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Aktualisiert: vor 55 Minuten 55 Sekunden

Eberl, Anton - Konzert für zwei Klaviere und Orrchester

17 Mai, 2018 - 06:59

Harmonisches Duo

Die Kölner Akademie gräbt einmal mehr interessantes Repertoire aus.

Für unbekanntes Repertoire der zweiten Hälfte des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war in Deutschland auf historisch informiertem Sektor Concerto Köln immer wieder eine bekannte Größe (das Ensemble hat die Sinfonien Eberls eingespielt). Diese löbliche Aufgabe hat nun die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens übernommen, im vorliegenden Fall bei drei Werken des Mozart- und Beethoven-Zeitgenossen Anton Eberl (1765–1807). Obschon unter anderem in Sankt Petersburg und Wien nicht ganz erfolglos, gelang es Eberl, der möglicherweise Schüler Mozarts gewesen war, hie wie dort nicht, eine Stelle an einem Fürstenhof zu erlangen. Angewiesen auf Erfolge in Wien und anderswo, starb er erst 42-jährig in Wien.

Während Eberls Opern zeitlebens nicht für Furore sorgten, profilierte sich der Pianist und Komponist ausgesprochen als Sch&ouml...

Bach, Johann Sebastian - Kantaten BWV 56, 95 & 161

16 Mai, 2018 - 07:41

Bach vielfältig

Eine weitere überzeugende Folge der verdienstvollen Reihe, die ein Schlaglicht auf die Bandbreite in Bachs Kantatenschaffen wirft.

Der wie immer lohnende Einführungstext von Anselm Hartinger, der jeder neuen Produktion der Gesamteinspielung der Bach-Kantaten mit der Bach-Stiftung St. Gallen unter der künstlerischen Leitung von Rudolf Lutz vorangeht, konzentriert sich in der 22. Folge der Reihe besonders auf zwei Aspekte: Auf die Präsenz, die Anwendung und Ausprägung musikalischer Rhetorik und barocker Figurenlehre bei Bach einerseits; und andererseits auf das Phänomen, dass Bachs Musik gerade in der inhaltlichen Nähe zu Sterben und Tod einen besonders ‚zutraulichen Charakter‘ aufweist, wie Hartinger es im Gespräch mit Rudolf Lutz ungewöhnlich, aber treffend formuliert: Da, wo die Gedanken auf das Sterben, Todessehnsucht gar und der Blick auf das Jenseits gerichtet sind, da ist Bachs Musik oft besonders licht, sprudelt Fröhlichkeit hervor, wo der heutige Mensch Düsternis und Trauer konnotierte.

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Mozart, Wolfgang Amadeus - Le nozze di Figaro

15 Mai, 2018 - 07:58

Aus überraschender Ecke

Schöner Fund aus dem Archiv: Karl Böhm, die Wiener Philharmoniker und namhafte Solisten konzertant mit Mozarts 'Le nozze di Figaro'.

Die Richard Itter Broadcast Collection kennt man für gewöhnlich auf dem Label Lyrita Recorded Edition, seit dem Tod seines Gründers Richard Itter Tochter von Nimbus. Die nun vorgelegte konzertante Aufführung von Mozarts 'Le nozze di Figaro' aus der Londoner Royal Festival Hall vom 13. September 1954 erscheint aber auf ica – einem Label mit Schwerpunkt auf renommierten Dirigenten in historischen Aufnahmen. Richard Itter hat seinerzeit einerseits britische Musik in hochkarätigen Aufnahmen produziert, wenn EMI oder Decca wieder einmal nicht interessiert waren, andererseits schnitt er für private Zwecke zahllose Rundfunkübertragungen mit, die heute teilweise im BBC-Archiv fehlen. Durch einen Lizenzvertrag werden nun zahlreiche dieser Mitschnitte auch der Öffentlichkeit zugänglich – so auch dieser Londoner 'Figaro' unter Karl Böhm mit den Wiener Philharmonikern ...

Wohlhauser, René - Kammermusikwerke

14 Mai, 2018 - 08:45

Lautkompositionen

Die gegenseitige Befruchtung von Instrumental- und Vokalklängen führt im vorliegenden Fall zu interessanten Neuentdeckungen.

Aus Anlass des 60. Geburtstags des Schweizer Komponisten René Wohlhauser 2014 haben sich diverse befreundete Musiker zur Hommage zusammengefunden – dass diese Hommage nicht mit dem Jubiläum selbst ihr Bewenden hat, bestätigt die Bedeutung des Komponisten. Wohlhausers Musik ist komplex und intellektuell fundiert, und auch im Booklet erweist sich der Komponist als eloquenter Sachwalter seines Schaffens (leider wird nicht erläutert, wie seine Werknummern zu verstehen sind). Rein intuitiv erschließen sich nur Teilaspekte von Wohlhausers Schaffen – zu komplex ist sein Denken, zu stark logisch fundiert seine kompositorische Sprache. Was nicht heißen soll, dass die Musik einen kalt und unbewegt ließe.

Wohlhäuser ist in den vorliegenden vier Werken (einem davon in zwei verschiedenen Emanationen) den Möglichkeiten des Klanges der menschlichen Stimme und anderer Klangerzeu...

Minimal Piano Collection - Kompositionen für Klavier von Johnson, Glass, Garland u.a.

13 Mai, 2018 - 07:13

Archäologie eines Musikkonzepts

Trotz meist minimaler Mittel epische Breiten: Jeroen van Veen hat eine weitere Box seiner Minimal Piano Collection auf Brilliant Classic vorgelegt, die sich gewissermaßen den Gründervätern dieser Kompositionsrichtung widmet.

Mit fünfeinviertel Stunden Spieldauer auf den ersten vier der acht CDs dieser Box erscheint Dennis Johnsons 'November' (1959) wie ein Klavier-Weihfestspiel des ‚new genre‘: Zu Recht im Umfang und Anspruch mit Morton Feldmans (wesentlich späterem) Zweitem Streichquartett verglichen, zementieren die vierundzwanzig hier in aller Ruhe je 9 bis 30 Minuten dauernden, im Dauerpedal nachhallenden Klänge jenes neue Klang-Raum-Erkunden, das aus der hauptsächlich vom Pianisten verantworteten Zeit-Konstruktion der Meditationen über einfache Intervall-Folgen ohne jede formale Grenze zu entstehen scheint. In der Rekonstruktion von Kyle Gann nach einer nur 100 Minuten vorführenden Bandaufnahme gab es schon 2013 eine Aufnahme auf dem Label Penultimate Press: Wer es rational mag und das Gedächtnis besitzt, kann R. Andrew Lees knapp unter fünf Stunden veranschlagte Version ja mit den individu...

Alfred Schnittke - Cellosonaten Nr. 1 und 2

12 Mai, 2018 - 07:03

Ausdruck, Klarheit und Tiefe

Hervorragende Interpretationen der Cellosonaten Alfred Schnittkes von den Musikern, die dem Komponisten ganz nahe standen.

Wenn Alfred Schnittkes kammermusikalische Werke von seiner Frau Irina, seinem lebenslangen Freund Mark Lubotsky zusammen mit Olga Dowbusch-Lubotsky interpretieren werden, kann eigentlich nur Großes dabei herauskommen. Die Aufnahme mit seinen Cellosonaten Nr. 1 und 2, dazwischen sein Trio für Violine, Violoncello und Klavier, ist jeglicher Hinsicht ein Hörgenuss. Durch die Zusammenstellung der Werke wird Schnittkes Entwicklung deutlich, der Weg von einer eklektizistischen Symbiose zu einem ganz individuellen, von düsteren Stimmungen bestimmten Stil. Alle drei Künstler stehen für technische Brillanz und außerordentliche Expression, analytische Klarheit und emotionale Tiefe.

Die Cellosonate Nr. 1 gilt als eines der berühmtesten Cellowerke der Musikliteratur und als Qualitätstest bei internationalen Musikwettbewerben. Schnittke selbst stufte diese Sonate als geradliniges Stück...

Varietas - Werke für Cembalo - Werke von Händel, Böhm, Bach, u.a.

12 Mai, 2018 - 07:03

Abwechslung

Jean-Christophe Dijoux hat das Prinzip der Abwechslung zur Hauptsache dieser Einspielung erhoben. Ihm gelingen sehr wechselvolle und kurzweilige Auseinandersetzungen mit einem schlüssig zusammengestellten Werkkorpus barocker Musik für Tasteninstrumente.

Jean-Christophe Dijoux (1982)  kommt aus Reunion und studierte in Paris sowie Freiburg. Er zählt heute als Erster Preisträger des 7. Telemann- und XIX. Bach-Wettbewerbs zu den ‚großen‘ Cembalisten der Gegenwart. Das Generalbassspiel ist seine Spezialität, unter der Maxime Johann Matthesons: ‚die Abwechslung ist der Musik wahres Element‘. Inspiriert von den Kompostionen Buxtehudes vermittelt Jean-Christophe Dijoux in seiner CD ‚Varietas‘ wie Buxtehude das musikalische Umfeld beeinflusste und wie bedeutsam das Thema Variationen im Hochbarock war.  

An den Beginn stellt Dijoux die Suite g-Moll von Georg Friedrich Händel, in der Dijoux sein improvisatorisches Können voll entfalten kann, da das Prelude nur die Struktur in ganzen Noten vorgibt. Einer 'Allemande' im strengen Takt folgt eine rhythmisch flexible 'Courante' mit Echoeffekten. ...

Tüür, Erkki-Sven - Symphony No. 8 und Instrumentalkonzerte

11 Mai, 2018 - 08:50

Auf dem Weg zum Klassiker

Die musikalischen Landschaften, die Erkki-Sven Tüür imaginiert, sind stets eine Entdeckung wert.

Man mag es bei einem Blick auf die Playlist dieser Platte aus dem Hause Ondine kaum glauben, aber hier ist mit dem estischen Komponisten Erkki-Sven Tüür ein ehemaliges Mitglied einer progressiven Rockgruppe mit dem vieldeutigen Namen In Spe am Werk. Ein gutes Argument, um etwas auf den Punkt zu bringen, was der im letzten Sommer verstorbene Literaturtheoretiker Peter Bürger mit viel Süffisanz festgestellt hat: Die Avantgarde hält sich mehr für die Avantgarde als es zu sein. Erkki-Sven Tüür auf die Seite einer Avantgarde zu schieben, ist schlicht falsch. Dennoch hat seine Musik nicht nur ein hohes Innovationspotential, sondern weist sich schon heute mit dem Potential zum Klassiker aus. Seine Kompositionen zeichnen sich durch einen Reichtum aus, der keine kuriosen Titel oder Programme braucht, die lange Zeit auf wundersame Weise einen guten Ruf genossen. Aber auch die Rede von absoluter Musik w&a...

Bach, Johann Sebastian - Cellosonaten (bearb. für Gitarre)

10 Mai, 2018 - 07:37

Cellosuiten für Gitarre

Nicht so dramatisch wie auf dem Cello, dafür sehr harmonisch - Bachs Cellosuiten auf der Gitarre. Dass diese Kombination viel für sich hat, beweist Tilman Hoppstocks neue Bach-CD. Ein facettenreiches Album.

Bachs Werke auf allen denkbaren Instrumenten zu spielen, ist keine Besonderheit. Bach selbst setzte nie ein bestimmtes Klangbild für seine Stücke grundlegend voraus und fertige häufig Umarbeitungen für andere Instrumente an. Schließlich eröffnet jedes Instrument ganz unterschiedliche interpretatorische Möglichkeiten. Im Falle der Gitarre gewinnen die Cellosuiten vor allem durch die sehr variantenreiche Harmonisierung und mehrstimmige Polyphonie dazu, die so auf einem Cello gar nicht möglich sind.

Der Bach-Experte

Dass die Werke jedoch erkennbar bleiben und Bachs kompositorische Intention nicht verloren geht, das ist die grundlegende Herausforderung einer jeden Bearbeitung und gleichzeitig die Leistung der CD ‚Cello Suites for Guitar‘ von Tilman Hoppstock. Der studierte Gitarrist und Cellist ist nicht ohne Grund der Experte für Bach...

Bach, Johann Sebastian - Messe h-Moll BWV 232

10 Mai, 2018 - 07:37

Lebendige Traditionen

Ein erfrischendes Dokument der formidablen Arbeit Stephen Laytons mit den reichen Ressourcen am Trinity College in Cambridge.

Am Trinity College in Cambridge wird seit langem eine mehr als beachtliche musikalische Arbeit geleistet – eine Tradition, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Und eine Linie, die durch die Zeiten hindurch immer wieder von großen Musikerpersönlichkeiten geprägt wurde: Charles Villiers Stanford war hier tätig, genauso wie später Raymond Leppard, Richard Marlow oder jetzt seit 2006 Stephen Layton. Letzterer knüpfte an ein hohes Ausgangsniveau der chorischen Ausbildung und Praxis an und setzt mit seinem jungen Chor in den vergangenen Jahren vernehmliche Akzente im Repertoire. Zum Beispiel mit der vielfach gepriesenen Platte 'Northern Lights' mit Werken des jungen lettischen Komponisten Ēriks Ešenvalds, der von 2011 an als Fellow Commoner in Creative Arts für zwei Jahre eine intensive Zusammenarbeit mit dem Ensemble etablierte. Dazu Kenneth Leightons 'C...

Krug, Arnold - Streichsextett & Klavierquartett

9 Mai, 2018 - 07:20

Hamburger Ambition

Das Linos Ensemble hat mal wieder Kostbarkeiten der zweiten Reihe ausgegraben. Von berückender Schönheit und kompositorischer Qualität ist vor allem das besetzungsmäßig interessante Streichsextett.

Das Hamburger Musikleben war in den vergangenen Jahrhunderten nicht auf Telemann oder Carl Philipp Emanuel Bach beschränkt – gerade im 19. Jahrhundert gab es zahlreiche wichtige Persönlichkeiten, die die musikalische Szene nachhaltig prägten. Hierzu gehört auch Arnold Krug (1849–1904), u.a. Leiter eines eigenen Gesangvereins, Kompositionslehrer am Bernuth‘schen Konservatorium und Dirigent der Altonaer Singakademie. Krug hatte bei Carl Reinecke in Leipzig sowie in Rom studiert und war einige Jahre am Stern‘schen Konservatorium tätig, ehe er in seine Heimatstadt Hamburg zurückkehrte. Besonders profiliert ist Krugs Schaffen als Chor- und Liederkomponist sowie als Schöpfer von Klavierstücken. Doch finden sich auch zwei Sinfonien, Opern, Ouvertüren sowie neben den beiden hier vorgelegten Werken ein Klaviertrio und ein Streichquartett.

Das Streichsextett op. 68 ...

David, Johann Nepomuk - Sinfonien Nr. 2 & 4

9 Mai, 2018 - 07:20

Voller Hingabe

Johann Nepomuk Davis Sinfonik erweist sich als eigenständig und kompromisslos. In Johannes Wildner und dem ORF Radio-Symphonieorchester haben die Werke berufene Interpreten gefunden.

Voller Hingabe, so kann man die Bemühungen aller Beteiligten in Bezug auf die Sinfonik Johann Nepomuk Davids (1895–1977) zusammenfassen, jenes wichtigen Österreichers, den man vielleicht als eine Art Gegenbild zu Paul Hindemith bezeichnen kann. Die vorliegende CD, die zweite Folge einer Gesamteinspielung mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Johannes Wildner, bietet einen bedeutenden Koloss - die Zweite Sinfonie op. 20 aus den Jahren 1937/8 bezeichnete der Komponist selbst seinen Verlegern gegenüber als ‚schweißtreibend‘. Davids harmonisch klare, auf unnötige Füllstimmen verzichtende Klangsprache ist verbunden mit prägnanter Motivik und Motivverarbeitung, metrisch nicht immer einfach, nicht an eine Tonalität gebunden, häufig von großer Expression. Das Wiener Orchester arbeitet die Besonderheiten der Musik auf das Schönste heraus – auch die Reve...

l'Homme de Génie - Sinfonien von Haydn und Kraus (Haydn 2032 Vol. 5)

8 Mai, 2018 - 07:59

Pariser Vorhof

Dank Giovanni Antoninis fortschreitender Aufnahme der Symphonien Haydns glückt wieder einmal eine intimere Bekanntschaft mit Werken von geringerer Bekanntheit, aber eben solcher Qualität wie in den Dauerbrenner der folgenden Weltstadt-Zyklen.

Während die sogenannten ‚Pariser‘ Symphonien Haydns von 1785/86 – nummeriert mit den Nummern 82 bis 87 – nahezu die gleiche Prominenz seiner letzten ‚Londoner‘ Symphonien besitzen, führen die beiden bis 1784 entstandenen direkten Vorläufer (Nr. 80 und Nr.81) ein zumeist auf Gesamtaufnahmen begrenztes Schattendasein. Sie könnten aber auch im folgenden Zyklus stehen, denn in ihnen verändert sich bereits auf ähnliche Weise die affektbetonte Klangsprache des vorhergehenden Sturm-und-Drang-Jahrzehnts der 1770er Jahre hin zu jener noch umfassenderen Vielschichtigkeit und Ausgewogenheit der musikalischen Mittel, die sich in allen Werken nach 1780 als ‚klassischer Stil‘ einstellt. Dessen Paradigmen, eben die Produktion für die Auswärtserfolge in Paris und London, müssen um den Ideenreichtum ergänzt werden, der schon in den beiden Symphonien...

Lass mein Herz - Kantaten und Ouvertüren von Christoph Graupner

8 Mai, 2018 - 05:40

Darmstädter Eigensinn

Christoph Graupner ist und bleibt eine bemerkenswerte Figur: Gelassen steht er mitten in der mitteldeutschen kirchenmusikalischen Tradition, ohne je auf das Alte fixiert zu sein. Gleichzeitig wendet er sich explorativ mutig Neuem zu.

Christoph Graupner sollte mit seiner wunderbaren Musik immer Konjunktur haben – leider ist das nicht ganz so. Doch immer wieder gibt es Ensembles und Solisten, die dem Darmstädter Hofkapellmeister Ehre erweisen. Eine herausragende Konstellation stellt jetzt ein Album vor: Die Sopranistin Dorothee Mields hat bei Accent gemeinsam mit Florian Deuter und Mónica Waisman sowie deren Ensemble Harmonie Universelle eine Platte mit Kantaten und Instrumentalwerken vorgelegt. Natürlich stehen Solo-Kantaten für Sopran im Zentrum, drei auf Texte von Georg Christian Lehms sind es: 'Reiner Geist, lass doch mein Herz' GWV 1138/11, dann 'Verleih, dass ich aus Herzensgrund' GWV 1114/16 und schließlich 'Ach Gott, wie manches Herzeleid' GWV 1142/11. Geschrieben hat Graupner sie für offenbar großartige Sopranstimmen, die am Darmstädter Hof, anders als in der Zeit sonst üblich, ...

Miniaturen - Cembalowerke

7 Mai, 2018 - 08:00

Meisterwerke en miniature

Ricardo Magnus präsentiert 39 Barock-Miniaturen. Eigentlich aber handelt es sich hierbei um kleine Preziosen.

Das Wesentliche ganz knapp auszudrücken, faszinierte Ricardo Magnus eigener Auskunft nach schon in Kinderjahren: ein Roman in einem Satz, eine Geschichte in einer Skizze, ein musikalisches Werk in einer Miniatur. Eine gute Miniatur erfasst und erfüllt die Seele – und drängt doch darauf, im Kopf weitergeführt zu werden.

Mit Leidenschaft und überaus sorgsam interpretiert der Spezialist historischer Tasteninstrumente Ricardo Magnus 39 barocke Miniaturen für Tasteninstrumente auf dem Cembalo. Damit geht es ihm nicht um das Gesamtwerk eines Komponisten, sondern um einzelne Miniaturen, und die bringt er, egal ob technisch schwer oder leicht, wie ein Meisterwerk en miniature voller Dynamik und Poesie zur Wirkung. Rhetorik, Ästhetik und Klang harmonisieren bestens. Gleichzeitig ergibt sich ein interessanter Überblick über die musikalische Vielfalt der Miniaturen von Bach bis T...

Telemann, Georg Philipp - Aller Augen warten auf dich - Kantaten

6 Mai, 2018 - 07:25

Telemann als Kantor

Telemann als Kantatenkomponist von Rang interessiert immer.

Georg Philipp Telemann ist als Instrumentalkomponist heute längst eine arrivierte Barock-Größe. Als Schöpfer geistlicher Musik in allergrößtem Maßstab ist er noch lange nicht wieder in seine vollen Rechte eingesetzt. Die Begegnung mit seinem geistlichen Werk lohnt jedoch immer. Doch allzu selten wird es im Konzert oder für die Platte musiziert. Da leistet die aktuelle, auf dem Label cpo erschienene Platte von Florian Heyerick und seinen Ensembles Ex Tempore und Mannheimer Hofkapelle etwas Abhilfe. Entstanden ist sie in Zusammenarbeit mit den Magdeburger Telemann-Festtagen im Jahr 2016. Zu hören sind in gut 50 Minuten vier Kantaten auf Texte Erdmann Neumeisters, gemeinsam mit etlichen Schwesterwerken für die anderen Sonntage und Feste des Kirchenjahrs entstanden zwischen 1716 und 1720 und als ‚Concerten-Jahrgang‘ zusammengefasst.

Es sind knapp di...

Der Soli, das Deo und die Gloria - Eine Geschichte für Kinder und Erwachsene rund um Johann Sebastian Bach

5 Mai, 2018 - 07:33

Bach für Kinder

Welches Kind hört schon gern Orgelmusik? Oder ist ein Fan von Johann Sebastian Bach? Das Hörstück 'Der Soli, das Deo und die Gloria' führt Kinder fantasievoll an das Leben und Werk Bachs heran und zeigt, dass seine Musik uns auch heute noch etwas angeht.

Die kleine Lena mag eigentlich Shakira und Justin Bieber. Im Musikunterricht hört sie jedoch von Johann Sebastian Bach und fragt sich, ob dieser nicht besser Strom oder Ozean heißen sollte, so mächtig, wie seine Musik klingt. Außerdem rätselt sie, was bloß dieses ‚soli deo gloria‘ heißen soll, das in goldenen Lettern auf der Orgel steht. Während sie versucht, dem Geheimnis dieses seltsamen Spruchs auf die Spur zu kommen, lernt sie Bach und seine Musik immer mehr kennen und bekommt eine Ahnung davon, dass seine Musik irgendwie ‚darüber hinaus geht‘.

Kein Hörbuch

‚Der Soli, das Deo und die Gloria‘ ist eine Geschichte für Kinder und Erwachsene. Das heißt, dass es in erster Linie gar kein Kinder-Hörbuch ist, sondern eine umfangreiche Orgelmusik-CD mit Stücken von Johann Sebastian Bach, Carl P...

Martinu, Bohuslav - Frühe Orchesterwerke Vol. 3

4 Mai, 2018 - 06:28

Expressives orchestrales Fresko

Ian Hobson und die Sinfonia Varsovia haben bei ihrer Entdeckungsreise im orchestralen Schaffen von Bohuslav Martinů mit 'Vanishing Midnight' einen echten Edelstein gefunden.

Fast sechzig Jahre nach dem Tod des Komponisten erfreut sich das umfangreiche Schaffen von Bohuslav Martinů (1890–1959) großer Beliebtheit. Die Anzahl der Musiker, die sich für das Werk des Tschechen engagieren, ist kaum überschaubar; erstklassige Interpreten wie Jiří Bělohlávek, Giorgio Koukl oder Manfred Honeck stehen dabei stellvertretend für viele. Dennoch gibt es hier immer noch eine Menge zu entdecken. Die vorliegende CD ist die dritte in einer Reihe, mit der sich das Label Toccata Classics den frühen Orchesterwerken Martinůs widmet. Die Sinfonia Varsovia unter der Leitung von Ian Hobson interpretiert drei Kompositionen aus den Jahren 1915 bis 1922, wobei der dreiteilige Zyklus 'Vanishing Midnight' (im tschechischen Original: Míjející půlnoc) den größten Raum einnimmt. Die Tondichtung umfasst eine Dreiviertelstunde, di...

Samuel Scheidt: Cantiones Sacrae - Motetten

4 Mai, 2018 - 06:28

Scheidt in Perspektive

Das Athesinus Consort fügt seiner farbigen Diskografie eine hervorragende Platte mit Werken von Scheidt und Schwemmer hinzu.

Es ist richtig, dass Samuel Scheidts Vokalwerke im Vergleich mit denen seiner Generationsgenossen Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein weit weniger Teil der gegenwärtigen Rezeption sind. Gewiss, es gibt Aufnahmen von Motetten mit Lionel Meuniers Ensemble Vox Luminis und Roland Wilsons Capella Ducale, dazu jüngst Geistliche Konzerte mit Knut Schoch und I Sonatori, sämtlich von hoher Qualität und mit klaren Plädoyers für Scheidts Musik. Doch ist das kein Vergleich zur Präsenz der beiden Kollegen. Vor allem Schütz überragt alles. Und nebenbei: Scheidt ist in der Wahrnehmung der Gegenwart vor allem ein Orgel- und Instrumentalkomponist, davon zeugt eine größere Zahl an Einspielungen. All das ist sicher richtig. Nur: Scheidt konnte auch Vokalmusik.

Das unterstreicht die neue Platte des von Klaus-Martin Bresgott geleiteten Athesinus Consorts Berlin. Kern des Pr...

Prokofjew, Sergej - Romeo und Julia (Komplette Ballettmusik)

3 Mai, 2018 - 08:51

Charakterstarke Ausdeutung

Marin Alsop und das Baltimore Symphony Orchestra liefern eine bemerkenswerte Gesamteinspielung von Prokofjews 'Romeo und Julia'.

Bei Naxos erschien im letzten Monat Marin Alsops Einspielung von Prokofjews 'Romeo und Julia', die damit zu den wenigen Gesamtaufnahmen der berühmten Ballettmusik gehört. Die amerikanische Dirigentin überrascht dabei mit einer stimmigen Interpretation dieses Werks. Sie setzt auf eine charakterstarke und akzentuierte Ausdeutung, die den Ballettcharakter hervorkehrt. Jede der melodischen Phrasen endet weich und die dynamischen Abstufungen sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Den einzelnen Szenen verleiht Alsop einen individuellen Charakter, der die jeweilige Situation auf der Bühne widerspiegelt und das Geschehen auch ohne detaillierte Kenntnis des bekanntesten Sujets vermittelt. Vor allem in den Streichern hört man die deutlich akzentuierten Melodiephrasen heraus. Schön sind auch die Bässe als Gegenstimme der Melodie herausgearbeitet. Dies zeugt von dem hohen Niveau des Baltimore Symphon...