harmlos klingt.

Wo andere für einen Bruckner-Zyklus jahrelang brauchen, legen die Deutsche Grammophon und das Gewandhausorchester Leipzig unter Andris Nelsons ein geradezu hektisches Tempo vor. Zwei Monate nach der Vierten Sinfonie liegt nun bereits eine störungsfreie Live-Aufnahme der anderen populären Bruckner-Sinfonie vor, die in E-Dur steht. Wie bei jeder Einspielung dieses Zyklus hat man auch hier die Sinfonie wieder mit einem Orchesterwerk Richard Wagners gekoppelt. Passenderweise erklingt vor der Siebten also 'Siegfrieds Trauermarsch' aus der 'Götterdämmerung', mit erhabenen Tempi, aber ungewöhnlich abgedämpftem Zugriff, sodass trotz aller Transparenz und ausgehaltenen Steigerungen ein Eindruck von Zurückhaltung entsteht. Es handelt sich übrigens um einen Live-Mitschnitt zum 275-jährigen Jubiläum des Gewandhausorchesters aus dem März 2018.

Die Feierstimmung ...

Janacek, Leos - Opernsuiten

1 Juli, 2018 - 08:23

Gesang der Instrumente

Tomás Netopil und das Prague Symphony Orchestra überzeugen mit atmosphärischen Suiten aus Janáčeks Opern.

Leoš Janáčeks Opern gehören zum festen Kanon des heutigen Musiktheaters, vor allem seine 'Jenůfa' und 'Katja Kabanowa'. Seine Opernmusik, die so eng mit der natürlichen Sprachmelodie verknüpft ist, hat schon früh Dirigenten zur Bearbeitung gereizt: 1937 entstand die erste Opern-Suite nach Janáčeks 'Schlauem Füchslein', die den melodischen Einfallsreichtum der Oper, die Atmosphäre, die unverwechselbare Klangsprache für den Konzertsaal erschließt. Und da Janáček selbst leider viel zu wenige Orchesterwerke hinterlassen hat, besteht weiterhin die Sehnsucht nach seiner Musik abseits der Opernbühne.

Die vorliegende bei Supraphon erschienene CD aus dem Jahr 2015 vereint drei Opern-Suiten nach zentralen Werken des Komponisten: 'Jenůfa', 'Katja Kabanowa' und 'Osud', arrangiert von Smolka,...

Goldschmidt, Berthold und Reizenstein, Franz: Cellokonzerte - Raphael Wallfisch, Konzerthausorchester Berlin, Nicholas Milton

1 Juli, 2018 - 08:23

Aus der Emigration

Raphael Wallfisch und das Konzerthausorchester Berlin mit Cellokonzerten von Berthold Goldschmidt und Franz Reizenstein.

Nach den Cellokonzerten von Hans Gál und Mario Castelnuovo-Tedesco setzt Raphael Wallfisch, zusammen mit dem Konzerthausorchester Berlin unter Nicholas Milton, die Erkundung des Schaffens emigrierter Komponisten fort. Mit Franz Reizenstein und Berthold Goldschmidt stehen diesmal zwei Persönlichkeiten im Fokus, die in Großbritannien ganz unterschiedliche Karrieren machten. Franz Reizenstein (1911–1968) und Berthold Goldschmidt (1903–1996) verließen Berlin bereits 1934 bzw. 1935. Während aber Goldschmidt mit einer durchaus eigenen kompositorischen Stimme in Großbritannien eintraf und sich eher als Dirigent und vor allem als Mitarbeiter der BBC profilieren konnte (noch heute berühmt ist seine Mitarbeit an Deryck Cookes Aufführungsfassung von Mahlers Zehnter Sinfonie), setzte Reizenstein seine Ausbildung in England fort und wurde auch als Komponist akzeptiert. Reizensteins Konzert ...

Podles, Ewa - World Opera Stars

30 Juni, 2018 - 08:09

Manieriert, aber beeindruckend

Ewa Podles zieht noch einmal alle Register ihrer Kunst.

Ewa Podles gehört zu den Sängerlegenden des 20. Jahrhunderts und auch im 21. Jahrhundert ist die Künstlerin noch höchst aktiv. Ihre Stimme umfasst drei Oktaven, wobei vor allem Podles‘ kraftvolle Tiefe und ihre Geläufigkeit stets den größten Eindruck machen. Rossini und Händel liegen ihr ebenso in der Gurgel wie Verdi oder Wagner.

Der Mitschnitt eines Konzerts vom 6. Juni 2014 in Poznan ist beim Label Dux auf CD erschienen. Begleitet wird die Künstlerin vom Poznan Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Lukasz Borowicz, der auch in ein paar wenigen Instrumentalstücken von Mascagni, Rossini und Gluck zeigen kann, was für ein erstklassiges Orchester seine Philharmoniker sind. Ewa Podles zieht mit ihren 62 Jahren noch einmal alle Register ihrer Kunst. Da orgelt es gewaltig in der Tiefe, die Koloraturen sind erstaunlich leichtfüßig und in Sachen Ausdr...

Porpora, Nicola - Opernarien

30 Juni, 2018 - 08:09

Noch ein As

Max Cencic liefert mit seiner neuen Porpora-CD Entdeckungen und musikalische Darbietungen vom Feinsten.

Muss man noch etwas zu Max Emanuel Cencic schreiben, dem aus Zagreb stammenden Countertenor, der mit seinen Einspielungen von Triumph zu Triumph geht – ich möchte nicht sagen eilt, da die Sorgfalt seiner Darbietungen jener mancher seiner Kollegen nicht selten um entscheidende Nuancen überlegen ist. Dazu kommt sorgfältige und stete Entdeckerlust, gepaart mit kluger ‚Partnerwahl‘: Mit der Armonia Atenea unter George Petrou hat Cencic nicht ohne Grund schon mehrfach zusammengearbeitet, Musikern, denen der äußere, ‚kanonische‘ Schein nicht so wichtig ist wie das bislang ‚Unentdeckte‘. Hierdurch leisten die Musiker gemeinsam zumeist Außerordentliches, legen ein um das andere Mal Referenzeinspielungen vor.

Diesmal erkunden Cencic (nach Philippe Jaroussky, Franco Fagioli und Angelo Mazotti) und die Musiker aus Athen nicht weniger als neun Opern von Nico...