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Aktualisiert: vor 2 Stunden 4 Minuten

Rosenmüller, Johann - Festmusiken

vor 2 Stunden 4 Minuten

Entfernter Meister

Das Rosenmüller-Jahr 2017 hat keinen großen Eindruck hinterlassen. Im Nachgang gibt es jetzt eine wirklich schöne Platte zu hören. Diesen Komponisten als genialen Musiker zu würdigen, ist mehr als gerechtfertigt. Sehr lohnend.

Johann Rosenmüller ist eine der aus heutiger Sicht kompositorisch zweifellos eindrucksvollsten Figuren des 17. Jahrhunderts in Deutschland. Thomaskantor Tobias Michael und Übervater Heinrich Schütz haben den 1617 im vogtländischen Oelsnitz geborenen Komponisten früh protegiert – und sie haben sich in der Einschätzung seines Talents nicht getäuscht. Das hat eine immer größer werdende Zahl von hochkarätigen Aufnahmen in den vergangenen Jahrzehnten eindrucksvoll unterstrichen. Und das dokumentiert auch die aktuell zur Diskussion stehende Einspielung des von Gregor Meyer geleiteten Ensembles 1684 mit groß dimensionierten Geistlichen Konzerten und instrumentalen Werken sehr deutlich.

Rosenmüllers Begabung war so offensichtlich, dass er während seines 1640 in Leipzig begonnenen Theologiestudiums bald Kontakte zur Thomasschule knüpfte, dort eine Stellung...

Rachmaninoff, Sergej - Die Glocken & Symphonische Tänze

vor 2 Stunden 4 Minuten

Ich danke dir, Gott

Wer Rachmaninow kennt und schätzt, der muss diese neue Einspielung von Mariss Jansons abgöttisch lieben. Zu hören sind zwei der wahren drei Meisterstücke des Komponisten.

Vor allem die Klavierkonzerte von Sergej Rachmaninow gehören für viele Liebhaber des Komponisten neben den Sinfonien zum Non plus ultra. Dem ist zuzustimmen, doch Kenner wissen noch drei Stücke zu nennen, die die mithin zum doch arg Populären neigenden Instrumentalkonzerte, wenn sie auch das Metier Rachmaninows darstellen, an kompositorischer Qualität weit übertreffen. Dabei handelt es sich um die Oper 'Francesca da Rimini' op. 25, um das symphonische Gedicht 'Die Glocken' op. 35 und Rachmaninows letzte Komposition, die 'Symphonischen Tänze' op. 45. (Die 10er Schritte in den Opus-Nummern zwischen diesen Schöpfungen sind reiner Zufall.) Was alle drei Stücke zu etwas Besonderem, mithin Herausragenden macht, ist der Umstand, dass es Rachmaninow gelingt, seinen eigenen Stil jeweils neu zu erfinden - und das in Bezug auf die "Symphonischen Tänze" auch noch...

Prokofjew und Strawinsky - Klaviertranskriptionen

vor 2 Stunden 4 Minuten

Auf der Klaviatur tanzen

Meisterhaft gelöst: Beschwingt und gar nicht kraftmeiernd legt Jalbert die halsbrecherischen Ballett-Bearbeitungen von Strawinsky und Prokofjew hin.

Es ist eine Kunst, Orchesterwerke sinnvoll auf das Klavier zu übertragen, ganz besonders, wenn es sich dabei um beliebte Orchestersuiten von Balletten handelt, die gerne und tief in die Effekte-Trickkiste greifen. Strawinsky und Prokofjew haben selbst Bearbeitungen ihrer Ballettmusiken erstellt, denen sich meist nur Interpreten mit dezidiert virtuosem Profil wie Denis Matsuev, Nikolai Tokarev oder Maurizio Pollini zuwenden. David Jalbert hat sich mit seinen ebenfalls bei Atma classique erschienenen Einspielungen von Bach, Poulenc, Satie und Schostakowitsch als vielseitiger Künstler erwiesen, von man dem mehr erwarten darf, als dass er das übliche virtuose Feuerwerk abbrennt.

Gerade für die berühmt-berüchtigten 'Trois Mouvements de Petrouchka' legt er einen Gegenentwurf vor - eigentlich versucht er geradezu die Quadratur des Kreises: Er bezwingt die enorm sperrige, spröde Partitur (...

Pecou, Thierry - Les Liaisons magnetiques

vor 2 Stunden 4 Minuten

Kulturelle Anverwandlung

Thierry Pécous Werke erweisen sich als spannende anarchische Weltenmusik, die Grenzen mühelos übergeht.

‚Wuchtig und zart wie Beethoven‘, so wird die Musik des Komponisten Thierry Pécou beschrieben. Die Tonalität ist dennoch eine ganz andere. Musik ist  für Thierry Pécou eine klangliche Performance, sehr physisch und exzessiv, ein Musikerlebnis, das sich ständig mit den musikalischen Traditionsströmen anderer Kulturen auseinandersetzt. Er adaptiert sie nicht, sondern dialogisiert mit ihnen und entwickelt, stark beeinflusst von den Gedanken seiner Lieblingsdichter, außerordentliche Klangkunstwerke. Die Basis bildet Thierry Pécous abendländisch geprägter Hintergrund. Gleichzeitig erkundet er als Weltenbürger in den Werken, die auf der Platte ‚Les Liasions magnétiques‘ zusammengefasst sind, Musiken aus Lateinamerika und Asien. Das Ergebnis sind extrem unterschiedliche, klanglich reizvolle Kompositionen, die sich allerdings bis auf die karibis...

Rachmaninoff und Schostakowitsch - Cellosonaten

vor 2 Stunden 4 Minuten

Atmosphärisch

Wie eng die menschliche Gesangsstimme mit dem Klang des Cellos verwandt ist und wie gut dieser mit dem des Klaviers harmoniert, zeigen Audun Sandvik und Sveinung Bjelland besonders anhand der Sonate Rachmaninows auf eindrucksvolle Weise.

Unter all den zahlreichen Cellosonaten, die sich innerhalb des klassischen Repertoires zur Interpretation anbieten, muss sich einem Duo die Kombination von Rachmaninow und Schostakowitsch besonders reizvoll darstellen. Es ergeben sich bei dieser Werkkombination ebenso viele Gemeinsamkeiten wie gravierende Unterschiede, die ein solches Projekt interessant machen. Beide Komponisten stammen aus Russland, und obwohl sie in unterschiedlichen Epochen lebten, gibt es einen Zeitraum in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in dem sich ihre Schaffensphasen überschneiden. Darüber hinaus nimmt die Cellosonate in beiden Gesamtwerken einen besonderen Stellenwert ein, denn beide Komponisten schrieben nur ein einziges Werk dieser Gattung, obwohl sie es in anderen kammermusikalischen Besetzungen bevorzugt verwendeten, etwa im Rahmen des Klaviertrios. Während die Sonate g-Moll op. 19 aus dem Jahr 1901 den Höhepunkt von Rach...

Triptych - Klaviertrios von Clara Schumann, Amy Beach u.a.

vor 2 Stunden 4 Minuten

Ungehörtes

Das Monte Piano Trio portraitiert auf seiner neuesten Einspielung drei Komponistinnen. Im Mittelpunkt steht die Weltersteinspielung eines Trios von Natalie Klouda, das dieser Produktion auch den Titel gibt: 'Triptych'.

Komponierende Frauen: Sie gab es, keine Frage – eine Handvoll Namen fällt hier sicherlich jedem nach kurzem Überlegen ein. Doch eine ebenso große Bekanntheit wie ihre männlichen Kollegen zu erreichen, war für sie in der Vergangenheit mit großen Schwierigkeiten verbunden und immer noch scheinen sie ein wenig hintenan zu stehen. Mit ihrer neuesten Produktion ist dem Monte Piano Trio wieder ein vielbeachteter Wurf gelungen. Bereits auf ihrer vorhergehenden Einspielung nahmen sich Francesco Sica (Violine), Claude Frochaux (Violoncello) und Irina Botan (Klavier) äußerst erfolgreich der unbekannteren Komponisten und Werke für ihre Besetzung an. Auf der aktuellen Aufnahme führen sie diese Linie fort. Dabei umspannen sie knapp 200 Jahre Klaviertrio-Geschichte aus weiblicher Hand und nehmen den Hörer mit auf eine spannende Entdeckungs- und Zeitreise. Zu hören sind das Klavie...

Martinu, Bohuslav - Die Klaviertrios

vor 2 Stunden 4 Minuten

Mit Elan

Das Smetana Trio nimmt sich der Klaviertrios von Bohuslav Martinu an. Das Ergebnis ist voller Frische und lebendiger Gestaltungskraft. Ein optimaler Zugang zu diesen Werken.

Die vier Klaviertrios Nr. 1 bis 3 sowie die 'Bergerettes' des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů sind verhältnismäßig selten in einer Produktion versammelt. Der – wie er von seinem Biografen Harry Halbreich eingeordnet wird – neben Smetana, Dvořák und Janáček ‚vierte Klassiker der tschechischen Musik‘, ist in Deutschland nicht allzu beliebt. Warum? Das erschließt sich nicht unbedingt. Auf dem deutschen Markt erhältlich sind derzeit etwa Einspielungen mit dem Trio Martinů (2016), dem Arbor Piano Trio (erschienen 2012), dem Kinsky Trio Prague (2009), dem Angell Trio (2000), dem Czech Trio (1997) sowie dem Dresdener Klaviertrio (1994). Weitere Künstler haben einzelne der vier Werke veröffentlicht. Zu den neuesten Produktionen dieser viel zu selten zu hörenden kammermusikalischen Schwergewichte zählt die CD des ts...

Eötvös, Peter - Paradise Reloaded

vor 2 Stunden 4 Minuten

Lucifers attraktive Konkurrentin

Einer der unbestreitbaren Höhepunkte der Wien Modern-Ausgabe 2013, die Uraufführung von 'Paradise Reloaded (Lilith)' von Péter Eötvös ist auf Platte erschienen. Warum aber der Widmungsträger und UA-Dirigent nur als Berater fungiert, bleibt schleierhaft.

Neue Musik - hier sei an den im letzten Jahr verstorbenen Peter Oswald erinnert, der nicht müde wurde, die Studierenden an der Universität Wien daran zu erinnern, wie wichtig sie ist - vermag nachhaltig zu faszinieren. Wenn sie gut gemacht ist. Aber das gilt für alle Musik, dann sind Berührungsängste bei allem notwendigen Respekt schlicht nur kindisch. Dies machte die Uraufführung von 'Paradise Reloaded (Lilith)' im Wiener Museumsquartier auf bereichernde Weise bewusst.

Eigentlich handelt es sich aber ja nur um eine Neufassung einer schon existierenden Oper, die 'Tragödie des Teufels', die 2010 in München erstmals über die Bühne ging. Sicher auch eine gewisse Unzufriedenheit, die Opernkomponisten nicht fremd ist, man denke an Richard Wagners Ringen mit seinem 'Tannhäuser', brachte Eötvös dazu, das Libretto von Albert Ostermaier Revision...

Schostakowitsch, Dimitri - Sinfonie Nr. 7

vor 2 Stunden 4 Minuten

Ambitioniert

Das Joven Orquesta Nacional de España liefert unter der Leitung von George Pehlivanian eine beachtliche Interpretation der Sinfonie Nr. 7, die sich besonders durch ihre klangliche Frische auszeichnet und auf Pathos nahezu komplett verzichtet.

Es gibt nur wenige Komponisten, deren Musik so eng mit den gesellschaftlichen Hintergründen ihrer Entstehung verknüpft wird, wie es bei Dmitri Schostakowitsch der Fall ist. Besonders bei seinen Sinfonien, der Gattung, die neben den Streichquartetten am häufigsten in seinem Gesamtwerk vertreten ist, erscheint es nahezu unmöglich, sie losgelöst von politischen Bezügen zu betrachten.

Die Siebte Sinfonie Schostakowitschs, berühmt geworden vor allem unter dem Titel ‚Leningrader Sinfonie‘, ist ein Paradebeispiel für dieses Phänomen. Sie wurde 1941 komponiert, während der Zweite Weltkrieg in vollem Gange war, und symbolisierte für das russische Volk sowohl Hoffnung und Zuversicht, die schweren Zeiten zu durchstehen, als auch den Willen, durchzuhalten und zu kämpfen. Zu jedem der vier Sätze existiert ein programmatischer Titel: 1. Krieg, 2. Erinnerungen, 3...

The Last Concert - Werke von Mendelssohn Bartholdy und Berlioz

vor 2 Stunden 4 Minuten

Letztes Konzert

Das Label der Berliner Philharmoniker erinnert mit einer kostbaren Box an Claudio Abbado.

Die Zeit Claudio Abbados als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker war nicht frei von Konflikten. Es lag wohl am ungewohnten Stil, den der Italiener nach Ende der autoritären Karajan-Ära an die Spree brachte. Abbados Ansatz eines kommunikativen, kollegialen Miteinanders zielte darauf, den Persönlichkeiten des Orchesters Entfaltungsfreiheit zu lassen. Nicht durch Macht, durch Kenntnis der Partitur wollte er überzeugen. Doch das führte schon bald nach seinem Antritt im Berlin 1990 zu kritischen Stimmen aus dem Orchester. Im Laufe der folgenden Jahre nahmen die Spannungen zu. 2002 legte der inzwischen erkrankte Abbado schließlich sein Amt nieder.

Kostbare Box

Umso begeisterter wurde Abbado nach seinem Weggang gefeiert, wenn er jährlich als Gastdirigent nach Berlin zurückkehrte. So auch 2013, als Abbado – ein Jahr vor seinem Tod – sein letztes Ko...

Walter, Johann - Geystliches Gesangk Buchleyn

vor 2 Stunden 4 Minuten

Reformatorischer Urklang

Eine späte, aber umso schönere Frucht des Lutherjahres 2017: Johann Walters subtile Musik, hochkultiviert musiziert von Weser-Renaissance Bremen.

Johann Walter (1496-1570) wird gelegentlich als protestantischer Ur- oder Erzkantor bezeichnet: Als Idealform des Predigers in Tönen. Walter arbeitete eng mit Luther und anderen Reformatoren zusammen, wird also mit einigem Grund so genannt. Das beglaubigen etliche seiner bahnbrechenden Kompositionen und Sammlungen, zum Beispiel die 'Deutsche Messe' von 1525 und auch das 'Geystliche Gesangk Buchleyn' von 1524. All das trug zur Kodifizierung reformatorischen Bemühens bei, legte maßstäbliche Grundlagen. Vor allem das volkssprachliche Kirchenlied als genuin reformatorische Gattung gewann dank weiter Verbreitung durch Druck und vielfache Neuauflagen rasch an Einfluss – mit dem Ziel, breitere Schichten der Bevölkerung zu beteiligen, in allen Schichten für Verständnis zu sorgen, eben in Tönen verständlich zu predigen.

Im 'Geystlichen Gesangk Buchleyn' sind...

Yun, Isang - Violinkonzert Nr. 1 & Duetto concertante

vor 2 Stunden 4 Minuten

Eigener Kosmos

Isang Yuns hier versammelte Beiträge zum Instrumentalkonzert sind ebenso farbenreich wie komplex. Die Umsetzung ist schlichtweg großartig.

Nahezu unbeachtet verging auf dem Tonträgermarkt das Zentenarium Isang (auch I-Sang) Yuns – jenes koreanisch-deutschen Komponisten, der in den 1960er-Jahren als Kraft zwischen Nord- und Südkorea brisante politische Bedeutung erlangt hatte (1967-9 war er durch die Militärdiktatur in Seoul inhaftiert) und zu dessen stilistischem Ziel, so sein Opernlibrettist und Freund Harald Kunz, die ‚Entwicklung der koreanischen Musik durch die Mittel der westlichen Musik‘ gehörte. 1995 gestorben, war er seit 1971 naturalisierter Deutscher.

Zwei Konzertwerke in Kölner Produktionen des WDR und des Deutschlandfunks der 1980er-Jahre enthält die vorliegende CD, die einen wichtigen Stein zu Yungs Diskografie beisteuert. 1981 entstand Yuns Violinkonzert Nr. 1, die Studioproduktion mit Hansheinz Schneeberger und dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter Spiros Argiris entstand 1984, zwei Jah...

Oelze, Christiane singt - Lieder von Mendelssohn, Brahms und Schumann

vor 2 Stunden 4 Minuten

Im Dunstkreis des Kunstlieds

Aribert Reimann, ein herausragender Musikdramatiker, ist zeitgleich ein Liedpartner von Weltrang zahlreicher Sängerinnen und Sänger. Da verwundert auch eine kompositorische Auseinandersetzung mit dem Kunstlied nicht, wenn sie auch befremdet.

Mit dem Album ‚Aribert Reimann: Lieder‘ legen die Sopranistin Christiane Oelze und das Leipziger Streichquartett ein Portrait des Liedbearbeiters Reimann vor. Fast ist man dazu verführt, von einer Platte zu sprechen, auf der alles passen will. Doch die Anverwandlungen des hochgeschätzten Komponisten, der mittlerweile 81 Jahre alt und weiterhin tätig ist, vermögen bis auf eine nur schwerlich zu überzeugen. Da können die Sängerin und ihre vier Begleiter tun was sie wollen.

Das offenkundige Problem liegt bei der alten Schwierigkeit des Bearbeitens. Im Detail liegt der Grund für die entstehende Unruhe sicherlich im zwar reizvollen, aber nicht befriedigenden Wechselspiel zwischen Originalkomposition und eingreifendem Akt vonseiten Reimanns. Im Fall von '…oder soll es Tod bedeuten?' (Acht Lieder und ein Fragment nach Gedichten von Heinrich Heine für Sopran un...

Anima - Saxophonwerke von Arvo Pärt

vor 2 Stunden 4 Minuten

Intensiv

Das Alea Saxophone Quartet versammelt erstmals alle Werke Arvo Pärts dieser Quartett-Besetzung auf einer CD, raumgreifend und mit viel Verständnis für dessen einzigartige musikalische Sprache.

Feuer, Leidenschaft, Herzschmerz – all das und vieles mehr lässt sich im ersten Moment mit dem Saxophon assoziieren, doch stets sind starke Emotionen im Spiel. Der estnische Komponist Arvo Pärt (*1935) fand hingegen seinen ganz eigenen Zugang zu diesem Instrument, indem er es in sein eigenes Kompositionsprinzip, für das sich der Begriff ‚TintinnabulIi‘ (lat. für Glöckchen) eingebürgert hat, integrierte. Als Visionär einer modernen Klangsprache hat er seine ganz eigenen Vorstellungen von den Möglichkeiten, die das Saxophon bietet.

Gianpaolo Antongirolami und die restlichen Mitglieder des Alea Saxophone Quartets, Roberto Micarelli, Luca Mora und Gabriele Giampaoletti, versammeln auf der bei col-legno erschienen CD ‚Anima‘ sämtliche Werke Arvo Pärts, die es bislang für Saxophon-Quartett gibt. Den Grundstein für dieses Projekt legte der Ko...

Funeralissimo - Hommage an Trauermusiken für Violine, Cello und Akkordeon

vor 2 Stunden 4 Minuten

Überraschend lebendig

Matthias Well zeigt bereits auf seinem ersten Album, mit welcher Raffinesse und Leidenschaft er sich den Werken recht unterschiedlichen Musikkulturen widmet und dass der Tod nicht immer nur traurig sein muss.

Trauermusik hat einen festen Platz in der hiesigen Musikkultur, man denke nur an das Requiem, den Totenmarsch oder den Klagegesang. Dennoch wird eine Aufführung außerhalb ihres unmittelbaren Funktionsbereiches vernachlässigt, nur wenige große Musiker führen eine diverse Auswahl an Trauermusiken in ihrem Repertoire. Einer, der sich diesem Manko von Beginn an entgegenstellt, ist der junge Geiger Matthias Well, dessen erste Veröffentlichung ‚Funeralissimo‘ sich gleich 17 Werken dieser Art widmet.

Auf den ersten Blick mag es gewagt sein, ein Debüt mit Trauermusik zu gestalten. Doch warum eigentlich nicht? Dem Anlass entsprechend steckt in ihnen bereits eine große Emotionalität. Matthias Well hat darüber hinaus einen sehr persönlich Zugang zu dieser Musik, in die er mit jeder Note tiefer eintaucht. Bemerkenswert ist die Ernsthaftigkeit, mit der Well sich im Vo...

Odeh-Tamimi, Samir - Alif, Lámed und andere Werke

vor 2 Stunden 4 Minuten

Plastische Klangwucht

Eine empfehlenswerte Porträt-CD des Labels Kairos widmet sich der Musik des Komponisten Samir Odeh-Tamimi.

Seine Musik sei ‚ein Aufruf an das Hören, eine Form der intensiven Kommunikation‘: Mit diesen im Kern treffenden Worten charakterisiert Claudia Pérez Iñesta in ihrem Booklettext das Schaffen von Samir Odeh-Tamimi (*1970). Das Label Kairos widmet dem palästinensisch-israelischen Komponisten eine packende, aufnahmetechnisch hervorragende Porträt-CD, die, von Mitgliedern des Zafraan Ensembles gestaltet, vor allem Solowerke und klein besetzte Kammermusik enthält. Ausnahme ist – als Gravitationszentrum der Produktion wirkend – das phänomenale Ensemblestück 'Alif' (2015), in dem die instrumentalen Farben einander in Schichten durchdringen und die Stimme von Salome Kammer als zusätzliches Element hinzutritt. Unter Leitung des Dirigenten Manuel Nawri läuft das Ensemble hier zur Höchstform auf: Die einzelnen Klangstränge wachsen plastisch aus dem G...

Ein Leben in Liedern - Lieder von Richard Strauss

vor 2 Stunden 4 Minuten

Ein Herzensprojekt

Timothy Sharp gelingen wunderbar unaufgeregte Interpretationen unterschiedlichster Lieder von Richard Strauss.

Wahrscheinlich lässt sich die CD ‚Ein Leben in Liedern‘ von Bariton Timothy Sharp am besten unter der Überschrift ‚Herzensprojekt‘ zusammenfassen. Obwohl er an vielen renommierten internationalen Bühnen als Opernsänger Erfolge feiern durfte, ist ihm der Liedgesang ein Anliegen. Timothy Sharp gibt daher nicht nur regelmäßig Liederabende, sondern hat nun auch diese Zusammenstellung von Aufnahmen von Liedern aus der Feder Richard Strauss’ in ganz persönlicher Weise zusammengestellt, in einem Bookletttext kommentiert und außerdem per Crowdfunding realisiert.

Diese Voraussetzung bedeutet, dass die stimmliche Kunstfertigkeit nicht im Vordergrund des Projektes stehen muss, sondern dass Liedauswahl und die Interpretation höher zu bewerten sein können. Das ist gut so. Timothy Sharp gewinnt den Hörer nämlich nicht durch eine makellose, balsami...

Coke, Roger Sacheverell - Klavierkonzerte

vor 2 Stunden 4 Minuten

Rachmaninoffs Erbe

Auch wenn die Klavierkonzerte von Roger Sacheverell Coke (1912–1972) der Spätromantik eines Rachmaninoff verhaftet bleiben, erfahren sie hier eine höchst hörenswerte Interpretation.

Mit dieser 73. Folge der Reihe ‚The Romantic Piano Concerto‘ widmet sich Hyperion einem Komponisten, der selbst Spezialisten der Gattung unbekannt sein dürfte. Der Engländer Roger Sacheverell Coke, 1912 geboren und bereits 1972 kurz nach seinem 60. Geburtstag verstorben, taucht sogar in einer so umfassenden Enzyklopädie wie Hans Engels ‚Das Instrumentalkonzert‘ nicht auf, heute sind seine Werke praktisch komplett vergessen. Dabei komponierte Coke nicht weniger als sechs Klavierkonzerte, die zu seinen Lebzeiten erfolgreich aufgeführt wurden, wenn ihm auch nie ein echter kompositorischer Durchbruch gelang.

Ein Grund hierfür dürfte im Festhalten des Tondichters an einer spätromantischen Musiksprache zu suchen sein, die spätestens nach 1918 allgemein als veraltet galt. Deutlich hörbares Vorbild für die auf dieser CD versammelten Klavierkonzerte Nr.&n...

Schütz, Heinrich - Chorwerke (Die Gesamteinspielung - Box II)

vor 2 Stunden 4 Minuten

Gebührlich abgehen

(H)allejuja die Zweite: Die zweite Box der Schütz-Gesamteinspielung hält in mehrfacher Hinsicht das hohe Niveau.

Bereits 2016 wurden die ersten acht Teile der sukzessive bei Carus erscheinenden Gesamteinspielung der Werke von Heinrich Schütz in einer CD-Box zusammengefasst. Nun werden auch die zwischen 2014 und 2016 erschienenen Teile 9 bis 14 in einer zweiten Box veröffentlicht, die acht CDs umfasst. Als durchgehende Interpreten zeichnen erneut Hans-Christoph Rademann, der Dresdner Kammerchor und das Dresdner Barockorchester verantwortlich, während das gleichfalls hochqualitative Solistenensemble einerseits aus Konstanten wie Georg Poplutz (Tenor), Isabel Jantschek oder Stefan Kunath (Altus) besteht, daneben aber ebenso auf auf einzelne Stücke verteilten Gesangssolisten wie Dorothe Mields (Sopran) , David Erler (Altus) oder Felix Schwandtke (Bass). Doch auch bekannte Instrumentalisten wie Hille Perl oder Lee Santana sind vorzufinden.

Vorbildlich aufbereitet

Wie gewohnt fällt die Qua...

Beethoven, Ludwig van - Tripelkonzert & Klavierkonzert Nr. 3

vor 2 Stunden 4 Minuten

Zweiter Streich

Der Pianist Lars Vogt geht mit seinem Beethoven-Zyklus in die nächste Runde. Für das Tripelkonzert holt er sich die Tetzlaff-Geschwister mit ins Boot.

Lars Vogt ist einer der führenden Pianisten seiner Generation und darüber hinaus als Pädagoge, Festivalleiter und Dirigent erfolgreich. Bereits für die erste Folge seines neuen Zyklus sämtlicher Beethoven-Klavierkonzerte erntete er bereits viel Lob. Sein Ansatz: keine revolutionären Sichtweisen oder Rekordtempi. Vielmehr zeichnen sich seine Interpretationen durch Respekt aus. Die Auftakt-Einspielung beinhaltete die Klavierkonzerte Nr. 1 und 5, die von Vogt gemeinsam mit seinem Ensemble, der Royal Northern Sinfonia, gestaltet wurden. Auf der nun bei Ondine erschienenen zweiten Folge stehen sich das Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll op. 37 und das sogenannte Tripelkonzert für Klavier, Violine und Cello in C-Dur op. 56 gegenüber. Bei letzterem sind die Geschwister Tanja und Christian Tetzlaff Vogts musikalische Partner. Lars Vogt übernimmt auch auf dieser Folge wieder eine Doppelfunktion –...