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Aktualisiert: vor 1 Stunde 44 Minuten

Reger, Max - Orgelsonaten

7 August, 2018 - 08:19

Klangpracht aus dem Dom von Perugia

Adriano Falcioni entfaltet die klangliche Vielfalt der Orgel des Doms von Perugia mit drei Kompositionen von Max Reger, darunter die bekannte 'Fantasie und Fuge über B-A-C-H'.

Im Jahr 2016 gedachte die Musikwelt des hundertsten Todestages von Max Reger. Aus diesem Anlass erschienen nicht nur zahlreiche Einspielungen seiner Werke, sondern auch eine monumentale Biographie von Susanne Popp, in der auf 540 Seiten Leben und Werk des Tondichters ausgeleuchtet werden. Wie wichtig die Orgelmusik für Regers Karriere war, lässt sich darin detailliert nachvollziehen – die Orgelwerke setzten sich schon zu Lebzeiten des Komponisten international durch und wahren ihre Geltung bis heute, so Popp (vgl. S. 123). Das eine, herausragende Werk ist dabei die 'Fantasie und Fuge über B-A-C-H' op. 46, die praktisch jeder virtuose Organist von Rang in seinem Repertoire hat. Gegenüber diesem Stück wirken die anderen Orgelwerke Regers, beispielsweise die beiden Sonaten opp. 33 und 60, weniger spektakulär, obwohl ihr musikalischer und technischer Anspruch kaum geringer ist. Der italienische...

Schubert, Franz - Der Wanderer

6 August, 2018 - 07:42

Bestechend natürlich

'Der Wanderer' ist eine zeitgemäße Schubert-CD – ein Muss.

Das Cover ist unscheinbar, ohne aufpoliertes Starfoto, konzentriert auf das Wesentliche: 'Schubert Lieder. Der Wanderer' steht auf dem einfarbigen Titelblatt und ganz klein die Namen der beiden ausführenden Künstler. Das war’s. Hoffentlich geht diese CD in ihrer optischen Zurückhaltung im Laden nicht unter – denn sie ist etwas Besonderes. Der Bariton Roderick Williams singt darauf 22 Schubert-Lieder, begleitet vom routinierten Iain Burnside. Hier werden Geschichten erzählt, aber so unaufgeregt und mit einer Leichtigkeit, dass die Interpretation von der ersten Note an ins Herz des Zuhörers trifft.

Bei so viel überzeugender Kunstfertigkeit vergisst man fast, mit welcher technischen Souveränität Roderick Williams seine Stimme beherrscht, die in der attraktiven Mittellage ein ungeheures Farbspektrum bereithält und dieses auch in der stupenden Höhe fortsetzen ...

Im Arm der Liebe - Lieder von Braunfels u.a.

5 August, 2018 - 08:26

Juwelen für den Konzertsaal

Juliane Banse und Sebastian Weigel lassen mit Werken von Marx, Braunfels, Pfitzner und Korngold originale Orchesterlieder erstrahlen.

Das originale Orchesterlied ist noch keine alte Erfindung, als Joseph Marx, Walter Braunfels, Hans Pfitzner und später auch Erich Wolfgang Korngold ihre Lieder für den Konzertsaal schreiben. Und wie noch wenige Jahrzehnte zuvor ausufernde Schriften proklamieren, dass das Lied nicht im Konzertsaal erklingen dürfte, sondern in seiner Schlichtheit und Einfachheit in das häusliche Zimmer gehöre, so werden genau diese durch die nämlichen Komponisten Lügen gestraft. Denn wie sollten diese farbigen, raumgreifenden, lichten und alles andere als schlichten Kompositionen anders als mit großem Orchester, glutvollen Stimmen und im großen Saal adäquat aufgeführt werden können?

Juliane Banse widmet sich in ihrer 2015 eingespielten CD 'Im Arm der Liebe' Orchesterliedern der oben genannten vier Komponisten. Wenn auch leider nur marginal textverständlich, verhilft si...

Purcell, Henry: Royal Welcome Songs for King Charles II - The Sixteen, Harry Christophers

3 August, 2018 - 08:01

Erlesen

The Sixteen sind unterwegs in erfreulichen Purcell-Erkundungen, die weniger bekanntes Repertoire ins Zentrum rücken und unterstreichen, dass der Komponist ein Meister aller Klassen war.

Nachdem Henry Purcell Matthew Locke als ‚composer to His Majesty Charles II‘ nachgefolgt war, tat sich ein breites Betätigungsfeld im Bereich der geistlichen Musik auf. Viel anlassbezogene Gelegenheitsmusik darunter: Zum Beispiel die sogenannten 'Royal Welcome Songs', mit denen dem König zu dessen Geburtstag, zu Neujahr oder aus Anlass seiner Rückkehr aus der Sommerfrische nach Whitehall geschmackvoll die Aufwartung gemacht wurde. Die Musik schuf eine Sphäre feiner Repräsentativität und heiterer Ernsthaftigkeit. Für ein solches Zwischenreich der Affekte und Haltungen war Purcell ganz sicher eine exquisite Adresse. Und seine Kunst materialisierte sich in diesen 'Welcome Songs' ganz wunderbar, die verwandt sind mit Anthems und Oden, in der Regel mehrsätzig, mit stetem Wechsel von Soli und meist homophon gesetzten Ensembles. Die Grundgeste ist dabei eher schlicht; Varia...

Reger, Max - Sämtliche Klaviertrios

2 August, 2018 - 07:50

Ein Wort weniger wäre mehr

Die verdienstvollen Einspielungen der 1990er-Jahre haben kaum von ihrem Reiz verloren – doch auch nichts von ihren Mängeln.

Unveränderte Wiederveröffentlichungen können sich rächen – vor allem wenn fast zwanzig Jahre vergangen sind und sich die Forschung substanziell weiterentwickelt hat. Die Einspielungen der Klaviertrios opp. 2 und 102 von Max Reger mit dem Trio Parnassus und dem Bratschisten Gunter Teuffel sorgten seinerzeit für Furore, obwohl beide Interpretationen nicht ganz makellos sind. Das große e-Moll-Trio op. 102 wird vom Trio Parnassus (Wolfgang Schröder, Michael Groß, Chia Chou) etwas zu zaghaft begonnen, doch überzeugt die Interpretation durch sorgsame Befolgung von Regers intrikaten dynamischen Anweisungen. Gleiches lässt sich leider nicht über das h-Moll-Trio op. 2 sagen, wo der Cellist Michael Groß seinen Platz dem Bratscher Gunter Teuffel abtritt: Bei diesem Frühwerk gehen die Musiker viel zu zaghaft-brahmsisch zu Werke, loten das Potenzial des Werks kaum annä...

Prokofiev For Two - Martha Argerich, Sergei Babayan

2 August, 2018 - 07:50

Romeo und Julia am Klavier

Martha Argerich und Sergei Babayan spielen an zwei Klavieren Bearbeitungen aus 'Romeo und Julia' sowie weiteren Werken Sergej Prokofjews.

Die beiden schmiegen sich aneinander wie ein Liebespaar, vielleicht etwas weniger leidenschaftlich, als man es bei Romeo und Julia erwarten würde, schließlich befinden sie sich in deutlich gesetzterem Alter als Shakespeares Backfische, dafür aber wirken die Dame mit der grauen Mähne und der Herr mit der auffälligen Brille sehr vertraut. Deutlich weniger sanft, als es das Cover einer neuen Platte mit Auszügen aus Prokofjews 'Romeo und Julia'-Ballett vermuten lassen würde, ist dann der erste Klangeindruck. In einer Bearbeitung für zwei Klaviere spielen Martha Argerich und Sergei Babayan, aus dessen Feder die Arrangements auch stammen, die ersten Akkorde so perkussiv und trocken wie nur möglich, denn als Prolog hat Babayan die Szene von Tybalts Tod gewählt. Die Szenenfolge ist hier also neu festgelegt und folgt nicht der Handlung, musikalisch aber ist der Ablauf schlüssig.<...

Gedankenverloren - Lieder von Schubert, Krenek, Strauss, Trojahn u.a.

1 August, 2018 - 07:37

Jenseits der Routine

Vielfalt und programmatischer Wagemut kennzeichnen die Debüt-CD der jungen Sängeirin Katharina Konradi.

Katharina Konradi, die Preisträgerin des Deutschen Musikwettbewerbs 2016, legt mit ihrer Debüt-CD eine klug durchdachte, weit von etwaiger Routine entfernte Produktion vor, die durch Vielfalt und programmatischen Wagemut überzeugt. Schumann und Strauss spannen ein weites Feld auf, mit Debussy und Rachmaninoff als weiteren strukturierenden Fixpunkten. Von Schubert sind es keineswegs die ‚Schlager‘, mit denen sich Konradi zufrieden gibt – 'Nacht und Träume' D 827, 'Heimliches Lieben' D 922 und 'Frühlingsglaube' D 686 machen es der Sängerin nicht leicht. Gerade das erstgenannte Lied (aber auch Richard Strauss 'Rosenband' op. 36/1) fordert extrem saubere Linienführung, und hier sind immer wieder Unsicherheiten deutlich wahrzunehmen. Auch ist die Vokalfärbung der Sopranistin nicht immer intentionell, sondern ergibt sich teilweise etwas unkontrolliert...

Melancholia - Bass-Arien von Georg Friedrich Händel

1 August, 2018 - 07:37

Abgründig tiefer Händel

'Melancholia' ist eine wohltuende Ergänzung zum sonst üblichen Barock-Spektakel auf dem Plattenmarkt. Händels von Andrea Mastroni gesungene Bass-Arien sollte man nicht verpassen.

Sie stehen wahrlich nicht im Zentrum von Händels Opernschaffen: Bässe. Und doch finden sich in all dem Rummel um Kastraten und Primadonnen bei Händel schillernde Arien für die tiefste Männerstimme – motiviert durch besondere Interpreten. Einer dieser Sänger war der Bassist Antonio Paolo Montagnana, der ab 1731 mit Unterbrechungen zu Händels Opernkompagnie in London gehörte. Für diesen außergewöhnlichen Sänger komponierte Händel große Basspartien in 'Ezio' oder 'Orlando'. Auch bei Wiederaufnahmen wurde Montagnana mit eigens für ihn angefertigten Einrichtungen bedacht. Der Bass stand mit Montagnana plötzlich auch im Zentrum des Interesses. Die Fähigkeiten des Italieners müssen beachtlich gewesen sein: Die geforderte Tiefe ist enorm, die Beweglichkeit und gleichzeitige Dramatik seiner Partien überraschend.

Um ...

Sterkel, Johann Franz Xaver - Violinsonaten

31 Juli, 2018 - 07:47

Nicht-Wiener Klassiker

Fast jeder Mozart-Zeitgenosse hat es schwer. Johann Franz Sterkel wird in den letzten Jahren stärker erkundet – mit immer wieder überzeugenden Ergebnissen.

Fast jeder Mozart-Zeitgenosse hat es schwer. Johann Franz Sterkel (1750–1817), von Beethoven, Weber und anderen hochgeschätzt, wird in den letzten Jahren stärker erkundet, mit immer wieder überzeugenden Ergebnissen. Die hier vorliegenden drei Sonaten op. 25, op. 33 Nr. 1 und 3 für Violine und Cembalo oder Pianoforte, dazu die Romanze F-Dur op. 24 Nr. 3 sowie die Fantasie a-Moll op. 45 für Pianoforte zeigen einen Komponisten, dessen Werke man durchaus auch einem Mozart unterschieben könnte. Die Opera 24 und 25 wurden 1785/86 im Druck vorgelegt, die Sonaten op. 33 im Jahr 1792, während die Fantasie (in unterschiedlichen Versionen) 1811 bzw, 1817 veröffentlicht wurde. Auch außerhalb des deutschsprachigen Raums hatte Sterkels Musik Erfolg, und die Konzentration auf einige wenige Komponisten zeigt hier einmal mehr, wie ungerecht der Musikmarkt häufig sein kann. Sterkel schuf mehr al...

Feldman, Morton - Klavierwerke

31 Juli, 2018 - 07:47

#Notmetoo

Der Serbe Ivan Ilic überzeugt bei einer pianistischen Tour de force.

Morton Feldman war als Womanizer bekannt. Für seine Kompositionsschülerin Bunita Marcus hatte er stets hohes Lob und machte ihr 1981 einen Heiratsantrag, den sie aber ablehnte; gleichwohl blieben die beiden ‚on-off‘ miteinander verbunden (und Marcus war keineswegs Feldmans einzige ‚Muse‘, wie es der Booklettext freimütig vermerkt). 'To Bunita Marcus' ist eine 70-minütige pianistische Tour de force, die in einem Schwung zu spielen und zu hören ist. Ivan Ilićs Einlassung im Booklettext, man dürfe dem entgegenstehen, scheint, mit Blick auf das monumentale Klavierschaffen anderer, ein unnötiger Anbiederungsversuch. Lässt man sich ganz auf Feldmans Musik ein, die Ilić mit großer Autorität darbietet, auch wenn er auf diesem Gebiet keineswegs der erste und einzige ist – 2017 legte Marc-André Hamelin das Werk auf Hyperion vor (die v...

Tschaikowsky, Peter: Opera Collection - Complete Operas, Fragments & Incidental Music

29 Juli, 2018 - 06:37

Aus Moskaus Archiven

Diese Box ist ein Muss für alle Sammler und ein Geschenk für alle Liebhaber alter russischer Aufnahmen der 1930er bis 1950er-Jahre mit großen Solisten jener Zeit.

Das ist eine wirkliche Schatztruhe: die kompletten Opern und Schauspielmusiken von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky inklusive der Opernfragmente und so einigen Bonustracks. Dem Label Profil Edition Günter Hänssler ist mit diesen 22 CDs eine attraktive Box geglückt, die vor allem Fans historischer Aufnahmen glücklich macht. Die Aufnahmen sind überwiegend mit dem Orchester und Solisten des Moskauer Bolshoi Theaters eingespielt und stammen aus den Jahren 1936 bis 1963. Für Hörer, die mit historischen Aufnahmen wenig Übung haben, dürften der 'Eugen Onegin' (1936) und die 'Pique Dame' (1937) mit den größten Schwierigkeiten behaftet sein, weil hier das Knistern und gelegentliche Verzerren des Klangbildes in der Natur der Sache liegen. Alle übrigen Aufnahmen sind tontechnisch tadellos aufbereitet und lassen ihr Alter letztlich nur durch den interpretatorischen Stil und ...

Hans Rosbaud dirigiert - Werke von Weber und Mendelssohn

29 Juli, 2018 - 06:37

Frühe Romantik vom Spezialisten für die Moderne

Den Namen Hans Rosbaud verbindet man nicht unbedingt mit den Frühromantikern Weber und Mendelssohn Bartholdy – doch der Dirigent schätzte auch diese beiden Komponisten, wie die vorliegenden Aufnahmen zeigen.

Der Dirigent Hans Rosbaud (1895–1962) ist vor allem als Pionier der Neuen Musik bekannt geworden. Zu den zahlreichen Uraufführungen, die er leitete, gehörte unter anderem die szenische Premiere von Schönbergs unvollendeter Oper 'Moses und Aron' im Jahr 1957. Angesichts seines umfassenden Engagements für die (damals) zeitgenössische Musik gerät leicht in Vergessenheit, dass Rosbaud ebenso im klassisch-romantischen Repertoire zu Hause war – als ‚Universalist‘ bezeichnet ihn Wolfgang Schreiber in seinem Buch 'Große Dirigenten'. Gerade Werke des frühen 19. Jahrhunderts hatten es Rosbaud besonders angetan, wie man anhand der vorliegenden CD aus der SWR-Reihe 'Original SWR-Tapes Remastered' nachvollziehen kann. Zusammen mit dem SWR-Orchester Baden-Baden und zwei Klavier-Legenden (Robert Casadesus und Yvonne Loriod) interpretierte Rosbaud in den 1950er ...

Graupner, Christoph: Passionskantaten Vol.2 - Ex Tempore, Mannheimer Hofkapelle, Florian Heyerick

28 Juli, 2018 - 06:49

Fragile Kunst

Kantaten aus dem riesigen Werk Christoph Graupners vorzustellen, ist wirklich verdienstvoll – Florian Heyerick und seine Ensembles leisten eine wichtige Arbeit. Das klingende Ergebnis überzeugt, auch wenn es mitunter nicht ganz homogen wirkt.

Der 2018 bei cpo erschienene zweite Teil einer kleinen Reihe mit Passionskantaten von Christoph Graupner (1683–1760) wartet mit fragiler Kunst auf: Ganz mit den Texten von Johann Conrad Lichtenberg und deren Theologie verschmolzen, oft in karger Besetzung und ebenso reduzierter expressiver Anmutung entfaltet sich die Musik. Drei Kantaten sind zu hören: 'Das Leiden Jesu von seinen Freunden' GWV 1122/41, dann 'Die gesegnete Vollendung der Leiden Jesu' GWV 1127/41 und schließlich 'Die schmähliche Verspottung' GWV 1170/41. Die vordergründig wenig wirksamen Werke laufen Gefahr, affektiv monochrom zu wirken: Vielleicht sollte man sie am besten portionsweise zu den dazugehörigen Tagen des Kirchenjahrs hören.

Diese vermeintlich einschränkende Warnung berührt die Qualität der Kompositionen nicht, im Gegenteil: Graupner ist hier als harmonisch und linear durc...

König Georg V. von Hannover und sein musikalischer Kreis - Werke von Marschner, Berlioz, Schumann, u.a.

27 Juli, 2018 - 08:32

Der blinde König

Eine erste Annäherung an eine weithin unbeachtete, musikalisch spannende Facette der deutschen Fürstengeschichte.

Georg V. war der letzte König von Hannover; nach nur fünfzehnjähriger ungeliebter Regentschaft musste der vom Volk ungeliebte Cousin Königin Victorias 1866 ins österreichische Exil fliehen und starb 1878 in Paris. Schon 1833 vierzehnjährig vollständig erblindet, war er musikalisch hochinteressiert und ein eifriger Komponist von rund 200 Liedern und Klavierstücken. Seinen Hofkapellmeister Heinrich Marschner beauftragte der König, die bedeutendsten musikalischen Köpfe nach Hannover einzuladen, unter ihnen Robert Schumann, Johannes Brahms, Hector Berlioz und Richard Wagner; dennoch blieb die Situation nicht ungetrübt – Marschner wurde 1859 entlassen. In Paris lernte Georg V. gegen Ende seines Lebens Gabriel Fauré kennen.

Die vorliegende CD (Clavier) erkundet einerseits die höfische Musik und präsentiert den König als begabten Komponisten von Lie...

Pütz, Ruth-Margret: Recital - Arias by Mozart, Nicolai, Donizetti, Verdi, Strauss

26 Juli, 2018 - 07:38

Entwaffnende Charmeoffensive

Diese Zusammenstellung mit Aufnahmen von Ruth-Margret Pütz ist ein wertvolles Dokument einer wichtigen deutschen Sängerin der Nachkriegszeit, die nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Denen, die Ruth-Margret Pütz nicht mehr auf einer Opernbühne erleben konnten, ist die deutsche Sopranistin vor allem aus den zahlreichen deutschsprachigen Opernquerschnitten bei Electrola in Erinnerung: als herrliche Madeleine im 'Postillon von Lonjumeau' mit Nicolai Gedda, als Olympia an der Seite von Rudolf Schock, im kompletten 'Il Barbiere di Siviglia' mit Hermann Prey und Peter Schreier oder in der unübertroffenen Gesamtaufnahme von Otto Nicolais 'Die lustigen Weiber von Windsor' mit Gottlob Frick und Fritz Wunderlich – um nur ein paar wenige ihrer glanzvollen Tondokumente zu nennen.

Eine Schallplatte mit Opernarien von Mozart bis Puccini hat Electrola noch immer nicht auf CD herausgebracht. Das ändert aber jetzt das Label Profil Edition Günter Hänssler, indem es einen Großteil jener vergriffenen Platte als CD-Premieren veröffentlicht und durch Auss...

Dvorak, Antonin - Sinfonie Nr. 1

25 Juli, 2018 - 08:41

Ungekürzt

Die Fortsetzung von Marek Štryncls Dvorák-Sinfonien-Zyklus überzeugt interpretatorisch mehr als klanglich und in der Ausstattung.

Vor acht Jahren hat Tobias Pfleger eine Besprechung von Antonín Dvořáks Sinfonien Nr. 7 und 8 mit dem Orchester Musica Florea unter der Leitung von Marek Štryncl auf klassik.com vorgelegt – er lobte die orchestrale Leistung, meinte aber, der Dirigent verliere sich manchmal im Detail (eine Eigenschaft, die auf viele neuere Einspielungen zutrifft, wohl bedingt durch einen allzu sehr auf orchestrales ‚Polish‘ geeichte Hörweisen). Die Interpretation der Sinfonie Nr. 1 c-Moll (gekoppelt mit dem Nocturne H-Dur op. 40) vom November 2015, die die verdienstvolle historisch informierte Sicht auf Dvořák fortsetzte (mittlerweile liegen auch die Zweite und die Neunte historisch informiert musiziert vor), bringt Dvořáks sinfonischen Erstling ungekürzt, wiederholt im Kopfsatz die lange (und schwierige) Exposition und benötigt so sechs (!) Minuten länger als manc...

Mozart, Wolfgang Amadeus: Sämtliche Streichquartette - Leipziger Streichquartett

25 Juli, 2018 - 08:41

Gediegener Mozart

Das Leipziger Streichquartett ist bei den Mozart-Quartetten eine sichere Bank.

Dass das Leipziger Streichquartett mit zu den führenden Quartettformationen in Deutschland gehört, braucht nicht nur aufgrund der ausgedehnten und stetig zunehmenden CD-Einspielungen bei MDG kaum noch erwähnt zu werden. Und so ist auch diese, 1999 begonnene, nach fast 20 Jahren nun abgeschlossene Gesamteinspielung der Streichquartette von Wolfgang Amadeus Mozart ein Zeugnis wohlbalancierter, hochüberlegter, mit traditionellen Vorzügen gesegneter Quartettkunst. Einziges kleines Manko ist da höchstens, dass die 8-CD-Box an den Seiten mit zwar verdienten lobenden Worten der Kritik bedruckt ist, Angaben zum Aufnahmeort oder den Orten im ansonsten gewohnt überzeugenden Booklet aber fehlen. Dass diese Einspielung der 23 Quartette Mozarts über einen derart langen Zeitraum entstand, macht sich nämlich nicht nur im jeweils sachte variierenden Klangbild bemerkbar, sondern spiegelt sich auch in der f...

Edita Gruberová - Unreleased recordings - Münchner Rundfunksinfonieorchester

24 Juli, 2018 - 07:16

Unveröffentlichtes zum Jubiläum

Der Bayerische Rundfunk hat in den Archiven gewühlt und neben den zu erwartenden Donizetti- und Bellini-Dauerbrennern auch wirkliche Gruberová-Raritäten ans Licht befördert.

Zum 50-jährigen Bühnenjubiläum von Edita Gruberová hat der Bayerische Rundfunk bislang unveröffentlichte Liveaufnahmen mit dem Stimmwunder aus Bratislava auf CD beim hauseigenen Label herausgebracht. Bei der Etikettierung 'Unreleased Recordings' steigt natürlich die Spannung, was da aus den Archiven ans Licht geholt wurde – und tatsächlich bietet die ordentlich gefüllte Silberscheibe neben den zu erwartenden Donizetti- und Bellini-Dauerbrennern auch wirkliche Gruberová-Raritäten, allesamt begleitet vom routinierten Münchner Rundfunkorchester.

Gleich zu Beginn stehen drei geistliche Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Michael Haydn, die bei einem Konzert im Dezember 1995 in der Münchner Philharmonie mitgeschnitten wurden. Das komplette 'Exsultate, jubilate' zeigt, weshalb Edita Gruberová eine gefeierte Mozart-Interpretin war. Die l...

Schumann, Robert - Lieder

24 Juli, 2018 - 07:16

Überexpressiv

Der Bariton Thomas Oliemans will interpretatorisch zu viel – sein Klavierpartner entschädigt.

Lieder von Robert Schumann sind nicht wirklich ein unbestelltes Feld, auch wenn die Opera 89 und 90 von 1850 nicht so sehr im Fokus des Interpreteninteresses liegen. So ist es umso bedauerlicher, dass der sensible Beitrag Paolo Giacomettis auf Hammerflügeln von Conrad Graf bzw. J. B. Streicher durch den allzu wabernden Bariton des Niederländers Thomas Oliemans stetig konterkariert wird: Keine einzige Liedphrase erfährt klare Linienführung – der Wille zur ‚Expression‘ vertraut nicht der Musik. Wo Peter Pears Persönlichkeit in seine Gestaltung legen konnte, spürt man bei Oliemans vor allem die Manier; außerdem sind seine Register nicht besonders miteinander verbunden bzw. vielleicht auch bewusst gegeneinandergesetzt. Am besten gelingen die ganz leisen Töne, wenn er nichts forcieren muss und der Ausdruck ungefiltert fließen kann. Immer wieder wünscht man sich, man k&o...

Hymne au Soleil - Chorwerke von Lili Boulanger

22 Juli, 2018 - 07:01

Hymne à Lili

Das Orpheus Vokalensemble zeigt mit einer großen Auswahl von Chorwerken die facettenreiche Schaffenskraft Lili Boulangers.

Neben der Entwicklung neuer Ausdrucksmöglichkeiten ist die Musikwelt auch stetig auf der Suche nach in der Geschichte vergrabenen Schätzen. In den letzten Jahren richtete sich der Fokus verstärkt auf zu Unrecht in Vergessenheit geratene Komponistinnen insbesondere des 19. Jahrhunderts. Einen Namen machen sich dabei besonders die Schwestern Lili und Nadia Boulanger mit ihrer für damalige Zeiten avantgardistischen Tonsprache. Das Œuvre der viel zu früh verstorben jüngere Schwester Lili (1893–1918) besteht überwiegend aus Vokalwerken, von denen das Orpheus Vokalensemble einen Großteil auf seiner neuen, beim Carus Verlag erschienen CD 'Hymne du Soleil' versammelt.

Die 24 Sänger des 2005 gegründeten Ensembles widmen sich gern originellen Projekten. Für das vorliegende Album haben sie sowohl mit der Wahl des Pianisten Antonii Baryshevskyi als auch des Dir...