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Aktualisiert: vor 1 Stunde 45 Minuten

Gnocchi, Pietro - Sechs Konzerte

vor 1 Stunde 45 Minuten

Lombardischer Ton

Eine spannende Persönlichkeit aus Brescia erfährt ein rundum überzeugendes Plädoyer.

Das Main-Barockorchester Frankfurt hat es sich zur Regel gemacht, die Instrumentalmusik der Zeitgenossen Bachs und Telemanns in historisch möglichst informierter Weise zu erkunden, ohne aus der Musik ein trübes Wachsfigurenkabinett zu machen. Diesmal sind sechs Concerti und eine Triosonate von Pietro Gnocchi (1689–1775) das Thema der Wahl – Werke eines aus der Nähe von Brescia stammenden Geistlichen, der sich nicht nur kompositorisch, sondern auch als Historiker und Geograph profilierte. Der lombardische Ton ist in der Musik unüberhörbar, der doch ganz anders ist als etwa der römische oder neapolitanische; und dieses Verdienst gebührt dem Frankfurter Orchester, das für die Musik im Großen wie im Detail gerade den rechten Ton, das passende Timing, den richtigen Puls findet. Dass gleichzeitig harmonisch Beziehungen zu anderen europäischen Kulturlandschaften hörbar sind...

Haydn, Joseph - Die Tageszeiten-Sinfonien Nr. 6-8

vor 1 Stunde 45 Minuten

Haydn-Zeiten

Yutaka Sado dirigiert die 'Tageszeiten'-Sinfonien: beglückend.

Wer den japanischen Dirigenten Yutaka Sado einmal hat Haydn dirigieren sehen, mag hinterher von einer Art Erweckungserlebnis sprechen. Anhänger des schnöden Credos ‚Haydn vermeiden‘ werden plötzlich zu glühenden Verfechtern der Sinfonien des Wiener Klassikers und hören dessen Musik mit vollkommen anderen Ohren.

Dass Sado auf dieser CD mit dem Sinfonienzyklus Hob.: 6-8 'Die Tageszeiten' dem Tonkünstler-Orchester aus Österreich vorsteht, dessen Chefdirigent er zugleich ist, kommt hier als weiterer positiver Faktor hinzu. Es ist wohl vor allem die akribisch herausgearbeitete gestische Lebendigkeit bei Haydn, die diese Live-Aufnahmen aus dem Wiener Musikverein (inklusive Schlussapplaus) auszeichnen. Hinzu kommt ein kultivierter Orchester- und vor allem Streicherklang, der gekonnt auf dem Mittelgrat zwischen historisch informierter Aufführungspraxis und modernem Instrum...

Romantische Duos für Viola und Klavier - Werke von Kiel, Reinecke und Reuß

vor 1 Stunde 45 Minuten

Aus der zweiten Reihe herausgehoben

Drei Komponisten der sogenannten zweiten Reihe erfahren erstklassige Plädoyers.

Die hier vorgestellten Komponisten sind vielleicht nicht bekannt als große Leuchttürme der Musikgeschichte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dass sie dennoch nicht einfach als langweilige ‚Akademisten‘ oder Dilettanten abgetan werden können, ist dem Einsatz Oliver Triendls zu danken, zusammen mit der finnischen Bratschistin Anna Kreeta Gribajevic. Friedrich Kiels g-Moll-Sonate op. 67 von 1876 erweist sich (bei rechtem Zugriff) als ganz auf der Höhe der Zeit stehend, voller Kraft und Atmosphäre, voll melodischem und harmonischem Reichtum. Carl Reineckes 'Drei Phantasiestücke' op. 43 (1957) erweisen Schumann ihre Referenz und haben doch ganz eigenen Charakter.

Die Chemie zwischen den beiden Musikern bringt die Musik zum Leuchten; sie kosten die dramatischen wie die leisen Töne, den Witz und die Eleganz in all ihrem Reichtum aus und lassen einen sich wundern, ...

Vidi Speciosam - A Lady Mass from the 16th Century - Tiburtina Ensemble, Capella de la torre, Barbora Kabatkova, Katharina Bäuml

vor 1 Stunde 45 Minuten

Delikat

Eine rundum schöne, lebendige und alles andere als einförmige Platte: Musik von Victoria in einer harmonischen Präsentation durch das Tiburtina Ensemble und die Capella de la Torre.

Wenn der Blick ins 16. Jahrhundert zurückgeht, dann finden sich in den katholischen Ländern Klöster in großer Zahl, die entscheidend zur musikalischen Überlieferung beigetragen haben, auch ganz praktisch. Und nicht nur Männerklöster: Die oft erstaunlich vielfältige musikalische Praxis an Nonnenkonventen der Zeit ist nicht unbekannt, gerade im iberischen Raum. Oft waren es Klöster, in denen Töchter höherer Familien mit entsprechenden Ambitionen lebten – weitgehend abgeschirmt von der erlesenen Klangkunst der Zeit. Offenbar war dieser Gedanke vielfach so unvorstellbar und abwegig, dass man Wege suchte und fand, diesem Malus abzuhelfen. Ein sehr praktischer Ansatz war es, die tieferen Stimmen kontrapunktischer Werke mit Instrumenten zu besetzen – eine undogmatische Lösung, die aus vielen Kontexten bekannt ist. Unter anderem aus dem Madrider Monasterio de los D...

Gernsheim, Friedrich: Cellosonaten Nr.1-3 - Alexander Hülshoff, Oliver Triendl

vor 1 Stunde 45 Minuten

Spaltung statt Verschmelzung

Die Cellosonaten Friedrich Gernsheims erfahren eine interpretatorisch mehr als solide Darbietung. Leider beeinträchtigt die stark räumliche Aufnahmetechnik die erforderliche Verbindung der beiden Kammermusikpartner.

Mit den Cellosonaten setzt das Label cpo seine Erkundung des Schaffens Friedrich Gernsheims fort – jenes Brahms-Freundes, der auch immer wieder Brahms-Echos in seinen Werken verarbeitet hat. So gleich in dem Kopfsatz der dritten Cellosonate e-Moll op. 87 aus dem Jahr 1914. Der Tonfall ist weit von anderen Kompositionen jener Zeit entfernt (auch Regers Cellosonate op. 116 gehört einer anderen Welt an) – vielmehr scheint Gernsheim der durch neue ‚Moden‘ verlorengegangenen Zeit nachzutrauern. Leider überzeugt das vom reinen Informationsgehalt insgesamt akzeptable Booklet nicht wirklich mit Blick auf die Verortung von Gernsheims Musik in der Musikwelt seiner Zeit. Wie die beiden früheren Sonaten ist auch op. 87 dreisätzig, der zentrale langsame Satz wird, wo Oliver Triendl dezente Expression aufbietet, von Alexander Hülshoff mit gewisser Überemphase befrachtet, so dass die klaren Cell...

Bolcom, William - Canciones de Lorca

vor 12 Stunden 54 Minuten

Tiefer Gegenwartbezug

Zwei Vokalwerke William Bolcolms mit Orchester zeigen einen imaginativen Komponisten, dem aber stilistisch das letzte Quäntchen musikalische Eigenart fehlt.

William Bolcom (* 1938) ist zutiefst in der Gegenwart verankert, mit starken Bezügen in die Vergangenheit. Der umfangreiche Orchesterliederzyklus 'Canciones de Lorca' entstand 2006 für Plácido Domingo; ähnlich wie in Menottis 'Goya'-Oper hört man in der melodienreichen Komposition auch gleich die berühmte Stimme des Spaniers. Bolcolms Musik ist im Vergleich zu vielen Zeitgenossen eher eklektisch, gerade im Vokalen offen konventionell – die Bezugnahmen zu Puccini sind aber auch im Orchestersatz unüberhörbar. Dem Tenor René Barbera, der anstelle von Domingo in der vorliegenden Einspielung den Solopart übernommen hat, mangelt es leider allzu sehr an vokaler Phantasie und stimmlicher Eigenart – häufig klingt er nur wie ein Domingo-Imitat, aber ohne die strahlende Höhe, die Sensitivität für die Texte. Das klingt alles wie gut auswendig ge...

Mozart, Wolfgang Amadeus - Klavierkonzerte

vor 12 Stunden 54 Minuten

Interessantes Team

Barock-Spezialist Rinaldo Alessandrini begleitet den Schweizer Pianisten Olivier Cavé: Ein eloquent gespielter Steinway trifft auf historisch orientiertes Musizieren.

Über das begleitende Orchester Divertissement erfährt man im Booklet nichts (und auch im Internet zunächst nicht): Historische Instrumente und Musiker teils aus Alessandinis Ensemble Concerto italiano? Gespielt wird jedenfalls ‚historisch informiert‘ ohne viel Vibrato, aufnahmetechnisch gut eingefangen mit schön hervortretender Pauke und allen Orchesterfarben, die Alessandrini findet und vorstellt. Das ist im späten C-Dur-Konzert KV 503, Mozarts ‚symphonischstem‘ Orchesterpart aller seiner Konzerte, sogar recht viel: Über mangelnde orchestrale Schlagkraft (wie bei Bilson/Gardiner oder Schondervoort) kann man per se nicht klagen – auch wenn gerade die dramatische Steigerung in den Sequenzen und verdichteten Vaiantenbildungen des durchführenden Mittelteils von KV 503 von Alessandri völlig verschenkt wird (einziger größerer Kritikpunkt dieses Programms...

Ariane & Orphée - Französische Barockkantaten

15 August, 2018 - 08:50

Irreführung

Trotz des vielversprechenden Covertitels bietet die vorliegende CD gerade einmal zwei Barockkantaten, davon eine hinlänglich bekannte.

Jean-Philippe Rameaus 'Orphée' (1721) und Philippe Courbois‘ 'Ariane' (1710) bilden die Eckpunkte der vorliegenden CD, die durch eine ‚Air de cour‘ 'Ombre de mon amant' von Michel Lambert (1689), eine Triosonate c-Moll von Elisabeth Jacquet de la Guerre (1707) und einer Chaconne von Marin Marais (1692) ergänzt werden. Das Ensemble Stravaganza unter seiner Leiterin Domitille Gilon erweist sich als stilsicheres, wenn auch nicht selten affektiv stark ausladender Klangkörper, an dessen Ästhetik man sich erst gewöhnen muss. Die französisch-marokkanische Sopranistin Hasnaa Bennani passt sich in dieses Konzept nahtlos ein und bietet in den beiden Kantaten sowie der Air de cour eine durchaus individuelle, bezwingende, für manche Ohren aber auch sicher emotiv-anstrengende Interpretation mit allzu viel Vibrato an der falschen Stelle. Manche kompositorische Fakturen ...

Bartholdy, Felix-Mendelssohn: Konzert für Violine, Klavier und Streichorchester - Lena Neudauer, Matthias Kirschnereit, Südwestdt. Kammerorchester Pforzheim

15 August, 2018 - 08:50

Ein ausgewogenes Feuerwerk

Lena Neudauer und Matthias Kirschnereit bringen mit dem südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim zwei geniale Frühwerke Felix Mendelssohn-Bartholdys zum Klingen.

Von frühester Kindheit wurde das musikalische Talent der Geschwister Felix und Fanny Mendelssohn Bartholdy intensiv gefördert, sie erhielten Unterricht bei den besten Lehrern und die Gelegenheit, bei den ‚Sonntagsmusiken‘ im elterlichen hauseigenen Konzertsaal vor der intellektuellen Elite Berlins aufzutreten. Im Rahmen dieser Zusammenkünfte, bei denen häufig auch ein Orchester aus Musikliebhabern und professionellen Musikern gebildet wurde, kamen 1822 und 1823 auch Felix‘ Violinkonzert in d-Moll und das Konzert für Violine, Klavier und Streichorchester in d-Moll zur Uraufführung. Den Part der Solovioline übertrug der damals gerade einmal 13- bzw. 14-jährige Felix seinem Geigenlehrer Eduard Rietz, das Klaviersolo im Doppelkonzert spielte er selbst.

Das südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim widmete sich auf seiner 2017 bei cpo erschienenen CD diesen beiden Fr...

Amen Hayr Surb - Armenian sacred music & Johann Sebastian Bach

14 August, 2018 - 07:41

Eine Begegnung zweier Welten

Die armenische Violinistin Lilit Tonoyan stellt die sakrale Musik ihrer Heimat neben ausgewählte Werke von Johann Sebastian Bach. Herausgekommen ist ein außergewöhnliches Klangerlebnis mit großer Tiefe.

Zwischen zwei Welten zu leben, ist für die Geigerin Lilit Tonoyan nichts Ungewöhnliches. Aufgewachsen ist sie in Armeniens Hauptstadt Jerewan, doch seit sie 2007 für ihr Violinstudium nach Deutschland gekommen ist, beschäftigt sie sich auch intensiv mit europäischer Musik. Dabei findet sie anscheinend Gefallen daran, Musik aus ihrem ursprünglichen Kontext zu lösen und sie in einen neuen Rahmen zu setzen. So gründete sie 2008 das Cologne World Jazz Ensemble, das Jazz, Improvisation und armenische Musik miteinander verbindet. Mit ihrer aktuellen CD wagt Tonoyan einen neuen Vorstoß. Auf 'Amen Hayr Surb' fokussiert sie sich auf die Verbindung von armenischer Sakralmusik und der Musik Johann Sebastian Bachs (1685–1750). Ihr Partner in diesem Projekt ist der ebenfalls aus Armenien stammende Cellist und Bach-Spezialist Davit Melkonyan. Das Album erschien bei der Edition Kaleidos.

Sviridov, Georgy: Canticles and Prayers - Latvian Radio Choir, Sigvards Klava

13 August, 2018 - 08:35

Orthodoxe Moderne

Georgy Sviridov erscheint hier als großer Transformator älterer Traditionen in die Gegenwart – und der Lettische Radiochor als kongenialer Anwalt dieser Musik.

Georgy Sviridov (1915–1998) ist eine durchaus vielschichtige Künstlerfigur, eingewoben in die Zeit: einerseits Schostakowitsch-Schüler, in seinem eigenen Werk andererseits beinahe vollkommen frei von der eruptiven Energie, von der im engeren Sinne modernen Seite seines Lehrers. Einerseits ein mit Preisen überhäufter, in der Sowjetzeit arrivierter Komponist – mit Lenin-Ode im Werkverzeichnis und auch sonst mit allem, was dazugehörte. Andererseits einer der zentralen Großmeister, der substanzielle Teile des alten orthodoxen Erbes aus der Zarenzeit bis ans Ende des 20. Jahrhunderts getragen hat. Letzteres sichert ihm eine beachtliche Präsenz in der Gegenwart. Die zu mehren wird auch die aktuelle Platte des Lettischen Radiochors beitragen, die beim finnischen Label Ondine erschienen ist.

Auf ihr sind die 'Gesänge und Gebete' versammelt, an denen Sviridov seit 1980 und...

Chant d'Automne - Trompetenwerke von Hartmann, Grunelius, Hindemith und Fischer

13 August, 2018 - 08:35

In expressiver Steigerung

Wim Van Hasselt steht im Mittelpunkt einer durchaus disparaten Sammlung von Werken mit Trompete.

Das 20. Jahrhundert brachte der Konzert- und Kammermusikliteratur für Trompete neue reiche Früchte – die Möglichkeiten der freieren Instrumentennutzung nach dem Ersten Weltkrieg führte zu Werken unterschiedlichster Couleur und Stimmungslage. Die Ecksätze von Karl Amadeus Hartmanns neoklassisch-ironischem 'Concertino' für Trompete und sieben Soloinstrumenten aus dem Jahr 1933 kommen übermütig-spritzig daher, wie ein sarkastischer Kommentar zu den Nationalsozialisten. Nach der Uraufführung im August desselben Jahres in Straßburg galt das Werk bis 2000 als verschollen, hat aber in der vorliegenden Einspielung mit Wim Van Hasselt (zusammen mit Solisten der Amsterdam Sinfonietta) nichts von seiner Frische verloren. Paul Hindemiths Sonate für Trompete und Klavier (mit einem Choralzitat aus 'Alle Menschen müssen sterben' im Schlusssatz) entstand 1939 im Schwe...

Meyerbeer, Giacomo - Chorwerke

12 August, 2018 - 06:48

Voll weltlicher Würde

Musikalisch höchstkarätige, vielleicht etwas zu säkulare Darbietung eines substanziellen Teils von Giacomo Meyerbeers Chorschaffen.

Nur ein eher überschaubares sakrales Œuvre hat der aus dem Brandenburgischen stammende Giacomo Meyerbeer (Jakob Herz Beer) hinterlassen. Da gibt es das Oratorium 'Gott und die Natur', 16 Choräle, insgesamt sechs Psalmvertonungen und verschiedenes mehr. Die Rheinische Kantorei unter ihrem legendären Leiter Hermann Max hat eine Auswahl an Werken mit und ohne Orgel zusammengestellt und überzeugt vom ersten Takt durch höchste Textverständlichkeit und ebensolches Textverständnis, durch musikalische Durchformung, durch interpretatorische Makellosigkeit. Wenn es den Darbietungen an etwas fehlt, dann höchstens an sakraler Innigkeit, die aber im Berlin des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts nicht an erster Stelle gestanden haben mag. Meyerbeers satztechnische Fertigkeiten, die in den Opern meist zu wenig Würdigung erfahren, treten hier haptisch hervor. Der etwas zu lange Nachhall de...

Dvorak, Antonin: 23 Lieder "Mährische Duette" - Simona Saturova, Marketa Cukrova, Petr Nekoranec, Vojtech Spurny

11 August, 2018 - 08:27

Hausmusik von herber Schönheit

Diese Aufnahme ist mit Sicherheit keine hochpolierte Massenware, die im Schönklang ertrinkt, sondern eine kraftvolle und persönlichkeitsstarke Lanze für eine vernachlässigte Kunst: Hausmusik in ihrer schönsten Ausprägung.

Es war im Hause der Familie Neff in Prag Anfang der 1870er Jahre, wo Antonín Dvořák als Musiklehrer ein- und ausging. Und weil bei den Neffs die Pflege von Hausmusik großgeschrieben wurde, beauftragte man den jungen Komponisten, ein paar Duette für das singende Ehepaar zu komponieren – und zwar als Gegenentwurf zur deutschen Hausmusikliteratur in tschechischer Sprache. In einer Zeit, in der man auf der Suche nach idiomatischer Nationalmusik war, fiel dieses Ansinnen auf fruchtbaren Boden. Und so schrieb Dvořák seine ersten 'Mährischen Duette' op. 20 auf Texte aus einer Volksliedsammlung – für den Hausgebrauch. In den Jahren darauf folgten die 'Mährischen Duette' op. 32 und jene op. 38, die bis heute immer wieder in Duo-Liederabenden erklingen. Es ist das Volkstümliche in Kombination mit dem Kunstvollen, das Dvořáks Duette so attrakti...

Distler, Hugo - Sämtliche Orgelwerke

10 August, 2018 - 07:50

Klingendes Faszinosum

Johannes Hämmerle spielt das gesamte Orgelwerk von Hugo Distler – eine wahre Bereicherung.

Ein Jammer, dass Hugo Distler bereits im Alter von 34 Jahren verstarb (1908–1942). Wer weiß, was der große Erneuer der evangelischen Kirchenmusik und der Orgelbewegung sonst noch geschaffen hätte? Erstaunlicherweise gibt es vom Orgelwerk des Nürnbergers nur wenige Gesamteinspielungen, obwohl es auf 2 CDs passt und in jederlei Hinsicht ein Faszinosum darstellt.

Johannes Hämmerle zeigt auf vorliegender Einspielung an der Metzler-Orgel der Domkirche St. Nikolaus im voralbergischen Feldkirch, dass Moderne und berückende Melodik sowie ausgefeilte Kontrapunktik bei Distler Hand in Hand gehen. Nicht nur dank der natürlichen Direktheit von Hämmerles Zugriff erschließen sich die Partiten, Orgelchoralbearbeitungen, geistlichen Konzerte, Spielstücke und die ‚späte‘ Orgelsonate auf Anhieb. Jenseits von platten Archaismen kommt so die gesamte hochoriginelle Synt...

Vernet, Olivier spielt - Französische Orgelwerke

10 August, 2018 - 07:50

Der Sonnenkönig unter den Instrumenten

Eine musikalisch vielfältige und auch in der Ausstattung reiche Edition zu 150 Jahren französischer Orgelmusik.

Eine reiche Ausbeute haben Olivier Vernet und das französische Label Ligia auf 10 reichgefüllten CDs unter dem Titel 'L’orgue classique français 1650–1800' vorgelegt. Die Einspielungen entstanden von 1995 bis 2011 an zehn verschiedenen Orgeln, und neben den ‚üblichen Verdächtigen‘ Louis und François Couperin, Nicolas de Grigny, Louis-Nicolas Clérambault, Michel Corrette, Jean-François Dandrieu, Jean-Philippe Rameau und Claude-Bénigne Balbastre sind zahlreiche weitere Komponisten zu erkunden. Olivier Vernet weiß der Musik nicht nur Leben und musikalische Frische einzuhauchen, auch die sakrale Komponente kommt an den hervorragend ausgewählten Instrumenten u.a. in Paris, Bordeaux, Sous-Jouarre, La Flèche, Rozay-en-Brie, Seurre, Soultz, Souvigny Saint-Guilhem-le-Désert bestens zur Geltung (doch fehlen auch Transkriptionen aus s...

Wagner, Richard: Tristan und Isolde (Bayreuth, 1958) - Wolfgang Windgassen, Josef Greindl, Birgit Nilsson, Erik Saeden, Wolfgang Sawallisch

9 August, 2018 - 08:23

Noch ein Nilsson-Windgassen-'Tristan'? Ja!

Dieser 'Tristan' dokumentiert die junge Birgit Nilsson und den hörbar entflammten Wolfgang Windgassen in ihren Paraderollen – einige Jahre, bevor sie als Traumpaar dieses Werks in die Geschichte eingingen.

Eigentlich könnte man sich fragen, weshalb es noch einen 'Tristan' mit dem Traumpaar Birgit Nilsson und Wolfgang Windgassen auf CD geben muss. Die legendäre Böhm-Aufnahme von 1966 von den Bayreuther Festspielen ist bei der Deutschen Grammophon noch immer erhältlich und es gibt zahlreiche andere Livemitschnitte von Florenz bis Orange, London und die MET, die zumindest Nilssons Jahrhundert-Isolde und auch Windgassens Tristan hinreichend dokumentieren. Der vorliegende Mitschnitt aus dem Jahr 1958 von den Bayreuther Festspielen, der nun auf drei CDs beim Label Orfeo herausgekommen ist, ist aber dennoch etwas Besonderes, denn er macht einen Abend im Festspielhaus wieder lebendig, der einige der Mitwirkenden am Beginn ihrer internationalen Karriere mit diesen Partien zeigt.

Am Beginn der Karrieren

Dass beispielsweise Wolfgang Sawallisch ein großer Wagner-Dirigent war, i...

Chaminade, Cecile und Chausson, Ernest - Le Salon de Chausson

8 August, 2018 - 07:14

Aus dem musikalischen Salon

Musik aus der Société National de Musique in herausragenden Wiedergaben.

Als Ernest Chausson in seinem neuen Domizil in der Pariser Rue de Courcelles der Société National de Musique eine neue Heimat gab, läutete er damit eine Wiederbelebung der Kammermusik im französischen Musikleben ein. Chaussons Klaviertrio g-Moll op. 3 und Cécile Chaminades Klaviertrio a-Moll op. 34 waren beide hier zu hören. Grund genug für das niederländische Atlantic Trio, in Hilversum beide Werke zu verknüpfen (Label Quinton). Die Liebe zum Objekt ist jeden Moment zu hören, die innere Verbundenheit verbunden mit technischer Makellosigkeit. Wenn bei dem Chausson-Trio die Hyperion-Einspielung mit noch mehr Farben, noch mehr Intimität und ‚impressionistischer‘ Dichte aufwarten kann – auch durch die Wahl des Klaviers –, heißt das nur, dass eine sehr gute Interpretation durch eine noch bessere übertroffen wurde. Bei dem Chaminade-Trio h...

Purcell, Henry: Cembalosuiten - Ewa Rzetecka Niewiadomska, Cembalo

8 August, 2018 - 07:14

Orpheus auf dem Cembalo

Henry Purcell war auch als Meister des Cembalos eine Hausnummer. In eigensinnigen Spezialitäten wie den Hornpipes manifestieren sich musikantische Unternehmungslust und ein beweglicher Geist vielleicht am schönsten.

1696, ein Jahr nach Henry Purcells Tod, veröffentlichte Henry Playford dessen acht Suiten für Cembalo auf Betreiben der Komponistenwitwe Frances. Und die Publikation lohnte, handelt es sich doch um Werke von konsistentem Schnitt, fast durchgängig mit einem knackigen Prelude einsetzend, sind sie meist vier-, seltener dreisätzig, mit Almand und Corant als prägenden Formen, dazu in wechselnden Konstellationen Sarabanden, Minuets oder – das als typisch englisches Element anzusprechen – Hornpipes. Vollkommen absent ist dagegen die Gigue oder Jig.

Die jeweiligen Eingangssätze geraten bei aller Pointierung angemessen frei und gelöst, entfalten diese Qualität auf atemberaubend engem Raum zu dennoch echter, nicht nur behaupteter Charakteristik. Purcell, dessen Musik stets von präziser affektiver Zeichnung und der glückenden Balance zwischen struktureller Ambition und...

Siegel, Gerhard singt - Lieder von Schönberg, Strauss & Hessenberg

7 August, 2018 - 08:19

Charme im Keim erstickt

Ein überforderter Sänger mit einem spannenden Programm.

Einem nicht alltäglichen Programm stellen sich der deutsche Charaktertenor Gerhard Siegel und sein amerikanischer Klavierpartner Gabriel Dobner: Schönbergs 'Brettl-Liedern', Strauss‘ 'Krämerspiegel' und Kurt Hessenbergs 'Liedern eines Lumpen' (1950, auf Texte von Wilhelm Busch) – letzteres eine ganz besondere Rarität. Leider bietet der Sänger mehr Rhetorik als qualitätvollen Gesang – viele Töne sind verquollen, gepresst, vieles ist nicht ganz sauber intoniert, die Höhe bemüht, keine Linie sauber gebildet, die Gestaltung ohne rechtes Ziel und innere Bedeutung. Die im Booklet angesprochene Erotik spiegelt sich nicht im Mindesten in Siegels Stimme – und auch an der Ironie der Musik mangelt es zumeist. Auch der Pianist bleibt allzu prosaisch – auch wenn er sich insgesamt als sensibler und geschmackvoller Partner erweist (wodurch der Sä...