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Aktualisiert: vor 56 Minuten 35 Sekunden

Strauss, Richard - Eine Alpensinfonie

2 Mai, 2018 - 11:03

Intelligente Kombination

Brillante und intelligente Sichtweise auf zwei bedeutende Kompositionen von Richard Strauss.

Diese Einspielung mit Werken von Richard Strauss’ ist ein Konzertmitschnitt des Symphonieorchesters des Bayrischen Rundfunks aus dem Jahre 2016, der nicht nur interpretatorisch überzeugt. Auch die Kombination der Tondichtung 'Tod und Verklärung' op. 24 und der 'Alpensinfonie' op. 64 ist überaus glücklich gewählt. Die Tondichtung, ein frühe Auseinandersetzung des jungen Richard Strauss mit der Vergänglichkeit der Welt und die kraftvoll-vitale Alpensinfonie - das ergänzt sich hervorragend.

Mariss Jansons unterschätzt die Komplexität dieser Musik nicht, war hörbar exzellent vorbereitetund verlor den Faden nie. Wundervoll die Gestaltung des geheimnisvollen Anfangs der 'Alpensinfonie' mit dem Rumoren in den verschiedenen Streichergruppen, aus dem der Klang der Blechbläser so logisch vorbereitet wird. Faszinierend, wie Mariss Jansons die Kla...

Ferrari, Giacomo Gotifredo - Klavierwerke

1 Mai, 2018 - 13:35

Echte Alternative

Stefania Neonato bricht eine Lanze für Giacomo Gotifredo Ferrari. Sie ist eine denkbar berufene und vor allem stilistisch sattelfeste Anwältin für Ferraris Tastenmusik.

Gleich mehrfach hintereinander widmet Brilliant Classics eine Produktion Giacomo Gotifredo Ferrari (1763–1842), einem aus Rovereto stammenden Musiker, der zunächst in Verona und Rovereto, dann in Chur sowie schließlich in Rom und Neapel studierte. Er ließ sich zunächst in Paris nieder und ging dann 1792 nach London, wo er 1804 die Pianistin Victoire Henry heiratete; seine Memoiren erschienen dort 1830. ‚Sonatas e Balletti‘ ist die CD überschrieben, die Stefania Neonato auf einem Walter-Hammerflügel-Nachbau (Original von etwa 1805) eingespielt hat. Das Caprice (oder Capriccio) c-Moll op. 28 (nicht op. 8, wie im CD-Booklet behauptet) ‚pour le clavecin ou le pianoforte‘ ist wohl auf kurz nach 1800 zu datieren, und wenn man Neonato zunächst zu geringen Pedalgebrauch unterstellen könnte, stellt sich dieser Zugang vielmehr als in sich schlüssig heraus, um im Laufe...

Magnificats - Werke von J.S. Bach, J.Ch. Bach und C.P.E. Bach

1 Mai, 2018 - 13:35

Familiensache

Die Bachs – was für eine Familie! Natürlich, man weiß es. Und doch ist man geneigt, das klingende Ergebnis zu bestaunen.

Eine reizvolle Idee ist es, dem Lauf der Musikgeschichte in einer Familie zu folgen, und das am Beispiel desselben vertonten Textes: So, wie Jonathan Cohen es mit seinem Ensemble Arcangelo bei Johann Sebastian, Carl Philipp Emanuel und Johann Christian Bach und deren Magnificat-Vertonungen jetzt beim Label Hyperion getan hat. Bach Vater ist mit dem 1723 entstandenen BWV 243 vertreten, Carl Philipp Emanuel mit dem 1749 komponierten H 772 und Johann Christian mit dem 1760 in seiner Mailänder Zeit geschaffenen Magnificat E 22.

Bach Vater repräsentiert auf dem Papier das Altvordere, das freilich zum Zeitpunkt seiner Entstehung eine kaum in Frage stehende Höhe markierte: Kompakt in seiner Wirkung als Gesamtwerk, gespickt mit edlen Solitären, vor allem in verhaltener Schönheit. Solche Sätze, wie etwa das unvergleichliche Duett von Alt und Tenor 'Et misericordia' mit seinen scha...

Krieger, Johann Philipp - Musicalischer Seelen-Friede

30 April, 2018 - 08:44

Interessante Nebenstimme

Klaus Mertens engagiert sich kompetent für historische Nebenstimmen – nun für Geistliche Konzerte Johann Philipp Kriegers.

Johann Philipp Krieger (1649-1725), aus Nürnberg stammend und dort musikalisch früh gefördert, absolvierte als Jugendlicher eine fünfjährige Lehrzeit am dänischen Hof in Kopenhagen, lehnte im Anschluss daran ein Angebot aus Norwegen ab, um wieder in seine Heimat zurückzukehren. Er fand eine Stellung beim Markgrafen in Bayreuth, doch entpuppte sich diese als Sackgasse: Infolge kriegerischer Verwicklungen wurde das musikalische Leben so sehr reduziert, dass Krieger um seine Entlassung bat. Die wurde ihm zwar verwehrt, doch bewilligte der Markgraf eine Studienreise nach Italien. Die damit verbundenen Möglichkeiten nutzte Krieger voll aus: Er betrieb Kompositionsstudien bei Rosenmüller, pflegte vertrauten Umgang mit Cavalli, Carissimi und Legrenzi, reüssierte sogar als Organist in der päpstlichen Kapelle. Über Wien nach Bayreuth zurückgekehrt, fand er die Lage der Musi...

Orpheus - Lieder, Arien und Madrigale aus dem 17. Jahrhundert

29 April, 2018 - 08:31

Alles über Orpheus

Barocke Lieder und Arien rund um den Orpheus-Mythos, von Julian Prégardien stilischer und mit großer Emphase und Musikalität gesungen.

'Orpheus' heißt die neue CD von Julian Prégardien. Sie versammelt 27 Stücke rund um den Orpheus-Mythos. Neben einigen Instrumentalstücken sind es meist recht kurze Lieder (oft in Strophenform), Lamenti und Arien. Vielfältig ist die Auswahl der Komponisten, es gibt deutsche, englische und italienische, die alle um 1600 gelebt und komponiert haben. Claudio Monteverdi und Henry Purcell, William Byrd und Jacopo Peri mit Kompositionen aus seiner Oper 'Euridice' sind auf der CD vertreten, aber auch deutlich weniger berühmte wie Johann Erasmus Kindermann mit mehreren ausnehmend schönen Strophenliedern, Johann Steffens oder Domenico Belli.

Viele Stücke sind Ersteinspielungen. Sie werden jeweils in der Originalsprache gesungen und sind nach thematischen Blöcken angeordnet und miteinander verbunden: In einem ersten wird Orpheus vorgestellt, dann wird seine Braut Euridice...

Beethoven, Ludwig van - Sämtliche Streichquartette

29 April, 2018 - 08:31

Gesammelte Werke

Das Streichquartett war eine Gattung, die Beethoven sein ganzes Leben lang begleitete – und so widmete sich auch das Berliner Ensemble immer wieder Beethovens Streichquartetten.

Das Philharmonia Quartett Berlin stellte sich im Laufe der Jahre der großen Aufgabe, sämtliche Streichquartette Ludwig van Beethovens einzuspielen. Das Ergebnis vereinte das Label Thorofon 2015 in einer vom Portrait des Komponisten gezierten Sammelbox mit acht CDs. Zusätzlich sind noch 'Allegro und Fuge' aus op. 81 von Felix Mendelssohn-Bartholdy enthalten. Das weltweit geschätzte Ensemble, bestehend aus Daniel Stabrawa, Christian Stadelmann, Neithard Resa und Dietmar Schwalke (bis 2009: Jan Diesselhorst), wurde für seine Einspielungen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, unter anderem erhielt auch die in dieser Sammlung enthaltene Einspielung von op. 130 und 133 ('Große Fuge') den Echo Klassik im Jahr 2000.

Das umfangreiche zweisprachige Booklet (Deutsch und Englisch) enthält neben einer Schilderung der Entstehungsgeschichte der einzelnen Werke auch Verweise auf das Quart...

Rosenmüller, Johann - In te Domine speravi (Musik aus Schloss Wolfenbüttel Vol. 2)

28 April, 2018 - 08:00

Rosenmüller und Wolfenbüttel

Auch wenn Wolfenbüttel eher historischen Anlass bietet denn wirklich Schaffensort Rosenmüllers ist: Die Platte lohnt sehr deutlich, zeigt sie doch eine gewaltige kompositorische Größe des 17. Jahrhunderts in strahlenden Farben.

Im zweiten Teil der Reihe mit Musik aus Schloss Wolfenbüttel, präsentiert von Manfred Cordes und seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen, steht Johann Rosenmüller im Mittelpunkt. Der war erst spät in seinem bewegten Leben, 1682, als 65jähriger am Wolfenbütteler Hof in eine reputierliche Stellung gelangt, die seinen musikalischen Fähigkeiten entsprach. Eine Stellung, die zugleich kaum für ein gleichsam entgangenes Künstlerleben zu entschädigen vermochte. Zumal ihm in Wolfenbüttel nur mehr zwei Jahre vergönnt waren, von deren Produktivität wir wenig wissen. Davor war er stupend arbeitsam; ein großer Teil seiner Werke fand den Weg an deutsche Höfe und war alles andere als unbekannt. Entscheidend für die Überlieferung bis heute wurde dann doch noch eine Wolfenbütteler Instanz: Die Sammlung Bokemeyer, der wir einen Großteil der erhaltenen Vok...

Karayev, Kara - Sinfonie Nr. 1 & Violinkonzert

28 April, 2018 - 08:00

Schostakowitschs Meisterschüler

Nicht optimal aufgelegt sind die Orchestermusiker bei dieser dritten Folge der Karayev-Reihe.

Mit dieser CD setzt Naxos seine kleine, aber verdienstvolle Reihe mit Werken von Kara Karayev fort. Vor allem dem Dirigenten Dmitry Yablonsky ist es zu verdanken, dass die Werke des aserbaidschanischen Komponisten, der vor 100 Jahren geboren wurde und 1982 verstorben ist, nicht völlig in Vergessenheit geraten sind. 2008 hatte Yablonsky die dritte Symphonie und zwei Ballettmusiken mit dem russischen philharmonischen Orchester eingespielt, vier Jahre später die beiden Balletsuiten 'Sieben Schönheiten' und 'Pfad des Donners'. Nun folgen (zusammen mit den Kiev Virtuosi) die monumentale erste Symphonie aus dem Jahr 1943 und das 23 Jahre später entstandene Violinkonzert. Beide Werke stellen Meilensteine im Œuvre des Tondichters dar, die Symphonie vor allem als Auseinandersetzung mit dem Stil seines berühmten Lehrers Schostakowitsch, der hier an allen Ecken und Enden hörbar ist – ohn...

Strauss, Richard - Don Juan & Ein Heldenleben

27 April, 2018 - 08:43

Strauss aus Japan

Paavo Järvi dirigiert das NHK-Sinfonieorchester - eine klare Angelegenheit.

Seiner eigene Aussage nach hat der international äußerst aktive Paavo Järvi den für ihn besten Strauss-Sound beim NHK-Sinfonieorchester in Tokio gefunden. Diesem 1926 gegründeten Traditionsorchester, das auf eine reiche Prägung durch deutschsprachige Dirigenten wie Otmar Suitner, Horst Stein oder Joseph Keilbert zurückblickt, steht Paavo Järvi seit 2015 auch als Chefdirigent vor.

Wer sich den hier in lupenreinen Orchesterfarben strahlenden 'Don Juan' sowie 'Ein Heldenleben' anhört, dem dürfte es schwerfallen, zu widersprechen. Das älteste japanische Profiorchester agiert mit äußerster Diszipliniertheit, Virtuosität und Lebendigkeit, sodass man im satten Tuttiklang den mitreißenden Schwung dieser Werke nicht zu vermissen braucht. Besonders die satten Streicher und die agilen Holzbläser wissen dem Ohr zu schmeicheln. Und so brau...

En travesti - Arien von Händel, Vivaldi, Rossini, Donizetti, Mascagni u.a.

27 April, 2018 - 08:43

Mehr als einfach Hosenrollen

'En travesti' ist ein stilistisch breit gefächertes und kurzweiliges Album einer wandlungsfähigen Künstlerin.

’Das Spiel mit den Geschlechtern ist in der Oper seit jeher ein wichtiger Bestandteil. Sei es, dass Männer in Frauenrollen auftraten, sowohl in ernster wie in komischer Hinsicht, oder eben Frauen in Männerkleidern, als Tarnung oder als vollendeter Geschlechtertausch. Seit die Kastraten von der Opernbühne verschwunden sind, hat sich das Repertoire für Mezzosoprane und Altistinnen deutlich erweitert und trotz vieler Countertenöre in heutiger Zeit, hält sich die Besetzung so manch barocker Helden- oder Bösewichtpartie mit einer tiefen Frauenstimme. Die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus hat in ihrem aktuellen Album ‚En travesti‘ beim hauseigenen Label des Bayerischen Rundfunks mehr als 250 Jahre Musiktheatergeschichte im Hinblick auf Frauen in Männerrollen nachvollzogen. Das ausgewählte Repertoire reicht von Vivaldi bis Mancini. Begleitet wird sie dabei vom routi...

Schmidt, Franz - Das Buch mit sieben Siegeln

26 April, 2018 - 07:54

Dünne Apokalypse

Ein Musterbeispiel dafür, wie ein schlechtes Klangbild ein eigentlich großartiges Live-Konzert ruiniert.

Eines der beiden Konzerte, die für diesen Live-Mitschnitt aus der Hamburger Laeiszhalle von Simone Youngs beiden Abschiedskonzerten als Chefdirigentin des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg (damals noch Philharmoniker Hamburg) verwendet wurden, hat der Rezensent 2015 selbst miterlebt. Damals war er begeistert. Klaus Florian Vogt war als Johannes in Franz Schmidts Oratorium 'Das Buch mit sieben Siegeln' ein herausragender Erzählertenor, das Solistenquartett wurde seiner Aufgabe gerecht, das Orchester gestaltete unter Young so klug wie plastisch, und selbst die Orgel der Laeiszhalle kam zweimal zum Einsatz. Auch der NDR Chor und der Staatschor Latvia gaben u.a. Schmidts Chorfugen wach und stimmgewaltig. Es gab zurecht Standing Ovations.

Leider ist von all dem auf dieser Aufnahme kaum etwas übrig geblieben. Diese wird den beiden Live-Konzerten in keiner Weise gerecht oder entspricht ihnen auch nur...

Mozart, Reger & Leitner - Klarinettenquintette

25 April, 2018 - 07:47

Himmlische Klarinette und wolkiger Streicherklang

Mit drei faszinierenden Klarinettenquintetten lassen Simon Reitmaier und das Auner Quartett aufhorchen: Dem paradiesischen Klang des Tiroler Klarinettisten verfallen, sogt das Streichquartett für ein solides Fundament.

Für Liebhaber der Klarinette und kammermusikalischer Schmuckstücke erfüllt sich mit der vorliegenden Einspielung ein ersehnter Wunsch. Das Standardwerk dieses Genres – Mozarts Klarinettenquintett (KV 581) – wird durch die zeitgenössische Komposition des österreichischen Komponisten Ernst Ludwig Leitner und Max Regers Klarinettenquintett eindrucksvoll bereichert. Indirekt sind diese drei Werke auch aufeinander bezogen: Sowohl bei Max Regers Komposition als auch bei Ernst Ludwig Leitner merkt man die Bezugnahme auf Mozarts Komposition und die Verarbeitung einzelner Motivelemente.

Klanglich wird Mozarts Klarinettenquintett in A-Dur vom Klarinettisten Simon Reitmaier fabelhaft zelebriert. Es ist ein Genuss seinen feinen und klangintensiven Tönen zu lauschen. Das breite Klangspektrum des von Mozart geschätzten Holzblasinstrumentes wird vom Interpreten liebevoll ausgekostet und &uuml...

In bester Gesellschaft - Freche Lieder der Vorzensur von Johann Vesque von Püttlingen

24 April, 2018 - 08:00

Schlicht unerträglich

So rettet man keinen Komponisten vor dem Vergessen: Johann Vesque von Püttlingen hat Besseres verdient.

Lange war ich nicht so geschockt beim Hören einer Platten-Neuerscheinung wie in diesem Fall. Bereits beim ersten Titel musste ich zu dem Urteil kommen, dass dieses Album, trotz der guten Leistung des Pianisten Hedayet Jonas Djeddikar, schlicht unerträglich ist. Dieses Verdienst muss sich, es tut mir leid, Caroline Jahns anheften.

An wem es nicht liegen kann, das ist der Komponist Johann Vesque von Püttlingen, der im zeitgenössischen Kontext auch als Johann Hoven auftritt. Der seit seinem ersten Lebensjahr in Wien beheimatete Jurist und Diplomat, der ein veritabler Tenor war (so hat er auch eine Schumann-Uraufführung gerettet), ist zu den wichtigsten Liedkomponisten des 19. Jahrhunderts zu zählen. Diese Schätze müssen nur gehoben werden. Sie sprühen von Witz und Ironie, was vor allem deutlich wird, wenn man sich Vesque von Püttlingens Gesamtvertonung von Heinrich Heines '...

Alfvén, Hugo - Sämtliche sinfonischen Werke Vol. 1

24 April, 2018 - 08:00

Schwerfälliger Auftakt

Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Lukasz Borowicz bringt die Sinfonie Nr. 1 von Hugo Alfvén und wird durch das Klangbild eingeschränkt.

Ob Hakon Börresen, Gerhard Schjelderup, Wilhelm Peterson Berger, Kurt Atterberg oder Rudolph Simonsen  – das auf eher unbekannte Werke spezialisierte Label cpo arbeitet sich hartnäckig durch die Musikgeschichte Skandinaviens beziehungsweise des hohen Nordens. Besonders Sinfoniker stehen dabei im Mittelpunkt. So war es nur eine Frage der Zeit, bis ein in Deutschland nicht allzu bekannter, in Schweden dafür naturgemäß umso berühmterer Vertreter an die Reihe kam. Vorliegende CD mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Lukasz Borowicz stellt den Auftakt zu einer Reihe mit den fünf Sinfonien von Hugo Alfvén (1872-1960) dar.

Den Anfang macht dabei die Sinfonie Nr. 1 op. 7 in f-Moll, die Alfvén nach einigen ersten kompositorischen Versuchen 1897 vollendete. Beigegeben sind dem 40 Minuten umfangreichen Werk zwei jeweils rund zehn Minuten lange Einsätzer, di...

Europäische Wege - Werke für Violine von Bortkiewicz, Chausson, Kreisler u.a.

23 April, 2018 - 08:59

Homogene

Programmtechnisch begibt sich der Violinist Alois Kottmann mit seiner neuen CD auf eine Reise quer durch Europa, dabei bleibt er aber seinen Eigenheiten im Spiel stets mehr als treu.

‚Europäische Wege‘ - der Titel von Alois Kottmanns 2017 bei Musicaphon erschienener CD bezieht sich auf die Programmauswahl, die Werke von Komponisten aus zahlreichen Ländern vereint: Der Sonate in g-Moll op. 26 des 1877 in der Ukraine geborenen Komponisten Sergej Bortkiewicz folgt 'Poème' von Ernest Chausson, der in Frankreich lebte. Wie die beiden zuerst genannten Komponisten war auch der aus Österreich stammende Fritz Kreisler um die Jahrhundertwende tätig; sein 'Präludium und Allegro' im Stile Gaetano Pugnanis wurde 1905 veröffentlicht. Mit der Sonate 'Folies d’Espagne' op. 5/12 des Italieners Arcangelo Corelli hat Kottmann aber auch ein barockes Werk ausgewählt, die 'Seikilos'-Variationen des Tschechen Otmar Mácha dagegen wurden erst 1995 uraufgeführt.

‚Im direkten Vergleich fasziniert die musikkulturelle Vielf...

Kabalewski, Dmitri - Sämtliche Klaviersonaten & Rondos

23 April, 2018 - 08:59

In Sachen Kabalewski

Kabalewskis Klavierwerke sind hierzulande kaum bekannt. Dabei lohnt sich die Beschäftigung, wie Michael Korstick uns beweisen will.

Wer selbst Klavier spielt, kennt Kabalewski vermutlich von seinen wunderbaren Stücken für Kinder, die dem 'Album für die Jugend' von Schumann oder dem Kinderalbum von Tschaikowsky an die Seite zu stellen wären. Michael Korstick, der bereits Kabalewskis Klavierkonzerte für cpo aufgenommen hat, versammelt hier jedoch Werke, zu denen der durchschnittliche Schüler kaum jemals durchdringen wird. Nicht nur das Rondo op. 59, das für den Tschaikowsky-Wettbewerb 1958 komponiert wurde und zwecks Propaganda die vielgerühmte russische Pianistik zur Schau stellt, sondern auch die Klaviersonaten fordern aberwitzige technische Leistungen. Michael Korstick ist glücklicherweise technisch mit allen Wassern gewaschen und meistert die Herausforderungen so souverän, das man es schon nach kurzer Zeit für selbstverständlich nimmt, dass einer sowas spielen kann.

Man darf sich nun ...

Karg-Elert, Sigfrid - Opern von Richard Wagner bearf. für Harmonium und Klavier

22 April, 2018 - 07:23

Wagners Opern in neuem Gewand

Jan Henning (Kunstharmonium) und Ernst Breidenbach (Klavier) füllen das wagnerische Oeuvre mit neuem und beeindruckendem Klang. Obgleich Karg-Elerts Bearbeitungen manchmal ungewohnt sind, gelingt beiden Künstlern eine beachtliche Interpretation.

Der Komponist, Musiktheoretiker, Arrangeur und Harmoniumspieler Sigfrid Karg-Elert (1877–1933) soll sich selbst als Exzentriker bezeichnet haben, und seine Bearbeitungen der Wagner’schen Opern für Klavier und Kunstharmonium stehen tatsächlich nicht im Zentrum der traditionellen Wagner-Rezeption. Karg-Elert machte von seinem künstlerisch freien Recht Gebrauch und schreckte weder vor neu komponierten Schlüssen zurück, noch lässt er eine einheitliche Klangkonzeption im Verhältnis der beiden Instrumente erkennen. Die Gesangs- und Bläserstimmen findet man zwar meistens im Harmonium wieder, und das Klavier ist größtenteils für die ursprünglichen Streicher- und Schlaginstrumente zuständig, aber bei einigen Transkriptionen wird eher eine individuelle Adaptierung angestrebt. Karg-Elert scheint nicht den Anspruch erhoben zu haben, die Orchesterkonzeption Wagners im D...

Weinberg, Mieczyslaw - Sinfonie Nr. 6

22 April, 2018 - 07:23

Kosmos melancholischer Melodien

Mit der Einspielung der 'Rhapsodie zu moldawischen Themen' und der Sechsten Sinfonie von Weinberg gelingt Vladimir Lande eine äußerst facettenreiche Interpretation der anspruchsvollen Melange aus moldawischen Volksmelodien, Chorälen und Tanzmusik.

Vor den Nationalsozialisten auf der Flucht und im sowjetischen Sozialismus in die Enge getrieben, erkämpfte sich der jüdisch-polnische Komponist Weinberg, Mieczyslaw (1919-1996) wie viele andere seiner Zeit ein Leben mit Kompromissen, auf menschlicher und künstlerischer Ebene. So ist es nicht verwunderlich, dass der recht unbekannte, aber von Schostakowitsch hochgeschätzte Komponist und Pianist eine große Spannweite aus humoristischer Zirkus- und Tanzmusik und tragisch-pathetischer Musik schuf, wobei besonders letztere durch den Einsatz von Lyrik eine noch größere Tiefe erreichte, die das menschliche Seelenleben sehr gelungen nachzeichnet.

Eine solche Verbindung aus Lyrik und Musik, außerhalb oft klischeehafter Opern und Musikdramen, erschuf Weinberg mit seiner Sinfonie Nr. 6 op. 79 (1963), die - wie auch die rein orchestrale 'Rhapsodie zu moldawischen Themen' op. 47 Nr. 1 ...

à la francaise - Duos der französischen Romantik für Kunstharmonium & Klavier

21 April, 2018 - 08:06

Aparte Kombination

Jan Henning und Ernst Breidenbach gewähren mit unbekannten Werken für Kunstharmonium und Klavier einen höchst reizvollen Einblick in den französischen Salon des 19. Jahrhunderts.

Es sind auf dieser neuen Platte keine großen Meisterwerke zu hören, und doch hat sie ihren Reiz. Der liegt in der ungewöhnlichen Besetzungskombination von Kunstharmonium und Klavier. Das Kunstharmonium war im 19. Jahrhundert geradezu ein Modeinstrument, das auch in kammermusikalischen Besetzungen eingesetzt wurde, wenn auch überwiegend in eher salonhaften Sphären. Bei dem hier verwendeten Exemplar handelt es sich um ein 1901 gebautes Druckluftharmonium aus dem Hause Mustel, das im Gegensatz zum herkömmlichen Saugluftharmonium (und zur Orgel) dynamische Gestaltung erlaubt und über erstaunlich vielfältige Farben verfügt, die hier sogar noch erweitert werden durch eine über das zweite Manual gespielte Celesta.

Die Kombination mit dem Flügel klingt besonders apart, und das um so mehr, da das auf dieser Platte verwendete Exemplar sich schon durch seine ersten Tönen als...

Schumann, Robert - Kinderszenen, Waldszenen und weitere Klavierwerke

21 April, 2018 - 08:06

Weltpremiere

Das von Santiago Mantas eingegangene Rekonstruktions-Wagnis überzeugt leider nur wissenschaftlich-formal, nicht aber musikalisch.

Sowohl als Dirigent, Komponist und Pianist ist der gebürtige Londoner Santiago Mantas musikalisch vielseitig aktiv. Eine ganz besondere Projektidee liegt dieser CD zu Grunde: die Weltersteinspielung der (jawohl, richtig gelesen!) vierten Klaviersonate von Schumann. Basierend auf der Zusammenfügung eigener Aufzeichnungen und Entwürfe des Komponisten und von Mantas vorgenommenen Ergänzungen, die eine hypothetische Gesamtfassung simulieren sollen, lautet das Rezept dafür in kurzen Worten so: Man nehme die vergleichsweise ausführlichen Skizzen zum ersten und vierten Satz, füge einen von Schumann gestrichenen fünften Satz zur dritten Sonate sowie gleichfalls verworfene Variationen nebst Skizzen von Ehefrau Clara hinzu und ergänze fehlende Passagen in rechter und linker Hand – fertig ist die vierte Sonate in f-Moll.

Spannendes Experiment

Als Resultat en...