neue Klassik-CDs

Inhalt abgleichen klassik.com CD-Besprechungen
Aktuelle Klassik-Besprechungen. Jetzt als Newsfeed abonnieren und immer auf dem Laufenden bleiben.
Aktualisiert: vor 2 Stunden 1 Minute

Straight from the Heart - Liederbuch

4 Februar, 2018 - 08:14

Von Herzen möge es zu Herzen gehen

Ein Must-Have für ausnahmslos jede CD-Sammlung: Marc Lewons Ensemble Leones präsentiert Chansons aus dem Chansonnier Cordiforme. Diese Platte kommt nicht nur von Herzen, sondern geht auch zu Herzen.

Ein Versprechen liegt schon im Titel dieser wohlfeilen Platte aus dem Hause Naxos. ‚Straight from the Heart‘ liest man auf dessen Cover und direkt von Herzen ist auch der Gruß, der von Marc Lewon mit seinem sublimen Ensemble Leones an einen Freund übermittelt wird. Ja, auch die Hörerinnen und Hörer müssen die Freundinnen und Freunde eines Musikschaffenden sein, aber in diesem besonderen Fall würdigt Lewon seinen Freund und Mentor, so heißt es im Booklet, Reinhard Strohm.

Der Klassikmarkt ist heute schwierig geworden, das ist Tagespolitik. Vor allem aber wenn es um die sogenannte Alte Musik geht, wird die Luft sehr dünn. Viele Leserinnen und Leser werden das kennen: Versuchen Sie einmal, in egal welcher europäischen Großstadt, selbst beim CD-Händler des Vertrauens, bestimmte Einspielungen mal im Vorbeigehen zu erhaschen. Das ist ein Kunststück. Das m&...

Heinrich Schütz: Schwanengesang - Dresdner Kammerchor, Hans-Christoph Rademann

2 Februar, 2018 - 07:49

Alterswerk

Hans-Christoph Rademann und seine Ensembles lassen Heinrich Schütz' Schwanengesang in vielen Farben erblühen – immerhin das erstaunliche Werk eines Mittachtzigers. Das Deutsche Magnificat ist ein angemessen prachtvoller Abschluss des Programms.

In der schon sechzehnten Folge der rasch voranschreitenden Gesamteinspielung der Werke Heinrich Schütz’ durch Hans-Christoph Rademann und den Dresdner Kammerchor ist der Schwanengesang des Komponisten zu hören, 1671 abgeschlossen, also ein Jahr vor dessen Tod. Kernstück dieser Motettensammlung ist der textreiche 119. Psalm, der Schütz viel bedeutete, der aber nicht so reich an griffigen und in barocker Musiksprache sinnfällig verwertbaren Bildern ist wie mancher andere Psalm. Schütz fasste die 22 Teile des gesamten Texts zu elf Motetten zusammen, organisiert in zwei vierstimmigen, gleichberechtigten Chören. Daneben umfasst der Schwanengesang eine Vertonung des 100. Psalms und ein Deutsches Magnificat – die wohl auch deshalb Teil der Sammlung wurden, damit sie dem ansonsten wahrscheinlichen Vergessen entrissen würden. Die Überlieferung des Werks ist teils abenteuerlich und reich...

Piano Cubano - Klavierwerke von Lecuona, Farinas und Alén

1 Februar, 2018 - 06:40

Mit Charme und Temperament

Yamilé Cruz Montero ermöglicht den Zuhörern mit Leidenschaft, rhythmischer Präzision und viel Gefühl einen Einblick in die Welt kubanischer Klaviermusik. Ein großartiges Solo-Debut, das hoffentlich noch viele weitere Aufnahmen nach sich ziehen wird.

Wer in Westeuropa an lateinamerikanische Musik denkt, wird zunächst möglicherweise ganz allgemein eine starke Vorliebe für den Rhythmus, feurige Melodien und mitreißende Tänze wie Bossa Nova, Salsa oder Samba damit assoziieren. Dass sich innerhalb des großen Bereichs der Musik Lateinamerikas die verschiedensten Stile vereinen, von denen der kubanische seine ganz eigene Faszination besitzt, kann der interessierte Zuhörer in Yamilé Cruz Monteros Debutalbum, das 2017 im Label Grand Piano erschienen ist, selbst für sich entdecken. Der Anspruch der aus Kuba stammenden Pianistin ist es, sich unabhängig von ihrer klassischen Ausbildung und ihrem Repertoire europäischer Komponisten in besonderer Weise dafür einzusetzen, die Klaviermusik ihres eigenen Landes einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für ihr erstes Soloalbum wählte sie verschiedene Kom...

Bach Tripl3s - Werke von Johann Sebastian Bach

31 Januar, 2018 - 07:18

Bach in der virtuosen Gruppe

Warum diese Aufnahme von Harmony of Nations seit 2010 unveröffentlicht blieb, ist nicht leicht verständlich: Zu sehr überzeugt das Material, wird der schöne programmatische Ansatz mit exzellentem Spiel nobilitiert.

Die Interaktion mehrerer solistisch hervortretender Instrumente steht im Hochbarock in voller Blüte: Bei Telemann etwa sind allerlei auf den ersten Blick merkwürdig scheinende Konstellationen zu bewundern, die zum Beispiel Blockflöte mit Trompete oder Viola verbinden – was, nebenbei gesagt, auf Grund der instrumententypischen Eigenheiten der Zeit ganz wunderbar funktioniert. Auch Johann Sebastian Bach schrieb für solche Konstellationen, in wechselnden Besetzungen dominiert von Violinen, Cembalo oder in den Brandenburgischen Konzerten auch Mixturen. All das ist erlesene Musik, idiomatisch trotz mancher Umarbeitung und Neuerfindung für andere Soloinstrumente, dazu stupend personalstilistisch geprägt. Eine Festwiese heikler Balancen und geschmackvoll entfalteter, teils eminenter Virtuosität. Dass derart köstliche Konstellationen spätestens nach Haydn und Beethoven weitgehend aufgeh&ouml...

Mozart, Wolfgang Amadeus - Klarinettenkonzert

30 Januar, 2018 - 07:19

Ohne Schwung

Eine Familienproduktion der Ashkenazys kommt zwar überaus klangschön daher, Schwung jedoch darf man in diesen Mozart-Interpretationen nicht erwarten.

Vater und Sohn Ashkenazy interpretieren mit schönem Klang, ohne Ecken und Kanten. Wunderbare Musik in einer gediegenen Interpretation – also eine Empfehlung für diese Platte? Leider nein, denn für ein Werk, das so häufig eingespielt wurde wie Mozarts Klarinettenkonzert, ist das zu wenig.

Das Konzert ist zwar quasi eine heilige Kuh, dennoch sollte man vermeiden, in Ehrfurcht davor zu erstarren: Die Lebhaftigkeit eines klassischen Solokonzerts muss in den Ecksätzen zum Ausdruck kommen, und daran mangelt es hier. 15 Jahre ist die neu herausgebrachte Aufnahme mit der Tschechischen Philharmonie jetzt alt, sie könnte aber nach dem klanglichen Eindruck auch 30 oder 40 Jahre alt sein, so behaglich machen es sich Vladimir und Dimitri Ashkenazy. Der Junior spielt über weite Strecken unbekümmert ein eher pauschales Legato, der Senior lässt das Orchester zwar einigermaßen transpa...

Nielsen, Carl - On Record

29 Januar, 2018 - 08:16

Sattes Fundament

Diese äußerst reichhaltige Sammlung historischer Aufnahmen eines Großteils des Schaffens von Carl Nielsen ist vor allem für jene, die Nielsen aus jüngeren Aufnahmen schon einigermaßen kennen, eine unverzichbare Bereicherung.

Das Jahr 2015, in dem der 150. Geburtstag des dänischen Komponisten Carl Nielsen gefeiert wurde, brachte auf dem Tonträgermarkt einen ganzen Schwung an Neueinspielungen. Im Gegensatz zu seinem finnischen Kollegen Jean Sibelius, ebenfalls 1865 geboren und vor zwei Jahren von der Musikwelt gefeiert, war die Ausbeute in Sachen Nielsen diskographisch größer und bedeutender – da hatte Nielsen überraschenderweise mal die Nase vorn gegenüber dem ungleich bekannteren Finnen. Das Hauptaugenmerk der Nielsen-Neuerscheinungen lag zwar – wie zu erwarten war – auf den bekannteren Werken, allen voran den sechs Sinfonien; allerdings gab es da mit Sakari Oramos Zyklus (erschienen bei BIS) einen wirklichen Meilenstein der jüngeren Interpretationsgeschichte zu bestaunen.

Schatz historischer Aufzeichnungen

Derlei interpretatorische Großtaten finden indes nic...

Scartazzini, Andrea Lorenzo - Edward II.

28 Januar, 2018 - 07:02

Sinnlich, kraftvoll – und doch brav

Die Veröffentlichung von Scartazzinis 'Edward II.' dokumentiert ein Stück lebendigen zeitgenössischen Musiktheaters, das zwar niemandem wehtut, aber als pures Hörerlebnis auch keine Jubelstürme auslöst.

Die Veröffentlichung von Andrea Lorenzo Scartazzinis 'Edward II.' dokumentiert ein Stück lebendigen zeitgenössischen Musiktheaters, das zwar niemandem wehtut, aber als pures Hörerlebnis auch keine Jubelstürme auslöst. Vielleicht muss das eine neue Oper auch nicht zwingend. Vielleicht muss sie erst einmal die Chance bekommen, sich aus dem Schatten ihrer Schöpfer in die Freiheit zu begeben, neue Bildwelten zu erobern und begeisterte Anhänger zu gewinnen.

Scartazzinis Oper 'Edward II.' feierte im Februar diesen Jahres an der Deutschen Oper Berlin ihre Uraufführung. Die Geschichte vom schwulen englischen König, der als Konsequenz für seine Sexualität und machtpolitische Intrigen qualvoll hingerichtet wird, stützt sich zum einen auf entsprechend zurecht gerückte historische Überlieferungen wie auf das Sex-and-Crime-Schauspiel vom Shakespea...

Schostakowitsch, Dmitri - The Gadfly

28 Januar, 2018 - 07:02

Filmmusik vom Feinsten

Mit ihrer Ersteinspielung der Musik zum Film 'The Gadfly' zeigen die hier beteiligten Musiker mit bemerkenswerter Qualität und hörbarer Spielfreude, dass Schostakowitsch auch auf dem Gebiet der Unterhaltungsmusik ein Meister seines Fachs war.

Die bekannte Redewendung, jemand sei ein Buch mit sieben Siegeln, trifft auf wenige Komponisten so sehr zu wie auf Dmitri Schostakowitsch. Ebenso schillernd, vielfältig und nicht selten widersprüchlich wie seine Persönlichkeit stellt sich auch sein kompositorisches Werk dar. Kaum dass man den Eindruck gewinnt, den Komponisten stilistisch einordnen zu können, zeigt er sich wieder von einer anderen Seite. Da seine Musik sich jedoch des öfteren bizarr und skurril anmutet, aber dabei nie ins völlig Fremdartige oder gar Unverständliche abdriftet, entpuppt sich dieses musikalische Wechselbad als ausgesprochen spannendes und bereicherndes Hörerlebnis.

Steckenpferd Filmmusik

Gerade wer Schostakowitsch bisher in erster Linie von seiner ernsthaften Seite kennengelernt hat, deren melancholisches, oft tragisches Gesicht besonders in seinen Sinfonien und Streichquartette...

Werke von Bach, Johann Sebastian - Bach-Small Gifts

27 Januar, 2018 - 07:41

Bach kleinteilig

Eine ambitionierte Produktion von Dorothee Oberlinger und Andreas Scholl, die zeigt, dass Bach die immer wiederkehrende Beschäftigung lohnt – ob nun kanonisch streng oder frei und gelassen wie hier. Diese kleinen Gaben sollte man sich gefallen lassen.

Dorothee Oberlinger und Andreas Scholl spielen ihren ganz persönlichen Bach, in einzelnen Häppchen oder überschaubaren Kontexten. Die Verbindung von vokaler Altstimme und Blockflöte ist bei Johann Sebastian Bach eine gar nicht so seltene Konstellation. In größeren Werken ist sie prägnanter Teil, sehr deutlich in der Kantate BWV 170 'Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust'. In vielen Arien aus einzelnen Kantaten bestimmt sie das Bild. Und die Verwendung der Flöte beschränkt sich bei Bach insgesamt nicht auf ihre ergänzenden oder komplementierenden Aufgaben: In den Brandenburgischen Konzerten in F-Dur und G-Dur sind der Flöte prominente Partien zugedacht. Mag der Programmgedanke der als ‚Small gifts‘ betitelten Platte zuallererst wohl dem Wunsch nach Zusammenarbeit zwischen der Blockflötistin Dorothee Oberlinger und dem Altus Andreas Scholl ents...

Mozart, Wolfgang Amadeus - Bläseroktette

27 Januar, 2018 - 07:41

Die Nase weit vorn

Mozarts Werke für Bläseroktett werden von der Oslo Kammerakademi so zupackend und knackig gespielt, dass keine Wünsche offen bleiben.

Drei Aspekte fallen bei der neuen Mozart-Platte der Oslo Kammerakademi ziemlich schnell auf: Zunächst die Ergänzung einer Kontrabassstimme, die Mozart nicht notiert hat. Unüblich war die Besetzung eines an das zweite Fagott gekoppelten Bassinstruments allerdings zu Mozarts Zeit nicht, und die klangliche Wirkung ist auch durchaus ansprechend. Dann der Klang der beiden Hörner, die hier häufig stark schmettern und sich dadurch sofort als historische Naturhörner zu erkennen geben. Auch das ist klanglich überzeugend, allerdings spielen die übrigen Musiker auf modernen Instrumenten, man muss sich folglich mit einem halb-historischen Mischklang arrangieren, der aber auch von anderen Ensembles und Orchestern nicht selten so umgesetzt wird. Schließlich der üppige Hall, den die Aufnahme in einer Kirche mit sich bringt. Das ist letztlich Geschmackssache, allerdings ist hier eindeutig festzuhalt...

Schubert, Franz - Sinfonie Nr. 8

26 Januar, 2018 - 06:51

Superlativ an Partiturtreue

Peter Gülke und die Brandenburger Symphoniker beeindrucken mit einer bravourösen und textgetreuen Einspielung von Schuberts sogenannter Großer C-Dur-Sinfonie.

Wenn der Dirigent, Musikwissenschaftler, Musikprofessor und Schubert-Experte Peter Gülke im hohen Alter beschließt, Schuberts populäre sogenannte ‚Große C-Dur-Sinfonie‘ einzuspielen, sollte dieser Aufnahme eigentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als dies bislang der Fall war. Sei das verhaltene Augenmerk dem Umstand geschuldet, dass Gülke bis heute nicht der ganz große Durchbruch als Dirigent gelungen ist oder dass die Brandenburger Symphoniker sich nicht auf der internationalen Bühne bewegen - bei anderen Klassik-Stars hätte eine Aufnahme dieser berühmten Sinfonie jedenfalls ein größeres Echo hervorgerufen.

Dabei muss sich die Produktion nicht vor der Konkurrenz verstecken. Die bei Musikproduktion Dabringhaus und Grimm erschienene SACD beweist nämlich in jeglicher Hinsicht Exzellenzstatus, der sich bereits in der Aufmachung manifestier...

Fuchs, Robert - Sämtliche Streichquartette

26 Januar, 2018 - 06:51

Regalfreundlich

Das sich heute vor allem mit zeitgenössischer Musik profilierende Minguet Quartett hat vor mehr als 15 Jahren eine restlos überzeugende, feinsinnige Einspielung der Streichquartette von Robert Fuchs herausgebracht.

Im Jahr 2000 entstand die vorliegende Gesamteinspielung der Streichquartette Robert Fuchs‘ und trug damit wesentlich zur Renaissance des österreichischen Komponisten bei. Nun endlich liegt die Produktion als regalfreundliche Doppel-CD vor, mit den kompletten Booklettexten, allerdings in Anbetracht des günstigen Verkaufspreises verständlicherweise ohne Aktualisierung was etwa die Interpreten angeht (die Nennung der Ensemblewebsite ausgenommen). Das Minguet Quartett, heute dem geneigten Hörer mindestens ebenso bekannt als bedeutender Exponent zeitgenössischer Musik, zeigt sich in der damaligen Besetzung Ulrich Isfort/Annette Reisinger/Irene Schwalb/Matthias Diener in Höchstform. Das ist beseeltes Musizieren in höchster Ausprägung mit vollstimmigem Klang, in dem jedes der vier Instrumente kongenial aufgeht. Was für eine dynamische Feinabstimmung, was für ein gemeinsamer Atem, der d...

Aires de Andalucía - Gitarrenwerke von Moreno, de Falla und Albéniz

25 Januar, 2018 - 07:39

Liebeserklärungen

Die klassische Gitarre steht dem Flamenco ohnehin recht nahe. Auf dieser CD werden die Kontaktstellen erweitert.

Als erstklassiges Gitarrenensemble ist das deutsch-katalanische Duo Joncol international unterwegs. Carles Guisado Moreno und Britta Schmitt lernten sich beim Musikstudium kennen. Ihr Gitarrenspiel besticht durch temperamentvolle Arrangements, brillante Interpretationen der spanischen ‚Klassiker‘ und jazzige Eigenkompositionen. Auf ihrer neuen CD ‚Aires de Andalucía‘ bringt das Ensemble klassische Gitarre mit Flamenco zussamen. Zu diesem Zweck hat sich das Ensemble um Kurt Fuhrmann, Perkussion, und Anna Colom, Gesang, zu Joncol4 erweitert.

Das Programm ist eine ausgewogene, abwechslungsreiche Mischung von Carles Guisado Morenos Eigenkompositionen und Stücken Manuel de Fallas und Albéniz’. Der Titel ‚Aires de Andalucía‘ passt bestens, die Bezüge zum traditionellen Flamenco bleiben auf Sparflamme. Mit 'Una Luz del Norte' stellt Carles Guisado Mor...

Sandra Urba - Schumann

25 Januar, 2018 - 07:39

Robert Schumann

Sandra Urba zeigt sich als gefühlvolle Schumann-Interpretin. Das Nachspüren letzter Tiefen bleibt jedoch anderen Pianisten vorbehalten.

Seit ihrem sechsten Lebensjahr spielt Sandra Urba, 1987 in Vilnius geboren, Klavier. Mit zwölf gewann sie den sogenannten Kleinen Schumann-Wettbewerb, der vom Konservatorium der Stadt Zwickau ausgerichtet wird. Es folgten zahlreiche Auszeichnungen und Förderungen. Meisterwerken der Romantik gewidmet präsentierte sie 2013 mit ihrer Debüt-CD ‚Schumann‘ ihr technisches Können und zeigte ihr Talent in Bezug auf einfühlsame Interpretationen.

Sie beginnt mit Schumanns erster veröffentlichter Jugendkomposition, den überaus anspruchsvollen Abegg-Variationen. Klar und schlicht eröffnet sie das Thema mit den mehrfachen Wiederholungen und weitet es spielerisch zu einem klanglichen Glasperlenspiel. Sehr virtuos mit subtilem Anschlag und silberner Klangtransparenz vermittelt sie quirlig-fröhlich Frühlingsgefühle voll dynamischer Steigerung, weniger die romantisch-me...

Skjelbred, Bjørn Bolstad - The Bee Madrigals

24 Januar, 2018 - 08:11

Im Bienenstock

Es sind attraktive, durchaus anregende vokale Erkundungen von Bjørn Bolstad Skjelbred, die das Ensemble Nordic Voices da vorträgt. Die Formation unterstreicht, dass sie in den Idiomen moderner Vokalmusik absolut sattelfest ist.

Obwohl die artenreichste Klasse unter den Tieren, sind Insekten dem Menschen doch oft weniger nah, weniger vertraut als andere. Eine Ausnahme ist die Honigbiene. Und eine besonders faszinierende dazu. Als eines der wichtigsten Nutztiere der Gegenwart ist die Biene noch immer unterschätzt und wird eher wegen sekundärer Aspekte wie der Honigproduktion wahrgenommen. Die möglichen Folgen – vor allem die ausbleibende Bestäubungsleistung – eines allmählichen Sterbens der Bienen wurden immer wieder, auch mit reichlich Pathos beschrieben – an landwirtschaftlicher Praxis indes hat sich nichts Wesentliches geändert. Jedenfalls nicht nachhaltig: Weder bei der Vielfalt der möglichen Bienenweidepflanzen noch beim umstrittenen Einsatz potenziell bienenschädlicher Herbizide. Das hat auch die Diskussion der vergangenen Monate um die Verarmung der Naturräume gezeigt, möglicherweise i...

Debussy & Szymanowski - Klavierwerke

24 Januar, 2018 - 08:11

Statisch aufgeladen

Cathy Krier untermauert ihre Kompetenz in Sachen pianistische Moderne.

‚Masques‘ lautet der Titel des neuen, insgesamt bereits vierten, bei CAvi-music erschienenen Albums der jungen luxemburgischen Pianistin Cathy Krier. Zeitgleich entstandene Werke aus der Ära des Impressionismus – Claude Debussys auf der einen und Karol Szymanowskis auf der anderen Seite – stellt sie darauf einander programmatisch gegenüber.

Anschauliche Klanggestik

Von den 'Reflêts dans l’eau' im ersten Band von Debussys 'Images' an ist die sensible Klangbehandlung deutlich hörbar. Übereinanderliegende Schichten laufen auch in den glitzernden Wasser-Pagoden buchstäblich nicht Gefahr, zu verschwimmen. Auch in den 'Poissons d’or' des zweiten Bands behandelt sie dieses deskriptive Element mit anschaulicher Klanggestik. In 'Et la lune descend sur le temple qui fut' steht der Pianist vor der schwierigen A...

Scelsi, Giacinto - Werke für Violoncello solo

23 Januar, 2018 - 07:39

Makrokosmos

Der Cellist Marco Simonacci, ein Spezialist für zeitgenössisches Repertoire, hat sich mit analytischem Durchblick und viel Wärme im Klang der Werke für Violincello von Giacinto Scelsi angenommen.

Auch fast zwanzig Jahre nach seinem Tod steht das Schaffen Giacinto Scelsis (1905–1988) im Vergleich zu dem zahlreicher Zeitgenossen immer noch eher im Schatten. Es ist eine Binsenweisheit, dass er damit nicht allein steht – doch hat er anders als etwa Isang Yun keinen stetig aktiven Kreis von Advokaten, die sich für dieses Schaffen einsetzen. Auf der vorliegenden CD erkundet der italienische Cellist Marco Simonacci, der vor allem in Rom und Siena studierte und der sich zeitgenössische Musik zur besonderen Aufgabe gemacht hat, zwei Kompositionen für Solocello, deren äußerst umfangreiches erstes 'Trilogia – I tre stadi dell‘uomo' aus den Jahren 1956–1965 besonders hohe Anforderungen stellt (dennoch liegen mittlerweile insgesamt mindestens vier Einspielungen des Werks vor). Vierteltöne, der Gebrauch spezieller Plektren und eines besonderen, die Harmonik (eine Art Bord...

Bach, Johann Bernhard - Ouvertüren

22 Januar, 2018 - 07:28

Farbensprühend

Jedes Mitglied der Bachfamilie ist eine Entdeckung wert: Hier nun kann Johann Sebastians Vetter Johann Bernhard Bach gehörig Eindruck machen, dessen vier Ouvertüren nicht weniger brillant gesetzt sind als die Johann Sebastians.

Angesichts der weitverzweigten Familie der Bachs und ihrer Verwandtschaftsverhältnisse lässt sich nicht so leicht der rechte Überblick behalten. Johann Bernhard Bach, dessen Ouvertüren Gegenstand dieser CD-Besprechung sind, war 1676 in Erfurt in die Familie von Johann Ägidius Bach, einem Vetter von Johann Sebastian Bachs Vater hineingeboren worden. Johann Bernhard Bach, vom neun Jahre jüngeren Johann Sebastian Bach als Taufpate von dessen 1715 geborenem dritten Sohn Johann Gottfried Bernhard eingesetzt worden, war als Organist in seiner Heimatstadt und später in Magdeburg tätig gewesen, und ab 1703 folgte er anlässlich des Todes seines Onkels Johann Christoph Bach auf den Organistenposten der Georgenkirche von Eisenach. Gleichzeitig wirkte er – wie zuvor Johann Christoph – als Musiker am Eisenacher Hof, zunächst als Cembalist, ab 1712 dann als Kapellmeister. Und in dieser ...

Bach, Johann Sebastian - Sämtliche Französischen Suiten BWV 812-817

21 Januar, 2018 - 07:07

Fehlender Zugang

Dieses Album macht klar: Einen wirklichen Zugang zu Bach findet Vladimir Ashkenazy nicht.

Vladimir Ashkenazy ist bekannt als brillanter Techniker, begnadeter Chopin-Spieler und Rachmaninoff-Exeget. Als Bach-Interpret hat er sich bislang nicht wirklich hervorgetan. Sehr vereinzelt hat er insoweit Einspielungen veröffentlicht (etwa das WTC im Jahr 2005 oder die Aufnahme der sechs Partiten 2010), bleibende Spuren in der diskographischen Landschaft hinterlassen haben diese allerdings nicht. Ebenjene Seite seiner Kunst kann man auf dem neuen bei Universal erschienenen Album mit den Französischen Suiten BWV 812-817 hören.

Keine klare Kante

Verglichen mit ausgewiesenen Bach-Spezialisten wie Murray Perahia, Piotr Anderszewski, András Schiff oder auch Grigory Sokolov mit dessen ganz individueller Lesart kommt Ashkenazys Spiel deutlich flacher und weniger fein geschliffen daher. Schon in der 'Allemande' der Suite BWV 812 erweist sich seine Annäherung als im Ans...

Unvergänglichkeit - Permanence - Lieder von Korngold, Mahler, Reger und Weill

20 Januar, 2018 - 07:49

Für die Ewigkeit

Auf der Suche nach den wenigen Aufnahmen für die berühmte einsame Insel, wäre Michaela Schusters 'Unvergänglichkeit' sicherlich unter den Favoriten.

Das Thema des neuen Albums von Michaela Schuster ist ein weit gefasstes: Unvergänglichkeit – die Suche nach dem Beständigen, nach der Ewigkeit, ein Kommen und Gehen, Fragen und Antworten. Der Titel passt wunderbar zum nachdenklichen, leicht melancholischen Ton der Sängerin, zu ihrer unvergleichlichen Fähigkeit, Geschichten zu erzählen und dabei auf kleinem Raum einen eigenen Kosmos zu erschaffen. Und das thematische Kreisen um die Unvergänglichkeit lässt sinnfällig auch den Schluss zu, dass mit diesem Album ebenfalls ein Tondokument für die eigene, kleine Ewigkeit vorliegt. Auf der Suche nach den wenigen Aufnahmen für die berühmte einsame Insel, wäre Michaela Schusters CD, die im Mai 2017 live in Marienmünster mitgeschnitten wurde und nun beim Label Oehms vorliegt, sicherlich unter den Favoriten.

Zusammen mit dem Pianisten Matthias Veit hat Michaela Schu...