neue Klassik-CDs

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Aktualisiert: vor 15 Minuten 25 Sekunden

Swan Songs / Schwanengesänge - Christian Immler, Anna Stéphany, Christoph Berner, Danny Driver, Silvia Fraser

vor 15 Minuten 25 Sekunden

Letzte Lieder

Christian Immlers Album 'Swan Songs' fordert den Hörer heraus, sich mit ungewöhnlichen Werken zu beschäftigen und ganz genau zuzuhören.

‚Swan Songs – Schwanengesänge‘ nennt der deutsche Bariton Christian Immler sein neues Album mit Liedern von Schubert, Brahms, Barber und Bernstein. Die letzten Vokalwerke dieser Komponisten stehen im Zentrum von Immlers Beschäftigung mit jenen Klangwelten, die im Angesicht des Todes entstanden sind oder erst rückblickend als finale Aussagen betrachtet werden können, weil zur Zeit der Entstehung das nahende Ende vielleicht noch keine Präsenz zeigte. Auf diese Weise vereint das Album nicht nur stilistisch kontrastreiche Musik, sondern enthält die gesamte emotionale Bandbreite von Verzweiflung und Melancholie bis hin zu jener prall lebendigen Musik Leonard Bernsteins, die den Abschluss dieser besonderen und anspruchsvollen CD bildet.

Die Aufnahmen dieses beim Label AVI-Music erschienenen Albums entstanden beim Bayerischen Rundfunk im Juni 2016 und April 2017 – zwei Aufnahme...

The Bach Mono Tapes - Friedrich Gulda, Clavichord

vor 15 Minuten 25 Sekunden

Gulda auf dem Clavichord

Friedrich Gulda, Klassiker des modernen Klavierspiels und des Jazz, überrascht mit dieser CD als Clavichordspieler: eine faszinierende und problematische Aufnahme.

Die vorliegende CD mit Werken Johann Sebastian Bachs auf dem Clavichord sind ein spätes Vermächtnis Friedrich Guldas. Sie entstanden nebenbei aus Tonbandaufnahmen, die der Pianist anfertigte, um sein Spiel zu kontrollieren. Um es vorweg zu sagen: Die enormen pianistischen Fähigkeiten des Musikers werden vollständig auf seine beiden Clavichorde übertragen. Die Werke Bachs werden mit einem Furor musiziert, das an den Beinahe-Namensvetter Gould erinnert. Dadurch gewinnt Guldas Bach an Plastizität und thematische Zusammenhänge werden ohrenfällig, die beim langsameren Spiel so nicht in Erscheinung treten. Auch wenn dies mittlerweile ein Allgemeinplatz ist: Bei Gulda fängt der alte Bach an zu swingen. Besonders gefällt, dass Gulda die spezielle Eigenschaft des Clavichords ausgiebig nutzt: Die sogenannte Bebung, die dann ensteht, wenn man die gedrückte Taste etwas auf und ab bewegt. Dad...

Ordonez, Karl von - Sinfonien

vor 15 Minuten 25 Sekunden

Wiener Farbe ohne Beamtentrockenheit

Einen weiteren Mozart-Zeitgenossen graben L'arte del mondo unter Werner Ehrhardt aus – die Werke von Karl von Ordonez sind eine Bereicherung.

Einen weiteren Mozart-Zeitgenossen graben L’arte del mondo unter Werner Ehrhardt aus – und man möchte sich gleich korrigieren: Nein, diese Epoche sollte nicht durch Gluck, Haydn oder Mozart definiert werden, ist sie doch um ein Vielfaches reicher und vielfältiger; und dass uns dies bewusst ist, dürfen wir gerade Ensembles wie L‘arte del mondo danken.

Karl von Ordoñez (1734–1786) wurde zwar in Wien geboren, war aber spanischer Abstammung. Über ihn als Komponisten wissen wir wenig – kein Lehrer ist überliefert, keinen musikalischen Beruf im eigentlichen Sinne übte er aus, vielmehr war er beamteter Registrator in Wien. Dies gab ihm die berufliche Sicherheit, seinen Hobbies nachzugehen – dem Violinspiel und der Komposition. Mehr als 70 Sinfonien von ihm sind überliefert, und einige von ihm wurden zwischenzeitlich gar Haydn untergeschoben. Das zeigt ei...

Händel, Georg Friedrich: Bass-Arien - Christopher Purves, Bass

vor 15 Minuten 25 Sekunden

Affektgeladen und mit vollem Ton

Christopher Purves und das Ensemble Arcangelo unter Jonathan Cohen entführen in die tiefgründigen barocken Welten Händels und bieten affektgeladene Interpretationen.

Mit der vorliegenden Einspielung legt der britische Bassbariton Christopher Purves sein erstes Solo-Album vor und etabliert sich dadurch eindeutig in der barocken Klangwelt. Das Vorhaben, eine sehr breitgefächerte Auswahl von Händels Bass-Arien (und Rezitativen) zu präsentieren, entpuppt sich dabei nicht nur als guter Griff in die Repertoire-Kiste, sondern auch als persönliches Anliegen des Sängers. In Stücken aus verschiedenen Schaffensperioden werden die unterschiedlichen Charaktere und Affekte der Händel‘schen Opernwelt offenbar und Purves weiß die Intensität dieser Kompositionen sehr gut auszuloten. Sprachlich wirkt er sowohl im Italienischen, wie bei der Arie 'Gelido in ogni vena' aus 'Siroe, Re di Persia', als auch in seiner Muttersprache Englisch, z. B. in 'Turn out, O Queen, thy face away' aus Händels erstem englischen Oratorium 'Esther' ...

Kargaard, Morten - Kammermusikwerke

vor 15 Minuten 25 Sekunden

Komponierte Inspiration

Fünf Jahre hat Morten Kargaard experimentiert. Ihm schwebte vor, Brücken zwischen Jazz und Klassik zu schlagen. Herausgekommen sind süffige Klanggemälde, rhythmisch pointiert und hochmelodisch.

Der dänische Komponist und Gitarrist Morten Kargaard ist Absolvent des Königlichen Dänischen Konservatoriums in Kopenhagen und der Berklee School Of Music in Boston. In der Heimat studierte er das klassische Fach, in Amerika verschrieb er sich dem Jazz. Wieder zurück formte er ein Kammerensemble, das so ungewöhnlich zusammengesetzt ist wie seine Idee. Ein klassisches Streichtrio, ein Bass, er selbst an der Gitarre, dazu Trompete oder Flügelhorn, Oboe oder Englischhorn. Seine Musikpartner sind durchweg exzellente Musiker, also ideal für das Experiment auf der Suche nach dem neuen Jazz-Klassik-Klang.

Was dabei herausgekommen ist, kann man nicht zwingend als neuen Stil bezeichnen. Nur eines ist sicher: Die acht eingespielten Sätze von vier bis zehn Minuten Dauer spiegeln eine im Augenblick erlebte Inspiration wieder, als kreiere der Künstler unmittelbar beim Spiel die musikalische I...

Haubenstock-Ramati, Roman - Konstellationen

22 Oktober, 2018 - 07:58

Nicht für schwache Nerven

Hochanspruchsvolle und interpretatorisch exemplarische Darbietungen komplexer Kompositionen.

Von 2010 stammen die hier vorliegenden ORF-Aufnahmen von Werken Roman Haubenstock-Ramatis, jenem bedeutenden Exponenten grafisch notierter Musik. Haubenstock-Ramati ist kein Komponist für den Mainstream, weder Interpreten noch Publikum – wer sich mit seinem Schaffen auseinandersetzen will, braucht ein frisches Hirn und starke Nerven. Schon mit seinem 1948 entstandenen und 1978 revidierten Streichtrio Nr. 1 ('Ricercari') erkundet der damals 29-Jährige zwölftönige Klangwelten, wenn auch nicht immer in ganz strenger Dodekaphonie. Stefan Drees‘ umfangreiche Bookleteinlassungen sind eine vorzügliche Kurzeinführung – und dringend notwendig dazu. 'Multiple 4' (1965) für ein Holz- und ein Blechblasinstrument (hier Oboe und Horn) erkundet die ganze Welt der klanglichen Möglichkeiten dieser Instrumente, während 'Pluriel' (1991) eine Tour de force für St...

Strawinsky, Igor: Petrushka - Arrangements for Piano Duo - Bugallo-Williams Piano Duo

22 Oktober, 2018 - 07:58

'Man achte das Klavier.'

Das Zitat stammt von Busoni, könnte aber ebensogut auf diese CD gemünzt sein. Die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers werden hier auf eine Weise erfahrbar, die manchen Klavierverächter bekehren könnte.

Helena Bugallo und Amy Williams setzen ihre Aufnahme der Klavierbearbeitungen, die Strawinsky selbst von seinen Werken anfertigte, fort. Die CD 'Stravinsky in Black and White', 2007 bei WERGO erschienen, brachte bereits 'Le sacre du printemps' in der vierhändigen Bearbeitung, nun kommen mit 'Petruschka' und 'Agon' zwei weitere Ballette hinzu, diesmal für zwei Klaviere bearbeitet. Wesentlich populärer als diese Bearbeitungen sind die berühmt-berüchtigten 'Trois Mouvements' für Klavier solo, die immer wieder als Prüfstein für die Virtuosität eines Pianisten herhalten müssen. Musikalisch ist die Bearbeitung für zwei Klaviere der Solo-Version ohne Zweifel überlegen, besonders in einer so meisterhaften Wiedergabe, wie sie hier auf CD gebannt ist.

Meisterhafte Interpretation

Die einzelnen Klangschichten k...

Bach & Chopin - Französische Suiten & Mazurken

21 Oktober, 2018 - 07:39

Konträre, individuelle Idiome

Zwei gelassen gespielte Französische Suiten von Bach umrahmen eine an dynamisch härterer Attacke nicht arme Suite von zehn gut gewählten Mazurken: Alexandra Sostmanns Bach-Chopin-Album bietet interessante eigene Perspektiven.

Mit der uns Rezensenten neu gegebenen Möglichkeit, das Klassik.com-Archiv zu durchforsten und nicht mehr ganz neue Erscheinungen doch in Kurzkritiken zu würdigen, bekommt manche aus welchen Gründen auch immer übergangene gute Interpretation wohl doch noch eine würdige zweite Chance. Die für mich leider auf den zweiten Blick erst interessante Koppelung von Bach und Chopin mit einer mir bislang unbekannten Pianistin hat mich jedenfalls nun ein paar Tage begleitet und ihre Reize ausspielen können: Die wunderschöne, aus dem Zyklus zu Recht herausstechende fünfte Französische Suite beginnt hier – angenehm präsent und im Steinway-Klavierklang breiträumig aufgenommen – ganz entspannt mit feinfühligem leichtem Legato-Spiel und geschmackvollen, in den Wiederholungen intensivierten Verzierungen. Im Verlauf der im tänzerischen Duktus und rascherem Tempo ...

Das lyrische Intermezzo - Heine-Lieder und -Gedichte

20 Oktober, 2018 - 07:18

Neue Umgebung – bezwingendes Ergebnis

Hier erklingen in bezwingender Einheit Musik und Wort nebeneinander: Klemens Sander singt Schumanns 'Dichterliebe', Cornelius Obonya rezitiert Gedichte Heines. Toll!

Text und Musik, ein interdisziplinäres Programm. Nicht immer geht die Rechnung auf, dass sich die verschiedenen Vortragsformen gut ergänzen, oft kommen allzu intellektuelle Programme dabei heraus. Wenn jedoch ein Dichter wie Heinrich Heine alle Texte verfasst hat und dazu Künstler wie Schauspieler Cornelius Obonya und Sänger Klemens Sander diese Texte interpretieren und nicht zuletzt Robert Schumann der Komponist der vertonten Gedichte ist, wird dieses ambitionierte Projekt zu einem hinreißenden Gesamtpaket.

Für seine 'Dichterliebe' entnahm Robert Schumann Gedichte aus dem 'Buch der Lieder' bzw. dem 'Lyrischen Intermezzo' von Heinrich Heine. Im vorliegenden, im Sommer 2017 aufgenommenen Programm werden diese Lieder nun ergänzt durch die Gedichte, die das 'Lyrische Intermezzo' von Heine komplettieren. Dadurch ergeben sich inhaltlich spannende Ergänzunge...

Praetorius, Hieronymus: Trinitats-Messe - Volker Jänig, Weser-Renaissance Bremen, Manfred Cordes

19 Oktober, 2018 - 08:55

Protestantische Messe

Eine verdienstvolle Platte von Manfred Cordes und seinem Ensemble Weser-Renaissance Bremen. Ein besonders interessantes Programm, sehr schön musiziert.

Auf seiner aktuellen cpo-Platte stellen Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance Bremen ein besonders interessantes Programm vor: Es rekonstruiert einen möglichen Gottesdienst an einer der protestantischen Hamburger Hauptkirchen um 1700 – zusammengestellt aus Werken von Hieronymus Praetorius (1560–1629), jahrzehntelang Organist an St. Jacobi zu Hamburg. Neben einstimmigen liturgischen Anteilen Messsätze und Motetten, dazu Orgelwerke von Praetorius, die einen besonders farbigen Kontrast zur Vokalmusik bilden. Lateinische Messen in voller Ausprägung und Pracht verbindet man intuitiv – und bei näherem Hinsehen auch mit guten Gründen – nicht mit der protestantischen Kirchenmusiktradition des beginnenden 17. Jahrhunderts. Doch gab es mit Praetorius und wenigen anderen noch einmal einen relevanten, späten Höhepunkt derartiger Musik, bevor bis weit ins 18. Jahrhu...

Berlioz, Hector - Symphonie fantastique

19 Oktober, 2018 - 08:55

Packende Leidenschaft

Riccardo Muti, das Chicago Symphony Orchestra und Gérard Depardieu zelebrieren Berlioz: die 'Symphonie fantastique' und ihre Fortsetzung 'Lélio'.

2007 ermöglichte Riccardo Muti bei den Salzburger Festspielen am Pult der Wiener Philharmoniker eine denkwürdige Begegnung mit dem ‚Anhängsel‘ zur 'Symphonie fantastique' von Berlioz, 'Lélio ou Le retour à la vie' op. 14b. 2010 realisierte er das Projekt mit dem Chicago Symphony Orchestra. Der Livemitschnitt mit diesem zu allem fähigen Klangkörper, dazu der ebenso exzellente Chicago Symphony Chorus und der unvergleichliche Gérard Depardieu in der Rolle des aus dem Opiumrausch erwachenden Verliebten elektrisieren, verstören, erheitern. Dabei erträgt man den stimmlich überforderten Tenor Mario Zeffiri, während man bedauert, dass der überzeugende Bariton Kyle Ketelsen nur den 'Chanson des brigands' zu übernehmen hat.

Ricardo Muti zieht die Wirkung der 'Symphonie fantastique' aus dem Detail. Indem er über...

Nina Stemme singt - Richard Wagner

18 Oktober, 2018 - 08:37

Facettenreichtum aus zehn Jahren

Die Sopranistin Nina Stemme zieht den Hörer mit Liveausschnitten aus einigen Werken Richard Wagners aus der Wiener Staatsoper aus den Jahren 2003 bis 2013 in ihren Bann.

2017 erschien bei ORFEO eine CD, die allein der Sopranistin Nina Stemme gewidmet ist. Sie ist darauf zu hören mit diversen Ausschnitten aus den Opern Richard Wagners, die sie im Zeitraum von 2003 bis 2013 an der Wiener Staatsoper gesungen hat. So lässt sich die Entwicklung der Stimme ebenso wie die inhaltliche Durchdringung der Rollen, so lässt sich aber auch der kluge Weg der Sängerin in der Auswahl der Partien nachvollziehen.

Am 05. Dezember 2003 gab die damals 40-jährige Sängerin ihr Debüt als Senta im Haus am Ring. Zuvor hatte sie diese Rolle schon an der MET gesungen, aber nun unter der Stabführung von Seiji Ozawa stellte sie sich einem Publikum vor, das ihr fortan die Treue hielt. Wirkt die Senta-Ballade bei aller technischen Beherrschung ihrer Stimme und bei aller Sicherheit in Intonation und Stimmfarbe noch ein wenig steril, gelingt Nina Stemme im Duett mit Falk Struckmanns Ho...

Zender, Hans - Adonde? Wohin?

18 Oktober, 2018 - 08:37

Im abgeschiedenen Reich der Metaphysik

Hans Zenders musikalische Suche nach Bedeutung in hervorragenden Interpretationen.

Die Musik des mittlerweile verflossenen 20. Jahrhunderts kennt viele Restaurationsprozesse bzw. Versuche, darunter auch den, den Verlust der musikalischen Räume aufzuheben. Die sich schon bei Richard Wagner anbahnende neue Idee, Musik als Klang im Raum, die den Theoretikern erst heute langsam bewusst wird, hat jedoch bis in die allernächste Gegenwart nichts an Faszination verloren. Genau hier scheint der Ansatzpunkt des Komponisten Hans Zender zu liegen, wobei er sich immer mehr Bernd Alois Zimmermanns Idee des musikalischen Pluralismus nähert. Musikgeschichte erscheint Zender nicht als Steinbruch für Zitate, sondern auch als diskussionswürdiges Material. Man denke nur an seine Ausseinandersetzung mit der Musik Schuberts oder Haydns. '¿Adónde? / wohin?' (2009) wurde von der Dichtung 'Cantico espiritual' von Juan de la Cruz inspiriert. Es ist eine filigrane Komposition für So...

Reger, Max: Orgelwerke Vol.5 - Gerhard Weinberger, Orgel

17 Oktober, 2018 - 08:11

Undankbare Fracht, Teil I

Mit Folge 5 seiner Gesamteinspielung der Orgelwerke Max Regers wendet sich Gerhard Weinberger jenen Sammelopera zu, die von manchen Interpreten zyklisch eingespielt werden, auch wenn sie so nicht intendiert sein mögen.

Mit Folge 5 seiner Gesamteinspielung der Orgelwerke Max Regers wendet sich Gerhard Weinberger dem ‚Kleinvieh‘ zu, jenen Sammelopera, die von manchen Interpreten zyklisch eingespielt werden, auch wenn sie so nicht intendiert sein mögen. Während der siebensätzigen Orgelsuite g-Moll op. 92 eine intensive innere Logik innewohnt, sind Sammelwerke zwar in sich stimmig und durchdacht, aber eben eher nicht zyklischer Natur. Wobei gerade die zwölf 'Monologe' op. 63 von starker zyklischer Überzeugungskraft sind (und exakt auf eine CD passen). Leider erfährt man in dem Booklet der vorliegenden Doppel-SACD nichts über die Auswahlkriterien der Stücke, die in sich einen vielfältigen, aber nicht bunten, sondern klug konzipierten ‚Strauß‘ ergeben (gerade bei Regers rund hundert Choralvorspielen sind bei anderweitiger Konzeption interpretatorische Routine und Höra...

Albinoni, Tomaso - Drei Sonaten, op. 1

17 Oktober, 2018 - 08:11

Scharf herausgearbeitet

Das Ensemble L'Arte dell'Arco erweist sich als stilvoller Anwalt von Albinonis Musik, die es mit reichen Farben und reichen Stimmungsfacetten präsentiert.

1694 erschienen Tomaso Albinonis ‚Opera prima‘, zwölf viersätzige 'Suonate a tre' (d.h. Triosonaten) für zwei Violinen und Cello mit Begleitinstrumenten. L‘Arte dell‘Arco, das 1994 gegründete Ensemble mit einer Vielzahl an Tonträgern, erweist sich als stilvoller Anwalt dieser Musik, die es mit reichen Farben und reichen Stimmungsfacetten präsentiert. In manchen Sonaten wird, wie es der Erstdruck nahelegt, eine Kammerorgel beigezogen und so überzeugend auch eine sakrale Verwendbarkeit der Kompositionen vermittelt. Der Gefahr der Gleichförmigkeit wissen die Musiker klug aus dem Weg zu gehen, einerseits indem sie die einzelnen Satzcharaktere scharf herausarbeiten (und so mehr bieten als die cpo-Einspielung mit den Parnassi musici), andererseits durch Variierung der Bassbegleitung (8-Fuß-Violone, Theorbe, Cembalo und Kammerorgel). Die vorteilhafte Aufnahmetechn...

Lindpaintner, Peter Joseph von: Il vespro siciliano - Camerata Bach Choir, Virtuosi Brunensis, Federico Longo

16 Oktober, 2018 - 07:47

Keine wirkliche Ehrenrettung

Dieser Mitschnitt von Lindpaintners 'Vespro siciliano' verdient als Ausgrabung in jedem Fall Beachtung. Vom Hocker reißen den Hörer hier aber weder Werk noch Interpretation.

'Die sizilianische Vesper' muss nicht zwingend von Giuseppe Verdi sein, auch andere Komponisten haben das historische Ereignis ins Operngewand gekleidet. Zwölf Jahre vor Verdis Grand Opéra steht die heute völlig vergessene Vertonung des ebenso in ziemliche Vergessenheit geratenen Peter Joseph von Lindpaintner (1791–1856). In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Lindpaintner ein renommierter Dirigent und Komponist, der vor allem in Stuttgart das Opernleben nachhaltig beeinflusst hat. Von seinen Opern taucht heute kaum noch ein Titel auf den Spielplänen auf, auch nicht sein im Schatten Marschners stehender 'Vampyr'.

Vergessenes Opernspektakel

Die 1843 in Stuttgart uraufgeführte Oper 'Die sizilianische Vesper' wurde im Jahr 2015 vom Festival in Bad Wildbad den Archiven entrissen und in konzertanter Form zur Aufführung gebracht. ...

Bach, Wilhelm Friedemann - Sämtliche Werke für Cembalo

16 Oktober, 2018 - 07:47

Zwischen den Epochen

Der älteste Bach-Sohn Wilhelm Friedemann ist in den letzten Jahren diskographisch umfassend erschlossen worden. Claudio Astronio reihte sich 2015/16 mit einer lohnenswerten Komplettbox in die Erkundung auch der Cembalowerke ein.

Welche Mythen von Originalgenie und gescheiterter Existenz zwischen organistischer Virtuosität und Auflehnung gegen Bevormundung, Vaterkomplex und Trunksucht seit dessen Tod um 'Friedemann Bach' rankten, bezeugt immer noch der gleichnamige Film von 1941 mit Gustaf Gründgens in der Hauptrolle. Von 1746 bis 1764 zunächst noch ganz bürgerlich in Halle in Amt, Ehe und Würden, musste sich Friedemann in Braunschweig und am Ende Berlin freischaffend durchschlagen und der ihn fördernden preußischen Prinzessin Anna Amalia zuliebe sogar eher höchst konservativ komponieren (wie die 8 Fugen F.31, 1778) – jenen um 1765 fast avangardistisch anmutenden Polonaisen und zahlreichen musikalisch tatsächlich oft freizügigen Fantasien für das Cembalo zum Trotz, die seinen Ruf als frühes, gleichrangig neben dem erfolgreicheren Bruder Carl Philipp Emanuel stehendes Sturm-und-Dra...

Riehm, Rolf - Shifting & Archipel Remix

15 Oktober, 2018 - 07:18

Neues von Neuer Musik

Interessante Kompositionen von Rolf Riehm, die nun endlich als Tonträger erhältlich sind.

Der 1933 geborene Komponist, Oboist und Hochschullehrer Rolf Riehm ist wahrscheinlich einer der interessantesten in Deutschland, gleichzeitig aber auch einer der unbekanntesten. Er war schon immer ein Unbequemer. Nur so lässt es sich erklären, dass die bei Wergo erschienene CD mit den Kompositionen 'Shifting' und 'Archipel Remix' erst jetzt erschienen ist, obwohl die Werke bereits 1995 bzw. 2000 mit dem WDR Sinfonieorchester Köln unter Dennis Russel Davies und Peter Rundel aufgenommen wurden.

Die Komposition 'Shifting' (1994) für Violine und Orchester ist im Prinzip ein zutiefst romantisches Werk. Das Beschwörende dieses zarten Werkes wird vom Solisten Guy Braunstein unter der zartfühlenden Leitung von Dennis Russell Davies hervorragend erfasst. Dem zutiefst einfühlsam musizierenden Orchester gelingt es eindrucksvoll, diese fließende Klanglandschaft zum Erklin...

Herz-Tod - Werke von Brahms, Wagner, Mahler, Wolf

15 Oktober, 2018 - 07:18

Herzensbildner mit Nachdruck

Nach seinem Soloalbum-Debüt mit Schuberts Liederzyklen 'Winterreise' und 'Schwanengesang' legt der österreichische Bass Günther Groissböck beim Label Decca nun mit einem weiteren Liedalbum nach.

Günther Groissböck gehört zu den führenden Bässen der heutigen Zeit und ist auf allen großen Opernbühnen dieser Welt zu Hause. Die voluminöse, prachtvolle Stimme gepaart mit einer entwaffnenden Tonschönheit zieht unmittelbar in ihren Bann. Es ist faszinierend, über welch kraftvolle Tiefen der österreichische Sänger verfügt und wie strahlend zugleich seine Höhe klingt. Und er besitzt etwas, das sogar auf Tonträger noch greifbar bleibt: Charisma. Das hat er vor kurzer Zeit auf seinem Debüt-Soloalbum mit Schuberts Liederzyklen 'Winterreise‘ und 'Schwanengesang' eindrücklich bewiesen und nun legt der Künstler beim Label Decca mit einem weiteren Liedalbum nach. Es trägt den bedeutungsschwangeren, aber treffenden Titel ‚Herz-Tod‘. Im Spannungsfeld dieser Wort-Kombination, die nicht allein eine klinisch formulierte T...

Mozart, Wolfgang Amadeus & Rachmaninoff, Serge: Klavierkonzerte - Aldo Ciccolini, London Philharmonic Orchestra, Yannick Nezet-Seguin

14 Oktober, 2018 - 08:50

Ungleiche Partner

Mit dieser CD gibt Yannick Nézet-Séguin eine frühe Visitenkarte seines Könnens ab.

Zum Zeitpunkt der Aufnahmen dieses beim Label LSO Live erschienenen Albums (2009 bzw. 2011, jeweils in der Southbank Centre‘s Royal Festival Hall, London) war Yannick Nézet-Séguin längst noch nicht so bekannt wie jetzt. Weshalb er es dahin gebracht hat, wo er heute steht, lässt sich aber bereits anhand dieser Mitschnitte erahnen.

Ohne falsches Pathos

Speziell in Mozarts d-Moll-Konzert KV 466 – obwohl er in diesem eigentlich gar nicht als Haupt-Protagonist auftritt. Gleichwohl ist es eindeutig das London Philharmonic Orchestra unter seinem Dirigat, das hier die musikalische Linie vorgibt und dem Werk die prägenden interpretatorischen Charakterzüge verleiht. Von den pulsierenden Anfangstakten des Kopfsatzes an versteht er es, kontinuierliche Spannungen (wohlgemerkt im Orchesterpart) aufzubauen, die jederzeit ebenso in der Lage sind, sich in spontanen emo...