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Aktualisiert: vor 15 Minuten 3 Sekunden

McCormack, John singt - Werke von Mozart, Brahms, Strauss u.a.

28 September, 2018 - 07:03

Den Zauber bewahrt

In der vorliegenden Folge der John McCormack-Edition von Naxos überzeugt der Sänger am stärksten in den populären Beiträgen.

Ein legendärer Sänger war John McCormack – vornehmlich im englischsprachigen Raum, aber mit internationalem Repertoire. In der umfassenden Naxos-Retrospektive, die mittlerweile bei der elften CD angekommen ist, hören wir Aufnahmen der Gramophone Company von 1924 – mit zahllosen seinerzeit unveröffentlicht gebliebenen Takes. Gleich beim eröffnenden 'Komm bald' op. 97 Nr. 6 von Brahms mit Edwin Schneider am Flügel hören wir die beiden Aufnahmetakes – die veröffentlichte Version unzweifelhaft sauberer intoniert, doch mit den gleichen Eigenheiten des Tenors, dessen Deutsch durchaus gewöhnungsbedürftig ist. In Strauss‘ 'Morgen' op. 27 Nr. 4 tritt (wie auch bei Liedern von Rachmaninov und Thomas Moore) der Geiger Fritz Kreisler hinzu – da herrscht keine Angst vor Sentiment auf Seiten des Geigers, während der Sänger, mit herrlich anspri...

Monteverdi, Claudio - Madrigale: Libro IX

27 September, 2018 - 08:01

Übergewichtige Madrigali

Ein Opus summum ist angesagt, wenn ein Künstler mehrstellig jubiliert. Den 450. Geburtstag von Claudio Monteverdi feierte 2017 die Fachwelt. Le Nuove Musiche lieferte zum Fest eine Kompletteinspielung mit zu viel Eifer.

Im 16. Jahrhundert war das Madrigal so etwas wie heute die Popmusik, in der Regel mehrstimmig, begleitet von Instrumenten der Zeit, viel Holz, ein bisschen Blech, manchmal auch Streichinstrumente und natürlich Schlagwerk. Da die Instrumente häufig die Stimmen nur verdoppelten, sprach man von A-cappella-Musik, auch wenn hier und da ein Instrument unterstützend mitlief. Heute ist die Musikrezeption nicht konsequenter. A cappella bedeutet tatsächlich ausschließlich Gesang, auch wenn der Basso Continuo über das Cembalo mitläuft. Auf diese Art des Singens hat sich das niederländische Gesangsensemble Le Nuove Musiche spezialisiert.

Einer der bedeutendsten Repräsentanten der musikalischen Renaissance und des Madrigals ist Claudio Monteverdi. 2017 feierte die Musikwelt seinen 450. Geburtstag. Aus diesem Anlass widmeten sich Le Nuove Musiche und sein Leiter Krijn Koetsveld den Madrigalen...

Taneyev, Sergei - Streichtrios

27 September, 2018 - 08:01

Erdenschwer

Diese Einspielung von Sergej Tanejews Streichtrios reicht an die älteren Aufnahmen nicht heran.

Mark Lubotsky und das russische Label Melodiya – passt. Denkt man. Doch schon die Covergestaltung überrascht ein wenig, und der Blick auf die Details erweist, dass die vorliegende Produktion, obschon in Russland gepresst, 2015 in Curslack, einem Hamburger Stadtteil im Bezirk Bergedorf, aufgenommen wurde. Der Geiger (geb. 1931), der durch seine Zusammenarbeit mit Alfred Schnittke und Benjamin Britten bekannt wurde, musiziert schon lange mit seiner Frau Olga im Lubotsky Trio zusammen, hier mit dem Bratschisten Ferdinand Erblich.

Nun zum Programm. Streichtrios von Sergej Tanejew (1856–1915). Keine Gesamteinspielung (die liegt auf Hyperion oder Dabringhaus und Grimm vor), das große D-Dur-Trio von 1878/80 fehlt hier. Auch das D-Dur-Trio op. 21 für zwei Violinen und Viola. Das große Es-Dur op. 31 (1910/11) dafür nicht in der Originalfassung für Violine, Viola und Tenorviola, sondern in ...

Amsterdam Sinfonietta spielt Bartok und Brahms - Amsterdam Sinfonietta, Candida Thompson

26 September, 2018 - 08:44

Die Alles-Spieler aus dem Niederlanden

Die Streicher der Amsterdam Sinfonietta sind wahrlich keine unbekannten in den Konzertsälen der Welt. Ihre stilistische Vielseitigkeit kennt anscheinend keine Grenzen – oder doch?

Seit fünfzehn Jahren ist Candida Thompson die künstlerische Leiterin der Amsterdam Sinfonietta. Sie führt das Ensemble als Konzertmeisterin vom 1. Pult aus. Die neue CD erzählt stolz davon, dass inzwischen auch fünfzehn Produktionen veröffentlicht wurden – es sind Aufnahmen mit unterschiedlichsten Werken aus der Romantik und dem 20. Jahrhundert, von Schubert über Tschaikowsky bis Mahler und Piazzolla. Die Konzertprogramme des Ensembles sind vielseitig und verraten keinerlei Berührungsängste mit Künstlern anderer Sparten, auch mit Popmusikern. Es verlangt viel Mut und Fantasie, angesichts eines relativ schmalen Repertoires für ein reines Streicherensemble, immer wieder Neues zu finden, wenn man im harten Musikgeschäft bestehen will. Die neue CD, die bereits vor zwei Jahren aufgenommen wurde, verbindet ein Werk, das original für Streichorchester geschrieben wurde (B...

Strawinsky, Igor und Mussorgsky, Modest - Orchesterwerke

25 September, 2018 - 06:58

Russisches aus München

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons überzeugt hier nur zum Teil: Mussorgsky scheint ihm auf dieser Aufnahme mehr zu liegen als Strawinskys 'Petruschka'.

Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks führten im November 2014 und im April 2015 in München zwei Meisterwerke der russischen Musik auf: Strawinskys 'Petruschka' und, in der üblichen Orchesterfassung Maurice Ravels, Mussorgskys 'Bilder einer Ausstellung'. Die Register werden fein gestaffelt, das Blech ist beeindruckend homogen und die Einzelleistungen glänzen auf diesem Zusammenschnitt der Konzerte.

Das Spitzenorchester legt hier Wert auf einen schönen, konturierten und etwas gedämpften Klang und auf eine plastische Gestaltung – und bringt so den Reichtum von Mussorgskys Miniaturen durchaus treffend zur Geltung. Bei 'Petruschka' dagegen wirkt es zu zahm, zu sehr auf Wohlklang und elegante Aufwallung bedacht, so dass man sich zuweilen eher beim Jahrgangskollegen 'Der Rosenkavalier' wähnt als bei einem Strawinsky-Ballett (das...

Alla Turca - Berliner Blockflötenorchester, Simon Borutzki

25 September, 2018 - 06:58

Blick über den musikalischen Tellerrand

Wer die Blockflöte und ihre musikalischen Möglichkeiten einmal von einer komplett anderen Seite kennenlernen möchte, liegt mit der hervorragenden Einspielung des Berliner Blockflötenorchesters unter der Leitung von Simon Borutzki genau richtig.

Kaum ein Instrument ist so sehr mit Klischees und Vorurteilen behaftet wie die Blockflöte. Zweifellos ist sie das Instrument, mit dem die meisten Kinder ihre musikalische Karriere beginnen und leider oft aus diversen Gründen auch beenden, darüber hinaus ist sie jedoch auch ein virtuoses Konzertinstrument, das sowohl solistisch als auch im kammermusikalischen Bereich eingesetzt werden kann, wie berühmte Vertreter ihres Faches, z. B. Michala Petri, Markus Zahnhausen und Hans-Martin Linde, immer wieder unter Beweis gestellt haben. Dass sich die Blockflöte auch im großen Ensemble mit anderen Orchesterinstrumenten messen kann und gerade in diesem Bereich ungeahnte Perspektiven eröffnet, zeigen die Musiker des Berliner Blockflötenorchesters unter der Leitung von Simon Borutzki mit ihrer Aufnahme ausgewählter Bearbeitungen (und einer Originalkomposition) zum Thema 'Orient', die 2018 im L...

John Carol Case singt - Lieder von Somervell, Butterworth und Elgar

24 September, 2018 - 07:05

Lyrisch stark

Ein englischer Bariton 'aus der zweiten Reihe' mit erstklassigen Interpretationen.

Den Bariton John Carol Case (1923–2012) kennt man außerhalb des britischen Raums kaum. Der Sänger, der sich vornehmlich als Konzertsänger betätigte, ist unter anderem in Einspielungen von Bachs Matthäus-Passion (unter Otto Klemperer), Faurés Requiem (unter David Willcocks), Vaughan Williams‘ 'Sea Symphony' und Elgars 'The Apostles' (unter Adrian Boult) im internationalen Bewusstsein verankert, doch finden sich bei genauerer Suche auch Lieder von Gerald Finzi, John Irelands Kantate 'These Things Shall Be' und Arthur Sullivans Operette 'The Yeomen of the Guard' (unter Malcolm Sargent) in Cases Diskografie.

Die vorliegenden Liedaufnahmen wurden 1969 und 1974 veröffentlicht und waren lange nicht mehr lieferbar (Label Heritage). Sie zeigen einen in der Textausdeutung bestens versierten, lyrischen Bariton, der in der extremen Höhe gelegentlich ...

Beethoven, Ludwig van - Symphonie Nr. 1 &2 u.a.

22 September, 2018 - 08:40

Fulminant

Dieser Ausschnitt aus dem Gesamtzyklus macht Appetit auf mehr.

Im Herbst 2012 war es, als das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine Konzert-Tournee mit ‚allen Neunen‘ von Beethoven im Gepäck nach Japan unternahm. Das Ergebnis des dort aufgeführten Zyklus‘ wurde live mitgeschnitten, diesem Kompendium entstammt die vorliegende, beim Label BR-Klassik erschienene Einzelausgabe mit den ersten beiden Symphonien.

Beethoven ‚reloaded‘

Schon im Kopfsatz des Opus 21 ist es unmöglich, sich der dynamisch-agogischen Zugkraft zu entziehen, die Jansons‘ Dirigat von den ersten Takten an entfaltet. Bereits das einleitende Adagio besitzt hörbar vom Live-Momentum inspirierte Binnenspannung, der Drive des Allegro con brio sowie des Finalsatzes sind unwiderstehlich und machen Altbekanntes neudeutsch wahlweise zu einer Art ‚Beethoven 3.0‘ oder ‚Beethoven reloaded‘. Ausgereifte melodische &A...

Walter Gieseking solo recordings - Werke von Wolfgang Amadeus Mozart

21 September, 2018 - 08:00

Leichteste schwierigste Musik

Die Mozart-Interpretation von Walter Gieseking ist auch nach über 60 Jahren eine ideale Referenz.

Die Bedeutung der Mozartschen Klaviersonaten wird in der Musikwelt nach wie vor eher geringer geschätzt, daran konnten auch zahlreiche Gesamteinspielungen im Laufe der Schallplattengeschichte nichts ändern. Besonders im Vergleich zu den Klaviersonaten Beethovens hatten die Mozart-Sonaten angesichts fehlender spieltechnischer und ausdrucksstarker Exaltationen historisch gesehen einen schweren Stand. Dennoch haben Pianisten schnell erkannt, dass die Durchsichtigkeit der Anlage und die Aufgabe, eine musikalische Balance zwischen expressiver Emphase und kindlich-zärtlichem Spiel zu finden, eine besondere Hürde in der Praxis markieren. Glenn Goulds Versuch, Mozarts Musik in einer spartanisch-zerhackenden Weise als bedeutungsirrelevante Gattungsbeiträge zu sezieren, ist am Ende genauso gescheitert wie Claudio Arraus Intention, die Sonaten in ein allzu seriös-weihevolles Gewand zu zwängen. So ist es nicht ...

Homilius, Gottfried August - Geistliche Motetten

21 September, 2018 - 08:00

Ohne Kreuz

Musikalisch hochkarätige, vielleicht ein wenig zu säkular klingende Kirchenmusik aus Dresden als Wiederveröffentlichung.

1983 spielte die Rheinische Kantorei unter Hermann Max ein Dutzend Motetten des Dresdner Kreuzkantors Gottfried August Homilius (1714–1785) ein, mithin in einer Zeit, als der Bach-Zeitgenosse noch nicht so stark der Vergessenheit entrissen war wie heute. Die aus heutiger Sicht mit knapp 42 Minuten ausgesprochen kurze CD auf dem Label MDG, zu deren Aufnahmedetails sich die Wiederveröffentlichung leider ausschweigt, bietet auch heute noch vorbildlichen Chorgesang, ausgezeichnete Textverständlichkeit, in angenehm sakraler Raumakustik. Wenn dennoch der Eindruck ein etwas säkularer bleibt, so liegt das vielleicht an der konzertmusikalischen Perfektion der Interpretation: So wie Bachs Motetten nicht mit bloßem Schöngesang nachhaltig beizukommen ist, so gilt dies auch bei Homilius‘ zumeist sehr viel überschaubaren Gattungsbeiträgen (nur das eröffnende 'Der Herr ist mein Hirte' bri...

van Beethoven, Ludwig - Klaviertrios Nr. 5, 6 & 11

20 September, 2018 - 07:07

Eigene Bedingungen

Die neue CD des Hamlet-Trios knüpft an die Qualität des Debüt-Albums an.

Seit 2011 spielen Xenia Jankovic (Violoncello), Candida Thompson (Violine) und Paolo Giacometti (Klavier) unter dem Namen Hamlet Piano Trio zusammen. Ausschließlich Beethoven hat die Formation sich für ihr neues Album aufs Programm gesetzt – und wieder (wie auf ihrem vorangegangenen Mendelssohn-Album) setzen sie ihre ganz eigenen instrumentenspezifischen Rahmenbedingungen. Gespielt wird auf Darmsaiten und mit klassischem Bogen, dazu gesellt sich ein Salvator-Lagrassa-Klavier Jahrgang 1815 aus der Edwin Beunk-Kollektion.

Musikalischer Fluss

Auch solistisch haben sich die Musiker allesamt schon einen Namen gemacht, ihre feine Ausbildung bei etlichen namhaften Lehrern ihres Fachs zeigt sich schon gleich zu Anfang im D-Dur-Trio op. 70/1. Mit vitaler und schwungvoller Herangehensweise tragen sie der Überschrift ‚Allegro vivace e con brio‘ musikalisch wörtlich Rech...

Stanchinsky, Alexey - Klavierwerke

19 September, 2018 - 07:36

Verträumter Komponist

Eine Auswahl aus dem Klavierschaffen eines unbekannten Frühvollendeten.

Nur 26 Jahre wurde dieser russische ‚musikalische Poet‘ – ein Komponist, der offensichtlich dem harten Leben eines Musikers nicht gewachsen war. Schüler Tanejews und von Skrjabin geschätzt, ist Alexej Stanchinskys (1888–1914) Schaffen sowohl kompositionstechnisch wie harmonisch ungemein reizvoll. Im direkten Vergleich mit zahlreichen Zeitgenossen darf man seine Werke als ausgesprochen avanciert bezeichnen, ohne dass er die Tonalität je über Bord geworfen hätte. Die vorliegende CD enthält zehn nicht als Zyklus gedachte Präludien, die Erste Klaviersonate in F-Dur, drei 'Lieder ohne Worte' und 'Zwölf Skizzen' op. 1. Leider werden die klanglichen Phantasiegebilde nicht durchgängig auch musikalische Gedichte – bedingt wohl durch das gewählte Instrument und durch die allzu direkte und ‚offene‘ Aufnahmetechnik. So gelingen nur ge...

A Spanish Portrait - Luigi Attademo, Guitar

19 September, 2018 - 07:36

Spanische Klassiker

Luigi Attademo spielt klassische spanische Musik auf der historischen Torres-Gitarre.

Als der Gitarrenbauer Antonio de Torres bei der Peña Flamenca den jungen Gitarristen Julián Arcas traf, reifte die Idee, eine neue Gitarre zu bauen, eine größere, wesentliche klangvollere als die damaligen schmalen Biedermeiergitarren. Es entstand die SE 122, der Prototyp, die Stradivari unter den Gitarren, mit der Arcas berühmt wurde und auf deren Folgemodelle alle anderen berühmten spanischen Gitarristen spielten.

Luigi Attademo, vielfach ausgezeichneter italienischer Gitarrist, versierter Interpret historischer Musik, der über musikalische Interpretation dissertierte und ein Buch schrieb, spielt auf einer Torres-Gitarre ‚A Spanish Portrait‘. Die CD ist ein Klangporträt dieser Gitarre mit ihrem ungewöhnlich warmen und runden Tonalität, ihrer exzellenten Ausgewogenheit und tonalen Klarheit sowohl in der außergewöhnlichen Tiefe der unteren Registe...

Hommage A Boulez - Orchesterwerke von Pierre Boulez

18 September, 2018 - 07:02

Bemerkenswerte Beziehungen

Die Freundschaft zwischen Pierre Boulez, Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra trägt erfreulichste Früchte.

Die enge und langjährige Freundschaft Daniel Barenboims mit Pierre Boulez führte zu dieser auf dem Papier zunächst unwahrscheinlichen Zusammenarbeit. Dass sich das West-Eastern Divan Orchestra so erfreulich intensiv mit Boulez‘ Schaffen auseinandersetzt, zeugt nicht nur von seiner hohen interpretatorischen Qualität, sondern auch von seinem künstlerischen Anspruch und seinem Interesse an Repertoire jenseits des Mainstreams. In drei Konzerten in der Londoner Royal Albert Hall wurden 2012 'Dérive 2' für elf Instrumente (1988–2006/09), 'Dialogue de l‘ombre double' (1984) für Klarinette, Tonband und Liveelektronik und 'Mémoriale' (1985/93) für Flöte und acht Instrumente mitgeschnitten. 'Anathèmes 2' (1997) für Violine und Liveelektronik, 'Messagesquisse' (1976/77) für Cello und sechs Celli und 'Le Marte...

Händel, Georg Friedrich - Deutsche Arien und Triosonaten

17 September, 2018 - 08:25

Deutsche Händel-Arien

Das Londoner Ensemble Florilegium widmet sich im Bund mit der Sopranistin Gilian Keith Händels kammermusikalischen Frühwerken und schlichten Da-Capo-Arien und verströmt eine berückende Seligkeit.

‚Künftger Zeiten eitler Kummer stört nicht unsern sanften Schlummer‘ – in diesen ersten Zeilen der neun deutschen Arien, die das Londoner Ensemble Florilegium mit der Sopranistin Gilian Keith neben frühen Triosonaten und einem Concerto in d-Moll von Georg Friedrich Händel eingespielt hat, spiegelt sich die Atmosphäre der vorliegenden CD wieder. Konzentriert auf kammermusikalische Frühwerke und jene schlichten Da-Capo-Arien auf Texte von Händels Freund Heinrich Brockes verströmen die Musiker eine berückende Seligkeit. In seinen Vokalkompositionen bevorzugte Händel italienische und englische Texte. Warum Händel hier auf muttersprachliche Texte zurückgegriffen hat, mag dem Freund geschuldet sein oder dem Umstand geistiger Erholung. Immerhin komponierte der geschäftige Vielschreiber in dieser Zeit in London zwischen 1724 und 1727 alleine sechs Opern. Die d...

Beethoven, Ludwig van - Symphonie Nr. 6, Egmont-Ouvertüre

17 September, 2018 - 08:25

Durchdacht

Klaus Tennstedt beweist sich als tiefgründiger Beethoven-Dirigent.

Zusammen mit der BBC legt das London Philharmonic neben Neuveröffentlichungen auch Archiv-Veröffentlichungen vor. Schon in seinen EMI-Studioaufnahmen fiel Klaus Tennstedt mehr durch sensibles Gespür denn durch brennendes Feuer auf; in den vorliegenden Live-Mitschnitten der 'Egmont'-Ouvertüre und der 'Pastoral'-Sinfonie von 1991/92 hebt er gleichfalls nicht ab, bleibt erdgebunden-grübelnd, nicht ganz so schwer wie bei den spätesten Klemperer-Studioaufnahmen, doch kaum weniger bezwingend. Klemperers Philharmonia war genauso wenig das erste Orchester Londons wie Tennstedts London Philharmonic – doch vergleicht man etwa mit dem in jener Zeit allgegenwärtigen Herbert von Karajan, zeigt sich der Wert von Tennstedts Interpretation umso schneller. Alles ist sorgsam abgewogen, gut austariert, man spürt jederzeit Tennstedts humanistische Klugheit. Dass zu jener Zeit mit Norrington, ...

Poulenc, Francis - Kammermusikwerke

16 September, 2018 - 08:19

Ausdrucksmusik von höchster Intensität

Faszinierend wie seine beiden Vorläufer ist auch das dritte Poulenc-Album der Münchner Pianistin Eva-Maria-May: Ihr einfühlsames Klavierspiel und fünf weitere ausgezeichnete Instrumentalisten zeigen die wunderbaren Duo-Werke des Franzosen in bestem Licht.

In Poulencs Duo-Sonaten treten die hierzulande oft unterschätzten Qualitäten seiner Musik unmittelbar hervor. Der Franzose ist keineswegs ein immer munterer, verspielter, ironischer Klassizist mit viel oberflächlicher Glätte, als der er vor allem aus Sicht der sogenannten ‚Neuen Musik‘ im 20. Jahrhundert offen und auch ein wenig post-nationalistisch abgewertet wurde. Poulenc schreibt äußerst gedankenvolle, geistreiche Werke, deren überwiegend tonale Klangsprache sich durchaus in ihrer werkspezifischen Rollenhaftigkeit selbst reflektiert: etwa im intensiv repetierten marschartigen Hauptthema der Horn-Elegie von 1957, in der instrumenttypische Kampfeslust, humorvoll ungelenke Trotzigkeit, aber auch tiefste Versonnenheit und Meditation im Klage-Gesang diesem Solo-Instrument nicht nur eine klangtypische Rolle, sondern darüber hinaus intensiven, tief empfindbaren Charakter geben. Johann...

The Runaway Rocking Horse - Werke von Tomlinson, Binge, Duncan, u.a.

14 September, 2018 - 08:00

Vom Schaukelpferd gefallen

Fünfzehn Jahre nostalgische Gefühle aus Großbritannien – und darüber hinaus.

Bekanntere und weniger bekannte Namen der britischen sogenannten gehobenen Unterhaltungsmusik (englisch: Light Music) sind hier wieder einmal versammelt, 26 Miniaturen aus den Jahren 1946–1962. Alle Beiträge sind in Mono und vermitteln vielleicht auch gerade dadurch ein starkes nostalgisches Gefühl. Ganz ähnlich klangen in der gleichen Zeit die Unterhaltungsprogramme der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkgesellschaften in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern. Für Freunde der damaligen Zeit geht der musikalische Blick in die Vergangenheit von 'Maids of Honour' ('Ehrenjungfern') von Billy Mayerl oder Robald Binges 'The Liberty Boat' ('Das Freiheitsboot') – beides hier offiziell vom Lansdowne Light Orchestra, faktisch aber vom Stuttgarter Rundfunkorchester 1956/57 gespielt – über King Palmers'„Put Up Your Socks' und Anthony Mawers...

Zaderatsky, Vsevolod - 24 Präludien & Fugen

14 September, 2018 - 08:00

Herzenssache

Ein gänzlich unbekannter Werkkorpus eines nicht minder unbekannten Komponisten erfährt eine engagierte Wiedergabe.

Jenseits der berühmtesten ‚48‘ – (Bachs 'Wohltemperiertem Klavier') gibt es zahlreiche Sammlungen von '24 Präludien und Fugen für Klavier', die zu erkunden auch jenseits der ‚großen Namen‘ nicht nur dem Hörer, sondern vor allem auch dem Interpreten gut anstände. Mit Schostakowitsch verließ die meisten Interpreten dann aber schon das Interesse – Kapustin und andere (oder, weitend auf ‚nur Präludien‘, natürlich Chopin, Alkan, Stanford, Bowen, Blumenfeld, Skrjabin usw. – in weiterem Blick auch Hindemiths 'Ludus Tonalis') würden aber den Blick deutlich weiten und gleichzeitig Verbindungslinien eröffnen, die nicht alle nur bei Bach zusammenlaufen.

Die '24 Präludien und Fugen für Klavier' von Vsevolod Zaderatsky (1891–1963) entstanden in den Jahren 1937/38 im sibirischen Ge...

Godard, Benjamin - Klavierwerke, Vol. 2

13 September, 2018 - 07:33

Salonfähig

Der Pianistin Eliane Reyes gelingt auch beim zweiten Mal ein stimmiges Porträt Benjamin Godards zwischen arabesken Nocturnes und poetischen Stil-Erkundungen.

Immer noch sorgfältiger Entdeckungen harrt der acht Opern sowie eine Fülle unterschiedlichster Instrumentalmusik umfassende Werkbestand von Benjamin Godard, einem Generationsgenossen Gabriel Faurés, der bereits 1895 an der Schwelle der Moderne zu früh verstarb. Mit Fauré teilt Godard den Sinn für das in Musik transformierte Poetische: Die drei 'Fragments poètiques' op. 13 von 1869 tragen die Namen der Dichter Lammartine, de Musset und Hugo als Titel und vermitteln – wie die ausgezeichnete belgische Interpretin Eliane Reyes – sich fein verändernde Stimmungen. Lammartine kommt dabei in einem Klanggewand Chopins daher, dessen weniger programmatische, aber im Ausdruck fein gesponnene Musik auch werkübergreifend als Vorbild und Grundbaukasten des Klavierkomponisten Godard ausgemacht werden kann: Zum Programm dieser zweiten Werkauswahl – Volume 1 en...