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Aktualisiert: vor 2 Stunden 2 Minuten

Schumann, Robert - Werke für Klarinette

vor 2 Stunden 2 Minuten

Schumanns Kammermusik auf der Klarinette

Heiner Schindler und Olha Chipak wandern eindrucksvoll und differenziert auf den Spuren Schumanns. Mit warmen, homogenen Klängen zeigen sie die Fülle von Schumanns Kammermusik und ihre Ausdruckskraft.

Die (für Kammerensembles konzipierte) Musik Robert Schumanns ist immer wieder ein Geheimtipp, und der Klarinettist Heiner Schindler sowie die Pianistin Olha Chipak haben auf ihrer vorliegenden CD dementsprechend ein reizvolles Programm zusammengestellt. Präsentiert werden fünf unterschiedliche Werke, die fast alle im Jahr 1849 komponiert wurden. Die 'Märchenbilder' (op. 113) eröffnen die CD. Der sehr warme und differenzierte Klarinettenklang von Heiner Schindler lässt den Hörer fast vergessen, dass dieses Stück ursprünglich für Viola komponiert wurde. Die Klarinette ertönt sowohl in der tiefen als auch in der höheren Lage in klanglicher Flexibilität, Staccato- und Legato-Passagen werden gekonnt miteinander verbunden, und man kommt in ein angenehmes Schwelgen dieser Klangwelten. Die Pianistin Olha Chipak versteht es ausgezeichnet, sich auf die Klarinette einzulas...

Stephan, Rudi - Kammermusikwerke und Lieder

vor 2 Stunden 2 Minuten

Klingende Liebeserklärung

Rudi Stephans Musik zieht den Hörer auf diesem außergewöhnlichen Doppelalbum von der ersten Sekunde an in ihren Bann. Hoffentlich kann die Veröffentlichung eine nachhaltige Lanze für den Komponisten brechen.

Es ist dem Pianisten Hinrich Alpers zu verdanken, dass sämtliche Lieder und die vollständige Kammermusik Rudi Stephans erstmals gesammelt auf Tonträger zugänglich sind. Aufgrund seiner nur wenigen veröffentlichten Werke besteht dauerhaft die Gefahr, diesen faszinierenden Komponisten der Jahrhundertwende der Vergessenheit anheim fallen zu lassen – und das, obwohl Rudi Stephan die vielleicht größte Hoffnung der deutschen Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts war. 1887 in Worms geboren machte Rudi Stephan bald auf sich aufmerksam mit seiner höchst authentischen Tonsprache, der freien Tonalität, dem kreativen Umgang mit Farben und seiner großen Offenheit gegenüber den französischen Impressionisten – ein starker Gegenpol zur Wiener Schule oder dem mächtigen Zeitgenossen Richard Strauss. Als Rudi Stephans Karriere gerade Fahrt aufnimmt, setzt der Erste Weltkrieg ...

Jazzy Woodwinds - Bläserquintett der Staatskapelle Berlin

vor 2 Stunden 2 Minuten

Mit Esprit

Das Bläserquintett der Berliner Staatsoper bewegt sich auch abseits der täglich beackerten Felder hoch inspiriert und versiert.

Was machen fünf Solobläser der Berliner Staatskapelle, die 15 Jahre zusammenspielen, die einschlägige Musikliteratur auf höchsten Niveau durchkämmt und schon drei Einspielungen veröffentlicht haben? Sie beginnen die klassische Bläserquintett-Literatur jazzig aufzumischen und lassen sich dafür von genauso experimentierfreudigen Komponisten eigene Stücke kreieren. Das Ergebnis ist die wunderbar lässige Platte ‚Jazzy Woodwinds‘.

Hinter dem flotten Titel stehen als Ausführende Thomas Beyer (Flöte), Gregor Witt (Oboe), Heiner Schindler (Klarinette), Axel Grüner (Horn) sowie Mathias Baier (Fagott). Der Funke springt sofort über. Schon beim ersten Titel nach Gershwins 'I Got Rhythm' wird hörbar, dass hier bestens aufeinander eingespielte Profis miteinander musizieren. Es entsteht sofort ein mitreißender Drive, zudem wird haargenau ...

Schnittke, Alfred - Requiem

vor 2 Stunden 2 Minuten

Solide Aufnahme

Das polnische Label DUX präsentiert eine Neuaufnahme von Alfred Schnittkes Requiem.

Nachdem er mit seiner Sinfonie Nr. 1 (1968–72) über den Zeitraum mehrerer Jahre hinweg seinen eigenen, in gewisser Distanz zur zeitgenössischen Avantgarde verbleibenden Stil gefunden hatte, wandte sich der Komponist Alfred Schnittke (1934–1998) der historisch bedeutsamen Gattung des Requiems zu. Das rund 40-minütige, in den Jahren 1974–75 entstandene Werk war ursprünglich als Teil der Schauspielmusik zu Friedrich von Schillers ‚Don Carlos‘ geplant, sprengte jedoch aufgrund seines Umfangs diesen Rahmen und wurde als Einzelwerk veröffentlicht. Zu den bisherigen, nicht gerade eben seltenen Einspielungen des Requiems gesellt sich nun eine Einspielung des polnischen Labels DUX mit den überzeugend agierenden Solisten Katarzyna Oleś-Blacha (Sopran), Monika Korybalska (Sopran), Agnieszka Kuk (Sopran), Olga Maroszek (Alt) und Dominik Sutowicz (Tenor), dem Chor der musikalischen ...

Trans limen ad lumen - Vokalwerke von Rutishauser und Giger

vor 2 Stunden 2 Minuten

Nachklang aus der Schweiz

Diese Platte des Hilliard Ensembles zeigt einerseits den exzeptionell sensiblen Ensembleklang, der heute schmerzlich fehlt. Und andererseits die Bereitschaft der Formation, sich für mannigfaltige Explorationen vom reinen Schönklang zu entfernen.

Das Ende 2014 aufgelöste Hilliard Ensemble hat sich Zeit seiner Existenz nicht nur ältester Musik gewidmet, sondern immer beherzt den Schritt in die ästhetische Moderne gewagt, oft sogar weit in riskante Bereiche hinein – also dorthin, wo der wundersame Ensemblezusammenhang im Sinne des gesteigerten Ausdrucks aufgegeben wurde und manche der Stimmen entkleidet und bloß wirkte. Ästhetisch nicht ganz so ins Extreme weist das Programm der Platte, die jetzt beim schweizerischen Label Divox erschienen ist. Es vereint 2011 und 2012 entstandene Aufnahmen mit Werken von Roman Rutishauser (geb. 1960) und Paul Giger (geb. 1952). Und es bietet unverhofft noch einmal Gelegenheit, das schmerzlich fehlende Ensemble auf unbekanntem Terrain zu erleben.

Rutishauser hat sein 2010/11 entstandenes 'Tenebrae' genanntes fünfsätziges Werk nach den bekannten Responsorien der Karwoche geformt und auc...

Lieder an die Entfernte - Lieder von Beethoven, Schubert u.a.

19 Februar, 2018 - 06:52

Sehnsuchtstöne

Egal, wie entfernt die Liebe manchmal auch sein mag: Georg Poplutz und Hilko Dumno schaffen auf jeden Fall eine nachvollziehbare musikalische Nähe-Beziehung herzustellen.

Der Tenor Georg Poplutz und der Pianist Hilko Dumno blicken bereits auf eine langjährige Zusammenarbeit zurück und legen mit der vorliegenden CD einen besonders tiefsinnigen Einblick in ihr gemeinsames Schaffen vor. Mit dem Titel ‚Lieder an die Entfernte‘ lässt sich bereits erahnen, dass nicht nur auf Beethovens berühmte Komposition Bezug genommen wird, sondern eine lyrische und musikalische Verknüpfung von Liebe und Entfernung angestrebt wird. Einerseits wird in den Liedern schließlich stets ein entferntes Du adressiert, aber andererseits bleibt der innere Bezug des lyrischen Ichs zu sich selbst und die Sehnsucht fast präsenter und wichtiger.

Georg Poplutz schafft es durch seine zarte und lyrische Tenorstimme, einen authentischen musikalischen Liebhaber abzugeben, der die Innigkeit und Wärme der meisten Stücke herauszukitzeln vermag. Schuberts 'Mainacht&#39...

Adams, John - Orchesterwerke

18 Februar, 2018 - 07:43

Regalunfreundlich

Diese umfangreiche Adams-Edition der Berliner Philharmoniker macht die Orchestrierungskunst des amerikanischen Komponisten erfahrbar. Manches ist klanglich allerdings nicht so spitzenmäßig geraten wie anderes - Kritik auf hohem Niveau.

Eine opulente Edition haben wir hier, veröffentlicht in der Folge des 70. Geburtstags des amerikanischen Komponisten John Adams. In der Saison 2016/7 war Adams Composer-in-Residence der Berliner Philharmoniker, und das Ergebnis ist eine mehr als beachtliche Würdigung des Komponisten, der im Interview besonders hervorhebt, dass er vor allem gerne für Orchester schreibt. Und in der Tat sind orchestrale Klangfarben ein ganz wesentlicher Anteil an Adams‘ Klangsprache, die, auf einen Klavierauszug reduziert, viel von ihrem Sinn verlieren würde. Die berühmte 'Harmonielehre' für Orchester (1984/5), auf der die Freundschaft zwischen Adams und Simon Rattle, damals noch Chefdirigent in Birmingham, zum Teil basierte, enthält, wie viele von Adams‘ nichtvokalen Werken, zahlreiche programmatisch-nichtmusikalische Implikationen, aus denen sich die Musik entwickelt. Teilweise ätherisch-flir...

Wagner, Richard - Siegfried

17 Februar, 2018 - 08:30

Sehr durchwachsener Teil 3

Dieser 'Siegfried' muss in keinem CD-Regal zwingend stehen, auch wenn er durch Jaap van Zwedens Dirigat und Cangelosis Mime fraglos interessante Aspekte aufweist.

Der Naxos-'Ring' ist um das nächste Viertel erweitert: 'Siegfried' live aus Hong Kong unter der Leitung von Jaap van Zweden liegt nun auf vier klanglich hervorragenden CDs vor. Der Mitschnitt ist eine Livemontage der konzertanten Aufführungen im Januar 2017 in der Hong Kong Cultural Centre Concert Hall.

Wie schon die beiden ersten Teile des neuen 'Ring'-Zyklus beim Label Naxos besticht der 'Siegfried' vor allem durch das differenzierte Dirigat van Zwedens. Regelrecht detailverliebt geht der musikalische Leiter zu Werke, lässt sich Zeit in der Ausführung und schafft es dennoch, große Spannungsbögen zu gestalten. Dass dabei so manche Szene eher brillant musiziert als dramatisch fesselnd gerät, ist der ein wenig enttäuschende Nebeneffekt. Das Hong Kong Philharmonic Orchestra glänzt aber regelrecht in seiner atemberaubenden Präzision, der ausgefe...

Habbestad, Kjell - Chorwerke

16 Februar, 2018 - 07:31

Starke Stimmen

Kjell Habbestad zeigt mit seinen Chorwerken, dass niemand befürchten muss, Musik mit der kollektiven Singstimme im Zentrum sei 'auserzählt' oder nur noch in permanenter Grenzüberschreitung denkbar.

Der famose Lettische Radiochor hat bei Lawo eine Platte mit Werken des norwegischen Komponisten Kjell Habbestad (geb. 1955) vorgelegt. Habbestad berichtet über seine Musik im überzeugenden Booklet höchstpersönlich: unaufgeregt, fast nüchtern, detailliert und analytisch. Er versucht keinesfalls, Inspiration zu erklären. Eher verrät er, wie eine Idee, ein anfänglicher Funke im Prozess des Komponierens Musik wird, und mit Hilfe welcher Techniken und Mittel das geschieht. Habbestad tut das nicht ganz ohne Stolz – wenn auch auf skandinavisch zurückhaltende Weise. Wichtig ist ihm gedanklich der Begriff des Kreislaufs, in der Natur, im Lauf des Jahres, auch des Kirchenjahres, in der Quintenlogik der Musik, im Farbzirkel der Malerei.

Zu hören sind die drei 'Cantica' op. 1 – das 'Magnificat', das 'Nunc dimittis' und das 'Benedictus' –...

From Baroque to Fado - Werke von Palomino, Leite, Pereira, Paredes, Kyao u.a.

15 Februar, 2018 - 07:52

Ein Konglomerat aus Ursprungssuche und Weitblick

Die musikalische Reise auf Originalklanginstrumenten bietet ein überraschendes und facettenreiches Programm: Von Bach bis hin zum Oud-Virtuosen Rabih Abou-Khalil werden Spannungen und Brüche, Querverweise und feine Verbindungslinien wahrnehmbar gemacht.

In einer Zeit, in der der Fado mit hoffnungsvollen Vertreterinnen und Vertretern der jüngeren Generation in die großen Häuser Eingang gefunden hat, bringen die auf eine historische Aufführungspraxis spezialisierten Músicos do Tejo eine vielfältige Retrospektive auf die Bühne des Grande Auditório der Fundação Calouste Gulbenkian. Nach den Würdigungen des portugiesischen Komponisten Francisco António de Almeida legt das Ensemble unter der Leitung des Cembalisten Marcos Magalhães den vollständigen Konzertmitschnitt nun ebenfalls bei Naxos vor. Das Projekt 'From Baroque to Fado' soll sich gewissermaßen hörend lesen lassen, in sechs Zusammenschlüssen von meistens drei Stücken offenbaren sich größere Sinnzusammenhänge. Ergründet werden verschiedene Aspekte, die sich als konstituierend für die Musik und i...

Verdi, Giuseppe - Rigoletto

15 Februar, 2018 - 07:52

Von den Umständen belastet

Die letzte Gesamtaufnahme des Baritons zeigt Dmitri Hvorostovsky stimmlich und darstellerisch in Höchstform. Ein junges Sängerensemble komplettiert die Aufnahme.

Eine fast unfaire Erwartungshaltung lastet auf der bei Delos im November 2017 erschienenen Gesamtaufnahme des 'Rigoletto': Nicht nur ist es die erste offiziell erschienene und damit längst überfällige Aufnahme mit dem russischen Bariton Dmitri Hvorostovsky in der Titelpartie. In Deutschland erschien die Aufnahme einen Tag nach dem viel zu frühen Tod des Baritons. Damit ist sie fast so etwas wie sein musikalisches Vermächtnis, die letzte Möglichkeit, seiner Musikalität und Stimme zu huldigen. Man muss diese beiden Umstände jedoch weitgehend ausblenden, um die Einspielung angemessen beurteilen zu können.

Keine Frage, Dmitri Hvorostovsky steht im Zentrum dieser Aufnahme. Er füllt die Darstellung des zerrissenen Charakters Rigolettos mit Leben, mit feinen Nuancen, zergeht stimmlich in der Liebe zu seiner Tochter, manifestiert mit seiner abgründigen Tiefe den Hass au...

Zemlinsky, Alexander von - Die Seejungfrau

13 Februar, 2018 - 07:43

Meeresbilder

Diese Einspielung von Zemlinskys 'Seejungfrau' mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken.

Eigentlich müsste man bei einem im Konzert eher selten gespielten Werk wie Alexander von Zemlinskys (1871-1942) dreisätziger sinfonischer Fantasie 'Die Seejungfrau' davon ausgehen, dass die Lage auch auf dem Plattenmarkt dünn gesät sei. Dem ist aber nicht so. So muss sich diese bei cpo erschienene Live-Aufnahme von 2010 aus dem Wiener Konzerthaus mit dem ORF-Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister unter anderem gegenüber Thomas Dausgaard, John Storgards und Emmanuel Krivine behaupten. Dabei war Zemlinskys rund eine Dreiviertelstunde dauernde Schöpfung nach dem Märchen von Hans Christian Andersen bis in die 1980er Jahre verschollen und musste erst durch Peter Gülke neu entdeckt und uraufgeführt werden. Die eigentliche Uraufführung von der 'Seejungfrau' hatte sich bereits 1905 zusammen mit der Uraufführung von 'Pelleas und Melisande' ereignet, ...

Music in medieval Denmark - Mare Balticum Vol. 1

13 Februar, 2018 - 07:43

Mare Balticum

An einer klingenden Geschichte des mittelalterlichen Ostseeraums zu arbeiten, ist plausibel. Die erste Folge der Tacet-Reihe ist verheißungsvoll.

Der zweite in Europa ganz von Land umschlossene Meeresraum neben dem des Mittelmeers ist der Ostseeraum. Das Mittelmeer ist in seinen trennenden wie verbindenden Eigentümlichkeiten in vielerlei Hinsicht gut ausgeleuchtet. Auch das Mare Balticum ist vielfältig Gegenstand analytischer Betrachtung gewesen. Und beides sind bis heute Orte intensiven Zeitgeschehens, gelegentlich auch heftiger Auseinandersetzungen. Scharfe Grenzen gelten und schroffe Gegensätze werden betont. Genauso sind typische Landschaften und Lebensweisen, gemeinsame Erfahrungen mit dem Leben am Meer und eine vergleichbare Nahrungsgrundlage verbindend. Fernand Braudel hat all das idealtypisch für das Mittelmeer der Renaissance gezeigt, erschöpfend und beglückend gleichermaßen. Und Michel Mollat du Jourdin hat die Gemeinsamkeiten des Einflusses der Meere in ganz Europa betont.

Wenn nun Agnieszka Budzinska-Bennett mit ihrem E...

Zender, Hans - Winterreise

12 Februar, 2018 - 07:36

Banal oder epochal?

Das von Julian Prégardien inizierte Editionsprojekt 'Winterreise' geht in die zweite Runde mit der erst dritten Gesamteinspielung von Hans Zenders Version der 'Winterreise'. Womöglich eine neue Referenzeinspielung.

Banal oder epochal? Diese Frage hat sich bereits die meistenteils positive Kritik nach der Uraufführung der komponierten Interpretation für Tenor und kleines Orchester, die Hans Zender unter dem Titel Schuberts 'Winterreise' vorgelegt hat, gestellt. Es mag wenig verwundern – und dies spricht wahrscheinlich auch für den großen Glücksgriff, der dem Komponisten und Dirigenten im Jahr 1993 gelungen ist -, dass diese Frage auch heute noch Aktualität hat. Der Tenor Julian Prégardien, Musiker der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern und Robert Reimer laden zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit diesem Stück ein.

Die Einspielung erscheint dabei im Rahmen des Projektes P.Rhéi, das seinen Namen indirekt zumindest Hans Zender verdankt und von Julian Prégardien federführend geleitet wird. Interpretationsgeschichte ist, was ungew&oum...

Marika Lombardi spielt - Englische Oboenwerke

11 Februar, 2018 - 06:59

In Brittens Schatten

Diese vier englischen Werke für Oboe und Klavier erfahren solide Interpretationen, die Werke selbst sind jedoch (Brittens Variationen ausgenommen) etwas schwach.

Schon zu Lebzeiten galt Benjamin Britten (1913–1976) vielen Musikfreunden als bedeutendster britischer Komponist des 20. Jahrhunderts. Über vierzig Jahre nach seinem Tod hat sich diese Sichtweise sogar noch verfestigt, obwohl seither eine ganze Reihe anderer Tondichter von der Insel in den Konzertsälen und auf Tonträgern entdeckt wurden. Doch im direkten Vergleich mit Britten schneiden seine Landsleute fast immer schlechter ab, wie man beispielsweise an vorliegender CD mit englischer Musik für Oboe und Klavier erkennen kann. Die vier Werke aus den Jahren 1927 bis 1958 eint (bei sehr unterschiedlicher stilistischer Ausprägung) eine gewisse Distanz zur musikalischen Moderne ihrer Zeit, alle wahren im Wesentlichen die Dur-Moll-Tonalität. Wirklich herausragend sind jedoch nur Brittens 'Temporal Variations' aus dem Jahr 1936, ein Standardwerk für jeden virtuosen Oboisten und gleichzeitig ei...

Bach, Johann Sebastian - Kantaten BWV 80, 24 & 79 (Vol. 21)

11 Februar, 2018 - 06:59

Ohne Pathos

Es ist schon die 21. Folge der Bach-Reihe: Rudolf Lutz und seine Mitstreiter machen Tempo in hoher Qualität. Es macht Freude, dem Entstehen dieses Konvoluts zuzuhören.

In der 21. Folge der Gesamtaufnahme wartet die St. Gallener Bach-Stiftung unter der künstlerischen Leitung von Rudolf Lutz mit einem interessanten Programm auf. Den Auftakt markiert die wahrscheinlich Ende der 1720er Jahre uraufgeführte gewichtige Reformationskantate 'Ein feste Burg ist unser Gott' BWV 80 mit ihrem großen stilistischen Spannungsbogen von wuchtigen Chorsätzen und luftigen, fein gesponnenen Gesten Weimarer Provenienz. Sie zeigt zweierlei: Zwar war Bach sicher ein glaubensfester Lutheraner. Doch wird bei ihm das, was bei Luther manchmal zu groß, auch zu eindimensional gedacht und vor allem gefühlt ist, ins Humane übersetzt, wird es fasslich und im besten Sinne beglaubigt. Und das auf höchst kunstfertige Weise. Es ist wohl so, wie Anselm Hartinger es im überzeugenden Booklettext schreibt: Die fälschliche Wahrnehmung Bachs als eines protestantischen National...

Paavo Järvi: Complete Telarc Recordings - Werke von Bartok, Debussy, Holst, Nielsen, Ravel, Tubin u.a.

10 Februar, 2018 - 08:34

Ordnende Hand

Interpretatorisch lässt sich Paavo Järvis Einspielungen mit dem Cincinnati Symphony Orchestra einiges abgewinnen. Klanglich gibt es aber bei einem großen Teil erhebliche Mängel.

Paavo Järvi wurde hierzulande einer größeren Öffentlichkeit durch seine bahnbrechenden Aufnahmen der Beethoven-Sinfonien mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen bekannt. Es folgte ein nicht mehr ganz so aufsehenerregender Schumann-Zyklus, und jüngst feierte die erste Folge einer Brahms-Serie Premiere. Daneben prägte Järvi als Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters über mehrere Jahre einen bedeutenden Rundfunk-Klangkörper. Paavo Järvi gehört zu den international erfolgreichsten Dirigenten der Gegenwart mit mehreren parallel laufenden Chefpositionen auf unterschiedlichen Erdteilen gleichzeitig, in absehbarer Zeit übernimmt er die Leitung des Tonhalle-Orchesters Zürich. (Was man von dieser Jetset-Routine halten mag, braucht hier nicht diskutiert zu werden.)

Als Sohn des großen estnischen Dirigenten Neeme Järvi wurde ihm das Dirigieren quasi in die...

Violin Muse - Violinwerke von Poole, Puw, Matthews, Weir u.a.

9 Februar, 2018 - 08:11

Femme formidable

Madeleine Mitchell zeigt sich als neugierige Interpretin, die sich inspiriert mit den Werken zeitgenössischer Komponisten auseinandersetzt.

24 Jahre ist das Tonträgersolodebüt der britischen Geigerin Madeleine Mitchell (der ehemaligen ersten Geigerin von Peter Maxwell Davies Fires of London) her, und seither hat sie sich im Bereich der zeitgenössischen britischen Musik als Auftraggeberin von Kompositionen nachhaltig profiliert. Sieben Komponist(inn)en (zwei Damen und fünf Herren) haben hier Beiträge für ihre ‚Violin Muse‘ beigesteuert, alle außer einem Werke von kammermusikalischer Intimität. Die Ausnahme ist das Violinkonzert 'Soft stillness' (nach einem berühmten Shakespeare-Zitat) des Walisers Guto Pryderi Puw aus dem Jahr 2014, das in einer äußerst dichten Interpretation mit dem BBC National Orchestra of Wales unter Edwin Outwater vom 12. Mai 2016 dargeboten wird – für Solistin wie das Orchester ein anspruchsvolles zweisätziges Werk, dessen Kontrapunktik hier äußer...

Leclair, Jean-Marie - Triosonaten op. 4

7 Februar, 2018 - 07:46

Aufgeräumt

Diese vor 25 Jahren zum ersten Mal erschienene Aufnahme war damals die erste Einspielung von Leclairs Triosonaten op. 4 und hat nichts von ihrer Frische verloren.

Wer in sein CD-Regal schaut und unter Jean-Marie Leclair fündig wird, läuft leicht Gefahr, die vorliegende Produktion in einer heute sehr angestaubt wirkenden äußeren Gestaltung anzutreffen. Die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm hat nach 25 Jahren (die Aufnahmen entstanden im Januar 1992) nun auch diese Produktion aus den frühen Jahren des Ensembles Musica Alta Ripa neu aufgelegt. Und man darf rechtschaffen erstaunt sein, dass diese Einspielung nichts von ihrer Frische und musikalischen Dichte verloren hat. Es handelt sich offenbar um die älteste von mittlerweile drei Gesamteinspielungen der sechs Triosonaten op. 4 für zwei Violinen und Basso continuo geblieben ist (die anderen entstanden 1997 durch London Baroque für harmonia mundi bzw. 2014 mit dem Ensemble RosaSolis für musica ficta).

Anne Röhrig und Ulla Bundies (Violine) bieten, unterstützt von Guido Lansch (V...

Gundula Janowitz singt - Lieder von Schubert, Schumann und Strauss

5 Februar, 2018 - 08:23

Silberglanz und Silbergrau

Zum 80. Geburtstag von Gundula Janowitz wird die Klassikwelt mit einer Erstveröffentlichung ihres letzten Liederabends beschenkt. Der Silberglanz schimmert auf und erreicht doch nicht die Qualität früherer Aufnahmen.

Den Namen Maria Callas neben Gundula Janowitz auf einem CD-Cover zu finden, dürfte die meisten Klassikfans überraschen. Mit Ausnahme der Gemeinsamkeit einer Sopranstimme sind es nämlich weder das Repertoire noch spezifische Persönlichkeitsmerkmale, welche eine Nähe dieser beiden grundverschiedenen Sängerinnen naheliegend erscheinen ließe. Nun hat Janowitz allerdings ihr letztes Recital in Athen zu einer Jubiläumsfeier im Gedenken an Maria Callas gegeben. Vermarktungstechnisch gesehen ist es damit ein kluger Schachzug, den prominenten Namen mit aufzulisten, obgleich eine größere Fokussierung auf Janowitz selbst den Kern der Aufnahme weitaus treffender zusammengefasst hätte als der Name Callas und das Bild des Odeons des Herodes Atticus. Dass diese CD für die Janowitz-Gemeinde zweifellos einen kleinen Schatz markiert, wird allein durch die Tatsache ersichtlich, dass der von ...