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Aktualisiert: vor 1 Stunde 44 Minuten

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Lieder im Freien zu singen

21 Juli, 2018 - 06:41

Romantik oder Biedermeier – oder beides?

Frieder Bernius und der Kammerchor Stuttgart reüssieren mit den 'Liedern im Freien zu singen' von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Frieder Bernius ist seit 50 Jahren ein angesehener Chorleiter, dessen Aufnahmen mit dem Stuttgarter Kammerchor eine Reihe von Preisen gewonnen haben. Und jetzt diese Aufnahme (wie stets beim Label Carus) – macht er sie, um seine Mendelssohn-Einspielungen zu komplettieren? Und wie stehen wir zu solchen Stücken, wo wir doch auf Quasi-Volkslieder und ihre romantische Aussage lieber etwas spöttisch herabblicken?

Die Zeit zwischen den Befreiungskriegen von Napoleon, der Restaurationszeit und den Revolutionsversuchen im deutschsprachigen Raum wird allgemein als Biedermeierzeit bezeichnet – und der Begriff hat durchaus etwas Spießiges und damit Pejoratives. Noch heute wird über die damalige Chorbewegung mit Friedrich Zelter in Berlin oder gar Friedrich Silcher in Tübingen an der Spitze gelächelt, mit spezieller Herablassung gegenüber den Männerchören. Die Gründe liegen...

Charles Gounod: Geistliche Chorwerke - Kammerchor Vocalisti, Tobias Götting (Orgel), Hans-Joachim Lustig

21 Juli, 2018 - 06:41

Köstlich

Eine lohnende Wiedervorlage mit geistlicher Musik von Gounod, gesungen vom Kammerchor I Vocalisti – lohnend vor allem wegen ‚Le sept paroles du Christ sur la croix‘ und manch köstlicher Kleinigkeit.

Charles Gounod wird in der Gegenwart sicher nicht als Sakralkomponist wahrgenommen. Und wenn doch, dann im Wesentlichen seiner Cäcilien-Messe wegen. Doch schrieb er in den verschiedensten Schaffensperioden weit mehr Messen und geistliche Gelegenheitskompositionen. Einige davon hat Hans-Joachim Lustig vor etwas mehr als zehn Jahren mit seinem Kammerchor I Vocalisti aufgenommen. Die Produktion wurde jetzt, zu Gounods 200. Geburtstag 2018, neu aufgelegt. Zu hören sind die Messen Nr. 5 und 7, dazu, ebenfalls orgelbegleitet, zwei weihnachtliche Stücke mit den Titeln 'Noël' und 'Béthléem'. Am Schluss stehen ein englischer Evening Service aus Magnificat und Nunc dimittis und ein Pater noster. Im Zentrum ist ein unbegleiteter Satz zu hören: 'Le sept paroles du Christ sur la croix'.

Die Messen sind schlicht in ihrer Grundanmutung, gesammelt und effektvoll: einfach praxis...

von Bausznern, Waldemar: Kammermusik Vol.2 - Maria Bengtsson, Berolina Ensemble

20 Juli, 2018 - 08:54

Eine Fülle hübscher Einfälle

Waldemar von Bausznerns Kammermusik ist hier in einer sehr ansprechenden Einspielung des Berolina Ensembles zu entdecken.

Wirklich wunderschön sind die acht Kammergesänge von Waldemar von Bausznern, aber: Sie sind nicht von ihm komponiert. Bausznern, der Name findet sich auch in den Varianten Baußnern oder Baussnern, hat hier alte Weisen unterschiedlichster Herkunft bearbeitet, vier französische Texte, drei deutsche und einen italienischen – das berühmte 'Se tu m‘ami', an dem kein Gesangsschüler vorbeikommt. Bausznern (1866–1931) schrieb dazu im Jahr 1906 eine aparte Begleitung nicht mit Klavier, sondern mit Streichquartett, Flöte und Klarinette. In der Neuaufnahme des Berolina Ensembles mit der Sopranistin Maria Bengtsson klingt das großartig. Die Melodien – Waldemar von Bausznern hat sich immerhin ganz wunderbare, schlichte Weisen ausgesucht – schweben fast schwerelos, da das Cello eine Bassfunktion höchstens sehr dezent ausübt und alle Instrumente leichtfü&...

Sabaneev, Leonid: Die Werke für Klavier Vol.2 - Michael Schäfer, Piano

20 Juli, 2018 - 08:54

Hochexpressive pianistische Grenzbereiche

Auf dieser zweiten Folge mit Klavierwerken von Leonid Sabanejew kommt es bisweilen zu Momenten dynamischer Erschöpfung im Dauer-Fortissimo. Insgesamt sind die Werke dennoch hörenswert.

Michael Schäfer ist ‚nur‘ Professor für Klavierspiel, doch seine Tätigkeit als Musikforscher würde wohl für eine weitere Habilitationsschrift in Musikwissenschaft ausreichen. Schon seit Jahren sucht und findet Schäfer Klavierwerke (und Kammermusikwerke) von Komponisten, die unbekannt oder sogar völlig in Vergessenheit geraten sind. Nicht immer stößt er dabei auf erstklassige Musik, so manches Werk mag auch aus verständlichen Gründen vernachlässigt worden sein. Doch mit den Kompositionen von Leonid Sabanejew (1881–1968) hat Schäfer wahre pianistische Edelsteine entdeckt, die ihren Rang neben Rachmaninow und Skrjabin mühelos behaupten können. Auf der vorliegenden zweiten CD mit Klaviermusik Sabanejews befindet sich als zentrales Werk die halbstündige Sonate op. 15, die im Jahr 1916 entstand. Von ähnlicher Ausdehnung ist 'Passacag...

Salieri und Mozart - Prima musica e poi le parole / Der Schauspieldirektor

19 Juli, 2018 - 06:44

Quirliges Offstage-Spektakel

Nikolaus Harnoncourt und sein Ensemble zünden mit großer Leichtigkeit und einer Extraportion Charme zwei viel zu selten gespielte Offstage-Feuerwerke.

Es muss ein Ereignis der besonderen Art gewesen sein: Joseph der II. ließ in der Frage ‚Deutsches Singspiel oder italienische Oper?‘ zwei Musiktheaterwerke im Vergleich erklingen – in ein und demselben Raum. Antonio Salieri komponierte für diesen Anlass sein Divertimento 'Prima la musica e poi le parole' und Mozart steuerte die Musik zum 'Schauspieldirektor' bei. Die Komponisten dirigierten die Vergleichsaufführung damals in der Schönbrunner Orangerie sogar selbst. Nikolaus Harnoncourt hat bereits 1987 diese Stückkombination für die Platte eingespielt. Fünfzehn Jahre später ließ er beide Werke im Konzert nacheinander erklingen. Dieser Mitschnitt vom 3. Februar 2002 in Salzburg ist auf zwei CDs beim Label Belvedere erschienen.

Vom 'Schauspieldirektor' gibt es einige Aufnahmen, die aber in den allermeisten Fällen die gesprochenen Dia...

Bach, Telemann, Fasch: Cantatas for Baritone - Christoph Prégardien, Vox Orchester, Lorenzo Ghirlanda

19 Juli, 2018 - 06:44

Baritonaler Ausflug

Eine erstklassige Deutung von Christoph Prégardien und dem Vox Orchester – und ein bemerkenswertes Debüt des Orchesters und vernehmliches Signal Prégardiens im Bariton-Fach.

Christoph Prégardien als Bariton? Beim Blick auf das Cover der jetzt bei Deutsche Harmonia Mundi erschienenen Platte mit Kantaten und Orchestersuiten von Telemann, Fasch und Bach kommt man ins Grübeln: Steht beim famosen Tenor Prégardien ein Fachwechsel analog etwa zu dem Plácido Domingos an? Oder ist es ein eigentlich plausibler Ausflug? Da über Ersteres nichts bekannt ist und auch das inhaltlich ohnehin schmalbrüstige Booklet sich zu diesem – der Blick auf das reichlich gemischte Programm legt das noch einmal besonders nah – mit Abstand am meisten interessierenden Aspekt der Produktion beharrlich ausschweigt, müssen Plausibilitäten geprüft werden.

Erstens das Repertoire: Da sind zwei schmale Telemann-Kantaten zu hören, 'Was gibst du denn, o meine Seele?' TWV 1:1510 und 'Jesus liegt in letzten Zügen' TWV 1:983, die keineswegs...

Kontrabasskonzerte - Werke von Rota, Bloch und Bruch

18 Juli, 2018 - 08:38

Nicht bloß apologetisch

Drei weniger relevante Werke der Kontrabassliteratur, ausgezeichnet interpretiert.

Konzerte für Kontrabass und Orchester gibt es nicht viele – so ist denn auch das einzige Originalwerk, das hier vorgelegt wird, ein Divertimento concertante von Nino Rota – ein entzückendes viersätziges Unterhaltungswerk altmodisch-gefälligen Stils, vergleichbar der 'Symphonie classique' von Sergei Prokofiev. Das 1967–70 entstandene Werk, das seine Entstehungszeit musikalisch Lügen straft, bietet, wie der Titel sagt, einen konzertanten Solopart, in dem Bogusław Furtok, Solobassist des hr-Sinfonieorchesters, in bester Fühlung mit ‚seinem‘ Orchester, sein Instrument bestens einzusetzen weiß.

Um sein Konzertrepertoire zu erweitern, hat Furtok zwei ‚Schlager‘ der Celloliteratur, Ernest Blochs 'Schelem'“ und Max Bruchs 'Kol Nidrei' für sein Instrument eingerichtet. Was zunächst als apologetische Formulierung...

Frühling, Carl: Klarinettentrio op.40 - Davide Bandieri, Marja-Liisa Marosi, Joel Marosi

18 Juli, 2018 - 08:38

Verhaltene Expressivität

Die Neuaufnahme der Klarinettentrios von Carl Frühling und Alexander Zemlinsky kann nur teilweise überzeugen.

Davide Bandieri spielt mit sehr dunklem und glatten Ton, klanglich würde man niemals auf etwas anderes als einen deutschen oder österreichischen Klarinettisten tippen. Somit trifft der Italiener im Grunde genau den richtigen Ton für die Trios a-moll op. 40 von Carl Frühling und d-moll op. 3 von Alexander Zemlinsky, zwei Werke ganz entschieden in der Brahms-Tradition, die er hier mit Joël Marosi am Cello und Marja-Liisa Marosi am Flügel aufgenommen hat (Brilliant classics). Nach einer Weile allerdings wirkt dieser Klang eigenartig, denn er bleibt bei allen drei Musikern extrem kontrolliert, ein wirkliches Ausbrechen gibt es selbst an den expressivsten Stellen nicht. Dabei ist diese um 1900 komponierte Musik doch eigentlich ziemlich expressiv und kommt in dieser Interpretation letztlich doch etwas zu verhalten daher, bei Zemlinsky vor allem. Auch die Artikulation könnte lebhafter, spritziger sein, der...

von Hausegger, Siegmund - Sinfonische Werke

17 Juli, 2018 - 07:01

Rettung durch Begeisterung

Kapellmeister-Musik? Wie Mahler ist Hausegger ein Idealist durch und durch, zudem ein brillanter Instrumentator. Entsprechende Qualitäten dreier programmatischer Partituren führt Antony Hermus mit den Bamberger Symphonikern beeindruckend vor.

Zwischen biedermeierlicher Monumentalität und Nietzsches ekstatischer Lebensphilosophie sind Hauseggers symphonische Dichtungen angesiedelt, den vorhergehenden und parallelen Orchestermusiken von Richard Strauss darin in Milieu, Ausdruckswillen und unverkennbar auch klanglichem Idiom direkt benachbart. In der 'Dionysischen Phantasie' des im Entstehungsjahr 1896 erst rund 24jährigen Komponisten mag man ein zeittypisches chromatisches Vagieren à la Richard Wagner heraushören, geht es doch um Ausdruckskraft, musikalischen Ausdruck und kraftvolle Leidenschaft gerade nicht sprachlich vermittelter Gefühle; natürlich spielte für Hausegger auch die Lektüre von Nietzsches ‚Geburt der Tragödie‘ – nämlich ‚aus dem Geiste der Musik‘ – eine zentrale Rolle. Auf den Abdruck eines begleitenden 36strophigen (!) Gedichts im Booklet wurde leider verzichtet, ...

Flotow, Friedrich von: Martha - Frankfurter Opernorchester, Sebastian Weigle

17 Juli, 2018 - 07:01

Von wegen bieder!

Das ist eine zeitgemäße 'Martha', musikalisch ein wirkliches Feuerwerk und der beste Beweis, dass Flotows berühmteste Oper noch heute einen Heidenspaß machen kann.

Das tenorale ‚Martha, Martha, du entschwandest!‘ ist mittlerweile leider sehr wörtlich zu nehmen. Die einstmals so populäre romantisch-komische Oper 'Martha' von Friedrich von Flotow (1812–1883) hat auf den Spielplänen längst nicht mehr den Stellenwert, der ihr eigentlich zustünde. Zu sehr ist ihre angebliche Biedermeierlichkeit zum schnellen Vorurteil geworden und auf dem Plattenmarkt sieht es noch trostloser aus: Die letzte Studioproduktion stammt tatsächlich aus dem Jahr 1977 und die Wiener Volksoper hat sich 2003 nur getraut, einen Querschnitt ihrer damaligen Produktion auf CD zu veröffentlichen. Allein schon vor diesem Hintergrund ist dem Label Oehms Classics mit der Veröffentlichung dieses Frankfurter Mitschnitts vom Oktober 2016 eine kleine Sensation gelungen – vom bewundernswerten Mut der Produzenten mal ganz zu schweigen.

Endlich gibt es wieder...

Sounds of War - Werke von Poulenc, Janacek und Prokofiev

16 Juli, 2018 - 07:30

Ich trage einen großen Namen

Unerwartete Perspektiven auf drei wichtige Violinsonaten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die aber überzeugen.

Weder verwandt noch verschwägert scheint die russische Geigerin mit dem berühmten Nathan zu sein (zumindest verschweigt ihre PR eine entsprechende Verbindung). Dennoch verführt eine solche Namensbindung zu hohen Erwartungen; immerhin muss Maria Milstein, zusammen mit ihrer Klavierpartnerin Hanna Shybayeva, keine unmittelbare Konkurrenz von dem Namensvetter (oder -großonkel?) durch Einspielungen von diesem befürchten. Aber selbst wenn dem so wäre – die Frische und der sichere Zugriff beider Musikerinnen überzeugt selbstständig. Das ist Kammermusik vom Feinsten, sorgfältigst aufeinander abgestimmt, mit vielen Farbvaleurs, voller Kraft, Dramatik und lyrischer Dichte, in ausgezeichneter Aufnahmequalität. Zwar mag die Poulenc-Sonate nicht recht französisch klingen, vielmehr wird ein Hauch 'Eugen Onegin' beigemischt, doch steigert dies nur die Einheitlichkeit der gesamte...

Beethoven, Ludwig van - Sämtliche frühen Variationswerke

15 Juli, 2018 - 07:47

Individuelle Klangfarben

Alessandro Commellato präsentiert die heute kaum mehr bekannten Variationswerke, mit denen Beethovens Pianisten- und Komponistenkarriere begann: Das Kennenlernen lohnt sich.

Den zwischen 1782 und 1800 entstandenen, größtenteils kaum bekannten Klaviervariationen ohne Opuszahl von Beethoven tut es – vielleicht mehr noch als den Klaviersonaten – besonders gut, wenn neben den kompositorisch-spieltechnischen Variantenbildungen auch die variablere Klanglichkeit verschiedener historischer Instrumente als Gestaltungsmerkmal hinzutritt. Alessandro Commellato nutzt auf den drei CDs dieser Edition gleich fünf verschiedene in Wien verbreitete Instrumente: einen sehr gut restaurierten Böhm-Flügel von 1823 (schon eine Art aktualisierende Rezeption also) sowie vier eher dem Kompositionszeitraum entsprechende Instrumente von Stein (1788) und Walter (1789, 1892, 1805) in Nachbauten von Guido Bizzi.

Tatsächlich ist die damit erzielte klangliche Varianz als Interpretationsmittel, das der Pianist bedächtig nutzt, der große Pluspunkt dieser Aufnahme: W...

Panufnik, Andrzej - Sämtliche sinfonische Werke

14 Juli, 2018 - 07:56

Spröde Moderne

Das gesamte Orchesterschaffen von Andrzej Panufnik: spröde, aber reizvoll.

Wie viele zu Lebzeiten nicht unbekannte Komponisten gehört Andrzej Panufnik (1914–1991) zu den Komponisten, die in der Gegenwart hierzulande kaum aufgeführt werden. Die Gründe dafür sind vielfältig, wer sich jedoch vom Orchesterschaffen des gebürtigen Polen, der nach seiner Emigration nach England im Jahr 1954 britischer Staatsbürger wurde, einen Eindruck verschaffen möchte, der wird in dieser 8-CD-Box fündig. Wie üblich wurden die Einspielungen von cpo zuvor einzeln veröffentlicht, sodass seit 2010 sukzessive eine beeindruckende Gesamtschau entstand, deren Konstante der Dirigent Lukasz Borowicz darstellt. Für die ersten drei CDs mit einzelnen Orchesterwerken und den Sinfonien Nr. 1 und 6 stand Borowicz das Nationale Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks zur Verfügung. Auf den anderen 5 CDs ist das Konzerthausorchester Berlin zu hören. Hier sind die res...

Finzi, Bax & Ireland - Chorwerke

14 Juli, 2018 - 07:56

Kathedralästhetik

Erhebende, teilweise extrem rare Kirchenmusik aus England in hochkarätigen, aber nicht durchgängig referenziellen Einspielungen.

Von keinem der hier vorgestellten Komponisten ist die Kirchenmusik ein essenzieller Bestandteil im deutschen Musikleben – in England umso mehr. Arnold Bax, der Komponist von sieben Sinfonien, diversen Tondichtungen und einer großen Anzahl anderer Werke, ist repräsentiert durch zwei a-cappella-Motetten, 'I sing of a maiden that is makeless' und 'This worldes joie', voll reichen Klanges und spannungsvoller Aura, in kongenialen Interpretationen durch den Westminster Abbey Choir unter James O’Donnell. Durch den größeren Nachhall im Vergleich zu den klassischen Einspielungen des King‘s College Choir Cambridge unter Stephen Cleobury (EMI 1986) sind einerseits etwas getragenere Tempi erforderlich, andererseits ist die sakrale Aura noch präsenter.

Obschon als Kirchenorganist tätig, verbinden wir John Ireland nur selten mit entsprechendem Repertoire; am bekanntesten i...

Widor, Charles-Marie - Sämtliche Orgelsymphonien

13 Juli, 2018 - 08:41

Widor monumental

Widors Orgelsinfonien an der Woehl-Orgel in Sendenhorst sind eine musikalische Offenbarung.

Sieht man sich im Booklet dieser neuen 6-CD-Einspielung der 10 Orgelsinfonien von Charles-Marie-Widor (1844–1937) das Foto der Woehl-Orgel in der Parrkirche St. Martinus in Sendenhorst an, wirkt diese rein vom Aussehen her zunächst einmal eher bescheiden. Fast zu klein für so eine gewaltige Aufgabe. Doch selten hat der Schein so getrogen. Denn das Instrument ist nicht nur überaus sinfonisch geprägt, sondern auch vom Stil her an den französischen Vorbildern orientiert. Alle musikalischen Verben, die zur Beschreibung eines schillernd monumentalen Orgelklangs à la Cavaillé-Coll je herangezogen wurden, sind hier angebracht und erfassen das klangliche Gesamtergebnis gleichwohl nicht einmal ansatzweise: Rauschen, Brausen, Wehen, Glocken, Rasen, Schimmern, Singen, Flöten, Trompeten, Wummern und noch vieles mehr. Von den höchsten Höhen bis zu den tiefsten Regionen herrscht hier eine...

Sir Thomas Beecham dirigiert - Werke von Haydn, Mozart, Mendelssohn, Wagner u.a.

13 Juli, 2018 - 08:41

Perfektionismus unter Live-Bedingungen

Beecham war ein Jahrhundert-Dirigent. Diese 4-CD-Box macht mit bislang unveröffentlichten BBC-Mitschnitten von Konzert-Aufführungen wichtiger Werke seines Kern-Repertoires aus den letzten Jahren bekannt.

Die Aufführungs- und vor allem Schallplatten-Geschichte von Orchestermusik lässt sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts keineswegs auf den Antagonismus der beiden Heroen Furtwängler und Toscanini verkürzen. Während Bruno Walter und Willem Mengelberg noch hinter Furtwängler als – für sich höchst individuelle – Espressivo-Vertreter mit etwas kleinerer Tonträger-Hinterlassenschaft zugeordnet werden können, stellt der Fall Thomas Beecham (1879–1961) eine ganz andere Herausforderung dar. Wie Toscanini war Beecham in England für einen ungeheuren Qualitätsschub der Orchsterleistungen ab dem Ersten Weltkrieg verantwortlich: Schon in seinen frühen Tonträger-Aufnahmen für die englische Columbia Gramophone Company gründete er aus Spitzenmusikern eigene Orchester – 1915 das Beecham Symphony Orchestra, 1932 das London Philharm...

Englische Motetten - The Gesualdo Six, Owain Park

12 Juli, 2018 - 08:48

Üppige Qualitäten

Ein spannender und auf hohem Niveau gesungener Plattenerstling: The Gesualdo Six sind ein hochpotentes Ensemble mit vielen Facetten.

Es ist ein auf den ersten Blick reichlich gemischtes Programm, mit dem das englische Vokalensemble The Gesualdo Six bei Hyperion die große Bühne betritt: Englische Renaissance, nicht besonders fokussiert, sondern mit quasi konzertdramaturgischem Blick über das 16. Jahrhundert streifend. Eine Zeit, die von politisch und religiös durchgreifenden Veränderungen geprägt war, die den Komponisten vielfache stilistische Kehrtwendungen abverlangte – und damit auch eine große stilistische Bandbreite im Schaffen der Meister jener Jahre hervorrief.

Das prägende Doppel sind, wenig überraschend und wie so oft in vergleichbaren Produktionen, Thomas Tallis und William Byrd – die ja in der Tat in ihrem stilistischen Reichtum, in ihrer kaum je an Grenzen stoßenden schöpferischen Kraft reichlich Substanz für jedes derartige Programm bieten. Dazu treten kontrastierend u...

Bononcini, Antonio Maria - Stabat mater

12 Juli, 2018 - 08:48

Approximativ

Eine Herzensangelegenheit scheint die vorliegende Wiederveröffentlichung einer Einspielung italienischer Barockkirchenmusik nicht gewesen zu sein.

Von den vielen Stabat-Mater-Vertonungen des italienischen Barock ist jenes von Francesco Maria Bononcini vielleicht etwas weniger bekannt. Die vorliegenden Einspielungen aus dem Jahr 1989 waren ursprünglich auf Bongiovanni erschienen und repräsentieren den damaligen Stand freier italienischer Interpretation historisch informierter Aufführungspraxis. Im Stabat Mater c-Moll – einer 40-minütigen substanziellen Komposition – werden vier Solisten sowie ein Chor aufgeboten. Die Sopranistin Silvia Piccollo hebt vor allem das Lineare ihres Parts hervor, während die Altistin Claudia Clarich mit reifem Oratorienalt aufwartet; der Tenor Giampiero De Paoli bietet seine Sichtweise auf einen deutschen Evangelisten, dem Bassisten Marco Perrella mangelt es wie so häufig in dieser Stimmlage an Eleganz, Sicherheit und Gestaltungsfähigkeiten. Im Chor werden die Solisten durch die Camerata Ligure ergän...

Frederike Starkloff spielt Eugene Ysaye und Wolfgang Marschner - Violinduos

11 Juli, 2018 - 07:15

Gleichgesinnte Meisterschaft

Temperamentvoll, hochvirtuos und leidenschaftlich: Auf ihrer CD 'Violin Duos' präsentieren sich mit Myvany Ella Penny und Friederike Starkloff zwei hervorragende Geigerinnen mit Werken von Eugène Ysaӱe und Wolfgang Marschner.

Bei dem Namen des belgischen Komponisten und Violinvirtuosen Eugène Ysaӱe denkt man natürlich in erster Linie an dessen sechs berühmte Sonaten für Violine solo, die besonders wegen ihrer hohen technischen Schwierigkeit sowohl zu den anspruchsvollsten als auch zu den ‚Must-Haves‘ im Repertoire eines jeden Geigers zählen. Im Gegensatz dazu konnte sich Ysaӱes 'Sonate pour deux violons seuls' op. posth. nie etablieren und wurde zu Lebzeiten des Virtuosen nicht aufgeführt. Um die mangelnde Bekanntheit der Sonate ist es nicht nur besonders schade, weil es sich um ein spannendes und ungewöhnliches Stück handelt, sondern vor allem wegen der kompositorischen Geschicklichkeit, mit der Ysaӱe den beiden Violinen zu einer vielstimmigen Tonfülle verhalf: Mit Akkorden, Doppelgriffen und Arpeggien und durch ein besonderes Augenmerk auf das tiefe Register schöpf...

Schumann, Robert - Schumann Lieder

11 Juli, 2018 - 07:15

Intimer Schumann-Kosmos

Alice Cootes Schumann-Liederabend aus London ist ein wahre Sternstunde beseelten Gesanges.

Alice Coote gehört zu den führenden Mezzosopranistinnen unserer Zeit. Ihre Stimme verfügt sowohl über eine klangschöne Mittellage als auch über eine kraftvolle, ohne Druck anspringende Tiefe sowie eine stupende Höhe. Doch neben aller technischen Souveränität sind es vor allen Dingen die emotionale Tiefe und die kunstvolle, mit musikalischen Mitteln erreichte Expressivität, mit der die Sängerin beeindruckt. All diese Stärken sind gebündelt im Mitschnitt eines Liederabends vom 22. Juni 2014 in der Londoner Wigmore Hall nachzuhören. Auf dem Programm stehen neben einzelnen Lieder von Robert Schumann auch die beiden Zyklen 'Frauenliebe und -leben' sowie die 'Dichterliebe'. Coote wird umsichtig begleitet von Christian Blackshaw, der sich eher im Hintergrund hält und somit eine volle Konzentration auf das breite Ausdrucksspektrum der Mezzosopranistin ...